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Der Israelit · 1930-03-20 · Heft 12 (20.3.1930) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 12 (20.3.1930)
Date
1930-03-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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20. März 1930 der Aufklärungsarbeit in nichtjüdischen Kreisen über die „Geheimnisse" unserer Sittengesetze und religiösen Vorschriften anerkannt und gemeinsam mit dem Zentralverein durchgeführt hätten Im zweiten Teile seines Referates behandelte Herr Dr. Holländer die Schächtfrage nach der tatsächlichen politischen und verfassungsrechtlichen Seite hin, um zum Schluffe die Schwierigkeiten zu erörtern, die sich für den orthodoxen Juden infolge der durch die Heilighaltung des Sabbats notwendigen Sonntagsarbeit ergeben. An die mit sichtlich gespanntester Aufmerksamkeit aufgenommenen Darlegungen schloß sich eine kurze Aussprache, in der insbesondere Herr Jacob R o s e n h e i m hervorhob, daß die Orthodoxie von jeher die. Entwicklung des Zentralvereins mit großer Aufmerksamkeit verfolgt habe und bestätigen müsse, daß der Zentralverein seit Jahrzehnten imstande sei, auch den Empfindlichsten die Möglichkeit der Zusammenarbeit zu bieten. Der Zentralverein habe immer den Standpunkt vertreten, daß in der Frage der Verteidigung der religiösen Tradition diejenigen maßgebend sein müßten, denen diese Tradition Herzens- und Ueberzeugungssache ist. So sei auch der Zentralverein durch die Zusammenarbeit mit Dr. Hirsch Hildesheimer, Rabb. Dr. Munk und anderen hervorragenden Persönlichkeiten streng orthodoxer Richtung auf diesen Gebieten immer in der richtigen Weise vorgegangen. Man müsse daher gerade aus den Kreisen der Orthodoxie den Zentralverein geistig und materiell viel mehr als bisher fördern. Reue Schändungen jüdischer kulksiätken. Berlin, 13. März. Aus L i ch t e n f e l s wird dem C. A. berichtet, daß Fremde, die am Donnerstag den 6. März die Gräber ihrer Angehörigen auf dem jüdischen Friedhof besuchen wollten, dort acht Grabsteine umgelegt vorfanden. Auch dort sind zwar Ltachforschungen angestellt, doch die Täter noch nicht ermittelt worden. In L a b i a u wurde in zwei verschiedenen Fällen der Zaun der Synagoge erheblich beschädigt. Das Holzgitter wurde aus den gemauerten Pfeilern herausgerissen und eine Reihe der schweren Pfeiler umgestoßen. Als Täter konnten der 18jährige Bürogehilfe Willi Rentei vom Arbeitsamt und der Schlosserlehrling Hasste, sowie der Elektrikerlehrling Pauleweit festgestellt werden. Die Tat erfolgte in beiden Nächten nach völkischen Versammlungen. Der Revolverheld, der am 15. Februar den Abendgottesdienst in der Synagoge in Hannover gestört hat, ist jetzt festgenommen worden; es ist der 21jährige Matrose Wüstner. Bei seiner Festnahme gab er an, daß er antisemitisch eingestellt sei und häufig national-., sozialistische Versammlungen besucht habe. Wüstner hat den Knall in dem Vorraum der Synagoge durch zwei Revolverschüsse verursacht. Vier Jugendliche haben ihm bei dieser Heldentat geholfen. In immer rascherer Folge mehren sich die Fälle, in denen Jugendliche, ja sogar Kinder, jüdische Friedhöfe und Synagogen schänden. Die Nationalsozialisten lehnen in solchen Fällen die Verantwortung für die Tat ab. und es ist häufig auch schwer, den unmittelbaren Zusammenhang festzusiellen. Es erhebt sich aber doch die