Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1930)
- Date
- 1930-02-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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27. Februar 1930 Der Israelit Nr. 2. Seite 3 das Jahrhundert adelt, so auch die jüdische Lehre das Leben verklärt, wollen ihr auf ihren Lebensweg jüdische Ideale geben, ihre Seele mit Liebe und Opferfreudigkeit zur angestammten Religion erfüllen, wollen sie den begiückendenJaakauws- Traum träumen lassen, der sie hinaufführt ZU den lichten Höhen der Gotteserkenntnis, auf daß sie in ihrenoft dunklen schwachen Stunden den Kampf mit den Mächten der Verneinung und der Zersetzung siegreich bestehen. Haben wir diese Aufgaben zu erfüllen uns bemüht, dann dürfen wir uns dereinst ruhig schlafen legen, dann wird sich an unseren Kindern der Abschiedsgruß Jaakauws erfüllen: onsan ns *p2*> sn •»ns bsim is^an* „Der Engel, der mich erlöst und befreit von allem Bösen, er wird die Kinder, die Jugend segnen." Wollen wir aber, meine Damen und Herren, unsern Kindern und der jüdischen Gemeinschaft dieses Erbe hinterlassen, dann müssen wir für Lehrer sorgen, Männer, die in Leben und Lehre auf dem Boden der Tradition stehend hinausreisen, um das Licht der Lehre zu verbreiten. Nicht die akademische Bildung der jüdischen Jugenderzieher ist entscheidend! Jüdische Menschen mit gutem jüdischen Wissen und vorbildlicher jüdischer Tat brauchen wir hierfür! Geben Sie uns hierfür die Mittel, damit wir mehr als bisher hierzu in der Lage sind. Das Kapital, das Sie dafür ausgeben, ist gut angelegt und Sie werden die Zinsen hierfür nicht nur selber genießen, es wird auch ein Ruhmeskranz für Sie dann sein, wenn Sie einmal nicht mehr im Kreise Ihrer Kinder wellen. Meine Damen und Herren! Unsere gestrige Haftauroh ist die Fortsetzung jener Weissagung des Propheten Jecheskel, da ihn Gott auf ein Gräberfeld führte. Er läßt ihn dort erschauen, wie die verdorrten Gebeine sich einander nähern, sich mit Sehnen überziehen, Fleisch und Haut darüber wachsen, wie ein neuer Geist, neuer Odem in die Toten fährt, und sie zu neuem Leben erwachen. Und Gott spricht zu dem Propheten: „Diese Gebeine sind das Haus Jisrael, siehe, ich öffne Eure Gräber und lasse Euch steigen aus Euern Gräbern mein Volk und bringe Euch auf den Boden Israels." Meine Damen und Herren! Dieses Bild, ein Symbol für die Unsterblichkeit, diese Verheißung für Jisraels Zukunft ist es nicht auch bezeichnend für den lebensbejahenden Optimismus des Judentums, bedeutet es nicht auch eine Heils- und Hoffnungsbotschaft dafür, daß der jüdische Gedanke auch in unsern Tagen, da, wo er abgestorben und verdorrt zu sein scheint, wieder lebendig und kraftvoll auferstehen wird? Lassen Sie uns daher, meine Damen und Herren, auch für unsere rheinische Heimat in unserem Vertrauen auf die Wiedererweckung traditwMllen jüdischen Geistes stark fein, lassen Sie uns tatkräftig auf die Schanzen steigen zur Verteidigung unserer Heiligtümer und zur Verbreitung der Gottesidee. Die großen Führer Esra und Nehemia, die unsere Vater aus der Verbannung in Babylon wieder hinaufführten auf den heiligen Boden von Erez Jisroel und das Haus Gottes wieder aufbauten, sie seien auch für uns Wegweiser und Vorbild. Wie die Bauleute am Tempel in der einen Hand die Baukelle nahmen, um die Mauern des zerstörten Tempels wieder herzustellen und in der anderen Hand das Schwert hielten zur Abwehr der Feinde, so wollen auch wir Bausteine herbeitragen und Aufbauarbeit am Judentum leisten, es kraftvoll schützen gegen seine äußeren und inneren Feinde. Möge die heutige Tagung bei Ihnen allen, meine Damen und Herren, diesen festen Willen stärken und Ihnen neue Kräfte für Ihre Mitarbeit an den Aufgaben unseres Vereins verleihen, auf daß das Werk gelinge. In diesem Sinne rufe ich jedem Einzelnen von Ihnen zu: Chasak, Chasak, Wnischasak! Nachdem der diese Rede lohnende Beifall sich gelegt, begrüßten die Vertreter der beiden Syüagogengemainden, Herr Aron Hofmann und Herr Jonas Emanuel und im Namen der Moriah-Loge, Herr Moritz Kahn in kurzen Worten die Versammlung. Dann gab der langjährige verdiente Rendant des Vereins, Herr Grünsfeld, den Rechenschaftsbericht und legte zugleich den Haushaltungsplan für 1930 vor. Er beschloß