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Der Israelit · 1930-02-20 · Heft 8 (20.2.1930) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 8 (20.2.1930)
Date
1930-02-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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20. Februar 1930 Der Israelit Nr. 8 Seite 3 römische Ruf zuerst das mächtigste Echo. Der anglikanische Erzbischof Canterboury, der früher schon scharfes Augenmerk auf die Vorgänge in Rußland hatte, beruft eine Protestversammlung nach der anderen ein. Er redet England ins Gewissen und ermahnt es an seine moralische Pfl icht, die es mit der Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zu Rußland übernommen hätte. Will das britische Reich seiner hohen Tradition treu bleiben, so dürfen diese diplomatischen Beziehungen nicht auf reinen materiellen Vorteilen, sondern müssen auch auf der Anerkennung der Grundsätze von Gerechtigkeit, Freiheit und Menschlichkeit, beruhen. Wie der Papst fei die Peterskirche hinabsteigt, so ordnet dieser lutherisch-anglikanische Kirchenfürst Buß- und Bittgebete für die Verfolgten in Rußland in allen englischen Kirchen für Sonntag den 16. Februar an. Daß sich der römisch-katholische Bischof von W e st m i n st e r dieser Aktion anschließt und, nach Weisungen! von Rom, ebenfalls eine Kirchendemonstration anordnet, versteht sich von selbst. Die führenden Blätter Englands begrüßen in Leitartikeln mit größter Genugtuung dieses Zusammengehen beider Glaubensgemeinschaften gegen Verbrechen, die das Beste im Menschen treffen. Der Erzbischof von Canterbury machte seine Ankündigung, auch das P a r l a m e n t in dieser Sache in Bewegung zu setzen, schon am 12. Februar wahr. Er wünschte geradeaus, den Abschluß des Handelsvertrages mit Rußland von der sofortigen Einstellung der Religionsverfolgungen in diesem Lande abhängig zu machen. Lord P a r m o o r betonte zwar im Namen der Regierung die Schwierigkeiten und Gefahren einer Einmischung in die innere Politik eines anderen Landes. Es kann aber nicht ohne Eindruck auf die Welt bleiben, wenn, der A u ß e n m i n i st e r H e n d e rf o n darauf erklärte, die Vorgänge in Rußland hätten in Großbritannien wie in anderen Ländern eine tiefe Beunruhigung verursacht und würden von der Regierung ernstlich geprüft. Er zweifelt, ob ein- Appell an den V ö l k e r b u n d , an den auf alle Fälle gedacht wird, zum Ziele führt, verspricht aber im Namen der Regierung, im gegebenen Augenblick ihren ganzen Einfluß auf zu bieten, umdieReli gionsfreiheit in Rußland wieder herzu st e l - l e it. Die durch die Presse gehende Erklärung des russischen Metropoliten Sergius zur Rechtfertigung der Sowjets, ist für unseren Fall spräche, das der Chofez Chajim mit Rabbi Meier Berlin führte. Gleich nach der Begrüßung wandte sich der Chofez Chajim an seinen Gast mit folgenden Worten: „Sie haben einen guten Vater gehabt, er war ein guter Jude und hat schöne Sforim auf z'wn geschrieben — aber Ihr habt Euren Taten (Vater) nicht gewann t." Rabbi Berlin: „Was heißt das, ich habe ihn nicht gekannt? Ich habe ihn wohl gekannt." Chofez Chajim: „Nein, Ihr habt Euren Taten nicht gekannt." Rabbi Berlin: „Aber ich habe ihn gewiß gekannt." Chofez Chajim: „Nein, Ihr habt Euren Taten nicht gekannt! Hättet Ihr ihn gekannt, so würdet Ihr den Brief nicht geschrieben haben, in dem es heißt, daß, wenn die orthodoren Juden nicht in die Agency eintreten, man in Amerika den Thorainftitutionen in Polen die Unterstützung entziehen werde! Hättet Ihr Euren Taten gekannt, hättet Ihr einen solchen Brief nicht geschrieben." Rabbi Berlin: „Ich habe gefürchtet, daß man infolgedessen die llnterschützung entziehen werde und wollte vermeiden, daß alles zugrunde geht." Chofez Chajim: „Ja gewiß, es gibt einen Posuk: ins» msa v'rr 'ivn („Heil dem Manne, der immer fürchtet ). Aber es gibt noch einen anderen Posuk: vmvn vms (Zu fürchten haben sich in Zion nur die Sünder). Es wird alles zugrunde gehen, aber w i r werden bleiben." (Jüd. Tageblatt.) (Karnevalsfcherz?) Der bekannte Tel-Awiwer Karnevalpurim wird dieses Mal, Gott fei Dank, wie schon berichtet, ausbleiben. Dagegen ist man in der christlicharabischen Welt Palästinas