Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1930)
- Date
- 1930-02-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit 20. Februar 1930 von Rabbinatsautorrsntionen hätten — ist a n - n u l l i e r t. Kommen noch die Zusagen des Ministerpräsidenten und der anderen Minister in Sachen der Sonntagsruhe, der S t e u e r usw. hinzu, so darf die Versammlung, aus der heraus das Memorandum entstand und die Delegation den Weg direkt ins Ministerium gefunden hat, mit ihrer vorläufigen Ernte zufrieden sein. Auf eines wollen wir aber als auf den Haupterfolg der großen Versammlung Hinweisen: auf die Einigung aller Gesetzestreuen Polens, Chassidim, Misnagdim, Kaufleute und Unparteiische, die vollkommen und lückenlos gelungen ist. Der „Chofez Chajim" an der Seite der führenden Chassidimrab- bis! Auch der alte persönliche Gegensatz zwischen Ger und Alexander, der kulturelle zwischen Ger und B e l z, 'ist überwunden. Schon an sich ein herrliches Bild für den Historiker, der weiß, aus welchen Leiden und bitteren Kämpfen sich erst in anderthalb Jahrhunderten!, nachdem ganze Berge von Mißverständnissen abgetragen worden waren, dieses Nebeneinander herausentwickelte, als Symbol für die Versöhnung und den Frieden zwischen den eigentlich immer schon Gleichgesinnten. Dieses Verdienst kann die A g ud as Iis r o e l ganz und ungeschmälert für sich in Anspruch nehmen. Hatte sie doch das Forum geschaffen, vor dem sich über Kleinlichkeiten und Aeußerlichkeiten und Verschiedenheiten in der Nuancierung hinweg die Bruderhände fanden. Nun ist in Warschau auf Anregung von R e b b e und Rabbi ein Vereinigtes Komitee errichtet worden, in dem alle Schattierungen innerhalb des g e s e tz e s t r e u e n Judentums in Polen vertreten sind. Hinter dem Komitee steht das geeinte gesetzestreue Polen, als Einheitsfront nach außen und innen, zum Schutz und Trutz gegen Feinde, die dem Juden Menschen- und Bürgerrecht verweigern oder verkümmern, als eiserne Mauer aber nach innen, gegen Menschen, die die Religion aus Gemeinde und Gemeindeleben auszuschalten sich bemühen und sich hinterher noch anmaßen, bei Regierungsstellen i m N a m e n d e r R e l i - g i o n das große Wort zu führen. Das Komitee als Spitze der Vereinigten Orthodoxie wird auch bei kommenden Wahlen, die bisher immer aus Mangel an einheitlicher Parole größte Verwirrung anrichteten, Wegweiser sein. Dieses Werk der Sammlung-darf als größter Erfolg der Agudas Jisroel, die den Organisationsgedanken in die gesetzestreuen Masten trägt und es jedem Lande überläßt, ihm seine eigene, den Verhältnissen des Landes angepaßte Form zu geben, gebucht werden. Wochenrundschau. Alle Tore geschlossen! Allen Protesten zum Trotze wurde das E i nrvanderungsgesetz am 11. Februar vom Südafrikanischen Parlamente in Kapstadt angenommen. Die Jahresquote der Einwanderung beträgt danach aus Litauen, Polen, Rußland, Lettland und Palästina je 50 Personen. Das kommt einer völligen Sperrung der Grenze vor Juden gleich. Vor Juden? Davon will der In - nenmintfter Dr. Malan, der Initiator des Gesetzes ist, nichts wissen. Es sei eine Maßregel gegen! die O st l ä n d e r , aus denen eine Einwanderung unproduktiver Elemente in Südafrika zu befürchten sei, nachdem die größten Länder der Welt ihre Tore den Emigranten verschlossen hätten. Mit Moral und Menschenliebe hat dieser Standpunkt der Regierung eines durch freie Einwanderung großgewordenen Landes nichts zu tun. Aber auch nicht mit Geographie! Zu den Ostländern zählt in diesem Falle auch P a l ä st i n a. Warum? Weil von dort I u d en ins Land kommen, und das ganze Gesetz unausgesprochenermaßen einzig gegen Juden gedacht ist und durchgeführt wird. Wie es übrigens um das unproduktive jüdische Einwanderungselement in Südafrika in Wahrheit bestellt ist, das konnte der jüdische Deputierte Morris Centridge zeigen und sich dabei auf große Namen berufen. Gab doch der I u st i z m i n i st e r erst vor Monatsfrist eine Erklärung ab, daß die jüdischen Einwanderer d i e einzigen sind, die demStaatssäcke! nicht zur L a st fallen. Die Juden! haben die Kleider-, Schuh-, Woll- und manche andere BiOX-ULTQA Oie sferk. schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube Nv Pf. Bl OX-MUND WASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne. Prob e-^lqs«be aratis. Max R*b A. (I., Dresden Industrie im Lande, in der Hunderte und Tausends Afrikaner beschäftigt sind, zur Entwicklung gebracht. Die Juden sind der anpassungsfähigste Teil der gesamten südafrikanischen Bevölkerung. Kentridge zitierte ferner die Worte, die der P r e m i e r m i n i st e tv General Hertzog, gesprochen hat, nämlich, daß. „der Jude in Südafrika eine Position einnimmt^ die keiner der übrigen großen Teile d e s V o l k e s n a ch st e h t; wenn es überhaupt einen Volksteil gibt, auf den dis