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Der Israelit · 1930-03-20 · Heft 12 (20.3.1930) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 12 (20.3.1930)
Date
1930-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 12 Der Israelit 20. März 1930 Kunsthandlung Julius Giesse Am Opernplatz - Ecke Boekenh. Landstr. Das Fachgeschäft für vornehme Einrahmung Die Kunslhandlnng des guten Geschmacks und rapid anwachsende C h a s s r d r s m u s i nichts anderes, als eine Form der jüdischen Sammlung, des nie erstorbenen Organisations gedankens. Der Rabbi ist heute noch das feste Gefüge, die verkörperte Organisation, die orien tierende Mauer im Leben der Chassidim. So stark lebte der Gedanke nach Einheit und Sammlung im jüdischen Herzen, daß gleich nach dem Auszug aus dem Ghetto, kaum daß der Jude die erste Freiheit erworben hatte, die O r g a n i s a t i o n einsetzt. Die Emanzipation beginnt mit der Einberufung der Notablen v e r s a m m l u n 9 in Paris durch Napoleon und dem aus derselben hervorgegangenen S a n h e d r -i n, das von Napoleon als oberste Vertretung des Ge samtjudentums gedacht war. Wir weinen dieser Institution, die von kurzem Dasein war und we nig Spuren in de?' Geschichte hinterlassen hat keine Träne nach. Aber der Historiker kann an dieser Etappe, die das Ringen nach Organisation zeigt, nicht achtlos vorübergehen. Es hätte etwas Gutes daraus entstehen können, wenn das Ju dentum darauf vorbereitet gewesen wäre. So aber stellten sich Männer an die Spitze, die die Emanzipation in sich dadurch vollzogen hatten da sie sich vom Religionsgesetze emanzipiert hat ten, und denen mehr an einem zufriedenen Lä cheln Napoleons lag, als an einer Regelung der jüdischen Dinge in. Treue zur jüdischen Geschichte und zum Sinaigesetz. Diesen Pionieren der „neuen Zeit" konnten die wenigen Rabbinen unter Führung des trefflichen David Sinzheim kein merkliches Gegengewicht bieten. Unter einem bösen Omen — am Sabbat, der die meisten Mitglieder nicht hinderte, ihre Wahlzettel für das Präsidium zu schreiben — wurde die Notablen Versammlung geboren, und das S a n h e d r i n, das 12 Fragen zu beantworten hatte, machte sich mit seinem Gutachten in Sachen der Mischehe, das dem napoleonischen. Gesetze der Völkerverm-ischung eher entsprach, als dem Gesetze der jüdischen Familienreinheit, in. den Kreisen des Thorajuidentums für alle Zeiten unmöglich. Die Kurzlebigkeit dieses Sanhedrin von Napoleons Gnaden verhütete größeres Unheil. Aber Reste und Splitter dieser Einrichtung sind in. den Konsistorien und Oberräten in einigen süddeutschen Landen geblieben. Im jüdischen Liberalismus Deutschlanids blieb der OrganisationsgL'- danke ein integrierender- Bestandteil seines We fens undr7 Strebend ' Organisierung! >bis zst? Z w a n g sö'k'g'Tn i f aPro n, Äar^öas^ JLM das' den LibödaÜ8mü^'^is zur.MeHMkwyüHeseeltL und heütiSjMit'dem.Gedankett-des „ReickjSverbandes riiödj1 'irttrner - von nettem, 'äufleuchtet.' Mancher nützliche Zkbeckverband..ist äus' di^sen Organisationsbestrebungen hervv?gegängen, den wir heute 'nicht missen können, wie beispielsweise der Zentral verein, der, unter Verzicht auf ideologische Festlegungen, den politischen Rechtsschutz der Juden und den Kampf gegen den Antisemitismus übernommen hat Und' mit größter Energie durchführt. Im Ganzen gingen wir Gesetzestreuen bei all diesen neue i e n Organisationsbestrebungen lange Zeit leer aus. Das Banner ist die Thora, sagte man sich, wozu Organisation? Allein, in einer Zeit, da sich alles sammelt und verbündet, von den gewerkschaftlichen Betrieben bis zu den Regierungen nur^ mit Organisationen, und ihren Spitzen verhandelt wird, in einer solchen Zeit der Sammlung stand das