Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1930)
- Date
- 1930-02-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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20. Februar 1930 Der Israelit Nr. 6 Seite 7 tung nach jüdischem Ritus von einem Sachverständigen- Komitee, dem auch Professor Frederick Hobday, der Leiter der Tierärztlichen Hochschule, angehört, zur obligatorischen 'Einführung in allen Schlachthäusern Englands, auch für nichtjüdische Schlachtung empfohlen worden sei. Der Gesundheitsminister, Arthur Greenwood, erwiderte im Unterhaus, ihm seien die Experimente mit der mechanischen Niederwerfungszelle bekannt, er fei aber noch nicht im Besitz des Berichtes des erwähnten Komitees. Er werde den Vorschlag, die Weinberg-Maschine obligatorisch zu machen, erwägen. Palästina. Gedenkstemweihe an den Gräbern der Hebron-Opfer. Jerusalem, 13. Febr. 60 jüdische Einwohner von Hebron, dessen gesamte jüdische Bevölkerung nach den August-Massacres nach Jerusalem floh, besuchten am 11. Februar Hebron, um die Gedenksteine (Mazewolh) über den Gräbern der während der Massacres getöteten Juden emzuweihen und um die in den jüdischen Häusern zurückgebliebenen Kleider und andere blutbefleckte Gegenstände zu begraben. Seit den Massacres beherbergte Hebron, die Stadt, in der seit dem Altertum immer jüdische Gemeinden bestanden haben, nur 15 jüdische Arbeiter, die mit der Herstellung der zahlreichen Grabsteine für die jüdischen Opfer beschäftigt waren, und einen jüdischen Polizisten, der diesen Arbeitern zur Sicherheit beigegeben worden war. Den zurückkehrenden jüdischen Einwohnern wurde nicht erlaubt, die Gegend der Höhle Machpelah zu besuchen, weil der Polizeiinspektor Lamont einen Angriff der Araber auf die die Höhle besuchenden Juden befürchtete. Araber aus Hebron haben sich in den Besitz der von den Juden verlassenen Böden gesetzt, die sie kultivieren, wobei sie behaupten, daß sie nun durch Gebrauch Rechte auf diese Böden erworben haben. In Verbindung mit --dem Plan, ein neues jüdisches Viertel in Hebron für die zurückkehrende jüdische Bevölkerung zu erbauen, haben sich Dr. Hexter, Paßman, der Arbeiterführer I. Ben Zvi und der Vizebürgermeisler von Jerusalem und Vizepräsident des Waad Leumi, Ehaim Salomon, nach Hebron begeben. Die arabische Delegation begibt sich nach London. Jerusalem, 11. Febr. Die palästinensisch-arabische Delegation, die vom Präsidenten der arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha al Hüsseini geführt wird, und der der Großmufti Haj Amin el Hüsseini und der Bürgermeister von Jerusalem» Ragheb Bey Nashashibi als Mitglieder angehören, begibt sich — wie die palästinensisch-arabische Exekutive mitteilt — Ende. Februar nach London, wo sie mit ihrem seit einigen Monaten in London weilenden Mitglieds, Jemal el Hüsseini, zusainmentrisft. Es ist der Wunsch der Delegation, nicht später als zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichtes der britischen Palästina-Untersuchungskommission in London einzutreffen, damit sie die Gelegenheit erhält, die britische öffentliche Meinung und das Parlament zugunsten des arabischen Standpunktes zu beeinflussen. Letzte Nachricht. Der Schuh der Schechita im Slrafrechtsausfchuß angenommen. Berlin, 19. Febr. Der Strafrechtsausschutz des Reichstags hat gestern Abend den Zentrumsantrag, dein Paragraph 412 des Strafgesetzbuches einen Zusatz zur Verhinderung von Schächtverboten anzufügen, in erster Lesung mit 23 gegen 4 Stimmen angenommen. Für den Antrag stimmten sämtliche Parteien, gegen ihn 2 deutschnationale Abgeordnete, während 2 Deutschnatronale sich der Stimme enthielten. Der Strafrechtsentwurf wird nun veröffentlicht werden und die zweite Lesung durste erst im Laufe des Sommers stattfinden. Personalien. Emanuel Stern Fulda, 12. Febr. Am letzten Tage der.vsvv fanden in der Synagoge v'-ivon für den Verewigten statt, in denen die große Trauer und der tiefe Schmerz über den schweren Verlust zum Ausdruck kamen, den die Gemeinde e.Iitten hat. Herr Pov.