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Der Israelit · 1930-02-27 · Heft 9 (27.2.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 9 (27.2.1930)
Date
1930-02-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 9 27. Februar 1930 Der Israelit vertreten werde, daß das Gesetz gegen die Reichsverfassung verstoße und unter Umständen ein Vorgehen der Reichsregürung beim Staatsger'.chtrhof in Betracht komme. Der Hauptausschutz beschloß mit Rücksicht darauf, die Beratung dieses Antrages bis auf weiteres zurückzustellen. Die Konfessionen gegen die russischen Religions Verfolgungen. Trier, 27. Febr. Hier haben sich die geistlichen Vertreter der katholischen und evangelischen Ki.chengemeinden und der Synagogengemeinde, die auch aus sonstigen Gebieten einer gemeinsamen Front harmonisch zusammenstehen, zu einem Protest gegen den unerhörten Terror in Sowjetrußland wider die Religionen vereinigt. Die äußerst wirksam und packend abgefaßte Kundgebung der Religionsgesellschaften der ältesten Stadt Deutschlands ist für die katholiche Kl chengsmeinde von Stadtdechant Roschel, für die evangelische Gemeinde von Psarrer Becker und für die Synagogengemeinde von Oberrabbiner Dr. Allmann gezeichnet; sie ist einerseits an die Gesandtschaft der Sowjetrepublik in Berlin abgeschickt und andererseits in den Tageszeitungen veröffentlicht worden. Wohl im Anschluß daran hielt Oberrabbiner Dr. Altmann beim letzten Sabba'gottesdienst, am 22. d. M., in Anknüpfung an den aus der Thora verlesenen Tert der zehn Gebote, insbesondere des ersten Gebotes: „Ich bin der Ewige, dein Gott!" eine von großer Begeisterung getragene, ergreifende Predigt, dir die furchtbaren Ereignisse in Rußland vom allgemein ethischen und insbesondere vom jüdischen Standpunkt aus beleuchtete. England. Jewifh Agency und unabhängige Orthodoxie. London, 27. Febr. In der letzten Sitzung des Board of Deputies brachte Mr. Harry Goodman (Adath Iisrael) folgende Resolution ein: „Nach der Meinung des Board of Deputies, der die englisch-jütische Gemeinschaft in der Iewlsh Agency vertritt, sollte dirse nur solche Erziehungsinstitutionen unterstützen, die in einer den Lehren und Hebungen des traditionellen Judentums nicht entgegenstrhenden Art und Weise geführt werden." Der Antragsteller führte aus, daß die Zeit gekommen sei, in der endlich kein Erziehnngswerk in Palästina in antireligiösem Sinne geführt werden solle. Ich habe nichts gegen Schulen einzuwenden, die auf rein weltlicher Grundlage stehen, sagte er, aber sobald einmal jüdische Religion in der Schule gelehrt wird, darf die Lehre sich nicht im Widerspruch zum traditionellen Judentum befinden. Cr könne sich nicht denken, daß jemand gegen diesen Grundsatz sei. Trotzdem wissen wir, sagte Herr Goodman, daß die Bibel in vielen Schulen Erez Jisroek nicht als jüdisches Buch gelehrt wird, sondern als etwas jederzeit Abänderungsfähiges, daß der Talmud nicht als Dokument jüdischen Lebens gilt, sondern als eine Art Reliquie aus alten Zeiten. Wenn Iungens und Mädchen im Palästina die Schule verlassen, besäßen sie wohl patriotischen jüdischen Geist, aber nicht jüdische Tradition. Die Ausführungen Mr. Goodman's erweckten natürlich laute Protestrufe. Trotzdem wurde dem Redner auf Antrag von Nathan L a s k i eine erweiterte Redezeit gewährt. Große Massen von Juden, fuhr Mr. Goodman fort, in der ganzen Welt und zwar im wesentlichen die orthodoxen Massen haben sich den machtvollen jüdischen Bestrebungen, ein jüdisches Nationalheim in Palästina aufzubauen, nicht anschließen können, nur weil sie es unmöglich fanden, ihr eigenes Gewissen mit der Tatsache abzufinden, daß die gegenwärtig iu Palästina Heranwachsende Generation mit Unterstützung von Geldern, dir hauptsächlich aus traditionellen Kreisen kommen, nach einem System erzogen werden, das dem jüdischen Gesetze und jedem religiösen Gesetz zuwider ist. Der Antrag Goodman's wurde von Mr. Rosenstein unterstützt. M. Lazarus beantragte dagegen, zu beschließen, daß