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Der Israelit · 1930-02-20 · Heft 8 (20.2.1930) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 8 (20.2.1930)
Date
1930-02-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Hfäffet* fierausgegeBen von der £andesorganifation der Agudas-Iisroel in Deutfefilond. 6. Jahrgang Hamburg, 20. Februar ^930/22. Schebat 5690 Nummer 4 Schriftleitung: Wotf S. JacoösoninKawöurg. Soeben erschien: Ausführlicher illustrierter Bericht über die stenesfio Gedaulo lu jiddischer Sprache. Herausgegeben von der Iugendgruppe Warschau. Preis Alk. 1.—, bei Alassenbezug durch agudistische Gruppen Alk. 0.50. Der Bericht enthält die wohlgelungenen Bilder der meisten in der K. G. hervorgetretenen rabbinischen und weltlichen Führer der Agudas Jisroel. Frankfurt a. 21t. Geschäftsausfchuß der Agudas Jisroel Organisations- und Finanzabteilung. Soeben erschien! Vx'itP’man Von Rabb. Cb. M. Silberschütz In Zlotschow Heit I. Das in leicht lesbarem Hebräisch geschriebene Werkchen, das eine Reihe in freier Folge •erscheinende Hefte umfassen soll, stellt die Grundgedanken der Agudas Jisroel populär im Anschluß an biblische, talmudische und midraschische Stellen dar und eignet sich zur Propaganda in allen Kreisen, die für Druschliteratur Liebe und Verständnis haben. Wir empfehlen allen Landesorganisation e n, sich eine Anzahl Exemplare des Werkes vom Verfasser kommen zu lassen und wegen eines billigen Bezugspreises mit ihm selbst Vereinbarungen zu ireffen. Frankfurt a. Main Roschchaudesch Schwat 5690 Geschäftsausschuß der Agudas Jisroel Organisationsabteilung. Organisationsbüro der Agttdas Jisroel Weltorganisation in Frankfurt a. M. Vor kurzem erschien: Die II. Kenessio Gedaulo der Agudas Jfsroel-WeltorganSsatfoa zu Wien am 10. bis 17. Ellul 5689. Vorläufiger Bericht. Preis 50 Pfennig, für Agudagruppen und agudistische Organisationen bei Bezug von mindestens 10 Exemplaren 20 Pfennig. Wir bitten zn bestellen. Frankfurt a, M. Rechneigrabenstrasse 7. Agudas Jisroel. Ganze Gefolgschaft. Bon Rabb. Dr. B. Cohen in Friedrichftadt. „Des Wissens Blüte sei das Leben". (Chaurew § 1.) 1. „Woher nimmt man ein Gan-Eden für Samson Raphael Hirsch!" So soll beim Kennenlernen der von Hirsch gegründeten Gemeinde und Schule ein Thorafürst des Ostens ausgerufen haben. Ueber soviel Anerkennung soll man sich gewiß freuen. Dennoch bleibt ein Rest. Der Große, dessen Lehre immer und immer wieder Weihe des Diesseits einschärft, der Thoraforscher, der seines Wissens tiefsaugende Wurzel nur in thoragemäßem Leben Blüten treiben sieht. — er will nicht ein Gan-Eden, nicht Anhimmelung, nicht Huldigung, — er will Gefolgschaft, ganze Gefolgschaft. Es ist eins der wenigen erfreulichen Anzeichen der heutigen Zeit des Materialismus, daß in ihr ein Wetteifer um diese ganze Gefolgschaft sich entspannen hat. Schon zu Lebzeiten des Meisters hat sich aus den Kernzellen seines Gedankens, den Religionsgesellschaften, eine Vereinigung in andere Gegenden und Kreise hinausprojiziert, welche die Interessen des orthodoxen Judentums frei von jedem gemeindlichen und behördlichen Zwange wahrnehmen sollte. Sie war als Vereinigung für Juden aller Länder und Kulturkreise gedacht, und nur äußere Verhältnisse haben ihr die Beschränkung auf ihr Heimatland aufgenötigt. Von diesem Wiederanschluß an die Weltjudenheit erhoffte der Meister auch die Wiedergewinnung der Thora-Autorität in unserem Lande, in unseren Gemeinden. Er kann es verlangen, daß man ihm in diesem von ihm geschaffenen Kreise ganze Gefolgschaft leistet; denn geschaffen ist er von ihm, obgleich erst lange nach seinem Ableben dieser Kreis als Agudas Jisroel wirkliche Jnternationalität erlangt hat. Wenn nun in letzter Zeit auch diese Gemeinschaft soviele, die nur von Fern den Strahl der Sonne Hirschs haben aufgehen sehen und die noch nicht zu der Erkenntnis gelangt sind, daß sein Geist auch im Gemeindeleben maßgeblich sein muß, in ihren Kreis gezogen und dadurch die Frage der Selbständigkeit der Orthodoxie neu aufgerollt hat, — wenn ferner der edle Eifer dieser Teilbekenner des Hirsch-Programms um die Aguda schon eine gewisse Fraktionsbildung innerhalb derselben hervorgebracht hat, — so sollte man doch auch andererseits nicht den guten Willen derer verkennen, die zu jener Erkenntnis durchgedrungen und deshalb der Meinung sind, daß der Aguda an besten mit voller, auch politischer Befolgung des Hirsch-Programms gedient ist. Und so