jetzt schon zu Karnevalsscherzen aufgelegt. So lesen wir in palästinensischen Zerbelanglos. Ist doch längst bekannt, daß Sergius ein treuer Diener der Kirche und Stalins ist, genau wie er früher neben der Kirche dem Zaren diente. Er spricht auch übrigens nur von der griechisch-orthodoxen Kirche, mit keinem Worte aber von den S o n d e r g e s e tz e n , die die jüdische Sektion des Glaubenshasses für Juden und - die jüdische Religion ausgedacht hat und zur Ausführung bringt. Inzwischen weiß die ITA. zu berichten, daß nach einem Beschluß des Moskauer Zentralkomitees die „Jewsekzia" aufgelöst wird und die Bevollmächtigten des Kommunistischen Zentralkomitees selbst die jüdischen Angelegenheiten in die Hand nehmen. Gäbe Gott, diese Nachricht bestätigte sich. Wir wären dann immerhin um einen wesentlichen Schritt weiter. Die jüdische Geistesnot würde sich dann in den Gesamtrahmen der russischen Tragödie einreihen und könnte danach durch die Weltaktion, die zur Zeit im besten Gange ist, ihre Liquidation finden. Jüdische Bücher in und ans Palästina. In einer. Zeit, da überall in den orthodoxen Krisen der Wille wach wird, sich mehr der h e - brätschen Sprache u n d L i t e r a t u r zuzuwenden und sie, wie die religiösen Belange, aus der Hand derer zu erlösen, die sie oft genug zum Dolmetsch unjüdischer Gedanken mißbrauchen — ein orthodoxer Verein zur Pflege von hebräischer Sprache und Literatur hat sich dieser Tage auch in Frankfurt gebildet —, möchten wir auf ein literarisches Unternehmen in Palästina Hinweisen, das, vom bekannten Hebraisten und Musiarlehrer, Rabbi' I. S. D w o r e tz in Jerusalem, geleitet, verspricht, eine Nährquelle für alle gesetzestreuen Freunde des alten und neuen hebräischen Wortes zu werden. Unter dem Titel nrnnm minn ist ein Verlag ins Leber! gerufen worden, mit dem Zwecke, gute hebräische Literatur aus alten und neuen Beständen herauszugeben und zu verbreiten. Wertvolle Schätze talmudischer und altrabbinischer Weisheit, fo bisher ungedruckt.e Midraschim, Schriften der Gaonim, von Rafchi, Maimonides, Nachmanides, Meiiri usw., wurden bereits gehoben, sind zum Teile schon im Drucke erschienen oder harrender baldigen Drucklegung. Philosophische und belehrende Werke aus letzterer Zeit tverden folgen. Für die Finanzierung und den geschäftlichen Vertrieb sorgt eine von der Palästina-Regierung genehmigte Gesellschaft m. b. H. Daß. damit auch eine heilige Industrie in tungen: Der katholische Bischof von Haifa, Haj a r, ein Araber, besuchte den Oberkommissar. Sir John Chancellor, und sprach ihm gegenüber seinen Protest gegen die Balfour-Deklaration aus, die nach seiner Meinung den Juden Privilegien zum Nachteile der Araber einräumt. Die Araber, erklärte der Bischof, sind die wirklichen Abkömmlinge der ursprünglichen Einwohner Palästinas, die heutigen Juden aber , stammen nicht von den Hebräern ab, die einst in Palästina lebten, sondern von einem russischen Stamm, der im 7. Jahrhundert zum Judentum übergetreten ist. — Bischof Hajar hatte anscheinend etwas von dem einstigen Uebertritt der Chazaren zum Judentum gehört, und weiß nicht was. (Der Esperanto-Schöpfer Ludwig Zamenhof.) Am 15. Dezember 1929 jährte sich zum 70. Male der Tag, an dem im Jahre 1859 der spätere Augenarzt Dr. Ludwig Lazarus Zamenhof als Sohn des jüdischen Schulleiters Markus Zamenhof in der jetzt polnischen Stadt Vlalystok gaboren wurde. Dr. Ludwig Zamenhof, der am 14. April 1917 starb, erreichte nur ein Alter von 58 Jahren. Als Schöpfer der Welthilfssprache Esperanto ist der Name Zamenhofs in allen Teilen der Welt bekannt geworden. Rein menfchensteundliche Erwägungen brachten Zamenhof auf die Idee, eine Welthofssprache zur Verständigung der verschiedenen Völker untereinander zu schaffen. Schon als Kind sah er in seiner Heimatstadt die Uneinigkeit der Menschen untereinander, täglich beobachtete er auf den Straßen Streitigkeiten zwischen Russen, Polen, Deutschen und Juden. So reiste in ihm der Plan, der Menschheit eine gemeinsame Sprache zu geben und damit dem Frieden unter den Völkern der Erde zu dienen. Als er noch Gymnasiast war, begann er mit der Verwirklichung seiner Idee, und im Jahre 1878 hatte er den ersten vollständigen