Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1930)
- Date
- 1930-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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27. Februar 1930 Nr. 9. Seite 5 Der Israelit Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! EUGEN OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 ♦ Taunus 1593 Unverbindlicher Besuch erbeten Daß vollends alles dem Schächtschnitt fernzubleiben hat,: was nach Gewaltanwendung aussieht, wie sie auch zwischen Tier und Tier Vorkommen, — lehrt er uns aus dem Verbote des „Reißens" oder ntm „Drückens" beim Schächten. (Schluß folgt.) MrerpsnSenren « ßacbricbttn. Deutsches Reich. rAv,-' Hilfswerk für das jüdische Kind in Litauen. B e r l i n , 20. Febr. Dom Kilfs'verein der Deutschen Juden wird uns geschrieben: Am 27. Januar ist das jüdische Kinderhaus inKowno, das in den letzten neun Jahren eine- Heimstätte für die verwaisten und von Verwahrlosung bedrohten jüdischen Kinder Litauens geworden ist, einem Brände zum Opfer gefallen.' Das . KiNderhaüS würde von deutsch-jüdischen Aerzten geleitet. Es umfaßt Säuglingsheim, Kinderambulatorium, Ki.ldersürsorgestelle, . Schulbadeänstalt, Kleinkinderheim!.. mit Kindergarten, Schulkinderheim, Lehrlingsheim, Kinderwerkstätten und Gärtnereischule. Bei der Katastrophe sind zwei Kinder ums Leben gekommen, ein drittes schwebt in Lebensgefahr. Die mit großer Mühe geretteten Kinder sind notdürftig untergebracht. Der .Hilfsverein der Deutschen Juden, der seit seiner Begründung die Fürsorge für die jüdische Jugend im Osten als eine seiner wichtigsten Ausgaben betrachtet, fordert seine Mitglieder, die weitesten jüdischen Kreise in Deutschland auf, ihre Mithilfe zur Wiedererrichtung des, Kinderhauses zu gewähren.. Es gilt, eine Erzishungsstätte aufzubauen, die den modernen.hygienischen! und Pädagogischen Anforderungen entsprechen und pädagogischen Anforderungen entsprechen und der gesamten jüdischen Kindersürsorge Litauens dienen soll. Wie bereits kurz berichtet, hat sich auch ein Damenkomitee für den Aufbau des jüdischen Kinderhauses in Kowno gebildet. Zenkralverein und Zionismus. B e r l i n, 20. Febr. Einstimmig hat der Hauptoorstand des Zentraloereins am letzten Sonntag den > folgenden Beschluß gefaßt: 1 „Der Zentralverein hat; stets jede national-jüdische Bestrebung abgelehnt. In.llebÄeinstimmung damit haben diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die sich an der Palästinü-Arbeit beteiligen^ stets erklärt, daß sie als deutsche Juden den Mittrlpunkt ihres politischen und kulturellen Lehens in Deutschland erblicken, und daß sie jede national-jüdische Propaganda, auch im Rahmen der Jewish Agency abweisen. Der Hau^toörstand- -des Zentrakrerems hat demgeinäß das Vertrauen, daß alle seine! Mitglieder überall, auch außerhalb des Vereins, diesem Gedanken , zur Durchführung verhelfen." Wirtschaftliche Forderungen der Juden in Deutschland. Berlin, 21. Febr. In. einer Veranstaltung des Reichsbundes jü - j ü d ischer F r o nts o l d a t e n. reserirrte der Vorsitzende der' Berliner Jü ishen Gemeinde» Direktor 'Georg Kareski, über „Wirtschaftliche Förderungen der Juden in Deutschland" und forderte verantwortungsvolle Berufswahl, Kredithstfe für den Mittelstand, Erwerbs- und Konsumgendssenfchaft, Verstärkung.. des p o l itifch en A h w e h r k a rn p fe s und Zusammenfassung der wirtschaftlichen Äbwehrarbeit in der Jüdischen Gemeinde^. Berlin. ' MäO E i f e.n k r ä e<m e r ,. Mitglied.des engeren- Bundesvorstandesdes RIF., setzte sich eingehend mit den Ausführungen von Kareski auseinander, soweit sie über die objektive Darstellung hinaus politische Schlußfolgerungen und posilioe Arbeitsvorschläge enthielten. Er betonte unter deutlicher Ablehnung der Kareskischen Feststellungen