Volk der Gesetzestreuen ohne Führer und ohne Forum, ohne Vertreter, und Fremde, ungerufene Vormünder traten in unserem Namen, im Namen der Religion, der sie für ihre Person längst den Rücken gekehrt' hatten, auf. Dolmetsch der jüdischen Seele konnten diese Männer niemals sein. Das jüdische Herz, das oft genug getroffen wurde, blieb stumm. Aus diesen Nöten und Erwägungen heraus wurde die A g u das I i s r o e l - W e l t o r g a n i s a t i o n ins Leben gerufen. (Schluß folgt.) Vor der Eröffnung der Welkjeschiwah in Lublin. Nach dem Beschluß des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel auf der II. Keneffio Gedaulo soll die feierliche Eröffnung der Weltjeschiwah in Lublin am 16. Jjar (14. Mai) ds 3s. stattfinden Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, daß dieser Zeitpunkt, der Jahrzeitstag des Maharam Lublin aller Voraussicht nach wird eingehalten werden können. Man verspricht sich allerseits von der Welt jeschiwah eine religiöse Renaissance des polnischen und darüber hinaus des gesamten europäischen Judentums. So haben auch bereits alle bedeu tenden Thorafürsten ihr Interesse an diesem Er eignis durch Zusage ihres persönlichen Erscheinens bekuttdet. Über den Stand der Vorarbeiten in Lublin äußerte sich der Pietrkower Raw, Oberabbiner Meier Schapiro, gegenüber einem Berichterstatter des „Lubliner Tageblatt vor einigen Tagen aus jährlich. Wir entnehmen dieser Darstellung folgende interessante Einzelheiten. Pessach wird der Bäu s. G. w. vollendet sein Es beginnt sodann die Inneneinrichtung und Möbelausstattung. Man rechnet zunächst mit einer Belegung von 120 Schülern und läßt die hier für nicht benötigten Räume bis zu einer Stei gerung des Besuches frei. Die Jeschiwah, ein monumentaler Bau von 6 Stockwerken, ist für eine weitere höhere Frequenz berechnet. Man will eine stetige Entwicklung von mäßigen Anfängen aus vorziehen. Dieser Grundsatz der verantwortungsbewußten Arbeit prägt sich in allen Einzelheiten aus. Schon bei der Werbung wurde auf aufgebauschte Pläne verzichtet. Was der Pietrkower Raw damals darlegte, ist nun Tatsache geworden. Daß man anderwärts andre Methoden gewohnt ist, zeigt folgende Episode: Der Rabbiner von Pittsburg (Amerika) schreibt nach seinem Besuch in Lublin: „Ich bin offen gesagt sehr erstaunt. Der Pietrkower Raw prach von 100 Zimmern und siehe, ich fand 100 Zimmer!" Amerika wäre nämlich bei 100 Zimmern in der Rede mit 10 Zimmern in der Wirklichkeit zufrieden gewesen . . . Doch die Lubliner Jeschiwah ist mit Wahrijeit und Verantwortung gebaut! Auch bei der Wahl der 120 Hörer ist peinliche Sorgfalt exstes Prinzip. Und das will hier etwas heißen. Liegen doch' ' allein aus 'Polen bereits p00 Meldungen vor aMer den au^ anderettMän- ÄeM. (Deutschland, England, Österreich, Arnerika, Tschechoslowakei, Ungarn, -Rumänien u.fiou); Eist PrüfunMäusschuß beeist Hie betreffendest Städte ist^ prüft alle'KandidateN eingehend. Nebett d.en LrsM^ILO^DHiÜlexst^Her^en fchM jetzt weitere entsprechend jüngere für den zweiten Jahrgang ausgewählt. Das Aufnahmealter ist 14-20 Jahre. Die Leitung der Jeschiwah wird der Pietrkower Raw, dessen pädagogische Begabung bekannt ist, zunächst persönlich übernehmen, und zwar unter Mitwirkung einiger bedeutender Rabbiner. Im Laufe der ersten Jahre erwartet man das Kommen des Rogazower Gaons, Raw Josef Rosen, bekannt unter dem Namen „Raw Josze Düneburger! Die gesamte rabbinische Welt anerkennt Josef Rosen als die bedeutendste Thoraautorität. Seines Alters wegen wird der Gaon uns einmal wöchentlich einen engeren Schiur lernen. Die Finanzierung der Jeschiwah soll, wie der Pietrkower Räw weiter erklärt, aus dem laufenden Erlös von 100000 Büchsen (täglicher Einwurf