es gegenwärtig nicht wünschenswert sei, den englisch-jüdischen Vertretern in der Agency irgendwelche Instruktionen zu geben. Es lägen genügend Zeugnisse vor, daß in Palästina der jüdische Geist, Synagogenbesuch, Beobachtung von Sabbat und Festtagen bei Jung und Alt ganz anders geübt werde, wie Mr. Goodman denke. Für Mr. Goodmann und seine Freunde sei nicht einmal Oberrabbiner Kuk fromm genug. Mr. Morris M y e r meinte, Mr. Goodman habe kein Recht, feine eigenen Ansichten der ganzen Gemeinschaft auszuerlegen. Er solle sich mit seinen Freunden der Agency anschlietzen und seine Anschauungen dieser Körperschaft direkt vorlegen. Nach weiteren Reden von Mr. Schiff und Dr. Samuel Daiches, welch letzterer sich auf die Zugehörigkeit des Misrachi zur Agency berief, versprach Mr. Nathan L a s k i als Vorsitzender des Palästinakomitees und als Mitglied der Agency Mr. Goodman, seine Meinungen so energisch wie möglich gegenüber der zionistischen Organisation zu vertreten, falls Mr. Goodman unter dieser Bedingung seine Resolution zurückziehe. Mr. Goodman stimmte dieser Anregung Laski's zu. Polen. Jacob Rosenheim und Dr. Deuischländer beim polnischen Außenminister Zalesky. Warschau, 20. Febr. Der Minister des Auswärtigen der polnischen Regierung, August Zalesky, empfing den Präsidenten der Weltorganisation Agudas Iisroel, Herrn Jacob Rosenheim aus Frankfurt a. M., und den Hauptdirektor des Keren Hathora, Herrn Dr. Leo Deutschländer aus Wien, die in den letzten Tagen in Warschau geweilt haben, in längerer Audienz. Die Führer der Welt- Agudah wurden dem Außenminister vom Vorsitzenden der Agüdas Iisroel in Polen, dem früheren Senator Mendelsohn. vorgestellt. Herr Rosenheim unterrichtete den Minister . über Tätigkeit und Ziele der Agudas Iisroel und ihre Stellung zu den aktuellen jüdisch-politischen Fragen. Er berührte das Problem der Zwangsonntagsruhe vom internationalen Standpunkt in Zusammenhang mit den Bemühungen der Agudah beim internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes in Genf. Er richtete an die polnische Regierung die Bitte, während der nächsten internationalen Arbeitskonferenz dis Aktion für Erleichterung des Conntagsmhe-Eesstzes für die sabbathaltenden Juden in allen Ländern zu unterstützen. Dnektor Dr. Deu'sch'ä ider informierte den Minister über die Arbeit der Agudah auf religiösem und kultur e l l e in Gebiete, insbesondere auf dem Gebiete der höheren jüdischen Erziehung in Polen, wobei er darauf hinwies, daß ungefähr 70 Prozent aller religiös-jüdi- 'chen höheren Erziehungsanstalten sich in Polen befinden. In seiner Erwiderung betonte Außemni nster Zalesky 'ein Verständnis und seine Sympathie für die im Gespräch berührten Fragen. Hinsich'lich der Frage der Sonntagsruhe erkannte der Minister die Forderung nach Erleichterungen für die sabbathaltenden Juden als eine vollkommen gerechte an und versprach, die diesbezügliche Aktion der Agudah beim Völkerbund, soweit 'diese Angelegenheit in seine Kompetenz fallen wird, zu unterstützen. (ITA.) Wenn die Agudas Iisroel sich der Wahl enthält. Warschau, 27. Febr. Im S a n d o m i r e r W a h l k r e i s hat die Liste Grün bäum infolge der einheitlichen Parole der Agudas Iisroel sich der Wahl zu enthalten, eine vollkommene Niederlage erlitten. Rutzland. Verhaftung zweier prominenter Rabbiner in Leningrad. Moskau, 24. Febr. Der Oberrabbiner von Leniigrad, Lasarew, und der bekannte Lening"ader Raw Iasnogorodski sind soeben unter der Beschuldigung, illegale Beziehungen zu Persönlichkeiten im Ausland, insbesondere zum „Lubawitscher Rebbe", Rabbi Schneersohn, unterhalten zu haben, durch Beamte der GPU. verhaftet worden. SüdAfrika. Verschärfung des südafrikanischen Linwanderungsgesehes. Kapstadt, 16. Febr. Das afrikanische Parlament hat bekanntlich beschlossen, die Einwanderung aus osteuropäischen Ländern auf ein Minimum zu beschränken und nur 50 Prrsonen jährlich aus jedeni dieser Länder die Einwanderung zu gestatten. Nun haben die