Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-03-06 · Heft 10 (6.3.1930) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 10 (6.3.1930)
Date
1930-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450610--76758-2534352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

6. März 1930 Der I s r a e l i t Nr. 10 Seile 5 Tiere entrissenen'nnp.ha« verboten; seinem Priestervolke jedoch auch den Genuß alles dessen, das sein Leben nicht in der Hand menschlichen Willens, sondern menschlicher, wenn auch „schmerzloser" Gewalt gegeben. Wer von uns die gewaltsame Tierbetäubung vor dem Schächtschnitt verlangt, beraubt die Welt des Priestertums des Gottes des freien Willens und spielt sie in die Nacht der Priester des Verendens und Röchelns, eine Macht, die aller Hohn der Fortschrittler nicht bricht, die erst dem Willen der Gottesdiener weichen wird. (Schluß folgt.) Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Freie Vereinigung für die Jntereffen des orthodoxen Judentums e. V. Frankfurt a. M., 5. März. Am Sonntag, den 9. März, nachm. 4 Uhr, findet im Hörsaal Friedbergeranläge 5/6 ein Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" statt, auf den auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht wird. Die Beratungen und Beschlüsse des Vereinstages werden für die künftige Entwicklung der Organisation von maßgebender Bedeutung sein. Repräsentantensitzung. Berlin, 2. März. Die vorwöchentliche' Sitzung war, neben der raschen Erledigung einiger kleiner Vorlagen, gänzlich der Fortsetzung der Etatdebatte gewidmet. In der vorhergehenden Sitzung — 30. Januar 1930 — war außer in der Einführungsrede des Gemeindevorsitzenden Küreski, vom Etat kaum die Rede gewesen. Die Herren Stern (lib.) und Klee (zion.), die damals für ihre Parteien zu Wort kamen, erörterten in der Hauptsache Weltanschauungsfragen, ohne in eine Behandlung der Finanzfragen einzutreten. Auch der erste Redner aus der Sitzung vom letzten Donnerstag, Herr Dr. Weiße (Mittelp), erklärte eingangs seiner Ausführungen, daß er auf finanzielle Erörterungen verzichten müsse. Dr. Weiße betonte die wachsende jüdische Mot: In Bayern ein Sch ächtverbot, in Thüringen ein Kultusminister von Hitlers Gnaden; in Sora je trußl an ö: ein Glaubens- und Gewissenszwang ganz unerhörter Art; das alles seien Momente, die mahnten, innerjüdische Streitigkeiten zurückzustellen. Gegenüber den von liberaler Seite wieder vorgebrachten Wünschen näch getrennten Kultusausschüs- 1 e n — Wünsche, die die konservative Richtung, teilt Derhalte sich die Mittelpartei vollkommen ablehnend. Die Erfüllung dieses Wunsches würde nur . zu einer Radikalisierung dek Extreme' von links und rechts führen. M. A. Loeb (kons.) legt besonderen Wert darauf, seine Ausführungen mit einer Anerkennung zu begingen, nämlich dafür, daß der Gemeindevorstand diesmal, zum erstenmal fest langen Jahren, den Etat rechtzeitig, noch im Dezember des Vorjahres, vorgelegt habe. Leider müsse er diesem Lob gleich einen scharfen Tadel folgen lassen.' Zwar handle es sich um einen Nebenpunkt, aber einen solchen, der nicht unerwähnt bleiben könne. Dem Etat ist eine 35 Seiten umfassende Erörterung beigegeben; von einer solchen dürfe man als selbstverständlich verlangen, daß sie zwar keine stilistische Glanzleistung, aber doch in einem klaren, verständlichen, einwandfreien Deutsch abgefaßt sei. In Wirklichkeit werde hier die deutsche Sprache in einer Weise mißhandelt, die für eine deutsche