Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1930)
- Date
- 1930-02-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 4 Der Israelit Blätter 20. Februar 1930 ihr gelingen, die orthodoxe jüdische Gesellschaft, - das gesetzestreue Milieu jedes Einzelnen zu werden. (Bisher ist nichts davon bekannt geworden, daß die S. R. Hirsch-Gesellschaft beabsichtigt, wie der verehrte Herr Verfasser der vorstehenden Ausführungen annimmt, sich als Fraktion innerhalb der Agudas Jisroel zu betätigen. Gegen eine Verwirklichung dieser Absicht würde wohl kein Agudist etwas einZuwenden haben, denn es kann nur erwünscht sein, wenn die verschiedenen Auffassungen, die auf dem Boden der einheitlichen Thoragesinnung möglich sind, innernalb der agudistischen Organisation ihren Ausdruck finden. Vorläufig hat es jedoch den Anschein, als wolle die Gesellschaft oder wollten wenigstens einzelne ihrer Gründer den Kampf um den Z 4 der Aguda-Satzung nicht innerhalb der Organisation, sondern von außen aufnehmen, was vom Standpunkt der allgemeinen gesetzestreuen Interessen ein Unglück wäre. Historisch betrachtet, besteht u. E. keinerlei Recht, daß sich die Verfechter eines statutarischen Ausschlusses der Gemeindeorthodoxie vom passiven Wahlrecht in der „Agudas Jisroel" auf Rabbiner Hirsch berufen. Weder die Satzung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", noch die Satzung der von Rabbiner Hirsch gegründeten und geführten Kehall Adaß Jeschurun kannte und kennt einen solchen Ausschluß. Ueberall wurde nur schlechtweg persönliche T h o r a t r e u e i n G e s i n n u n g und T a t verlangt und niemand von der Leitung ausgeschlossen, der einen gesetzestreuen Lebenswandel führte. „Ganze Gefolgschaft" zu bieten, können also auch diejenigen sich bewußt sein, die gegen den 8 4 überhaupt oder gegen seine extreme Interpretation waren und sind. Wer in Wahrheit den Sieg der Ideenwelt S. R. Hirschs im Judentum der Gegenwart will, darf sich seines Namens nicht mißbräuchlich zur kämpfenden Durchsetzung höchst individueller politisch-taktischer Forderungen bedienen, die keine Hirsch'schen Postulate sind. Red.). Noch Agudas Jisroel Jugendorganisation! Eine Erwiderung von H. E. Hildesheimer in Halberstadt. Als, allerdings jetzt nur noch passives, Mitglied der Esra und augenblickliches Vorstandsmitglied der hiesigen Jugendgruppe der Agudas Jisroel sehe ich mich verpflichtet, auf die Ausführungen über die Agudoh-Esra-Frage in der Nr. 25 des letzten Jahrgangs der „Blätter" zu erwidern. Es muß zunächst betont werden, daß die'Esra ursprünglich gegründet worden ist, damit die jüngste Jugend, die noch nicht in die A. I. I. O. hineingehörte, vereinigt sei, und zwar auf dem Boden der Agudas Jisroel. So war die Esra als ein Kind der Agudoh gedacht, d. h. der Weg eines Esräers sollte von der Esra über die Jugendgruppe in die Ortsgruppe der Agudas Jisroel führen. Somit kann man eigentlich die Esra als die Vereinigung der jüngsten Agudisten bezeichnen. Damit fällt m. E. die Frage des „älteren" Esräers vollständig fort, denn einen solchen gibt es nicht. Sobald eine bestimmte Altersgrenze erreicht war, mußte man als Esräer entweder in die A. I. I. O. übertreten oder, bei Nichtanerkennung der Idee der Agudas Jisroel, dieser Organisation verloren gehen. Ob diese Handlungsweise wirklich ein Verlust für die Agudoh war, ist noch sehr fraglich. Man kann schließlich nicht jeden Menschen dazu zwingen, Agudist zu sein. Nun behauptet