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Der Israelit · 1930-03-06 · Heft 10 (6.3.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 10 (6.3.1930)
Date
1930-03-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seile 6 Nr. .10. De r Israelit 6. März-1930 Lassen Sie Ihre UHREN bei Neeser-LAPP, Altegasse 2 reparieren. Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. fentcmten-Verfammlung verlangten Angaben bekannt sein werden. So viel aber läßt sich heute schon sagen: jene dem Konto der Volkspartei gutgebrachten Mar? 4.600.000 entstammen einer bewußten oder unbewußten Fehlbuchung! * * * Gänzlich unannehmbar erscheint der im Voranschlag vorgesehene Wegfall der Dotierung des Erneuerungsfonds. Dieser Fonds wurde in 1924 geschaffen, als das Vermögen der Stiftungen in Höhe von 20 Millionen Mark verschwunden war, während gleichzeitig die Anleiheschuld der Gemeinde, die 13 Millionen betrug, in Wegfall gekommen war. Man betrachtete es als eine Ehrenpflicht der Gemeinde, diesen Fonds allmählich wieder herzustellen; so schuf man eine Position von Mark 600.000 (3% von 20 Millionen), die in die Etats von 1924 und 1925 eingesetzt, aber 1926 auf Mk. 300.000 vermindert wurde und seitdem ständig in dieser Höhe erschien. Es wird Aufgabe der Versammlung sein, den Etat erst nach Wiederherstellung dieser Position zu genehmigen. In der Einleitung zum Etat macht der Gemeindevorstand so im Vorbeigehen auch Mitteilung davon, daß er, um den Kontakt zwischen Verwaltung und Gemeindemitgliedern enger zu gestalten, etwa 360 Bezirks Vorsteher zu ernennen gedenke. Es sei unverständlich, daß der Vorstand glaube, eine solche in die Struktur der Gemeinde tief eingreifende, auch mit Kosten verbundene Einrichtung schaffen zu können, ohne die Repräsentanten um ihre Zustimmung zu begrüßen; der Redner glaubt im Namen der Mehrheit zu sprechen, wenn er dagegen Protest einlege. Auf die Einführungsrede des Herrn Kareski zurückkommend. bedauert der Redner, daß in dieser die jüdischreligiöse Note völlig gefehlt habe. Jugend- und Ledigen- Heime, Sportplätze, Sorge für Arbeitslose usf. sind alles Dinge, für die man auch in nichtjüdischen Kreisen eintrete. Auch wir begrüßen die Schaffung entsprechender Einrichtungen, aber wir möchten dabei, und stärker betont, auch von spezifisch jüdischen Wünschen und Sorgen etwas hören. Warum werde hier nicht von jenem Teil der Arbeitslosen gesprochen, die am stärksten leiden, von denen, die den Sabbat heiligen und die daher am schwersten Stellung finden? Die Gemeinde hat ein Stiftungshaus, dank besonderer Umstände, zu einem sehr hohen Preise verkauft; der Herr Gemeindevorsitzende will den Erlös für das von ihm geplante Ledigenheim verwenden. Aber jene Stiftung war für „ L i m m u d H a t h a u r o h " öestimmt; wäre es da nicht richtiger, den Intentionen des Stifters zu entsprechen und ein der großen Berliner Gemeinde würdiges Beth Hamidrasch zu errichten? Wie stehe es endlich mit der Erfüllung der Wünsche, die von der konservativen Richtung, zumeist mit Zustimmung der Mehrheit der Repräsentanten-Versammlung, seit Jahr und Tag gefordert werde? Die Schaffung eines A l m e m o r s für die Alte Synagoge, von der Versammlung vor zwei Jahren einstimmig beschlossen, werde unter nichtigen Vorwänden immer wieder hinausgeschoben. Von der Errichtung einer konservativen Volksschule, als Ersatz für die aufgehobene Schule in der Linienstraße, sei keine Rede mehr. Ganz unverantwortlich sei die Verzögerung des Baues der Synagoge Klop stock st raße. In feierlichster Weise wurde seinerzeit beschlossen, daß die Synagogen Prinzregenten- und Klopstockstraße gleichzeitig gebaut werden sollte. Die erstere stehe vor der Einweihung: für den Bau der letzteren rühre sich noch keine Hand! Schuld an dieser unterschiedlichen Behandlung trage einzig und allein die Volkspartei bezw. ihr Führer, Herr Kareski. Die Gründe, die Herr Kareski anführt, tragen das Motto: oariatio delectat, der Wechsel ergötzt! Im Herbst v. I. war es angeblich der Umstand, daß man den letzten Mieter nicht hinausbekommen konnte; einige Wochen