polnischer Groschen) und durch Stipendien einzelner Gemeinden für die Schüler ihrer Stadt erfolgen, über die Gesamteinnahmen und Ausgaben für den Bau und die Einrichtung der Jeschiwah wird ein Bericht ausgearbeitet, der nach der Eröffnung veröffentlicht werden soll. Die schnelle Verwurzlung des Gedankens der „Weltjeschiwah" in den jüdischen Massen zeigt die Entwicklung der angegliederten „Weltbibliothek". Schon jetzt zählt die Bibliothek mehr als 10000 Bände, darunter 4000 Einzelexemplare. Sie wird durch die verschiedensten Zuwendungen, wie testamentarische Verfügung etc., ständig vergrößert. So hat ein amerikanischer Rabbiner, Raw'Benjamin Gut, 4000 Bände übersandt und für : die Jnständhaltung dieser Bücher Dollar 1000 hinzugefügt! Eine der interessantesten Einzelheiten des Ieschiwahbaus ist das Modell des Beth Hamikdafch, das nach neuerlicher Prüfung in allen Proportionen den talmudifchen Vorschriften entspricht. Während der Eröffnung wird die Besichtigung dieses Modells allein einen vollen Tag in Anspruch nehmen. Man erwartet mindestens 100000 Gäste aus dem In- und Ausland. Der Schöpfer des grqndiofen Werkes, Raw Meier Schapiro, ist mit seinem Lebensideal soweit verwachsen, daß er den Gedanken erwägt, sich auf die Jeschiwah zu konzentrieren und das Rabbineramt evtl, zu suspendieren. Wir hoffen. Laß es dem genialen Manne gelingen möge, die vollendete Form mit blutvollem Leben zu erfüllen und so dem schwer geprüften polnischen Judentum einen Lichtblick auf eine bessere Zukunft zu schaffen. .. Korrespondenzen « ßaebriebten. Deutsches Reich. Befreiung der Dienstwohnungen der Geistlichen und Kirchendiener von der Hauszinssteuer. Frankfurt a. M., 14. März. Das preußische Oberoerwaltungsgericht hat gegen eine Rechtsbeschwerde der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschast wegen Veranlagung zur Hauszinssteuer neuerdings entschieden, daß eine Freitellung von Dienstwohnungen der Rabbiner von der Hauszinssteuer nicht in Betracht kommen kann, weil jüdische Kultusbeamte nicht zu den Geistlichen und Kirchendienern im Sinne des Kommunalabgabengesetzes gehören. Die Ansicht der Beschwerdeführerin, wonach durch die Verfassung des Deutschen Reiches eine Gleichstellung der jüdischen Geistlichen mit denen der anderen. Konzessionen herbeigeführt worden sei, hat das.Oberverwaltungsgericht als unzutreffend^.zurückgewiesen, Mil die Verfassung kein materielles Recht schaffe if.pb sie unmöglich irgendwelche Steuerprivilegien, ''dr^ einzelnes Ländern für "gewisse religiöse GeseÜfchäften gelten, aüsi düs 'ganze Reich ausgedehnt wordechfeillft^Den. Nmh dieser Entscheidung ... des L)öer?^miak^^tzgeerkannten Religionsgesellschaften vor, 'auf li'Oten Abstellung die Gesetzgebung im Geiste der Reichsversassung so rasch wie möglich bedacht sein müßte. 'Der ZenWlverein im Abwehrkampfe. . granffurt a. 9®:.,. 16. pära. Auf Einladung führender. Mitglieder der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" Frankfurt am Main sprach der Direktor des Zentralvereinß, Herr Dr. Ludwig H o l,l än b:e r - Berlin ach Dienstag, den 11. März' tm” kleinen Festsaal des Hotels „Frankfurter Hof" liber die Angriffe gegen die Grundlägen der jüdichen Religion, die an den Lebensnerv gerade der Geetzestreuen unter den deutschen Juden rühren. Der Redner behandelte eingehend die Tätigkeit des Zenträlvereins bei der Abwehr der gehässigen Verleumdungen gegen Thora, Talmud/ Schülchan aruch und das gesamte jüdische Schrifttum uni» wies an der Geschichte des'Zentralvereins' nach, wie Männer von' der Bedeutung David Hoffmanns, Hirsch Hildesheimers, Esra Munks, Michael Guttmanns und viele andere die Notwendigkeit

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