Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1930-02-20 · Heft 8 (20.2.1930) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 8 (20.2.1930)
Date
1930-02-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450600-2450608--76715-2534307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Seite 8 Nr. 8 Der Israelit 20. Februar 1930 Die Woche. Eröffnungsabend der Frankfurter Agudistifchen Frauengruppe. Die Frankfurter Ortsgruppe des Agudistifchen Weltverbandes der Frauen hat sich am Montagabend mit einem großen Erösfnungsabend und drei Referaten in der Aula der S. R. Hirsch-Schule bestens eingeführt. Zunächst sei richtiggestellt, daß die Gruppe nicht, wie es in der Ankündigung der vorigen Nummer irrtümlich hieß, eine „Arbeitsgemeinschaft" mit der Jüdischen Frauenvereinigung pflegt, sondern der Jüdischen Frauenvereinrgung angeschlossen ist. Die Jüdische Frauenvereinigung sowohl wie die neu gegründete Ortsgruppe legen Wert darauf, dieses zu betonen. Zn dem Eröffnungsabend war ein über Erwarten starkes Damenpublikum erschienen. Frau Studienrat B a e r leitete die Versammlung mit einigen Worten ein und erteilte das Wort dem ersten Referenten, Herrn Redakteur S. Schachnowitz. Redner nannte fein Thema „Der Organisaiionsgedanke im Judentum und seine Formen". In einer geschichtlichen Exkursion, von der biblischen und nachbiblischen Zeit bis zur Gegenwart, vom Sanhedrin im heiligen Tempel bis zur Agudas Jisroel, wies er nach, daß der Organisationsgedanke im Judentum nie erloschen war und auch in den düstersten Zeiten sich seine Formen suchte und sie auch fand. Ob die G a o n i t i s ch e n Schulen in Babylon oder die jüdischen Fürsten in Kastilien, ob die Rabbinerkonferenzen-im alten Speyer und Worms oder die Vierländersynode bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts, immer konnte man darin das Ringen des jüdischen Einheitsgesühls nach Sammlung sehen. Auch der Chassidismus war nichts anderes als eine Form des Organisationsgedankens. Die Emanzipation begann mit dem von Napoleon eingesetzten Sanhedrin, das der Redner in seinen einzelnen Zügen und Schwächen schilderte, um dann auf die Organisationsbestrebungen des liberalen Judentums in Deutschland einzugehen. Aus den Nöten der Zeit heraus, in der die gesehestreuen Massen in Ost und West unorganisiert und von ihnen wesensfremden Elementen nach außen vertreten waren, entstand die Agudas Jisroel-Weltorganisation. deren organisatorische Bedeutung Redener sch lderte. Er gibt den Hoffnungen Ausdruck, die man an den Eintritt der Frauen in den Arbeits- und Aufgabenkreis der Agudas Jisroel knüpft. Frau Meta Posen-Prins legt als zweite Rednerin in klaren Worten dir Ziele der Ortsgruppe und die Richtlinien ihrer Arbeit dar, ihr Verhältnis zum Frauenbünde und ihre freundschaftlichen Beziehungen zur Jüdischen F r a u e n v e r e i n i g u n g. Bei aller Anerkennung der großen Leistungen und Erfolge des Frauenbundes (Kinderheime usw.) bildet doch seine Stellung zum Frauenwahlrecht eine Hemmung für die jüdische Frau von orthodoxer Gesinnung. Wenn andere Völker den Ausweg dahin gefunden haben, daß sie eine Teilung zwischen dem religiösen und politischen Rechne vornehmen. so gebe es im jüdischen Leben keine Scheidegrenze zwischen Politik, Leben und Religion. Die Ortsgruppe des orthodoxen Frauenverbandes erstrebt, das jüdische Wissen ihrer Mitglieder zu vermehren, sie politisch zu orientieren und sie rednerisch auszubilden. Das geschieht auf dem Wege von Zusammenkünften, Vortragsabenden, Arbeitsgemeinschaften usw. Jede Frau, die jüdische Gesinnung hat, oder danach strebt, sie zu erringen, ist als Mitglied willkommen. Frau Sarah Landau-Hirsch referiert zuletzt aus „S. R. Hirsch's Leben und Wirken". In einer fein pointierten Arbeit fügten sich biographische Notizen, persönliche Erinnerungen, Gedanken aus den Hirsch'schen Werken zu einem Lebensbilde, das dem Abend seinen schönen Abschluß gab. Möge der Abend, dessen hoher Eigenwert nicht übersehen werden darf, Auftakt und Einleitung sein zu meiner reichen Tätigkeit auf dem Boden der agudistifchen Weltanschauung. Eröffnungsabend des gosetzestrsuen Vereins zur Pflege der hebräischen Sprache und Literatur. -iajn uv- Diesen Sabbat Abend vw» 'o findet in der Aula der Samson Raphael Hirsch-Schule, Am Tiergarten, der Erösfnungsabend des Hebräischen Sprachk r e r f e s -n»i ov statt. Die Gründung dieses Vereines hat in allen Kreisen der thoratreuen Freunde der hebräischen Sprache größtes Interesse erweckt, das sich, wie zu erwarten ist, in einer starken Beteiligung an der Versammlung bekunden wird. Neben anderen hält auch unser R a w -"ieine Ansprache. Weitere Referate und Ansprachen halten die Herren Rabbiner I. Horovicz - Jerusalem, Dr. S. Ehrmann, Jakob Landau und S. Schachnowitz. Die Versammlung beginnt 6,30 Uhr. Alle Herren und Damen der gesetzestreuen Frankfurter Judenheit, die Freude haben am hebräischen Worte und Liebe für eine hebräische Literatur im Geiste des traditionellen Judentums empfinden. find höflich eingeladen, sich an diesem Abend über die Wege und Ziele des hebräischen Lehrkreises zu orientieren. Studiendirektor Dr. Elias über „Jugendprobleme". Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe hatte zu einem Vortrag über „Jugendprobleme" den Leiter der S. R. Hirsch-Schule gewonnen, der das so oft erörterte Thema in fesselnder Weise zu behandeln verstand. Der Redner verwies darauf, daß die Referate des letzten Agudabundestages, gehalten von Studienrätin Lilli Freimann und Dr. Arnold Merzbach, für die Erkenntnis der unserer Zeit spezifischen -Jugendprobleme in gesetzestreuen Kreisen bahnbrechendgewirkt haben. Aus der gesicherten Seelrnlage des Kindes heraus entsteht in den Entwicklungsjahren des Jugendlichen die Suche nach dem Ich; die Gefühle stürmen an gegen die Welt des Verstandes, die Grundstimmung' des Jugendlichen ist Auflehnung gegen Unfreiheit. Die Kämpfe des ehrlich Ringenden sichern ihm geistige Beweglichkeit auch für spätere Zeiten. Wenn in früheren Zeiten die Jugendprobleme nicht so intensiv wie heute nach Erörterung riesen, so deshalb, weil damals in unseren Kreisen auch die ältere Generation infolge der stets labilen äußeren Lage sich auch die innere Spannkraft und die Seelenhaltung des geistigen Kampfes bewahren konnten. Das anscheinend so ablehnende, oft verschlossene Verhalten des Jugendlichen ist oft nur Schutzrüstung, innerlich aber wird der Wunsch nach Mitteilung gefühlt. In diese Zeit fällt auch die Erkenntnis der Gesetze des Werdens, die besonders nach Mitteilung drängt. Neben die Suche nach dem Ich tritt der Wunsch nach der Gestaltung eines Lebensplanes, hier ist es wesentlich, daß Vorbilder gezeigt werden können, denen man nachzuleben wünscht. Eine Jugendbewegung kann helfen, den Kreis zu erweitern und zur Aussprache anzuregen, die unter Gleichgesinnten leichter fließen wird. Das Hineinwachsen in die Lebensgebiete, Gesellschaft, Beruf. Recht und Moral und schließlich religiöse Weltanschauung sind weitere Etappen auf dem Wege zur Entwicklung; bei jedem einzelnen Gebiete entstehen Schwierigkeiten. die durch Organisationen erleichtert werden können. Wichtig ist es vor allem, Lebensfreude in die Seelen der Jugendlichen zu tragen, denn der unerfüllte Wunsch nach Lebensfreude hat schon zu manchem Fehltritt den Anlaß gegeben. Auch muß gelehrt werden, wie ber den außerjüvischen Einflüssen Echtes von Unechtem