Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1930)
- Date
- 1930-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 9 mmmgmm Der Israelit 27. Februar 1930 biner Gläser darauf in Paris und Newyork erstattete, auf den Aussagen der Minsker Rabbiner beruhten, die die Lehrhäuser zu einem Sammelplatz gegen die Inquisition gemacht haben.-— Was müssen das für Helden der Thora und des Glaubens sein, die solcher „Verbrechen" beschuldigt werden! Soeben wird ein Telegramm Litwrnows an Borah in Amerika bekannt, wonach alle Rabbiner bis auf drei wieder freigelassen feien. Sollte sich dies bestätigen, so wären darin die weiteren und erfreulichen Folgen der Weltaktion zu sehen. wert. Lebensauslöschung, Dyseinsvernichtung. Rasen der Elemente, Entfaltung und Alleinherrschaft der Triebe sind seine Götter; des Menschen Vernunft dient ihm nur, um diesen Gewalten den, Weg zu bahnen. Ja, des Menschen Kunst und Selbsterziehung sind ihm nur Mittel zu größerer Ausbreitung dieser dunklen Gewalten. Jagd ist ihm kein Nahrungszweig; sie ist ihm Dienst des Einzigen, was er für mächtiger als sich selbst hält, der Willensauflösung, der. Denklosigkell, des großen angebeteten Nichts, in das er alles Lebenden Blut strömen, ja, alles Denkenden'Hauch verfliegen läßt. Wie der Götze, so fein Priester, so sein Volk, a.wiy r»rp omn> Sinnbild ober Selbstwerl? (Hebet echte und falsche Gesehessymbolik.) Von Rabbiner Dr. B. Cohen in Iriedrlchsladk. 1. Das Zeitalter des Tierschutzes kämpft gegen das Schächtgebot des Allbarmherzigen. Ein schreckenerregendes Bild, ein Rückfall in das Zeitalter der Religionsverfolgung. Erschreckt fragen wir uns,, ob dies aus Tierliebe oder aus Judenhaß geschieht. Wir vermissen den Kampf der Tierschützler gegen die'Ausschreitungen des rauhen Weidhandwerks. Eine Jägerzeitung nannte vor einiger Zeit den kunstgerechten Ausüber des Jägerberufs einen „Priester im Tempel der Natur". Die Zeitungen des Fortschrittes griffen den Ausdruck auf, um ihn zu bekämpfen und zu verhöhnen. Wie kann der, so höhnten sie, der das Tier zu Tode hetzt und mordet, ein Priester sein! Welch Zerrbild eines Gottes, dem man hetzend, quälend und mordend opfert! Ein bitteres Muß, so schrieben diese Blätter, ist die Tiertötung, damit den Menschen Nahrung beschafft wird. Man überläßt es roheren Leuten, läßt sich dadurch nicht die Fleischnahrung verekeln, aber darf ein gehobenes Menschentum, einen Priesterberuf in diesem Handwerk nicht sehen. . Die Selbstverherrlichung des Jägerstandes war ein Unsinn; die Antwort der Fortschrittler kann uns jedoch auch nicht befriedigen. Dem unfreien Gotte gehört ein unfreier Mensch. Ist unsere Fleischnahrung ein dunkles, blindes Muß gleich den Nahrungseigenheiten der Raubtiere, dann haben sie Recht. Esten wir aber, um zu leben, und essen wir so, daß trotz, nein dank unserer Ernährungsweise unser Leben einen höheren Wert erhält, dann ist jede Vorbereitung zu unserer Speise ein Priesterdienst. Der Heide, der nicht am Abend essen will, „was nicht am Morgen noch in. warmer Haut gelebt," sieht mit Eßav im dampfenden Blute frisch erlegten Wildes seinen höheren Lebens- Dem begegnet man nicht mit Hohn und Fortschritt, mit Humanität und Gedankenablenkung; dem begegnet Gott, der Freie, seist Gesetz, das Befreiende, und dessen Befolgerschaft, die den freien Willen, den bewußten Gedanken als Sein alleiniges Priestertum betätigt und auch im Gewinnen der Fleischnahrung verwirklicht: Israel und sein Schächtgebot.. Dies jedoch nur in seiner tatsächlicher,!, unverfälschten Ausübung. Denn unzertrennlich von diesem Gebote ist seine Betätigung, und Irrwahn ist jeder „Sinn" dieses Gebotes, den eine fortgeschrittene Zeit auf leichteren Wegen zu erfüllen vermeinen kann. So weist Hirsch die sanitäre Begründung für Mila (Ges. m 301) und Zaraat (Lev. 273) ganz als unbrauchbar ab. Und gerade bei Geboten, die sich auf die Kreatur beziehen, warnt die Mischnä am Ende von Megilla nachdrücklichst vor der Annahme, daß sie nur „göttliche Milde" ausstrahlen. Auch Maimonides im