später fehlte noch die Bauerlaubnis und jetzt hören wir von dem Herrn Gemeindeoorsitzenden, das sei alles nicht der wahre Grund gewesen, sondern Kassenschwierigkeiten hätten bisher den Beginn des Baues verhindert! Das behaupte Herr Kareski in der gleichen Rede, in der er mitteilte, daß es ihm gelungen sei, eine Million Mark, die ursprünglich auf dem Anleihewege gedeckt werden sollte, aus laufenden Mitteln bereit zu stellen. Es genüge, statt jeder Kritik diese Gründe nebeneinander zu reihen, um auch dem schwächsten Auge klar zu machen, was es mit der Behauptung der Volkspartei, sie sei die eigentliche Vertreterin der konservativen Interessen, auf sich habe. Der Redner appelliert an die Mehrheit des Hauses, den Konservativen zu ihrem Rechte zu verhelfen. Herr R o s e n t h a l (lib.) hält im Gegensatz zu Herrn Dr. Weiße Trennung der Kultusausschüsse für das einzige Mittel, um den Frieden in der Gemeinde aufrecht zu erhalten. In Gewissensfragen kann nicht durch Majoritätsbeschlüsse. entschieden werden. Der von Herrn Loeb an dem Etat geübten Kritik müsse er in fast allen Punkten zustimmen. Die Millionen-Ueberschüsse insbesondere, mit denen die Volkspartei heute prunke, seien das Werk der früheren Verwaltung. Die Dotierung des Stiftungsfonds dürfe in keinem Falle unterbleiben. Ebenso müsse der Vorstand, vor Genehmigung des Etats, die fehlenden Angaben über das Vermögen der Gemeinde, Ausgaben für Bauten ufw. nachliefern. Redner geißelt noch die zionistische Personalpolitik des Vorstandes; ohne zionistisches Parteibuch sei die Aussicht auf Anstellung bei der Gemeinde verschwindend gering. Herr W a l d m a n n (zion.) ist Gegner der getrennten Kultus-Ausschüsse, die nicht für alle passen; so z. B. fei er, Redner, liberal-konservativ. Die Abwehrtätigkeit müsse, wie dies bereits die Herren Kareski und Klee angedsutet hätten, auf die Gemeinden übergehen, da die Tätigkeit des C. V." sich als vollkommen unzureichend erwiesen habe. Schlimmstenfalls müsse das deutsche Judentum zur „ Weltselbsthilfe" schreiten, d. h. die Hilfe der ausländischen Juden, z. B. des „Foreign Committee" verlangen. (Lebhafte Proteste aus der Mitte und auf der Linken zeigen, daß der Redner mit dieser Anschauung ziemlich allein steht.) Herr Markus (lib.) vermißt in dem Etat wie in der Tätigkeit des Vorstandes jegliche Fürsorge für den Mittelstand. Die Darlehenskasse wirke segensreich: wie die vom Redner verlesenen Ziffern zeigen, seien die eingetretenen Verluste sehr gering. Die Kasse müsse aber von der Gemeinde mit einem weit größeren Kapital ausgestattet werden, wenn sie ihre Aufgabe ausreichend erfüllen soll. Herr Dr. Klee (zion.) geht in längerer Rede nochmals auf die in der vorigen Sitzung von ihm behandelten Punkte ein und nimmt ausführlich gegen den „C. V." Stellung. Für die Schaffung eines Beth Hamidrasch, wie es Herr Loeb angeregt habe, würden auch seine Freunde gern eintreten. Dagegen sei es sehr zweifelhaft, ob man im Hansaviertel noch eine konservative Gemeindesynagoge brauche, nachdem doch die „Adath Israel" eine Synagoge im Siegmundshof errichtet habe. Um Mitternacht gelangt ein Vertagungsantrag zur Annahme: die Generaldebatte zum Etat wird daher abgebrochen und die Versammlung geht zu einer nichtöffentlichen Sitzung über. Die Ablehnung des Schächlverboks in Baden. Berlin. 28. Febr. Der Rechtspflegeausschuß des badischen Landtags hat — wie bereits mitgeteilt wird — den nationalsozialistischen Antrag aus Verbot des Schächtens der Schlachttiere mit den Stimmen des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Demokraten gegen die Stimmen der Antragsteller und der Bauernpartei bei Stimmenthaltung der Deutschen Volkspartei abgelehnt. Berichterstatter des Ausschusses war Abg. Kühn (Zentr.). Begründer des Antrags war der Nationalsozialist Kraft. In der sehr lebhaften Aussprache brachten die Vertreter der Sozialdemokratie und des Zentrums zum Ausdrucks daß ihre Fraktionen in dem Antrag antisemitische Tendenzen und Beschränkung der religiösen Freiheit erblicken. Die Meinungen darüber, ob das Schächten Tierquälerei fei, gingen