Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1930)
- Date
- 1930-02-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 9 Der Israelit Kaler-derreform mit Blanko-Tag mehren sich nannt. Aber der im Jahre 1929 erschienene Betagtäglich, weil von seiten verschiedenster Kirj richt des Nationalkomitees der Vereinigten Staachensynoden erklärt worden ist, daß ihrerseits keine Bedenken gegen den Blanko-Tag geltend gemacht werden und weil die römisch-katholische Kirche sich über diesen Punkt noch nicht mit Bestimmtheit ausgesprochen hat. Weniger Aussicht hat der Vorschlag, alle 5 oder 6 Jahre eine Schaltwoche hinzuzufügen. Die Regelmäßigkeit des immer fortlaufenden 52wöchigen Jahres soll eben durch Einführung der Blanko-Tage bewerkstelligt werden. Das ^wöchige Jahr bricht diese Regelmäßigkeit zu sehr und zu oft, und die Nachteile und Schäden auf ökonomischem und industriellem Gebiete werden dadurch wieder zu sehr bemerkbar. Noch eher hätte der dritte Vorschlag Aussicht, durchzudringen, träte nicht folgender Umstand in den Weg. Hand in Hand mit dem Bestreben, durch Blanko-Tage den Jahreskalender zu vereinfachen, geht das Verlangen, das christliche Osterfest auf ein bestimmtes Datum des Monats April zu fixieren, weil die jetzt variierenden Daten des Osterfestes zwischen dem 22. März und 25. April sehr störend wirken, vor allem auf Schul- und Transportwesen und Handel im allgemeinen. Hauptsächlich aus gewissen Rücksichten auf Handel und Fremdenverkehr darf Ostern aber weder zu früh noch zu spät in der Frühlingszeit angesetzt werden. Selbst kirchliche Korporationen, die die Kalenderreform mit Blanko-Tag verwerfen, haben sich stark für die Fixierung des Osterfestes ausgesprochen. Sogar die römischkatholische Kirche hat sich darüber bereits geäußert und sie nicht von vornherin als unmöglich erachtet. Inwiefern die augenblickliche Haltung der polnisch-orthodoxen Kirche, die die Fixierung des ten von Amerika für die Vereinfachung des Kalenders, in welchem Komitee alle Organisationen und Schichten der amerikanischen Welt stark vertreten sind, enthält bereits ausdrücklich diesen Vorschlag. In einem Kalender nun, der einen Schaltmonat von 28 Tagen alle 23 Jahre erfordern würde (um die Blanko-Tage nicht einführen zu müssen), würde Jahre hindurch das fixierte Osterfest in viel zu frühe Jahreszeit fallen. Schon deshalb hat dieser Vorschlag aus praktischen Gründen keine große Aussicht, zur Annahme zu gelangen. Daß vom astronomisch-wissenschaftlichen Standpunkte aus der Schaltmonat noch stärker bekämpft werden würde als die Schaltwoche, wollen wir nicht unterlassen, hier nebenbei zu bemerken. (Schluß folgt.) Vochenrundschau. Die Valästinaunruhen und die Kommunisten. Von Zeit zu Zeit zieren die Litfaßsäulen in den Großstädten Deutschlands — vor kurzem auch in Frankfurt — Riesenplakate, die kommunistische Protestversammlung e n „gegen zionistische und arabische Ausbeuter in Palästina" anzeigen. Auf solchen Versammlungen wird in großen Reden in schon rühmlich Osterfestes an die Bedingung knüpft, daß das jü-'bekannter Weise die Not des in Palästina auch dische Pesach-Fest immer früher fallen soll als! bei jüdischen Grundbesitzern „versklavten arabidas Osterfest, von einschneidender Bedeutung für scheu Proletariats" in den schwärzesten Farben die Fixierung des Osterfestes erachtet werden muß, ist eine Sache für sich. Wir dürfen — so wie die Dinge heute liegen — nicht damit rechnen. Es liegen die Dinge nämlich heute so, daß die Fixierung des Osterfestes schließlich durchdringen könnte, während die Kalenderreform mit Blanko- Tag noch Gegenstand des heftigsten Streites sein ausgemalt, und darin die Erklärung — auch Verzeihung — für die blutigen Taten des „erwachten arabischen Volkes" gefunden. Doppelt schmerzlich, wenn, wie es zumeist