Moreh in, 26 ZLigt gerade am Beispiele der Schechitagesetze, daß man mit so allgemeinen Begriffen wie dem der Menschlichkeit zur Ausdeutung der Gesetze nichts Wesentliches beitragen kann. Trotzdem hat sich Maimonides, wenigstens in seinem den „Verrrrten" gewidmeten Werke, nicht ganz von dieser Deutungsweise der Gesetze losgemacht und ist dadurch vielfach, so beim Schächtgebote, auf halbem Wege stehen geblieben. Daß Hirsch trotz seiner Ehrfurcht vor Maimonides bewußt mit diesem System bricht, sehen wir aus dem 18. der 19 Briefe, Ehrm. Aufl. S. 80/1. Cr wendet auch bei Schechita seine eigene, die einzig / mögliche wissenschaftliche Methode an: Das Faktum des Gesetzes als Faktum hinzunehmen, nichts Anderes als nur das Gesetz selbst über den Sinn des Gesetzes zu befragen und nur aus den Einzslbestimmungen eines Gebdtes seine innere Lehre zu ergründen. 2. Den 2 Namen des Schächtens. gibt Hirsch etymologische Erklärungen. Lev. 37 stellt er vNV in Beziehung zu inw „Gewinnen des gT——a——i—— wüchse solcher Kantorenkonzerte und die damit verbundenen Ausflüsse, menschlicher Eitelkeit, und Prositsuchi nicht wundern. Die Red.). - . (Argentinien.) Man schreibt uns: Seitdem die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Tore einer.größeren jüdischen Einwanderung verschlossen, haben, wendet die Masse der Auswandernden sich mehr den südamerikanischen Landesgebieten zu. Man steht in diesen der Zuwanderung tüchtiger'produktiver Elemente aus Europa weniger übelwollend gegenüber, nachdem die gegebenen räumlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen einer Bevölkerungszunahme nicht im Wege sind und für Emsige und eifrig Schaffende ein Einleben und Vorwärtskommen keine besonderen Schwierigkeiten bieten. Weniger günstig sind jedoch in jenen Ländergebieten die Voraussetzungen für den an einer religiösen Lebensführung gewöhnten. Die jüdischen Gemeinschaften in Südamerika sind nicht so einheitlich zusammengefaßt und straff organisiert wie die in Europa. Die Erfüllung des Aufgabenkreises derselben ist darum mehr Sache Einzelner, besonders Interessierter, die sich hierfür freiwillig zusammenfinden. ■ So leicht es darum für den Eingewanderten ist, in sozialpolitischer Beziehung in den ihm zusagenden Kreis zu gelangen, so schwierig scheint dies in religiöser. Es scheint aber nur so. Denn auch hier findet sich dem Ernsten und Suchenden das, wonach Geist und Gemüt ihn ziehen. Wer denkt, wenn er nach Buenos-Aires kommt, daß er daselbst Gelegenheit finden kann, einem etwaigen Verlangen nach Limud- Thora nachzukommen! Und doch existiert dort seit einiger Zeit sogar ein Gemoro-Schiur, den der aus Ungarn stammende Rabbiner G o t t l i e b Vicento Gomtz 2607, mit Hilfe einiger --Gesinnungsgenossen eingerichtet hat. Der genannte Herr Rabbiner, der mit Eifer und Hingebung auch der sonstigen religiösen Belange sich annimmt. geht auch Jedem gern an die Hand, der um rituelle Verpflegung bemüht ist'oder sonstige Gelegenheit zu traditioneller Lebensbetätigung sucht. Es ist wichtig, daß solche Dinge bekannt werden; denn ist einmal eine religiöse Verbindung für die vom Schicksal Entwurzeltem gefunden, so wird es diesen leichtest manchen unerwünschten Einwirkungen dieses freiheitlichen Bodens zu ent-, gehen, in der gewohnten Deutungs- und Lebensart zu verharren und später einmal den Kreis zu stärken, der, wiewohl klein an Zahl, bemüht ist, die Erfüllung des religiösen Pflichtlebens zu erleichtern und ihm eine geschloffene Organisation als Stütze zur Seite zu stellen. Aamiliemiachrichken. Bar'mizwo: Hermann, Sohn des Herrn David Kalmitz, Allerheiligenstraße 45. 1. März 1930. c-'vsvv in der Synagoge „Ez-Chajim", Allerheiligenstr. 45. Verantwortlich kür den allgemeinen Teil und das Feuilletr s. Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schar nvwitz. ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer : Kau, mann in Sprendlingen <Kr. Offenbach). — Serie Israelit". ®. m. b. H.. Frankfurt a. M. - Druck.