Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1930)
- Date
- 1930-02-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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oeile 6 Nr. 8 Der Israelit 20. Februar 1930 Herr Fritz Cohn wünscht weiteren Ausbau der Mittelstandsfürsorge nach den Anregungen der zweiten K. G. der A g u d a s I i s r o e l. Prof. Dr. P ick zeigt den Sabbat im Lichte der Wissenschaft. Der Sabbat habe in Erez Jrsroel große Fortschritte gemacht und entflamme auch die Herzen derer, die dem Judentum ganz entfremdet waren. Die Westmauer sei die klassische Stätte jüdischer Sabbatfeier. Dr. Falk Schlesinger fordert im Namen der jüdischen A k a d e m i k e r vom Verbände, er möge den im Berufs¬ und Geistesleben isoliert stehenden Akademikern Rückhalt bieten. Die Mitarbeit der gesetzestreuen Akademiker fei dem Verbände sicher. Ueber die Interessen des Arbeitnehmers an dem Sabbat spricht Herr L e i b o -- w i tz. Zuletzt ergreift Ministerialrat Goslar das Wort, um eine Parallele zwischen der Friedenskundgebung und der Sabbatkundgeb u n g zu ziehen. Der Sabbat ist der flammendste Prozeß gegen die Arbeit als Selbstzweck, gegen Materialismus und Imperialismus, die auch die größten Feinde des Weltfriedens find. Er fordert vom Weltoerband Sozialpolitik, Berufsberatung, Information der Behörden usw. Es wurde dann einstimmig eine Resolution angenommen, die ein treues Gelöbnis zum Sabbat enthält und den Anspruch des Sabbats au Respekt bei allen Nationen und Religionen betont. An den Völkerbund wird appelliert, alle Pläne zur Kalenderreform abzulehnen, die den festen Ruhetag untergraben und den Sabbat entthronen wollen. An die Juden Berlins ergeht der Ruf: „Erobert Euch den Sabbat zurück und helfet durch jüdische Solidarität allen, die ihn heiligen wollen!" Angarn. Das Budget der Pefler Israelitischen Religionsgemeinde. Budapest, 11. Febr. Die Pester Israelitische Religionsgemeinde h'elt am Sonntag, dem 9. Februar, ihre ordentliche Jahresgeneralversammlung ab. Der Präsident der Gemeinde, Hofrat Samuel Stern, machte die Anwesenden mit den Hauptposten des Jahresvoranschlages für 1930 bekannt. Das Budget schließt mit einem Gebarungsabgang von 293 000 Pengö. Das Präliminare umfaßt 673 000 Pengö für Kultuszwecke. Unter dem Posten „Religionsunterricht" sind 370 000 Pengö ausgenommen und für sonstige Unterrichtszwecke 710 000 Pengö vorgesehen. Die Fonds für Spitalerhaltung und für andere Institutionen erhalten 1 271 000 Pengö, für Wohlfahrtszwecke sind 204 000 Pengö bestimmt. Der Präsident stellte mit Bedauern fest, daß die Ausgaben mit den Einnahmen nicht Schritt halten. In den letzen fünf Jahren haben sich die Ausgaben um 65 Prozent erhöht, während die Steigerung der Einnahmen nur 53 Prozent betrug. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß es einer wohldurchdachten Reorganisationsarbeit gelingen wird, das materielle Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Versammlung nahm den Voran-, schlag und die mit ihm zusammenhängenden Anträge einstimmig an. Polen. Orthodoxe Vahlenlhallung. Warschau, 12. Febr. Auf Beschluß der A.C. der polnischen Agudas I isr o e l werden die jüdischen Wähler im Kre.se Sanbomtr sich von der Beteiligung an den Sejmwahl e n vollkommen f e r n h a l t e n. Die bereits aufgestellte eigene Liste, die ja ohnehin zwecklos ist, wird zurückgezogen. Es wird allen religiösen Juden dringend anempfohlen, der Liste 18, die die Minderheitspolitik Grünbaums vertritt, jede Wahlliste zu verweigern. Grünbaum nicht mehr Präsident des Jüdischen Klubs in Polen. Warschau, 13. Febr. In der Sitzung des jüdischen Parlamentsklubs stellte der Präsident des Klubs, Abg. I. Grünbaum, den Antrag, der Regierung das Mlß 'rauen des jüdischen Klubs wegen ihrer anti.