Frage: weshalb lassen diese Kinder gerade ähren Uebermut an jüdischen Friedhöfen und Gotteshäusern aus? Doch 3um; mindesten, weil ihnen die Ehrfurcht vor diesen geweihten Stätten fehlt, die ihnen in Schule und Elternhaus ebenso gelehrt werden müßte, wie die vor den christlichen Heiligtümern. Wenn aber in völkischen Schülerbünden, Schülerzeitungen, in Anschlägen, Vorträgen und dergl. die Juden und die jüdische Religion als vogelfrei und bekämpfenswert hingestellt werden, dann sind auch diese Kreise moralisch verantwortlich für die Taten, die aus ihren Worten folgen. , Der Israelit Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat April! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Schomre Schabbos. Berlin, 18. März. Die Deutsche Landeszentrale des Weltverbandes Schomre Schabbos hat in Erkenntnis der Notwendigkeit, dem Zug zur Großstadt/ der erschreckende Formen angenommen hat und zur Proletarisierung jüdischer Massen führt, entgegenzuwirken, eine größere Aktion zur Ermittlung von Niederlassungsmöglichkeiten in der Provinz durchgeführt und ist in der Lage, eine ganze Fülle derartiger Möglichkeiten nachzuweisen. Für Aerzte, sowohl praktische Aerzte als auch besonders Spezialärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenleiden, für Frauenärzte und Chirurgen sind insbesondere ausgiebige Möglichkeiten zur Niederlassung und lohnender Existenz gegeben. Auch Zahnärzte und Augenärzte werden recht viel verlangt. Ebenso sind Rechtsanwälten manche Chancen gegeben. Betreffs der Handwerkerberufe sind Schneider, insbesondere gute und modern gerichtete Zuschneider in der Lage, sichere Existenz zu finden. Das Gleiche gilt für Schuhmacher, Polsterer, Sattler, Spengler (Flaschner) und Installateure. Ausführliche Auskünfte und Hinweise in allen Fällen erteilt das Sekretariat der Deutschen Landeszentrale des Weltverbandes Schomre Schabbos, Berlin NW. 40. Thomasiusstraße 7. Erneut abgelehnt. Karlsruhe, 13. März. Der Badische Landtag hat in seiner am 13. März abgehaltenen Sitzung den von der Fraktion der Nationalsozialisten erneut gestellten Antrag auf Erlaß eines Schächtverbots abgelehnt. Fortbildungskurs für israelitische Religionslehrer und Kantoren in Mannheim. Karlsruhe, 12. März. Der Oberrat der Israeliten Badens ladet sämtliche Religionslehrer und Kantören zur Teilnahme an dem Fortbildungskurs für israelitische Religionslehrer und Kantoren ein, der in diesem Jahre vom 21. bis 29. April in Mannheims; abgehalten wird. Das Programm, für das als Mittelpunkt das „Fest der Offenbarung" gewählt wurde, umfaßt Bibel (Dr. Unna), Talmud (Dr. Schlesinger-Köln). Midrasch (Dr. Lauer), Anleitung für homiletische Vorträge (Dr. Lauer), die 613 Gebote (Dr. Unna), Einführung in die Religionsphilosophie von Hermann Cohen (Dr. Ucko), Aus der Rechtsgeschichte der deutschen Juden (Dr. Landauer-Berlin), Aelteste Geschichte der deutschen Juden und Darstellungen neuerer Geschichtsepoche (Dr. Höxter), Küntorat (Adler), Lehrbarkeit der Religion (Liebermensch), Methodik (verschiedene Nr. 12. Seite 5 Referate mit Aussprache). Ferner ist ein Besuch des Instituts für Psychologie und Pädagogik in Aussicht genommen. Religionslehrer und Kantoren, die an den Kursen teilzunehmen wünschen, werden ersucht, sich ehestens durch Vermittlung ihres Synagogenrates und des zuständigen Nabbinats bei dem Oberrat anzumelden. Stellenvermittlung. Nürnberg, 