seine Etatsrede mll folgenden Worten: Meine Damen und Herren! Wir halten jetzt zufällig bei unserem, von unserem verehrten Herrn Rabbiner Dr. Wolf geleiteten allwöchentlichen T'nach-Schiur in Kap. 17. Da wird uns von der Herrschaft Achabs und feiner Frau Jfebel erzählt. Diese phönizische Königstochter strebte dahin, den Baalkultus nach Palästina zu verpflanzen. Das Judentum lag dadurch arg darnieder. Da entsandte Gott den Propheten Elijohu, um diesem Treiben entgegenzutreten und der Prophet verkündete als Strafe das Ausbleiben von Regen und Tau in diesem Jahre. Auf Befehl Gottes ging Elijohu, nachdem er sich eine Zeitlang am Bache Kris, woselbst er auf wunderbare Weise durch Raben ernährt wurde, nach Zorfas. Als er vor die Tore dieser Stadt kam, traf er dort eine Witwe, welche Holz sammelte. Er bat sie um einen Trunk Wasser und so sie seiner Bitte entsprechen wollte, ries ihr Elijohu zu: „Bringe mir doch auch noch ein Stück Brot." — „So wahr der Herr Dein Gott lebt," erwiderte sie, „ich habe nichts außer einer Hand voll Mehl im Kruge und ein wenig Oel in der Flasche; ich will es zurecht machen für mich und meinen Sohn. Haben wir dies ausgezehrt, so müssen wir nachher vor Hunger sterben." Doch Elijohu antwortete ihr: „Fürchte nicht, gehe und mache zurecht wie Du gesprochen, doch mache m i r zuerst davon einen kleinen Kuchen und bringe mir diesen. Für Dich und Deinen Sohn mache nachher, denn also spricht Gott: das Mehl in Deinem Kruge wird nicht ausgehen und das Oel in der Flasche wird nicht abnehmen, bis zu dem Tage, an dem Gott Regen geben wird auf Erden." Sie aßen davon, sie, er und ihre Familie eine Zeitlang! Meine Damen und Herren! Soweit der Bericht in Melochim. Unsere Zeit ähnelt sehr den Tagen Achabs. Ueberall Götzendienst in Form des Tanzes ums goldene Kalb vpd dadurch Vernachlässigung unserer heiligen Tauroh. Die Reaktion, um nicht Strafe zu sagen, erleben wir. Auf der einen Seite eine immer noch fortschreitende Verelendung im Wirtschaftsleben; auf der anderen Seite ein Rischus, wie wir es nur vom Hörensagen aus kannten. Da schickt uns Hafchem den inneren Mahner, der uns zuruft: „Zurück zur Tauroh und Awaudoh und habet Botochaun! Wie diese arme Witwe ihr Letztes hergab und durch dieses Gottesvertrauen würdig wurde mit ihrer Familie ein Jahr lang gesättigt zu werden, so müssen auch wir, ganz speziell in dieser so überaus schweren Zeit das Bxtochaun aufbringen, die Bestrebungen unseres Vereins, die Jüdifchkeit in unserer Provinz wieder herzustellen und zu stärken, und finanziell zu unterstützen. Im Jore-Dea wttd gelehrt, daß noch nie Jemand vom Wohltun arm wurde und nie etwas Schädliches durch dasselbe entstehn kann. Das Wohltun wendet böse Verhängnisse ab und macht reich! Meine Damen und Herren! Die Zahlen, die ich Ihnen vorlas, bestätigen Ihnen, daß wir Ihre geldliche Unterstützung mehr denn je benötigen und nur wenn dies geschieht, können wir unserem Ziele näher kommen. Grade in dieser schweren Zeit müssen wir Betochaun haben, ein Gottesvertrauen aufbringen, wie es diese arme Witwe tat und der dies Vertrauen auf Gottes Fürsorge den Lohn brachte, daß sie, und ihre Familie ein Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes Cöln: Hohenstaufenring 14. Cöln: Hohenstaufenring 14. Postscheckkonto des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands Cöln 50 648. „UeberSetzungen und Bemerkungen zum Pentateuch“ rrnnn by owt von Rabbiner Dr. B. Wolf-Cöln. Der Commentar erscheint in einzelnen Wochenabschnitten, s Preis jeder Broschüre Mark 1.— Ganz TV’ttftOS geh. zu haben bei Sänger & Friedberg in Frankfurt a. M. — Neu erschienen: -—- Im Druck: N1LN1 HttTin Zu haben in allen Buchhandlungen und direkt beim Verlag des Jüdischen Volksireundes. ^469254^945^^^2^57974526^1788494^^^^57735717203916096^3998598948^49^7551045^^^73043989894691^5349167836705^5344345^^^^^109375^8915012630^85752^^^^616^9^ 025323232323485353534802234848532348235348482332239048234823485353024823482323232348235323005323482348485323232348234848532348485348012353484848235323532348304823482353234853482353235353234823482348482302484823235348234823234823485353234823232389 31015353484823485323235302232323484823232323480123480048020200234801534823235302010153484823232348232323534823