Nationalisten im Parlament ein Amendement zu diesem Quotengrsetz beantragt, demgemäß das Quotengesetz statt am 1. Juli, schon am 1. Mai ds. Is. in Kraft treten solle, und daß nur 33 Personen aus jedem von dem Gesetz betroffenen Ländern für den Nest dieses Jahres einwandern dürfen. Das Amendement wurde mit 55 gegen 47 Stimmen angenommen. Palästina. Trauerversammlung ein halbes Jahr nach den Unruhen. Jerusalem, 19. Febr. Am 18. Februar (20. Schewat) war es ein halbes Jahr nach Ausbruch der Unruhen in Jerusalem. Aus diesem Anlaß fand in der Synagoge „Adaß Ieschurun"' in Jerusalem eine den Opfern der Massacres und den gefallenen Helden der Selbstrerteidigung gewidmete Trauergedächtnisversammlung unter dem Vorsitz von Oberrabbiner Jacob Meir statt. Gedenkreden hielten Oberrabbiner Kuck, M. M. Ussischkin und der Arbeiterführer Ben Zwi. Unter der vieltausendköpfigen Zuhörerschaft herrschte starke Ergriffenheit. Insbesondere wurde der Opfer von Hebron gedacht und einmütig dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß den aus Hebron gejlüchteten Juden die Möglichkeit gegeben wird, wieder in ihre Heimatstadt zurückzukehren und ihre altberühmte Gemeinde wieder aufzubauen. Personalien. Halberstadt, 27. Febr. Am 25. Februar wurde Frl. Paula Archen hold - Halberstadt, Unter den Weiden 6, 80. I a h r e a l t. Elberfeld, 24. Febr. Der gesetzestreue Kreis in Elberfeld hat Herrn Rabbiner Moses Findling aus Berlin zu seinem geistigen Führer berufen. He?r Findling hat seine rabbi.i.che Auso.ldung auf der Frankfurter I e s ch i w a erhallen. Herr Findling wird sein Amt anfangs März antreten. Heßdorf, 25. Febr. Am 7. Adar ds. Is. vollendet der bei feinen Bekannten g.schätzte und geachtete Kaufmann M. G o l d b a ch - H-choe.g sein 70. Lebensjahr. Spangenberg, 20. Febr. Am 15. Januar hat Herr Salo Laub er aus Fürth den schon zwei Jahre freien Posten als Lehrer, Kantor und Schachet in unserer Gemeinde angetreten. Seine Antrittsrede enthielt das Versprechen. die Heranwachsende Jugend aus religiöse Bahnen zu leiten und zu gläubigen Juden zu erziehen. Es ist ihm bereits gelungen, einen Iugendverein ins Leben zu rufen, der durch Vorträge und gesel.ige Veranstaltungen die Jugend Zusammenhalten und geistig anregen soll. Vermischtes. Tyrnau, 18. Febr. Für das Doppelfest in unserer Gemeinde, über das wir bereits berichteten, das am Sabbat naino ' und am Sonntag mit der Weihe einer Seferthora und einem S i j u m auf einen Talmudtraktat darüber hinaus ein großes Treffen der Schüler und Freunde der Tyrnauer Jefchiwo um ihren Führer und Meister bezweckt, sind die Einladungen an alle früheren Hörer der Jeschrwa ergangen. Es ist anzunehmen, daß viele Freunde der Ieschiwa auf dem Erdenrund, deren Adresse uns nicht oder nur mangelhaft bekannt ist, die Einladung nicht erhalten, und werden sie auf diesem Wege gebeten, sich umgehend ihre Teilnahme bei der Verwaltung der Tyrnauer Thoralehran-- stakt anzumelden, da es dem Festkomitee sehr daran liegt, die Festvorbereitungen nach der Anzahl der Teilnehmer zu treffen. Die Woche. Gemeindeversammlung der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschafl." Die ordentliche Gemeindeversammlung war am letzten Sonntag gut besucht. Kurz nach 3.30 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Philipp Posen, die Versammlung, worauf die Verlesung des Jahresberichtes durch den Gemeindesekretär Bergmann erfolgte. Der Bericht, den wir auszugsweise an dieser Stelle veröffentlichen werden, schildert die finanzielle Notlage, in der sich die Gemeinde, wie zur Zeit alle Kommunen, befindet, weiß aber Erhebendes über Leistungen und Erfolge zu melden. Die Grundlagen der Gemeinde sind gesund, die Krisen müssen durch Liebe und Opferfreudigkeit überwunden werden. Ein überaus ehrender Nachruf auf den unvergeßlichen langjährigen Führer der Gemeinde, Nastali Schwabacher wurde von der Versammlung stehend und mit Ergriffenheit angehört.

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