16. März. Von der Bayrischen Rabbinerkonferenz werden wir gebeten, folgende Bitte aufzunehmen: In wenigen Wochen schließt das Schuljahr an den Volks- und Mittelschulen. Eine große Zahl von Jung lingen und Mädchen tritt ins Leben, um sich einem Beruf zu widmen. Zumeist ist es der kaufmännische Beruf. Hier und in anderen Berufen eine Stelle zu finden, in der es den jungen Leuten möglich ist, den Sabbat zu halten, ist unter den jetzigen wirtschaftlichen Verhältnissen außerordentlich schwierig. Es ist eine heilige Forderung des jüdisch-religiösen Gemeinschaftsgefühles, ja, sogar eine Ehrenpflicht, daß alle Geschäftsinhaber, deren Geschäfte oder Büros am Sabbat geschlossen sind, ihre offenen Lehrstellen nur solchen jungen. Leuten zur Verfügung stellen, die den Sabbat zu halten wünschen. Wir sprechen die herzliche und dringende Bitte aus, solche Stellen unter allen Umständen an sabbattreue Bewerber zu vergeben. Unsere Bitte geht aber auch weiter noch an die Chefs solcher Geschäfte, welche selber den Sabbat nicht halten zu können glauben, für den einen oder andern Bewerber den Eintritt in eine Lehrstelle unter Beachtung des Sabbats möglich zu machen und durch solches verdienstliches Entgegenkommen dis Förderung des uns allen heiligen Sabbats zu unterstützen. Wir bitten ebenso herzlich und dringend, auch dieser unserer Bitte sich nicht verschließen zu wollen. Einführung des passiven Frauenwahlrechts. — Austritt Dr. Alexander Spitzers aus der Gemeinde. Hamburg, 17. März. Die Einführung des passiven Frauenwahlrechtes zum Repräsentantenkollegium der Hamburger Gemeinde beschäftigte am 25. Februar in zweiter Lesung das Repräsentantenkollegium. Neue Gesichtspunkte wurden in der Debatte nicht geltend gemacht. Bemerkenswert ist lediglich, daß als von gesetzestreuer Seite geltend gemacht wurde, daß durch die Einführung des Frauenwahlrechts der Gemeindefrieden bedroht sei, der Sprecher der Liberalen entgegnete, dieses Gespenst schrecke die Liberalen nicht mehr. Die historische Entwicklung in der Hamburger Gemeinde habe gezeigt, daß dieOrthodoxie sich mit allen Maßnahmen der Gemeinde, gegen die sie Bedenken erhoben habe, abgefunden Hab e. Der Unterschied zwischen Orthodoxie und Liberalismus bestehe lediglich in dem Tempo der Entwicklung und die Orthodoxie müsse den Liberalen geradezu dankbar sein, daß sie ihr für diese Entwicklung als Schrittmacherin diene. In der Abstimmung wurde gegen die Stimmen der gesetzestreuen Vertreter, der Herren Ezechiel, Dr. Lanzkron, Offenburg, Schloß und Dr. Spitzer bei Stimmenthaltung der zwei Misrachisten Michaelis und Weiß berg mit allen Stimmen der Liberalen und der Stimme des Achduthvertreters Alexander Levy das passiv-' Frauenwahlrecht angenommen. Hierauf gab Dr. Spitzer folgende Erklärung ab: Die weise Vorsorge unserer Vorfahren war auf eine freudige und bedenkenfreie Mitarbeit aller Kreise in der Hamburger Gemeinde bedacht. Das diesem Ziele dienende Organisationsprinzip — als „Hamburger System" im Reich vielfach für vorbildlich gepriesen. — fand seinen sichtbarsten Ausdruck in der Schaffung der selbständigen, in ihrer Ver- Die krankender TaDgermiinder* Schokoladenfabrik nos bs ntw vertrieb durch die J. Anton. Alexander, Berlin NO. 18, Neu aufgenommen | )U£J Neu aulgenommen Alleinvertrieb durch die Firma;I|I. '-fl f ,W Ifc i;

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