- Hermon Verla und Druckerei. Frankfurt a. M. Molliges Heim Nur durch einen guten Buderus-Dauerbrandofen diesen kaufen Sie besonders preiswert bei E. HAGE & Co« Am Eschenheimer Tor 3 anderen füst sich". Zu rnt stellt er (Deut. 167). nsv „Anschluß an eine Persönlichkeit". Es ist zu beachten, daß beibö Worte hiernach nicht das Endigen des Tierlebens, sondern das Heranbringen des Tiers an die Menschenpersönlichkeit bedeuten. Diese Bedeutung ist danach nicht fern vor.l der, welche Hirsch Lev. 6 im Opfer pip sieht: „Es ist'',7121,7 die Gottesnähe, die mit dem )2ij? angestrebt wird." Das Licht dieses Dreigestirns von Deutungen muß die philologischen Bedenken scheuchen, mit welchen man sonst, manche einzelne etymologische Ableitung verdunkeln zu müssen meinte. Hier ist die Uebereinstimmung von Gedanken uinü Wortbild für Jeden überzeugend. (Vielleicht ist es gestattet, zu vnw und -inv auch aram. hrw zu stellen, das KaVrr» Kfi’i'2 besonders leichtes Nachsichziehen bedeutet und in»' das Huld eines Höheren erwerben heißt; zu tat vgl. ferner aram. :m zugesellen; dies zur Erfüllung des neueren Anspruchs, jede Etymologie aus den verwandten Sprachen zu belegen.) Danach ist Schächten den Akt, durch den (Deut. 167): „Der Mensch den Tierleib, der bis dahin dem Tierwesen, der animalischen ''N VLi angehörte, sich, seiner Menschenpersönlichkeit zum Anschluß bringt . . ., sich verwandt macht, den Muskel- und Nervenleib, der bis jetzt dem Tierwesen untertan war, zur Umwandlung in Menschenmuskel und Menschennerv bereit stellt." Diese Auffassung ist, obgleich nur der Benennung des Schächtens in der Thora abgelesen, als wahr schon durch ihre Uebereinstimmung mit der von Nachmani*) und Späteren gelehrten innerjüdischen Auffassung erwiesen, die in der Ernährung des Menschen die Erhebung der diesseitigen Welt zum Menschen und durch den Menschen zu Gott vollzogen sieht. Es liegt also schon im Namen des Schächtens eine Verkündung seines Sinnes und ein Protest ge-' gen das Heidentum, das im Opfer eine Hingabe beliebigenCigentums an neidische, gierige Mächte sah, also 'eine Losreißung aus dem Persönlichkeitskreis, und das auch in der Ernährung des Menschen nichts Gottgefälliges, sondern nur ein Zugeständnis an die rauhere Notwendigkeit des Lebens sehen konnte, die man dem gemeinen Handwerk überläßt. Uns aber, ist das Schächten Aufstieg der Kreatur zum Menschen und das Opfer Aufstieg der Menschen zu Gott. Ist das Symbolik? Ist das Allegorie? Hirsch hat gute Gründe, diesen Namen festzuhalten.'Es ist mehr. Es ist kosmische' Weltansicht. Es ist dem Schächten ein Wert beigemessen, deü es nur als ausgeübtes, vorschriftsgsmäß befolgtes Gebot erfüllt, nicht ein „Siniu", denn ein „Sinn" ist auch erkennbar, wenn man ihn nur „weiß". Dazu braucht man das Gebot nicht a u s ü b e n. Hirsch aber stellt ■ Unsvor. die Tatsache: Das Gebot will au s geüb t sein. Also lann es nur: einen Wert haben/., der nur :ein; 'solcher ist,, wün-n es .ausgehht wird, nicht einen cheoretischen Sinn; denschm auch den Zuschauer und Übertreter ablauschen kann'.n?'•' «u■■■:}■'; Gerade am Schächtgesetz wird, die Torheit solcher Gesetzesdeuter zuschanden, die, wie die. Zeitgenossen des R. Sch. b. Adereth und wiedie Reformer des 18. Jahrhunderts, sich durch Kenntnis des „Sinns" eines Gebots von seiner Befolgung frei wähnen-. Und -dies sei. im Folgenden einzeln aufgezeigt. : 3. Den V or g a n g des? Schächtens'hat!die mündliche Lehre durch fünf-.Vorschriften bis Ins Einzelne festgelegt. Er foVeiN!!„besttzergreifenden Herrscherakt" sein; das lehrt Hirsch uns am Verbot der '"nw (Deut. 167), des Za u d^ r n s yder Anhaltens im SchächtschnM der AestßergreifeNde Herrscherakt ist nur ohne Zästdern vorstellbar. Das Gleiche lehrt er ebenso-.- deutlich aus hem Verbote der nibn des verdeckten,>ünter der Wolle oder unter einer Hülle vollzogenen Schnittes; 'hierbei ergibt sich die?a n,. sich sch on w ertb e t o.n t e^F o r d e r u nd ^.diese Besitzergreifung mit vyllem Bewußtstm aller: Sinne,, vör allem also des sehenden Auges geschehen i zu lasten. *) Gen. 1,29; Anf. Lew. u. ö.