sollte man den Gründern der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft das Recht zubilligen, auch ihrerseits eine Fraktion innerhalb derAgudazubilden. Ja, selbstdie Tatsache, daß sich an ihrer Gründung solche Verfechter ihrer Maximalforderungen beteiligt haben, die der Aguda nicht angehören oder nicht mehr angehören, zeugt bloß von ihrem Willen zur Versöhnung zwischen diesen und der Welt- Aguda, wobei beide Teile nur gewinnen können, nwi an*? nr» V12> 2. In solcher Ganzheit findet der Gedanke Hirschs Gefolgschaft auf aller Welt. Das Wissen, dessen Blüte das Leben, das jüdische Leben ist, hat keine Gegner in der gesetzestreuen Welt. Vereinigung einer wissenschaftlich jüdisch in sich begründeten Weltansicht mit thoratreuem Leben ist ja nur ein anderes Wort für Geistesweihe, die von der Tatweihe nicht zu trennen und selbst Fundamentalbegriff des Chassidismus ist. Der Streit geht immer nur um die Jugenderziehung, und auch hier ist er durch staatsgesetzliche Notwendigkeiten verschärft. Des Meisters Schul- Jdeal kann man im 21m Nachlesen. Eine ivis" Schule Litauens, ein v'i'vn -Kreis Polens hätte, es nicht fundamental anders gebaut. Was unter den Notwendigkeiten westlichen Schulzwangs und Studiumszwangs daraus geworden, — das hat weder die Aguda noch die „Fr. V." jemals den palästinensischen oder polnischen Kindern aufnötigen wollen. Auch des Meisters Bildungsgang war ein vollständig talmudischer, bevor er sich dem Weltwissen zuwandte. Wer aber dem Studium Hirschischer Schriften nicht ein paar homiletische Anregungen, sondern eine gerettete Jugend und eine gefestigte Weltanschauung verdanke, wer in ihnen den einen großen leitenden erzieherischen Gedanken erlebt, durch ihn gründliche Kenntnis des Sinnes des Gesetzeslebens erlangt und in ihm tausend Ergebnisse viel späterer Religionsforschung vorgeahnt gefunden und dabei aufs Neue die schöpferische Kraft innerjüdischen Wissens und Forfchens verehren gelernt hat, — pflichtvergessen wäre er, wenn er nicht dieses Forschens Weg allen jüdischen Brüdern in allen Ländern weisen und pflichtvergessen, wenn er nicht einen Kreis Gleichgesinnter suchen würde, um dieses Streben durch öffentliche und allgemeine Teilnahme zu seinem Erfolge zu bringen. Es ist wohl eine Aufgabe der Aguda, auch diese Gefolgschaft ihres großen Initiators zu pflegen. Aber wenn in der Fülle ihrer Aufgaben in heutiger Notzeit dieser mehr literarische — und doch so lebenswichtige — Betätigungszweig sich nicht der Aufmerksamkeit Aller erfreut und daher dieselbe Teilfraktion der Aguda, die sich der Durchsetzung seines organisatorischen Gedankens widmet, diese Aufgabe zur ihrigen macht, so ist auch das ein Zeichen ihrer inneren Notwendigkeit und zugleich ihrer Lebensfähigkeit. .Es sollte dem Agudafreunde jeder Herkunft und Denkweise eine angenehme Erfahrung sein, die Aguda aus dem unfruchtbaren Teilungsprinzip der Landsmannschaften in das der Richtungen übergehen zu sehen. Niemandem werden die Prinzipien der neuen Rabbiner Hirsch-Gesellschaft ein „Gespenst" sein; gegen niemanden werden sie politisch oder kulturell „Front machen", — es sei denn gegen die, welche die Notwendigkeit geschlossener Weltanschauung oder gegen die, welche die Gehorsamsforderung der Thora leugnen; das ist aber ein Kampf, bei dem die Gefamt-Aguda ganz gewiß den gleichen Weg einschlägt wie die Rabbiner Hirsch-Gesellschaft. Zum Schluß muß daher die Bitte ausgesprochen werden, den Gründern der Rabbiner Hirsch- Gesellschaft das Vertrauen zu ihrem aufrichtigen Willen zu schenken, nur innerhalb der Aguda zu wirken, zumal auch einige der Führer der Aguda ihr angehören; und besonders die Bitte, ihre Veröffentlichungen aus dem Gebiete des Hirsch- Schrifttums abzuwarten. Sie will Wissen und Leben unter den gleichen Stern des Meisters stellen und beansprucht dazu nichts als die Anerkennung Und den geistigen Sukkurs aller derer, die ihm nachzueifern streben. Was aber das Wichtigste ist: Haben wir einen homogenen orthodoxen gesellschaftlichen Zusammenschluß in unseren Gemeinden? Die Aguda hat wichtigere, andere Aufgaben. Wem um die religiöse Umgebung und Zukunft seines Kindes bangt, muß uns beipflichten: Die Gründung der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft ist ein schreiendes Lebensbedürfnis. Sie wird allen anderen orthodoxen Organisationen einschließlich der Gemeinden erst das lebende Rückgrat geben. Möge es

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