geschieht, solch beschönigendes Unternehmen von jüdischer Seite ausgebt. Wagt es ein verständiger Kenner der Dinge, an Hand der Tatsachen die Räuber und Mörder als das zu bezeichnen, was sicwürde. Die Resolutionen an den Kongressen der - sind, so kann er heilsfroh sein, wenn er mit gan- Jnternätionalen Arbeitskammer (1928) und der zen Glieder wieder an die Luft gelangt. Inder Internationalen Handelskammer (1929) heben die Dringlichkeit der Fixierung des Osterfestes und der möglichst vollkommenen Vereinfachung des Kalenders aufs neue hervor. Allerdings ist Kunst der „schlagenden Beweise" steht die extreme Linke der extremen Rechten nicht nach. Aber einen in anderem Sinne wahrhaft s ch l ag e n d e n Beweis für die Mit sch u l d der Blanko-Tag nicht in dieser Resolution ge->des internationalen und interkon- Zur Ueberfehuvg eines Gebetworkes. Zu den Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Kaatz in Nr. 5 des „Israelit" über die Frage, ob eine Negationspartikel in Sätzen mit bo eine vollständige oder nur partielle Verneinung bewirkt, erlaube ich mir folgende Ansicht zu äußern: 1. Eine unzw.ifcl^ast vollständige Verneinung bieten nur diejenigen Sätze, ü denen bz , entweder alleinstehend oder mit einem unbestimmten Dingwort verbunden, negiert wird. 2. Desgleichen ist die Verneinung überall eine absolute, wo >2 mit einem Relativsatz oder Partizip verbunden ist, da hier dir einschränkende Beifügung betont ist. 3. Hat aber bs selbst oder das ihm folgende Dingwort den Artikel oder ein besitzanzeigendes Susfir, so kann beides der Fall sein, entweder die partielle oder vollständige Verneinung. Es kommt hierbei auf den Satzakzent an, es kommt darauf an, aus dem logischen Zusammenhang zu erschließen, welches Wort im Satze am stärksten betont werden muß. Was nun inan *t>y> anbelangt, so ist sowohl die herkömmliche Uebersetzung als auch die von Herrn Dr. Kaah gegebene berechtigt. Jene legt den Hauptton auf inan b> während diese es unbetont sein läßt und dafür vr hervorhebt: „Er läßt seinen vollen Grimm nicht erwachen". Welche von beiden Auffassungen vorzuziehen ist, das ergibt sich m. E. aus dem Zusammenhang, in dem die fraglichen Worte mit den vorhergehenden im Satze und dem Gedankengang in dem Psalm selbst stehen. Wir wissen, daß nrrn nicht zürnt; er ändert sich nicht (Mal. 3,6), er schaut mit der gleichen Liebe und Vaterhuld auf den Menschen, bevor und nachdem er gesündigt hat. Aber „die Gotteslehre spricht die Sprache der Menschen". Der Gottgläubige sagt, wenn ein Leid ihn tri ft, Gott zürnt und straft mich ob meiner Unwürdigkeil und Sündhaftigkeit. So bedeutet 4 M. 25,3 tonp'a 'n im Gott ließ seine Strafgerechtigkeit walten; worin die Strafe bestand, erfahren wir erst aus V. 9. Und so heißt es auch in Ps. 78, G. zürnt und straft (D. 31), und wenn der Sünder Reue empfindet (V. 34), selbst wenn diese keine vollkommene und aufrichtige ist (V. 36 u. 37), so ist Gott barmherzig und verzeiht die Sünde und zum Beweis, daß er verziehen hat, „läßt er oft seinen (schon ausgesandten) Zorn wieder zurückkeh"en", d. h. er zieht seine -strafende Hand zurück und „läßt nicht seinen ganzen G imm erwachen", er hört auf zu strafen, er straft nicht, wie es der Sünder eigentlich verdient hätte. Rabb. Dr. Joseph Cohn- Hamburg. Bemerkung. Zur Notiz des Herrn Rabbiner Dr. K a a tz in Nr. 5 Ihres gesch. Blattes, erlaube ich mir zu bemerken, daß bereits R. Jacob Emden in seiner apsr jpa n^sn hierzu Stellung nimmt. Es heißt dort wörtlich: w sbi man i»3, naisa d. h. auch das Geringste nicht, wie pu enVi und naxVa *-?3 n»«i ub. roste en* irgend eine Arbeit. R. Jacob Emden V'si ist also ebenfalls der Meinung, daß das Wort "ba" im Zusammenhang mit dem verneinenden "«X tm Sinne des Herrn Rabbiner Dr. Kaatz zu übersetzen ist. W. D. 