der Verfasser des in Frage kommenden Aufsatzes, daß der, der über die Esra hinausgewachsen sei, vor der „Parteibrille" der Jugendgruppen zurückschrecke, und daß er dort auch keinen Anhang finden könne, weil die Mitglieder der Jugendgruppen bereits fest mit der Agudoh verbunden seien. Ich erlaube mir nun, den Verfasser zu fragen, ob es irgend einen Ver- Aufruf! Durch die Lage in Erez Jisroel ist die Ada r- Aktion des Jahres 5690, welche von der Leitung der Agudas Jisroel dafür bestimmt wurde, das Schulwerk in Erez Aisroel zu fördern, von ganz besonderer Bedeutung. Infolge der Tatsache, daß über 500 Kinder in Erez Jisroel Missionsschulen besuchen, daß Tausende von Kindern aus Mangel an Mitteln nicht in das agudistische Schulwerk ausgenommen werden können, daß angesichts der wirtschaftlichen Lage in Er.ez Jisroel das wenige,, bisher von den Eltern gezahlte Schulgeld nicht mehr aufgebracht werden kann, daß die Einschränkung oder Gott behüte der Untergang des Schulwerkes mit seinen 11 Schulen und etwa 1500 Kindern eine verhängnisvolle Lücke im religiösen Erziehungswerk des heiligen Landes bedeuten würde, fordern wir jeden Agudisten auf, im A d a r — dem traditionellen Werbemonat zur Heiligung des jüdischen Gesetzes — mit dem vollen Ausmaß seiner Kräfte das Schulwerk in Erez Jisroel zu fördern. Wie einst im Adar aus den Halben Schekel- Spenden der Reichen und Armen der Opferdienst im Heiligtum entstanden, so lasse auch kein bewußter Jude den Adar vorübergehen, ohne der Spendenpflicht des Halben-Schekels für das heilige Land zu genügen. Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel. Dr. Sakomoa Ehrmann, Frankfurt a. M. Rabb. Jonathan Horovic^, Frankfurt a. M.-Ierusalem. Simon M"gdan. F-ankfurt a. M. Dr. Siegfried Oppenheimer, Frankfurt a. M. Jacob Rosenbeim, Frankfurt a. M. Rabb. Dr. Moses Auerbach, Berlin. Rabb. I. Barnboim, Marculeft. Julius Blumenthal, F-anksiirt a. M. Jacob Joel Braun, Bratislava. Oberrabbiner Q. Ci-el'on, Chisinau. Samuel Deutsch, Subotica. Israel Eisenberg, Warschau. CH. I. Ei'tz. Zürich. Rafael Fellbeimer, Fürth. Rabb. H. Ferber, London. Dr. B. Feßler, Kolomea. Laza^e Goodman. London. P. G-inberg. Cbpinau. A. Heiielbeck, Zünch. Oberrabbiner Hirsch, Zwolle. Dr. Emil Hirsch, Berlin. Julius Holländer, Frankfurt a. M. Rabb. Tobias Horowih, Rzeszow. Baruch Kaminer, Warschau. David Kästner, Bratislava. Theodor Klein, Wien. Merer Lewenstein. Zürich. I. M. Lewin, Warschau. Piuchas Lewin, Warschau. A. Lissauen, Amsterdam. Ivan Möller, Breslau. S. T. Neiaidel. Zagare.;s)aaf Nutzbaum, Halberstadl. Rechtsanwalt Pinkus, Frankfurt a. M. Rabb. L. Z. Portugal. Sculeni. Michael Rosenstrauch, Warschau. Dr. Jacob Segall, Berlin. I. H. Slagter, Rotterdam. Julius Schwabacher, Frankfurt a. M. Koppel Spira. Antwerpen. Josef Szuw, Wilna. F. Stempel, Krakau. Jsak Ste"nberg, Oradea-Mare. Eduard Stiebel, Fulda. Rabb. Veiwelson, Saukeuai. David Weidenfeld, Warschau. Oberrabbiner Wcill, Kolmar. Samuel Wertheimer, Frankfurt a. M. Rabb. Dr. Winkler, Kopenhagen. Jacob Wittles, Lwow. H. Wolschonek, Riga. Spenden erbeten auf das Postscheckkonto der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Nr. 53 900 Frankfurt a. M. ein oder eine Organisation gibt, deren Mitglieder nicht voll und ganz mit dem Gedanken dieses Vereins oder dieser Organisation verbunden sind. Kann denn überhaupt eine Vereinigung bestehen, wenn ihre Mitglieder nicht völlig beseelt sind von den Interessen, auf