die Verknüpfung und wechselseitige Bedingtheit des politischen und wirtschaftlichen Antisemitismus. Deswegen könne auch eine Bekämpfung dieser Erscheinungen nicht getrennt, erfolgen, wie Kareski es -gefordert hätte, sondern -müsse ' als einheitliche 'Maßnahme vorgenommen werden. Schon aus diesem Grunde sei es unmöglich, den wirtschaftlichen Abwehrkampf über die Erfüllung positiver Unterstützung der jüdischen Angestellten und Geschäftsleute hinaus durch die Gemeinde zu führen. Die Wirkung vor der Oeffentlichkekt, wenn eine Religionsgemeinde in den politischen Parteikamps eintrete, sei . unübersehbar. Eisenkraemer warnte auch vor der sogenannten „großen Aktion" durch Proklamationen und Kundgebungen. Man erreiche dadurch nach der nichtjüdischen Seite hin bestenfalls Verstimmung, nach der jüdischen Seite hin erwecke man übertriebene Hoffnungen, die nicht zu erfüllen seien. Nicht in ihrer Gesamtheit und nicht er officio könne deshalb die Gemeinde an diesem Kampfe teilnehmen. Wohl aber sei die Mitwirkung an diesem Abwehrkamps seitens der geeigneten und befähigten Mitglieder, an der Spitze der Gemeindevorsitzende, durchaus erwünscht und begrüßenswert. Große Palästina-Kundgebung. Hamburg, 20. Febr. Das Propalästina-Komitee veranstaltete am 17. Februar im Hotel Atlantik eine große Kundgebung für Palästina. Den Vorsitz führte Graf Bernst o r f f. Heber tausend Menschen, Juden und Nichtjuden, füllten den Saal. Mit Ansprachen begrüßten die Versammlung Oberbürgermeister Dr. Petersen, Hermann P h i l i p p für die Deutsch-Israelitische Gemeinde, der Oberbürgermeister von Altona u. a. Graf Bernstorff schilderte das jüdische Kolonisationswerk in Palästina als ein Werk menschlicher Wohlfahrt und edler Gesittung, das die deutschen Sympathien verdient. Die Valfour-Deklaration betone ausdrücklich, daß alle Arbeit in Palästina die Rechte der Juden in ihren jetzigen Heimatländern - nicht im geringsten berühre. Mar Marburg schildert in seinem zur Verlesung gelangten Schreiben den neuen Typus des jüdischen Bauern und Industriearbeiters. Er betont das Streben der Juden nach friedlichem Zusammenwirken mit der arabischen Welt. Die Arbeit in Palästina soll niemandem zum Schaden, aber den Juden zur Ehre gereichen. Albert Einstein wünscht in seinem Schreiben schnelleres Tempo der Einwanderung und des Ausbaues. Das Hauptreferat hielt Kurt Blumenfeld. Er legt im einzelnen die Bestimmungen des Mandates dar, das em Ganzen die. historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina dokumentiert. Er entwirft ein Bild von der krisenhaften Situation, in der das Weltjudentum heute lebt und bezeichnet das Palästina-Mandat und dessen Ausführung als die beste, ja einzige Antwort auf die die Welt bewegende Judenfrage. Mit einer Ansprache, in der sich die reine Liebe eines großen Menschen für das Volk und das Land des Eottesrechtes widerspiegelt, schließt Graf Bernstorff die Versammlung. Schachlverbot in Baden abgelehnt. Karlsruhe, 26. Febr.. : >-DeL Re^cht'Sp sT^g e a « s f chrr ß häk Len nationakfozkälisttschen "Antrag auf ein S ch ä ch t v e r b o t a b g e - lehnt. Zentrum und Sozialdemokratie stimmten dagegen. In steigender Linie. Mannheim, 27. Febr. Die Israelitische Gemeinde Mannheim schreitet von Werk jjir Werk. In wenigen Tagen wird die Klauss y n a g o g e nach der Umbauvollendung wieder eingeweiht werden. Schon aber erstehen gleichzeitig die Mauern des Jsr. Altersheims, dessen Grundsteinlegung am 23. Februar stattfand. Zu ihr hatten sich die Vertreter des Oberrats, die Eemeinderabbiner, Synagogenrat! und Baukommission, der Erbauer, Reg.