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Der Israelit · 1930-03-06 · Heft 10 (6.3.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 10 (6.3.1930)
Date
1930-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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6. Mörz 1930 Das Jugendheim der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Berlin (Sophienstraße 6, Aufgang 9), steht den Mitgliedern und Freunden auch außerhalb der Veranstaltungen besonders an den Abenden zur Verfügung. Im Klub raum liegen jüdische und deutsche Zeitungen und Zeitschriften sowie Bücher auf. Das Schiurzimmer erhält eine Lernbibliothek. — Kurzum — die Berliner Agudojugend lebt! Münchener Brief. München, 2. März. Wie die hiesigen Zeitungen berichten, wurde im Bayerischen Landtage einmal wieder die Genehmigung zur Durchführung eines Strafverfahrens gegen den 'berüchtigten Nationalsozialisten Streicher, und zwar einstimmig, erteilt. Es handelt sich dieses Mal um eine Anzeige wegen Betrug und Betrugsversuch, die von seinen eigenen Spießgesellen ausgeht, und in diesem Falle, wo es sich nicht um Beschimpfung einer Religion, sondern um Geld und Geldeswert handelt, hält auch der Staatsanwalt ein Eingreifen für erforderlich. Hoffentlich wird dem sauberen Patron bei dieser Gelegenheit endlich einmal das Handwerk gelegt. Die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung", die unter neuer Schristleitung in ihrem literarischen Teil zum Tummelplätze für Forschungen auf dem Gebiete der vergleichenden Religionswissenschaft zu werden scheint, bei der man allerdings etwas mehr Rücksicht auf gewisse berechtigte Empfindlichkeiten nehmen sollte, bringt einen ausführlichen Bericht über die Etatsberatung der Kultusgemeinde. Der Etat schließt mit einem Gesamtbeträge von Mk. 646.320 ab gegen Mk. 771.480 im Borjahre, der Umlagensatz wird wieder mit 10 Proz. festgesetzt. In dem geringeren Betrage kommt die allgemeine Schwierigkeit der Lage und die verringerten Erträge der Gemeindeumlage zum Ausdruck, der auf allen Ge- _ DerJsraelit_ bieten zur Sparsamkeit zwingt. Eine lebhafte Debatte entspann sich über die Forderung des Vereins „Ohel Jakob", der bekanntlich die hiesige jüdische Volksschule erhält, und der Antrag auf Bewilligung von Mk. 15.000 stellte. Die liberale Partei, die eine Erhöhung des vorjährigen Zuschusses von Mk. 7500 verweigerte, ließ ihren Standpunkt" von zwei nationaldeutschen Rechtsanwälten (Naumannscher Färbung) vertreten, die wie üblich, Gewissensbedenken hatten für eine Konfessionsschule Gelder zu bewilligen. Wenn sie nach ihrer politischen demokratischen Einstellung, die Religion als Pribatsache und die Konfessionsschule für verderblich halten, so sollten sie lieber die Konsequenzen daraus ziehen, und sich der Mitarbeit an religiösen Dingen vollständig enthalten. In einem Teile der liberalen Fraktion scheint allerdings der Gedanke erwogen zu werden, die jüdische Volksschule ganz auf die Gemeinde zu übernehmen, was für diese wohl kaum ein Vorteil sein würde, aber die Majorität dieser Partei lehnt auch diesen Gedanken noch vollständig ab, und da die Partei stets Fraktionszwang für ihre Beschlüsse erklärt, so sind auch diejenigen Liberalen gezwungen, gegen die Schule zu stimmen, die im Herzen noch dafür sind. Der erste Vorsitzende der Gemeinde, von dessen Geneigtheit, auch unseren Wünschen zu entsprechen wir hinreichende Beweise haben, griff gegen seine Gewohnheit anscheinend gar nicht in die Debatte ein, und der zweite Vorsitzende, der auch Referent für den Etat und nach seinem persönlichen Standpunkte unzweifelhaft Anhänger der Schule und der konservativen Richtung ist, hatte in dem Bestreben, bei keinen« Teile anzustoßen, natürlich einen schweren Stand. Er trat natürlich für die Bewilligung der geforderten Summe ein, konnte sie aber nicht durchsetzen, obwohl er den ganz formalistischen Einwand des Gegners, daß nämlich genau festgestellt sei, was der Orthodoxie zu bewilligen sei, sehr richtig damit zurückwies, daß zur Zeit Nr. 10 Seite 7 des Vertragsschlusses die jüdische Schule noch gar nicht bestanden habe, sie also auch nicht in diesem Vertrag erwähnt sein könne. Es sei noch bemerkt, daß unsere Schule sich in ausgezeichneter Entwicklung befindet, da sie von 140 Schülern besucht wird, von denen 55, aZo mehr als ein Drittel, aus indifferenten oder liberalen Kreisen stammen, und daß es sehr erwünscht wäre, wenn man die Schule weiter ausbauen könnte, was allerdings unter den heutigen Verhältnissen kaum möglich erscheint. Doch ist von der Tatkraft des unermüdlichen Pfleger^ der Schule zu erhoffen, daß er Mittel und Wege finden wird, den Wirkungskreis der Schule zu erweitern, wozu bedeutungsvolle Anfänge im Werke sind. Von der Gemeinde „Ohel Jakob" aber dürfen wir mit Zuversicht erwarten, daß sie trotz aller Widerstände ihre Schule erhalten und fördern wird, und daß sie bei den nächsten Gemeindewahlen von schwächlichen Kompromissen absehe, und sich dafür des Wortes erinnere: „Mikerew achecho tossim olecho melech". England. Palästina-Aussprache im Unterhaus. London, 25. Febr. Im Verlauf der Debatte über die von der Regierung verlangte Nachtragsbewilligung zum Colonial Development Fund erklärte der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond S h i e l s,. daß die parlamentarische Untersuchungskommission für Palästina mehrere Gegenden Palästinas aufgesucht hat, darunter Gebiete, in denen die Unruhen heftig gewesen waren, schließlich auch Transjordanien. Die Kommis' sion ist noch mitten in ihrer Arbeit und sie macht ihre Arbeit gut. Es ist noch nicht an der Zeit, eine Politik im Zusammenhang mit dieser Arbeit zu erwägen. 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