zu trennen sei. Trotz aller Schwierigkeiten muß es gelingen, das uns heilige Erziehungsideal den Jugendlichen einzupflanzen, wenn die Schwungkräfte der Jugendlichkeit und des jüdisch-religiösen Weltbildes in der Erziehungsarbeit vereinigt und ausgenützt werden. Der Vortrag, dessen in straffem Aufbau zusammengefaßte Gedanken hier nur skizzenhaft angedeutet werden konnten, fand eine zahlreiche und aufnahmewillige Zuhörerschaft. M. N. Chanrischv Ossor bei der Aguda-Jugend. In der Aula der Hrlmholtzschule ging es recht angeregt zu, als das Programm der Ehamischo Ossor-Feier der Aguda-Jugend sich abwickelte. Es gab musikalische und rezitatorifche Darbietungen und schließlich sogar für feden einzelnen von den vielen Anwesenden einen ganzen Teller voll Obst. Ernennung. Herr Leopold M e r z b a ch ist als Sachverständiger für das Bank- und Finanzwesen für die Gerichte des Landgerichtsbezirks zu Frankfurt a. M. und für das Oberlandesgericht in Frankfurt a. M. vereidigt worden. frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Freitag abend nach Schul, Mikrovortrag, Schlußvortrag. Herr Red. S. Schachnowitz. Samstag morgen nach Schluß der Synagoge „Dinim", Herr Dr. E. Posen. — Nachmaittag 3u Stunde vor Mincho, Mikro, Herr Dr. Hofmann. — Eine Stunde nach Nacht (ebenso Sonntrg vormittag 8 Uhr), „Gemoro", Herr Joachim Soffa. Sonntag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Mittwoch) im Hörsaal, cm "n, Herr Redakteur S. Schachnowitz. — Vormittag 9lU Uhr (ebenso Dienstagabend 6* o Uhr Vereinslokal) „Gemoro", Her»' R. A. Gerson Posen. — Abends 6 Uhr fällt Vortrag wegen Generalversammlung der Gemeinde aus. Montag morgen nach Schluß der Synagoge (ebenso Donnerstag), im Hörsaale, Mischnalernen der Mitglieder. — Zu gleicher Zeit im Sitzungszimmer Friedberger Anlage von Montag bis einschließlich Donnerstag, „Gemoro", Herr Dr. S. Ehrmann. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Vereinslokale, „Gemoro", Herr Rabb. Dr. I. Breuer. — 8'/2 Uhr, (ebenso Donnerstag), „Gemoro", Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen, nach Schluß der Synagoge, (ebenso Freitag), „Mischna", Herr Dr. E. Posen. Von Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 83/4 Uhr „Schaslernen", Herr Herz Holpern. Jahrzeitsstiftungen. Sonntag, 23. Febr. Simon Altmann-Stiftung. Montag, 24. Febr. David Frankenthal-Stistung. Dienstag, 25. Febr. Sarah Rosenbaum-Stiftung. Freitag, 28. Febr. Dr. Ernst Lindenbaum-Stiftung. Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Schabbos morgen, 772 Uhr Haschkomo, Schwanenstr. 12 Daf-Jaumi, Dozent Herr Herz Holpern, Schabbos 12—13. Sonntag 11—12, Montag—Freitag 12—13, Gelegenheit zum Lernen — alltäglich 9—12 Uhr. Tefilloh-Erklärungen, Schabbos, 11V2 Uhr, Schwanenstr. 12, für Damen und Herren, Dozent: Herr Louis Kahn. Montag und Mittwoch, 20 /2—21 ‘/2 Uhr, Gemoro Bowo Mezio: Dozent Sr. Ehrw. Herr Rabb. Horowitz. . l Mauzoe Schabbos 18 '/4 Uhr Vorbereitungsfchiur: Boww Mezioh, Dozent Herr Ch. Liverhant. Sonntag 11—12 Uhr Mischnajoth Nesikim: Dozent Herr Ch. Liverhant. Schiurim für Damen: Thauroh, Dozent: Herr Lehrer A. Hirschberg, Schabbos 16—17 Uhr. Melochim, Dozent: Herr Julius Lewin, Schabbos Vormittag nach Schulfchluß. Tefiloh, Dozent Herr Lehrer S. Unna, Uhlandftt. 58, von 201/2—2172 Uhr. Dinim. Dozent Herr Lehrer A. Hirschberg, Mittwochs 14 tägig, 20—21. Vürostunden der Leitung der Jugendgruppe allwöchentlich Sonntags von 10—13 Uhr. Außerhalb dieser Zeit nach vorheriger Verständigung mit dem Vorsitzenden, Herrn Hartog Hartogsohn, Ostendsttaße 82, Car. 44 368. Liwjath Chen. Samstag mittag nach Mincho 4.45 Uhr im Hörsaale- Friedberger Anlage Vortrag des Herrn Schachnowitz „Am Sinai". Jüdische Frauenvereinigung E. V. Sonntag, den 23. Februar, nachm. 