üdischen Wirtschaftspolitik dadurch auszudrücken, daß der Klub im Sjem geschlossen gegen das Budget stimmt. Die Mehrheit des Klubs nahm aber einen anderen Antrag an, der lautet, daß sich der Klub bei der Abstimmung des Budgets der Stimme enthielt, daraufhin erklärte Grünbaum, daß er die Würde eines Präsidenten des Klubs niederlegt. Die Woche. VeUi-l. Vom Jüdischen Friedens- 8 Kunde wird brkann'geoeben, daß auf Anrcgung von Albert Einstein eine jüdische 8 F r i e d e n s st e u e r. ei'gerichtet wird, dir von 8 den Mi'g'iedem des iüdi'chm Frauenbundes er- 8 hoben wi"d. — Auf die Nachricht von der 8 B"audka^astrophe, der das jüdische Kin- 8 heim in Kowno zum Ovfer gefallen ist, hat 8 der „Hilfs"erein der deutschen Juden" ein Da- 8 menkomitee in Berlin gebildet, mit dem 8 Z r-ecke, die iü^ische Kinde-hilfs ii Litauen zu fördern. — Das Rektorat der technischen Hochsch"le hat dem Nationalsozialistischen Studentenbund das Anschlagerecht am Schwarzen Brett verboten. Aehnliche Maßnahmen wurden von Rektor und Senat der Kölner Uni-ersi'ät getwsten. — In einer Sonntags-Mastnee im Theater in der Königgrätzerstraße w"rde zugunsten des Verbandes für Gesundheitsschutz der Juden „OSE" eine 8 Sonderausführung von Arthur Schnitzlers 8 ..Professor Bernhardi" veranstaltet. Die Zusammen s'tzung der Zuschauerschaft zeigte, welcher Sympathien sich der OSE-Verband und sein Werk in den Kreisen der deutsch-jüdischen Eelehrtenwelt erfreut. LLnebu'g. Der Seemann Arelsen, der beschuldingt wird, zusammen Hit einem gewissen Brasch in der arqentü i'chen Ha«p*stadt Buenos Aires die jüdischen Kaufleute Raynes und Laermann ermordet und ausgeraubt zu haben, wurden von einem Lüneburger Gericht zu 15 Jahren Zuchtbaus verurteilt. Der Mörder hatte sich nach begangener Tat per Schiff nach Deutschland begeben und wurde von den argentiri'chen Behörden an die deutschen Gerichte überwiesen. Wen. Die diesjährige Generalversammlung der Jüdischen Studentenschaft in Oe st erreich verkündet, daß dank gemeinsamer Bemühungen des Sekretariats^ des ju i'chen Hochschulaussch sses und des P äsidiums der Wiener Kultusgemeinde Wien ein eigenes Studentenheim errichtet wird. Prag. In der Langqasse zu Prag ist soeben ein mit einem Aufwand von mehr als 20 Millingen Kc. errichtetes Bet H a a m (Jüdisches Volkshaus) von fünf Stockwe-ken eröffnet worden. Es enthält einen 700 Personen umfassenden Saal, sowie eine ganze Reihe von Büroräumlichteiten, in denen auch die Redaktion der „Selbstwehr" und der jüdische Abgeordnetenklub uu^ergebri-chi sind. — Die von der Landesorganisation jüdischer Flauen in Böhmen veranstaltete Internationale Jüdische Kunstausstellung wurde in Anwesenheit von Vertretern des Unte-'rkch'smi^isteriums und riller Behörden und eines zahlreichen jüdischen Publikums der Öffentlichkeit übergeben. London. T"otz der Absage von Rußland, wird die Londoner jüdische Hilfsaktion für die russischen Juden eik-ig fortgesetzt. Jwusulem. In der Nacht zu Montag, dem 10. Februar, wurden gegen die jüdische Kolonie Herzliah von unbekannten Tälern mehrere Schü's: abge^euert. Der Wächter der Kolonie wurde von einigen Kugeln getroffen und liegt schwerverl-tzt danieder. — Die Gegend von Jerusalem, Ber Schewah bis Nablus, ist von Heuschreckengefahr bedroht. Alle Maßnahmen zur Abwehr sind get-osfen. Nrwqork. Der jüdische Journalist Herman Bernstein, der zum amerikanischen Gesandten kn Albanien ernannt wurde, erklärte im „Newyork World", einer der einflußreichsten Befürworter seiner Ernennung sei Henry Ford gewesen, derselbe Ford, den Bernstein vor einigen Jahren wegen der Angriffe, die das aujisemitische Ford-O"gan „Dearborn Jndependant" gegen ihn gerich'et hatte, verklagen mußte. Seither hat Ford bekanntlich eine große Wandlung vom Antisemiten zum Judenfreund durchgemacht. Rumünie«. Eine neue antisemitische Delle in Rumänien. Bukarest, 12. Febr. Die antisemitische Studentenschaft in Bukarest traf Anstalten zur Organisierung von Exzessen gegen die jüdische Bevölkerung und die jüdischen öffentlichen Institutionen. Die