Gemeinde untragbar Die Woche. Berlin. In einer Versammlung der Ortsgruppe Spandau des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhebt die Ortsgruppe flammenden Protest gegen die Besudlung der Spandauer Synagoge, sowie von Häusern, Zäunen und Eisenbahnübergängen der Stadt Spandau durch judenfeindliche Inschriften und Hakenkreuze. Der neuerdings bekannt gewordene Fall der Beschmutzung der Synagoge Kottbuser Ufer läßt darauf schließen, daß es sich um systematische Umtriebe jugendlicher Elemente handelt. — Nach einem Bericht der Industrie- und Handelszeitung wird in diesem Jahre die Orangenernte in Palästina auf 21—22 Millionen Kisten geschäht. 300 000 Kisten 100 000 mehr als im vorigen Jahre), sind für Deutschland bestimmt. Ka lsrAhe. Die bad. Oberstaatsanwaltschaft hat den Landtag um Aufhebung der Immunität des nationalsozialistischen Abg. Dr. H e l lm u t h ersucht, der in einer Reihe von Versammlungen in Baden durch Ritualmordmärchen die Bevölkerung aufzureizen suchte. München. Die Studentenkrawalle an der Universität, über die die Tacieszei un^en ke ichteten, hatten starken antisemi ischm Charakter. Leipzig. Eine große jüdische Versammlung faßte den Beschluß, den Zentralnerein zu ersuchen, gegen den Versuch der Einführung des Numerus clausus wie gegen die Propaganda für ein Schächtverbot in Sachsen, mit aller Energie und allen gesetzlichen Mitteln einzutreten. Plauen. Der Synagogenneubau, der seiner Beendigung entgegensieht, wurde dieser Tage von bübischer Hand zweimal nacheinander in nicht wiederzugebender Weise besudelt. 14 Fensterscheiben wurden zertrümmert. Danzig. Der Danziger jüdische Senator Julius Jewelowsky wurde zum Ehrengeneralkonsul der Türkei ernannt. Riga. Die Stadtverwaltung von Riga hat 115 000 Dollar in ihrem Etat für j ü - dische Zwecke eingestellt, davon 100000 Dollar für das jüdische Schulwesen. Moskau. Drei Antisemiten in Odessa, die ihre jüdischen Kollegen im Betriebe so quälten, daß sie Sebstmord begingen, wurden vom Gerichte zum Tode verurteilt. London. Der Vorschlag der Revisionisten auf Bildung eines politischen Notkomitees und baldiger Einberufung eines außerordentlichen Zionistenkongresses wurde von der Zionistischen Exekutive einstimmig abgelehnt. Paris. Deputierter Charles Lambert, der zugleich Unterstaatssekretär des Kriegsministers im neuen Kabinett ist» sprach sich in einer großen Versammlung für eine jüdische Einwanderung in Frankreich aus. Regierung und Volk hätten das größte Interesse an der Einwanderung solcher Menschen, die sich sehr rasch dem französischen Wesen anpassen. Jerusalem. Unter ungemein starker Beteiligung , wurde die Frau des Bürgermeisters D i z e n - g.off zu Grabe getragen.. Auch die Behörden waren alle vertreten. Newyork. Die F ö d e r a-! tiö n d er litauischen I ü d cit in Am e - rika beschloß in einer Massenversammlung die ' Errichtung einer Bank, die Kredithilfe für die Juden in Litauen leistet. — Eine vom amerikanisch-jüdischen Kongreß einberufene Konferenz bestimmte den 16. Marz zum Protest tag der amerikanischen Judenheit gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. - erscheine. Es sei nicht etwa, so, daß nur ein paar vereinzelte Fehler sich finden: in diesem Falle würde er, Redner, kein Wort darüber verloren haben, sondern fast auf jeder Seite fänden sich Sätze und Wendungen, in denen der Sprache Gewalt angetan wird. .Redner gibt Dauerwellen und Haarärbeiten ist Vertrauenssache! E U G E N OCHS Spezialist