-Baumeister Nathan- Frankfurt, und Vertreter der Stadt Mannheim eingesunden, um nach einer gehaltvollen Ansprache des Stadtrabbiners Dr. Oppenheim die - symbolischendrei Hammerschläge mit sinngemäßen Geleitworten zu vollziehen. Kein Bau wird der heutigen Zeit mehr entsprechen als der, dessen Zweck es ist, Not und Hilflosigkeit des Alters zu beheben. Daß der Bau mit Golstes Segen bald seiner Bestimmung zugesührt werden kann, und daß in dem Haus, das unter dem Motto von n'a errichtet wird, auch das nun-Gesetz gewahrt und «ma* betätigt werden möge, sei hier als besonderer Wunsch ausgesprochen. — In der . Reihe, der Veranstaltungen und Feiern dieses Winters gebührt! einer besonderen Erwähnung. Es ist die Stunde, die am 16. Februar dem Gedächtnis Franz Rosenzweigs gewidmet war. Umrahmt von ergreifenden Klängen und Chören führte die Gedächtnisrede Rabb. Dr. Erünwalds weit und tief hinein in das Leben und Sterben, in das Werden und Schaffen des bedeutenden Mannes. Tiefbewegt folgte eine überaus große Schar von Menschen jeglichen Alters dem bedeutenden, schweren und doch klaren Wort des Redners. Würdig ehrte so das Jüdische Lehrhaus, und damit die Gemeinde, das Andenken Franz Rosenzweigs. Reichskonferenz des Verbandes ostjüdischer Organisationen. Magdeburg, 24. Febr. Im Eesellschaftshaus „Freundschaft" zu Magdeburg wurde am Sonntag, den 23. Februar, die Reichsko n ferenz d es Verbandes Ostjüdkscher Org a n i s a t i v n e n i n D e ü t s ch l ä n d abgehalten. Bei Anwesenheit von 46 Delegierten aus dem Reiche und von vielen Gästen eröffnete der Vorsitzende des Verbandes Herr S. Haarpuder, di? Konferenz. Nach Begrüßungen naniens der jüdischen Gemeinde Magdeburg schilderte Direktor Georg Kareski, der namens der Jüdischen Volkspartei das Wort ergriff, die wirtschaftliche Lage der Juden in Deutschland. Nach Erstattung des Tätigkeitsberichtes referierte Dr. T a u b es über die Aufgaben eines Verbandes Ostjüdischer Organisationen in Deutschland. Er gab einen Rückblick über die bisherige Tätigkeit des Verbandes, wies auf die Schwierigkeiten der Erfassung der ostjüdischen Menschen in Deutschland in seiner Totalität hin und forderte, daß der Verband mehr wirkliche Werbearbeit leiste. Er wünscht, daß der Verband Ostjüdischer Organisationen seine Arbeit nur im Sinne der jüdisch-nationalen Idee führen sollte. Herr Benzion Fett beschäftigte sich in seinem Referat mit der Stellung des Verbandes im jüdischen Gemeindeleben. Er ging von der Ansicht aus, daß die Ostjuden in Deutschland einen aktiven Anteil an allen Fragen, die das Judentum im allgemeinen betreffen, nehmen müssen. Insbesondere haben die Ostjuden die Verpflichtung, an allen Arbeiten im jüdischen Gemeindeleben teilzunehmen und einen Einfluß aus die Gestaltung des jüdischen Lebens in Deutschland, innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, auszuüben. Nach einer regen Diskussion in der Generaldebatte wurde eine neue Exekutive gewählt. Als Auftakt zu der Reichskonferenz am Sonntag fand am Sonnabend Abend eine gutbesuchte öffentliche Volksversammlung statt. Zur Schachtfrage. . . München, 27. Febr. Die „Münchner Neuesten Nach.ichten" berichten aus einer Stadtratssitzung: Die Nat.-Soz. Stadtratsfraktion beantragte, daß die Ausnahmebestimmungen der Münchner Schlachthofordnung über das betäubungslofe Schächten sofort aafHeh^ben, und das Referat beauftragtvtnrEör, PorkHrungen^tzür Durchführung des 'Landtagsbeschlusses über den Betäubungszwang für Schlachttiere zu treffen. Der städtische Rechtsrat Schmidt machte gellend, daß das Gesetz noch nicht veröffentlicht sei, und daß die Aussührungsbestimmungen auch noch nicht erschienen seien. Ob das Gesetz mit dem 1. Oktober 1930 in Kraft treten könne, sei noch unsicher, weil verschiedentlich die Meinung Wochenkalender. v. 1.-8 März 1830 ' v. 1.-8. Adar 8880 Samstag - i l ys snjBB» Sonntag 2 2 Nontag 3 3 Dienstag 4 TTR 4 Mittwoch i i5 5 Donnerstag ü 6; Freitag 7 7 Samstag 8;8 mm 's nmin