unter den Sachverständigen auseinander. Auch die deutsche Militärverwaltung habe vor dem Kriege für die Herstellung der Konserven das Schächten der Tiere gefordert. Die Berliner Agudojugend schafft sich ein eigenes Jugendheim. Berlin, 28. Febr. Zu einem vielbeachteten Ereignis des orthodoxen Lebens in Berlin gestaltete sich die Einweihungsfeier des Jugendheimes der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Berlin. Mit Hilfe großzügiger Spender ist es hier jungen Menschen gelungen, ein Haus zu schaffen, das einen Vergleich mit ähnlichen Institutionen nicht zu scheuen hat. Großstädtisch in seiner Anlage wirkt es in seinen Einzelheiten doch wieder jüdisch-verinnerlichend und ist so eine vorbildliche Stätte jüdischer Jugendarbeit. 1 Als Rabbiner Dr. Munk die Feier mit einem Chinuchlernen eröffnete, war ein zahlreiches Publikum versammelt. Neben Agudaorganisationen und Institutionen — man sah u. a. den Direktor der Keren Hathora-Weltzentrale, Herrn Dr. Leo Deutschländer — hatten mehrere jüdische Vereinigungen Berlins Vertreter entsandt, so der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Vereinigung jüdischer Akademiker Berlin, der Jüdische Jugendbund Csra u. a. m. Herr Rabbiner Dr. Munk beglückwünschte im Anschluß an eine Talmudstelle die Agudojugend zu ihrem Eigenheim. Das Festgegründete genießt im jüdischen Gesetz eine Vorrangstellung, es durchbricht sogar den eisernen Grundsatz der Mehrheit. Gestützt auf ihren festen Sitz könne nun auch die Agudojugend den Gefahren einer Massenethik trotzen. Mit einem Dankwort an den Redner eröffnete der Gruppenoorsiende, Herr Artur Weichselbaum, die Reihe der Begrüßungsreden. Er dankte insbesondere Len Helfern am Werk, den freundlichen Sachspendern und der tatkräftigen Jugend. Der Ehrenvorsitzende, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, sprach, stürmisch begrüßt, von den Erfahrungen seiner Afrikareise. Neben vielen erfreulichen Berichten über, das jüdische Leben konnte er nicht verschweigen, daß die jüdische Jugenderziehung in Afrika sehr im Argen liegt. Die deutsche Jugend könne ihr Glück gar nicht genug schätzen, daß ihr bei allen Nöten der Zeit jüdisches Lehrgut nicht vorenthalten bliebe. Der Redner ergänzte seine Ausführungen durch weitere interessante Berichte über Afrika. An diesen Ausblick auf das jüdische Weltgeschehen schloß sich der weitgereiste Herr Wolf S. Jacobson-Hamburg an. Er brachte die Grüße der gesamten Agudas Jisroel. Die Berliner.Ortsgruppe ließ durch Herrn Jakob Levy ihrer Freude Ausdruck verleihen, daß die Jugend sich bei allem Eigenleben stets als Glied der Gesamtbewegung fühle. Ihm folgte Herr Rabbiner Dr. Hartwig Carlebach mit einer Schilderung der schwierigen Jugenderziehung in der Großstadt. Das Jugendheim sei hier zu einem wichtigen Faktor berufen. Im Schlußwort zeichnete Rabbiner Dr. Eli Munk die einzigartige Struktur der Agudas Jisroel. Die Krönung durch den Rabbinischen Rat sei die Losung aller Agudoarbeit. Auch das Berliner Jugendheim solle zur Devise haben: Die Thora und ihre Träger voran! Die Bekenner dieses Wahlspruches seien herzlichst im Heim willkommen. Nach dieser eindrucksvollen Feier blieb die Jugend noch lange in fesllicher Stimmung beisammen. Man verließ die gastliche Stätte allgemein mit dem Bewußt-; sein: Hier hat ein neuer Aufschwung jüdischen Jugendlebens begonnen. Durch ein vielseitiges Programm ist für alle Formen der zukünftigen Heimarbeit gesorgt. Neben Vortragsabenden (gemeinsam mit der Ortsgruppe) und Aussprachezyklen über jüdische Gegenwartsfragen wird besonders der kaufmännischen Jugend durch wertvolle handelswisfenschaftliche Aussprachen berufliche Förderung geboten. Ueber allem wird jüdische Geselligkeit nicht vergessen: an Freitag- und Rausch-Chaudesch-Abenden kommt die Jugend auch in dieser Hinsicht zu ihrem Recht. Doctienkalender. v. 8.—15. MLrz 1930 ' o. 8—15 Adar 6690 Samstag - 8 8 •vor 's nmift Sonntag 9 9 Montag 10 10 vienstag § 11 ms 11 Mittwoch i 12 12 Donnerstag 13 13 •wo« n'yrn Freitag 14 14 Samstag 15 15 v'iis «n

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