d af Ü r Moselstr.16 ♦ Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten einige Beispiele, von denen ein Teil bei der Versammlung stürmische Heiterkeit« auslöst und bemerkt, daß die Verantwortung für diese Fehlleistung auf dem Gesamtvorstand ruhe, da jeder der Herren doch den Entwurf vor seiner Hinausgabe in Händen gehabt habe. Zum Etat selbst bemerkt der Redner: Der vorgelegte Etat ist ein Torso: er umfaßt lediglich die laufenden Einnahmen und Ausgaben, also das Ordinarium. Es fehlen völlig die außerordentlichen Ausgaben, vor allem für die in Ausführung begriffenen oder im Etatsjahr noch vorzunehmenden Bauten. Es fehlt ferner eine Uebersicht über den Stand der Gemeindefinanzen am Ende und am Beginn des Vorjahres (Vermögens-Uebersicht und -Bewegung) deren Vorlage erst einen Schluß auf die derzeitige Finanzlage und ihre zukünftige Entwicklung erlauben würde. 2. Im Etat selbst vermißt man eine Trennung der persönlichen und sachlichen Ausgaben. Eine von dem Redner auf Grundlage des vorgelegten, also nicht vollständigen Materials gefertigte Aufstellung ergibt an ersteren pro 1930 Mk. 4.893.590 pro 1929 Mk. 4.545.367 pro 1927 Mk. 3.612.000. d. h. die persönlichen Ausgaben sind gestiegen von 1929 auf 1930 um 8% j von 1927 auf 1930 um 33% Auf Seite 6 der Einleitung zum Etat wird ausgeführt, daß die Ausgaben gegen das Vorjahr nur um Mk. 658.000, also nur um 6% gestiegen seien; diese Angabe enthält eine bewußte oder unbewußte Irreführung. In der Vorlage fehlen in Kap. 4 die im Vorjahr eingestellten Beträge für Erneuerungen und Amortisationsfonds, zusammen Mk. 360.000. Setzt man diese von der Gesamtsumme des Etats für 1929 ab, um einen Vergleich zwischen beiden Jahren überhaupt zu ermöglichen, so ergibt sich eine Steigerung von nicht weniger als 10 Prozent! In seiner Einführungsrede zum Etat hat Herr Kareski mit besonderem Stolze darauf hingewiesen, daß in den Jahren, da die Volkspartei die Finanzen der Gemeinde verwalte, nicht weniger als Mk. 4.600.000 für Grundstücke, Neubauten usw. ohne Inanspruchnahme von Anleihen aus den laufenden Mitteln herausgewirtschaftet worden seien. Hierzu ist zu bemerken: . Im Jahre 1924 wurde der Erneuerungsfonds — zur Wiederaufrichtung der in der Inflation zerstörten Stiftungsvermögen — gegründet; von 1924—1929 sind hierfür nicht weniger als rd. Mk. 2.600.000 in die laufenden Etatsanschläge eingesetzt worden; hierzu kamen auf gleichem Wege in der gleichen Periode Mk. 360.000 für den Amortisationsfond. Diese Mk. 3.200.000 schuldet also die Gemeinde den Stiftungen bezw. dem Amortisations-Fonds. Hierzu kommen noch die Ueberfchüsse aus den Steuereingängen der Vorjahre; bei dem von dem Gemeindevorstand eingeführten System kommen diese nicht zur Kenntnis der Repräfentänten-Versammlung. Nur hin und wieder durchdringt ein Lichtstrahl das künstliche Dunkel; so z. B. ergab das Jahr 1924 bis zum 1. Oktober bereits einen Ueberfchuß von nicht weniger als Mk. 620.000, der bis zum Jahresende nicht kleiner geworden fein dürfte. Auch die Jahre 1926 und 1927 haben, so viel bekannt wurde, erhebliche, in die Millionen gehende Ueberfchüsse gebracht. Genaueres hierüber wird sich erst feststellen lassen, wenn die von der Reprä- \ -Alleinvertrieb.durch die Firma J. Anton Alexander, Berlin NO. 18, Landsberqerflraße 91 Neu auf genommen Neu auf genommen Alleinvertrieb.durch die Firma Die \ Marken der Tangermünder Schokoladenfabrik

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.