27. Februar 1930 fessionellen Kommunismus an dem ^grauen vollen Blutvergießen in Palästina führt in einer seiner letzten Nummer der Jerusalemer „Doar Hajom" an. Sein Pariser Korrespondent hatte eine Unterredung mit dem inzwischen unter nicht gerade ruhmvollen Umständen verschwundenen Botschaftsrat der Pariser Sowjetbotschast Bessedowsky. Dieser gut informierte Herr erzählte treuherzig, daß die kommunistische Internationale seit 1929 der K o m m u n i st i s ch.e n Partei Palästinas besonderes Interesse zugewandt und ihre Mitglieder in Wort und Schrift dahin bearbeitet hätte, die arabischen und jüdischen Arbeiter gegen die.jüdische Kolonisation marschieren zu lassen. Arabische O r g a n i s a t i o - n e n und Scheichs erhielten zu diesem Zwecke große Geld unter st ützungen. Eine besondere Mission mit reichlichen Reservefonds zur Revolution-ierung des Volkes in Palästina übernahm die 1929 nach fernen gesandte S o w j e t h a n d e l s mi s s i o n. Es scheint nach diesen Angaben, daß die Kommunisten und ihre russische Weltzevtrale bei der Katastrophe in Palästina in einem weit höheren Maße ihre Hand mit im Spiele hatten, als die Welt ahnt. Diese Aufdeckungen müßten auch die Untersuchungskommission und das Parlament in London interessieren. Auf keinen Fall sollten es aber die Kommunisten wagen, eine Schuld, dies ieaufdem Gewissenhaben, denen zuzuschieben, die die blutige Rechnung dieser unglückseligen roten Politik zu bezahlen hatten. „Nicht der Mörder ist schuldig, sondern der Ermordete!", ist ein schöner Titel für einen phantastischen Roman. Das Leben und die Wirklichkeit werden an solchen Verdrehungen den wahren- Charakter der kommunistischen „Weltbeglücker" nur deutlicher erkennen. Oieersten Wirkungen in Sowjelrutzland. Die erste Reaktion auf die W e l t a k t i o n gegen die R e l r g i o n s v e. r f o l g un> g e n in Rußland wirkt sich in neuen explosiven Entladungen auf das arme Haupt der Judenaus. In Minsk, der Hauptstadt der weißrussischen Sowjetrepublik, sind, wie schon berichtet, die Vorsteher und Rabbiner der Gemeinde verhaftet worden, unter ihnen! der Oberrabbiner Rabbi P e w s n e r. Warum? Man habe bei Haussuchungen in ihren Wohnungen Korrespondenz mit ausländischen jüdischen Organisationen gefunden, die auf eine „antisowjet'sche Verschwörung" hinwiesen. Es seien Aufrufe an den Tag Kleines Feuilleton. Zur ersten Zahrzeik von Rabbiner Dr. I. Bovdi Von einem Schüler. Was der vor Jahresfrist Heimgegangene große Mainzer Raw der wissenschaftlichen Welt bedeutet hat, es hat aus berufener Feder Ausdruck gefunden. Dem dankbaren Schüler aber fei es vergönnt, des hervorragenden Lehrers und gütigen Menschen heute zu gedenken. Wenn unser Mund damals verstummen mußte, als die schmerzliche Kunde vom Tode des geliebten Lehrers unser Herz lähmte, da leitete uns ein Gedanke, dem einst ein Großer Israels in seiner Totenklage um einen anderen berühmten Mainzer Raw, „Rabbi Tewel Scheuer W Ausdruck geliehen hatte: „Der ison soll ein Versuch sein, den p'nr zu ehren, der sein ganzes Leben darauf wandte, die Menge zu läutern und nun zu verbreiten in Israel auf Grund dessen er ja noch im Tode lebend und tatenreich genannt wird. Der Lebende aber nehme es sich zu Herzen, daß die Flamme fiel in die hochragende Zeder des Libanon und er nehme es sich vor, zu Gott sich zu wenden mit ganzem Herzen. So kann auch noch der Tote Segen stiften, wenn sich die ihrer Großen beraubte Iudenheit zu reumütiger Umkehr wendet und weise wird durch den Schmerz". Darum also wartete ich, um nun erst meinem Lehrer einen dankbaren Gruß zu weihen. Unser Lehrer war ein gütiger Mensch: Wenn irgend welche Not uns bedrückte, immer war er bereit, uns Gehör zu schenken. Es war ein besonderes Glück, am nav, wo Herz und Zunge sich leichter löst, vor dem Nach»