-Rabb. Dr. Cahn zeichnete die großen Vorzüge des Entschlafenen. Zu rühmen sei vor allem s.ine stete freudige Bereitschaft, für die Gemeinde und für Einzelne seine ganze Kraft einzusetzen und feine wertvolle Zeit zu opfern; er fei erfüllt gewesen von dem Gedanken, daß seine Stellung an der Spitze der n^,-p ihm die Pflicht auserlege, sich und seine persönlichen Interessen in den Hintergrund treten zu lassen, wenn das Wohl der Gemeinde oder ihrer Mitglieder ihn verlange. Seine hohe Auffassung über die wichtigste, die mnt> sichernde Einrichtung der nimp.würde allein genügen, um ihm ein ehrenvolles Andenken für alle Zeiten zu schaffen; habe er doch stets mit aller Schärfe den Gedanken vertreten, daß die Gemeinde verpflichtet sei, für diese Institution Opfer zu bringen, und .daß man dem Einzelnen die Erfüllung dieser grundlegenden Pflicht erleichtern müsse. Emanuel Stern Rührend sei es gewesen, wie er als bejahrter und schon leidender Mann die von der Kanzel gesprochenen toi» 'tan die zu eifriger Teilnahme an nnsn nV-an mahnten, auf sich bezogen und sie zu beherzigen sich vorgenvmmen habe. Besonders tief habe er auch den Begriff der npix erfaßt; durch die vornehme Art,' wie er half, und durch die reiche Unterstützung, die er den dem bbv dienenden Institutionen zusließen ließ, habe er bekundet, daß seine Auffassung über nptx eine erhabene, echt jüdische sei. Es sei unsere Pflicht, das Werk des ivvo fortzufetzen. Der Synagogenälteste, Dr. Herz, widmete im.Namen des Vorstandes und der Gemeinde dem Dahingeschiedenen, der fast 40 Jahre dem Vorstande angehört und zeitweise allein die Geschicke der Gemeinde gelenkt hatte, warme und bewegte Worte des Abschieds. Einer alteingesessenen Fuldaer Familie entstammend, habe er sich mit der nStp unendlich stark verbunden gefühlt. Voll Verständnis dafür, daß der äußerlich wachsenden Gemeinde auch der Kreis der Aufgaben sich weiten mühte, habe er mit Freude sich eingesetzt für alle Pläne, die diesem Ziele zustrebten. Mit wie viel Liebe habe er die Umwandlung der alten Scknagoge in ihre jetzige Gestalt verfolgt, wie habe ihm daran gelegen, dem mp» ein würdiges Aeuße.res zu geben, wie habe er es sich angelegen fein lassen, die Einrichtungen unseres Schulgebäudes zu verbessern! "In jeder Not sei er ein bereitwilliger Helfer gewesen, weil er die Menschen liebte und mitlitt, wenn sie litten. So habe der Heimgegangene ein reiches Leben vollendet und sich ein ewiges Denkmal gesetzt im Herzen seiner Zeit. Sein Bild als Vollendeter werde in allen weiterleben. Ein von Herm Lehrer Sonn ergreifend vorgetragener D’»m sV» 's beschloß die miaon. Wurzburg, 16. Febr. Der besten einen haben wir am letzten Dienstag zur ewigen Ruhe begleitet. Kornmerzienart Hermann Rosenthal, einer der treuesten Stützen des religiösen Judentums in unserer Gemeinde ist nicht mehr. Einem Hause entstammend, in dem Thora mit Gottesfurcht harmonisch vereint waren, trat auch er allezeit für alles Echt-jüdische ein, spendete er mit den reichen Gaben seines Herzens und mit offener Hand. Ueberall, wo es galt, Gutes zu üben, stand er an der Spitze, in nie versagender Opserfreudigkeit und Tatkraft widmete er sich den Werken der Nächstenliebe. Wenn in der Würzburger Gemeinde die gesetzestreuen Einrichtungen unangetastet dastehen, so ist dies seinem unentwegten Eintreten für Thaurosenu Hackdauschoh und dem versöhnlichen, die Gegensätze ausgleichenden Sinn des Heimgegangenen in hervorragendem Maße zu danken. Die ungewöhnlich große Beteiligung an der Beerdigung legte beredtes Zeugnis ab für die Liebe, die ihm von allen 'Seiten entgegengebrächt wurde und für das Ansehen, das et auch in nicht-jüdischen Kreisen genoß. Herr Rabbiner Dr. Hänover würdigte in warmen Worten die Verdienste des Heimgegangenen als treuen Juden und großen Menschenfreund, durch dessen Initiative u. a. auch die Gründung und der Bau des Pfründner-Hauses ermöglicht wurde. Der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Herr Justizrat Haas, pries den Gemeindesinn und die selbstlose Arbeit im Dienste der Gemeinde, deren Verwaltung der Entschlafene mehrere Jahrzehnte angehörte. Herr Professor Freudenberg sprach im Namen der Franken- Loge dem verblichenen Bruder Dank aus für feine Treue und Hingebung, während Herr Benno Sachs ihm herzliche Worte des Gedenkens für seine Tätigkeit als Vorsitzender der Wohlfahrts-Zentrale widmete. Die Herren Nathan Kahn, Köln, und Dr. Jsi Kahn, Berlin, nahmen in tiefer Ergriffenheit Abschied von ihrem Heimgegangenen Schwager und dankten ihm namens der