Polizei griff ein und verhinderte die beabsichtigten Ausschreitungen. Alle Synagogen, das Haus der Jüdischen Gemeinde, das Haus des Vorsitzenden der Gemeinde und die Gebäude anderer jüdischer öffentlicher Institutionen werden durch Polizeiposten bewacht. Aus Anordnung der Polizei muhte der Festakt aus Anlaß der Einweihung des jüdischen Hauses verschoben werden, weil zu befürchten war, daß der Festakt durch Antisemiten gestört werden wird. In K i s ch i n e w, dem Schauplatz der großen Judenpogrome von 1903 und 1905, kamen am 11. Februar abends antisemitische Ausschreitungen vor, die von etwa 150 Hörern der theologischen Fakultät und ihrem Anhang organisiert worden waren. Ein von Juden besuchtes Kaffeehaus wurde demoliert, Fensterscheiben, Büfett, Tische und Stühle wurden zerbrochen. In mehreren jüdischen Geschäften wurden die Schaufenster eingeworfen. Ein Eendarmeriekordon umringte die Exzedenten, um sie zur Polizei zu bringen. Den Studenten gelang es aber, den Kordon zu durchbrechen und in das Hochschulgebäude zu flüchten. In der Provinz, so in der Gemeinde Balaceana, Bezirk Suceava, wurden mehrere jüdische Häuser angezündet. Es ist unzweifelhaft, daß diese Brandstiftungen aus die letzte antisemitische Hetze zurückzuführen sind, die anläßlich der Wahl zu den Bezirksräterr von cuzistischen Agitatoren entfacht wurde. Der Bürgermeister des Ortes, der um Gendarmerie-Assistenz angesucht wurde, erhielt Drohbriefe. Die Czernowitzer Israelitische Kultusgemeinde wurde gebeten, bei den kompetenten Behörden zu intervenieren. In der letzten Zeit kamen auch auf den Eisenbahnen Ausschreitungen gegen jüdische Reisende vor. bei welchen mehrere Juden verletzt wurden. Einen niederdrückenden Eindruck machte es auf die Judenschaft von Jassy, daß unter den 35 Studenten der Jassyer Universität, die im Zusammenhang mit der letzten antisemitischen Universitätsunruhen für ein Jahr ausgeschlossen worden waren, 12 Juden sind, obwohl doch die Juden überall der leidende Teil waren. Die Exzesse in kischinew vor der Kammer. Bukarest, 16. Febr. In der gestrigen Kammersitzung interpellierte der Deputierte von Kischinew, Rosenberg, über die letzten cuzistischen Ausschreitungen in Kischinew. Unterstaatssekretär Joanitzescu beantwortete sofort die Interpellation und erklärte, die Polizei wäre rechtzeitig eingeschritten, es hätten sonst die Ausschreitungen und Unruhen größeren Umfang angenommen. Die Untersuchung leitet der Regionaldirektor für Beßarabien, Moldovanu, persönlich. Die schuldigen Studenten sind identifiziert worden und dem Gericht übergeben worden. Alle Studenten, die vom Gericht bestraft werden, werden gleichzeiteg von der Universität ausgeschlossen sein. , Die Interpellation des Senators Dr. Mayer Ebner im Senat beantwortete Unterrichttsminister Costachescu dahin, die Regierung habe bereits alle Maßnahmen getroffen, um die an den Vorfällen in Kischinew schuldigen Studenten der Bestrafung zuzuführen. Polizei und Gendarmerie werden die jüdischen Bürger vor ähnlichen Ueberfällen schützen. Die schuldigen Studenten sind schon zur Verantwortung gezogen worden. Die Vorfälle sind aber nicht als antisemitische Ausschreitungen zu bezeichneen; es war bloß ein Zwischenfall zwischen Cuzistischen, Studenten und einer Erüppe von jüdischen Bürgern. England. Die englische Regierung unterstützt nicht die Schlachtbill. L o n d o n, 13. Febr. Auf eine Anfrage des Oberstleutnants Moore, der die von den Tierschuhvereinen ausgearbeitete Bill über humanes Schlach'en der Tiere im Unterhaus eingebracht hat, erwiderte Ministerpräsident MacDonald im Unterhaus, die Regierung sei zw'diesem Zeitpunkte nicht geneigt, die Schlachtbill zu unterstützen. Oberstleutnant Malone richtete an den Landwirt schaftsminister die Frage, ob ihm bekannt sei, daß die von Ing. Weinberg erfundene Zelle zur mechanischen und gewaltlosen Niederwerfung von Tieren bei der Schäch-