Entwurf einer „Lingwe Universal«" fertig. Am 5. Dezember feierte er PalästiN'a, die vielen Menschen Brot gibt, gefördert wird, sei nur nebenbei bemerkt. Nicht unwichtig ist die Tatsache, daß nach her Konjunktur aus dem Arbeitsmarkt in Palästina sich die Herstellungskosten der Drucke weit billiger stellen, als in Europa, wodurch dem Verlage ermöglicht wird, zu günstigeren Bedingungen die Bücher zu liefern. Der Verlag n112n.11 niin.i wird auch vielen Autoren ermöglichen, ihre Werke, die in Europa wegen der unerschwinglichen Kosten nicht erscheinen können, im Lichte des Druckes der Oeffentlichkeit zuführen zu können. Das Unternehmen scheint, nach Gutachten sachverständiger Stellen, auch vom geschäftlichen Standpunkte aus sehr aussichtsreich. Ein gut Teil der Aktien ist abgesetzt. Aber es wäre zu wünschen, daß das große Werk nicht allein eine Sache von E r e z I i s r 0 e l, sondern von K l a l I i s r 0 e l wird. Darum schließen wir uns einem uns von Rabbi Dworetz zugegangenen Aufruf an alle Freunde der alten und neuen gut jüdischen Literatur in der Gola, Aktien zu erwerben, aus vollem Herzen an. Wir sind nicht sehr reich an solchen Unternehmen. Verpassen wir keine Gelegenheit, zu unserem Teile dazu beizutragen, daß Kxn pxn oV^iTa 'n 1211 min- K. Chajim Sonnenfeld nvd die Rabbiner Hirsch-Gesellschaft. Die Rabbiner S. R. Hirsch-Gesellschaft schreibt uns: Keinen besseren Beweis für die innere Wahrheit der agudistischen Idee von der übergemeindlichen Expansionskraft unserer heiligen Thora gibt es. als die Tatsache, daß ein wirklich lebenskräftiger jüdischer Gedanke, der Irgendwo in einem stillen Winkel geboren wird, sofort aus dem Rahmen seiner lokalen Begrenzung heraustritt, um das Maß seiner Lebenskraft an dem Ergebnis seiner Werbung um die Gunst der ganzen jüdischen Welt zu erproben. Kaum ist in Frankfurt a. M. die Idee einer „Rabbiner Hirsch-Gesellschaft" gedacht und ausgesprochen worden und schon erscheint im Zentralorgan der Agudas Jisroel in Erez Jisroel ein schwungvoller Artikel, der in begeisterten Worten die Bedeutung des Lebenswerkes von S. R. Hirsch für das Thorajudentum der ganzen Welt betont und die in Frankfurt beschlossene Gründung auch der palästinensischen Orthodoxie zur Beachtung und Förderung empfiehlt. Kaum sind am Geburtsorte der Rabbiner Hirsch-Gesellschaft die ersten Stimmen eines schüchternen Zweifels laut geworden, ob -nicht die vielummit einigen begeisterten Kameraden seiner Primaklaff den Geburtstag der neuen Sprache. Der Traum Zamen Hofs, daß nun gleich Millionen von Menschen die neue Sprache als ein gemeinsames internationales Verständigungsmittel annähme, ohne. die Muttersprache zu beseitigen, ging nicht sofort in Erfüllung. Rur langsam ging die Verbreitung vonstatten. Der Weltkrieg setzte der Bewegung eine Schranke, die aber nach Friedensschluß sofort zerbrochen wurde. Die Verbreitung der Sprache ging weiter, und die seit 1920 wieder jährlich tagenden internationalen Esperanto-Kongresse tragen dazu bei, die Völker wieder einander näher zu bringen und den Traum des großen Menschenfreundes Zamenhof zu verwirklichen. (Ein Pater schreibt an einen jüdischen Schriftsteller.) St. Augustin (Post Siegburg), 12. 2. 30. Verehrter und lieber Herr .... Rabbi Naftali Hakohen ist eben fortgezogen aus Frankfurt: ich habe ihn mit schmerzlichem Bedauern ziehen sehen. Doch tröstete es mich, daß bald eine mutige Bautätigkeit begann und auch die Frankfurter Talmud-Ausgabe glücklich das Licht der Welt erblickte. Ich danke Ihnen von Herzen für drei Dinge: für die Freundschaftsgabe, für den literaraschen Genuß beim Lesen und für den geistigen Gewinn, den mir die Flammenzeichen gebracht haben. Ich habe mit Nachdenken gelesen, habe Neues gelernt und habe mir an die 50 Stellen notiert, die ich noch besonders verwerten kann, fct es um der schönen Form willen, sei es um der Kenntnisse willen, die ich mir mehr einprägen will, um mein jüdisches Wissen zu ergänzen. Wollte ich auf Einzelheiten eingehen, so haben mir die Personen in ihrer Art alle gefallen, sie waren folgerichtig behandelt. Dem Grünhut habe ich sein Schicksal besonders gegönnt. Sie haben

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