Familie für alle Liebe und Treue, mit denen er seine Angehörigen umji::g. Herr Gemeiaderabbiner Dr. Ludwig Rosenthal, Köln, ries in herzerschütternden Worten und in einer hebräischen Abschiedsrede dem Bruder, als dem Mittelpunkt der Familie, Worte des Gedenkens und der Liebe nach. .1212^ p'IS “Dt- Halberstadt, 14. Febr. Fräulein Paula A r ch enhold, dahier, Unter den Weiden 6, vollendet am 25. ds. Mts. das 80. Lebensjahr. Sie besindet sich Lin voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Schweinsurt a. M., 17. Febr. Am 23. Februar feiert Frau Babette Schloß geb. Ehrlich in Obbach ihren 8f. Geburtstag. Sie erfreut sich seltener geistiger und körperliche F.ische, verfolgt mit besonderem Interesse alle jüdischen Fragen und läßt es sich nicht nehmen, in Haushalt und Küche mit tätig zu sein. Vermachtes. Düsseldorf, 16. Februar. Am Samstag, den 8. Februar, sa 'p nas? 'a fand die feierliche Einweihung der neuen Synagoge der hiesigen Adaß Jisroel durch Herrn Rabbiner Dr. Weyl statt. Die geräumige, schöne Synagoge fand allgemein großen Beifall. Sie ist ein Markstein in der Wiedergeburt der hiesigen alljüdischen überlieferten Institutionen an der Stätte, wo einst Männer wie Eebriel Rosenberg, Dr. Plato und Dr. Feilchenfeld tri ften. Aus dem festlichen, bedeutengsvollen Anlaß wurde zum ersten Male in der bald 10jährigen Wirksamkeit des Herrn Rabbiner Dr. Weyl mehreren Herren der tan -Titel verliehen. Heidelberg, 13. Febr. Schlicht und einfach war oie Feier zu der die hiesige nnn 'pvm 'Gemeinde am Vorabend des tety netan in den Saal des Restaurants „Zum Weinstock" einlud, aber von dem echt jüdischen Geiste einer n x» Vst nna» getragen und erfüllt. Nicht nur der Mitgliederkreis der Heidelberger d'st m» war der Einladung des Vorstandes gefolgt, auch einige auswärtige Freunde der ni'np und, was besonders betont werden soll, eine Anzahl Heidelberger, die noch an der Peripherie jüdischen Lebens stehen. Nach einem allerliebsten Prolog des tleinen F.l. Irene Blum ergriff der Anreger des Abends, Herr Rabb. Mayer, das Wort zu einer groß angelegten Rede, in der er nach Worten der Begrüßung in hinreißender Begeisterung Si.m und Bedeutung dieser Feierstunde des itry noan für jüdische Menschen im Ganzen und für feine Gemeinde im Besonderen zeichnete. Ausgehend von der Bestimmung der min, die die Jahre des Baumes nicht nach den Früchten, sondern nach dem dem Stamme, zählen läßt, erklärte es der Redner für tiefe jüdische Wahrheit, den Wert einer Gemeinschaft nicht nach den Früchten, die sie zutage fördert, den äußerlichen, glanzvollen Zeichen ihres Wirkens zu beurteilen, sondern nach dem Stammhasten, den Grundelementen ihres Seins, mit denen sie innig verwurzelt ist in dem Boden ihrer jüdischen Aufgabe. Es folgte nun ein kleines Spiel. Die kleinen Darsteller zeigten einen Feuereifer bei ihrer Aufgabe, und besonders der Luachmann des kleinen Herrn Gottfried verdient lobende Erwähnung. Wer nachher, als die Anwesenden noch lange gemütlich beisammen saßen, einen Blick in den Nebenraum tun konnte, in dem die Kinderschar bei Obst und frohem Gesang jüdischer Lieder sich vergnügte, dem wurde klar, daß hier die kostbaren Ansätze zu den nwa der Kehillo begründet liegen. Möge es ihr und ihrem tatkräftigen '"2 n. dem in den wenigen Monaten seiner Wirksamkeit unter dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit schon mancher glückverheißende Erfolg beschieden war, vergönnt sein, den Weg vom nvan ipy zu den Früchten ihrer Bemühungen zu gehen. m»tRni>i min Würzburg. Es fei gestattet, an dieser Stelle die hiesigen Leser des Israelit auf die rnio-Vorträge hinzuweisen, die an jedem nav Vormittag 11,30 Uhr im Zimmer des o"n fy-Vereins, Bibrastraße 17 I statt, inden. Herr Michael Munk aus Berlin, der sich zur Vollendung seiner Studien einige Semester hier aufhält, hat es verstanden, sich mit feinen klaren, tiefgründigen Ausführungen die von einer hervorragenden Rednergabe zeugen, ganz in die Psyche der Zuhörer hineinzuleben und beweist der lebhafte Besuch der, Vorträge die Beliebtheit des Redners. Es wäre zu wünschen, daß noch eme größere Schar von Teilnehmern sich zu diesen Vor-- trägen einfände. Familiennachrichten. Ge burten. Eine Tochter: Lehrer Simon Schereschewski. Frankfurt a. M., Lenaustraße 34.