6 Uhr im Hörsaal, Friedberger Anlage 5, Vorttag des Herrn Direktor M. Elias, „Das Judentum im Mittelpunkt aktueller Erziehungsfragen". Dienstag, den 25. Februar, nachm. 6V2 Uhr im Hörsaal, Friedber Anlage 5, Arbeitsgemeinschaft unter Leitung des Herrn Zahnarzt Dr. Ehrmann „Die Sidroh". Agudistifche Frauen-Ortsgruppe. (Angeschlossen der jüdischen Frauenvereinigung.) Montag, 24. Febrnar, 1(29 Uhr pünktlich, Schwanenstr. 12, Orientierungsvorttag über das Wirken der jüd. Frauenvereinigung. Referentin: Frau Erna Bamberger, anschließend: Arbeitsgemeinschaft, St. Ass. Munk, Tehillim Kap. 16. Gäste willkommen. Jüdischer Turnerbund E. V. In seinen Vereinsräumen, Langestr. 55 l, veranstaltet der Jüdische Turnerbund E. V. am Mittwoch, 26. Februar, 8.30 Uhr abends einen Vorttagsabend. Herr Dr. jur. Josef Frank wird über „Unfälle und ihre Rechtsfolgen" sprechen. — Die Vereinsleitung lädt ihre Mitglieder, Freunds und Gäste hiermit freundlichst ein. Gebekzeilen. rrn' nin? Freitag abend 5.25 Samstag noDittn 6.45 Samstagmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.39 Samstagabend 6.40 Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Nachmittags 5.30 Tefillin-Legen am Morgen 6.10 Am 12. Februar wurde, wie wir hören, das Erste Frankfurter Eroßbestrahlungsinstitut „Helios" in der Gutleutstr. 21 p. eröffnet, welches die Krankheitsbehandlung nach der Methode Zeileis-Gallspach originalgetreu ausübt und unter der ärztlichen Leitung des Herrn Dr. med. Dettler steht. Von Interesse für unsere Leser wird es sein, zu erfahren, daß der leitende Arzt des Instituts jeden Dimstag abend, 8,15 Uhr, in den Prarisräumen einen Experimental- und Demonstrationsvortrag hält, in welchem sich die Interessenten für die Behandlungsmethode von Einzelheiten persönlich überzeugen können. Auf die verschiedenen gerade in der letzten Zeit in der Presse erhobenen Angriffe gegen die Methode Galspach wird hierbei im einzelnen eingegangen. Sie werden schon dadurch entkräftet, daß große Krankenhäuser und sogar einzelne Krankenkassen die Zeileis-Apparatur zur Behandlung ihrer Patienten bestellt und in Gebrauch genommen haben. Kleines Gebäck, das den Magen nicht durch schwerverdauliches Fett belastet und deshalb unbedenklich auch vor dem Schlafengehen genossen werden kann, stellt man am besten mit dem echten Palmin her, weil dieses bewährte Koch-, Brat- und Backfett völlig frei von schädlichen Fettsäuren ist. „Die Purim-Sudo". Wie läßt sich der Purim- Humor mit der Mizwah, am Purim besonders viel Zdoko zu erweisen, verbinden? Die Herausgabe der in unserem Inseratenteil angekündigten Purim-Zeitung beantwortet diese Frage. Der Purim-Humor wird in diesem Jahre durch die Lektüre der Zeitung „Die Purim-Sudo" (von der wir als Kostprobe-nur einige Titel-Ueberschriften verraten: „Die Memoiren eines pensionierten Homonklopfers", „Schuschan aus der Galgenperspektive" (Monolog Hamans in seinen letzten 5 Minuten), „Interview mit Sr. Majestät König Pharao" u. a. m.) mehr denn je zu seinem Recht kommen. Der Erlös der Zeitung aber ist für Erez Jisroel bestimmt, sodaß der Galgenvogel Haman indirekt durch die Vermittlung der Leser für Erez Jisroel sorgt. Wer wird dabei nicht mithelfen wollen? Drum eßt und trinkt ber der „Purim-Sudo" l'chajim. Die Lektüre für Euch — der Erlös für Jeruscholaiim. Verantwortlich iür den allgemeinen Teil und das Feuilleton- E. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. V.: S. Schachnowitz. ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag Israelit", ©. m. b.H.. Frankfurt a. M- — Druck: Hermon Verlag und Druckerei, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.