denen sich die Vereinigung aufbaut!? Ich möchte hem Verfasser raten, ohne ihm zu nahe treten zu wollen, sich erst einmal mit den soziologischen Voraussetzungen einer Gemeinschaft zu befassen. Jedes Mitglied der Agudas Jisroel muß selbstverständlich erst dazu erzogen werden, sich als wahrhafter Agudist zu fühlen. Das aber war gerade die Aufgabe der Esra: die Vorbereitung für die Gedankenwelt der Agudas Jisroel. Heute ist das bei der vollständig geänderten Zusammensetzung der Esragruppen nicht mehr möglich. Daher ist diese Aufgabe jetzt in den Ausgabenikreis der A. I. I. O. übergegangen. Hierbei möchte ich dem Verfasser gesagt haben, daß der O. V. und aus seine Beratung hin auch alle Gruppen auch ohne den Rat eines Nichtagudisten (denn ein solcher scheint der Verfasser zu sein, oder er müßte uns seinen Namen verraten) weiß, welches die Aufgaben der A. I. I. O. find. Nun! zu den Reformplänen, die der unbekannte Verfasser in seinen Betrachtungen vorschlägt, die aber — wie er selbst betont — keine Besserung bringen würden. Wenn die Mitglieder der Jugendgruppen in die Ortsgruppen übergehen würden, würde m. E. von der Agudoh- Jugend überhaupt nichts mehr geleistet, da sich junge Menschen in einem Kreis der Erwachsenen nicht so entfalten können, wie es nötig wäre. Ein Uebergang der Esra-Gruppen in die heutigen Jugendgruppen wäre andererseits bei der augenblicklichen Zusammensetzung vieler Gruppen nicht möglich und auch vielfach gar nicht erwünscht. Darum glaube ich zusammenfassendsagen zu müssen, daß es das wichtigste ist, daß der O. V., der selbstverständlich guten Ratschlägen immer dankbar sein wird, so bleibt, wie er heute besteht. Wir wollen bei all diesen Kämpfen nicht vergessen, daß weder die Esra, noch die Agudas Jisroel bas wichtigste ist, sondern krsbanii” bbi' das wir zu jeder Zeit vor noch weiterer Zersplitterung bewahren müssen! Welijugendorganisalion? Bon D. Illlmann in Kassel. Einer Aufforderung der Züricher Zentrale der „Hanholo Horoschis Aulomis fchel Zeiri Agudas Jisroel" nachkommend-, möchte ich im folgenden versuchen, die Bedeutung und Berechtigung einer agudistischen- Zentraljugendorganisation barzulegen. Auf dem Frankfurter Bundestag hat Rabb. Dr. Pinchas Kohn in seinen gewohnten klaren Formulierungen das Grundwesen der agudistischen Jugendbewegung dargestellt, die Rot, mehr noch den furchtbaren und verhängnisvollen Zwiespalt der orthodoxen jüdischen Jugend unverhohlen ausgedrückt: „Wir glauben es noch gar nicht, daß Tauro nizchi-s ist, daß unser Tauroh-Jdeal jeder Frage eine Antwort weiß", also immer noch die suchende Seele, immer noch das Sehnen nach dem großen „Etwas", immer noch das Herumirren, niemals irr der Jugend die starke Gewißheit, daß die Seele längst da ist, daß nur der kranke Körper förmlich nach Gesundung schreit, daß ja längst Gottestum im Menschen ist, daß es sich nur nicht auszuwirken vermag. Und damit ist alles über die Jugend gesagt, alle Rot der Zeit, Suchen nach geistigem Gut, brennende Sexualität, Weltenhunger und Milieuschaffung, alles kann ja nur gelöst werden, wenn endlich erst die Jugend erkennen würde, daß Tauroh- Jdeal, nicht nur Jnnehaltung des Gesetzes bedeutet, daß es nicht nur psychologisch wertvoll in den Entwicklungsjahren ist, sich ihm zu unterstellen, sondern daß es bedeutet, im Ganzen von ihm ersaßt zu sein, zu wissen, daß es den ganzen Menschen erfassen soll und muß. Undweil nun in den Jahren nach dem Kriege ein? Irren be-