Afrikaner als Mitafrikaner blicken, so i ft es der j ü - d i s ch e V o l k s t e i l ". Charles P. Robinson, ein anderes jüdi-- > sches Parlamentsmitglied, gab eine Charakteristik der jüdischen Einwandererbevölkerung und schloß mit dem Appell: „Schließt nicht die Tore vor armen Menschen, ermutigt die Einwanderung!" Emile Nathan und Eli V u i r s k i, die ebenso wie Robinson der von General Smuts geführten Südafrikanischen Partei angehören, charakterisierten die Bill als ein, Dokument zur Stigmatisierung der jüdischen Bevölkerung. Ungeachtet all dieser Warnungen in zwölfter Stunde wurde das Gesetz in dritter Lesrm§ angenommen. Und damit die Tragik voll ist: die Führer der Opposition um S m u t, der ein wahrer Freund d e r I u d e n ist, wie dessen von uns in jüngster Nummer abgedruckte vortreffliche Newyorker Rede zeigt, stimmten für das Gesetz und gab den entscheidenden Ausschlag für feine Annahme. Smut weilt im Auslände, und seine Freunde bieten die Hand dazu, der Rasse, der er so gern helfen möchte, das letzte Tor zu Vrot und Heimat zu verschließen. Das Weltgewissen gegen Sowjet Rutzland. Im Leitartikel der jüngsten Nummer gaben wir nach eingehender Klärung der Sachlage der Erwartung Ausdruck, daß die Bulle des Papstes nicht ohne Eindruck auf Europa und Amerika bleibt und regten den Gedanken einer Verbindung aller religiösen Menschen gegen die russische Schmach an. Beide Erwartungen scheinen viel eher ihre Erfüllung, zu finden, als wir ahnen konnten, und damit gewinnt unsere Mahnung an die jüdischen Instanzen, den Anschluß nicht zu versäumen^ hochaktuellen Charakter. In England, um dessen Gunst sich seit der Labour-Regierung Moskau am meisten bewirbt und mit dem es zur Zeit günstige Handelsbeziehungen anzuknüpfen sich anschickt, fand der Bemerkungen zu laufenden Sidrakexlen. Der erste Vers in bietet eine sprachliche Schwierigkeit, auf die, soweit ich sehe, bisher nicht gebührend hingewiesen worden ist. Der Satz heißt: „Sprich zu den Kindern Israel, sie sollen zurückkehren und lagern vor Pr Hachüoth, zwischen Migdol und dem Meere. Im An- Vlick des Baal Zefon, ihm gegenüber sollt Ihr lagern am Meere." Der Wechsel von der dritten Person zur zweiten (sw sollen lagern — Ihr sollt lagern) ist unverständlich, wir hätten auch im zweiten Teil des Satzes die dritte Person (sie sollen lagern) erwartet,- Pr Hachiroth, zwischen Migdol und dem Meer im Anblick des Baal Zefon als Ortsbestimmung gefaßt. In seiner jetzigen Fassung dagegen zerfällt der Vers in zwei völlig voneinander zu trennende Hälften. Die erste Hälfte ist ein Befehl Gottes an Moses zur Weitergabe an das Volk. Die zweite Hälfte dagegen (desgleichen Vers 3 und Vers 4 mit Ausnahme der beiden letzten Worte p wn) sagt Gott zu Moses, ohne daß Moses den Inhalt an das Volk weitergibt. Daher wohl auch als Einleitung zu Vers 2 im Der Grund für diese Trennung liegt auf der Hand. Das Volk ist verzagt (s. Kap. 13,17: „Wenn sie Krieg sehen, kehren sie nach Aegypten zurück." In Parenthese sei bemerkt, daß mip> '3 wohl heißen wird: denn es ist Krieg dort; aramäisch K3iE>) Gott will sie durch Moses ermutigen und läßt ihnen sagen: Ihr bezieht eine Verteidigungsstellung, die von Natur aus sehr geschützt ist: Der Name ist verheißungsvoll: Tor zur Befreiung; sodann liegt die Stelle zwischen dem Turm und dem Meer. Moses aber soll den wahren Grund wissen: Gerade vor dem ägyptischen Götzen soll sich die Ohnmacht der Aegypter und ihrer Götzen erweisen, geradeaus aufs Meer zu sollt Ihr lagern. Mit dieser Bemerkung versteht man die Konstruktion IV 33,7: „Sie zogen von Tthon, und er (Moses) kehrte zurück nach Pi Hachiroth, das im Angesicht des Baal Zefon liegt und s i e (die Kinder Israel) lagerten vor Migdol. Rabbiner "Jacobs. Von der Bibelexegese. Nicht mit Unrecht wurde vor kurzem im Berliner „Jeschurun" darauf hingewiesen, daß speziell von gesetzestrevev jüdischer Seite das eigentliche Gebiet der systematischen Bibel-Erese wenig gepflegt ist. Wohl haben wir eine zahlreiche Drusch-Literatur, die aber keineswegs systematische fortlaufende Erklärungen zu T'nach enthält, sondern lediglich die dem Verfasser gerade besonders anläßlich Gelegenheitsreden zur Erklärung geeignete Stellen meist zusammenhanglos mit dem übrigen Text aufweist. Umso bedeutsamer ist darum das Erscheinen eines Werkes von dem bekannten litauischen führenden Rabbiner F e i v e l s o h n ,*) der gerade zur rechten Zeit den zwei- ,mrnbpii"s vivo bniv' nx» maw bv ‘-mw nVao (• Zu beziehen von Sänger & Friedberg, Frankfurt a. M. Preis M. 4.20. ten Teil seines größ angelegten Werkes Segulath Israel auf das 2. Buch Moses herausgibt. In strenger Selbstzucht vermeidet der Autor jede homiletische Abschweifung, weiß aber auf Grund des- Pschat soviel Reizvolles, Neues dem Leser darzubieten^ daß wohl jeder, der das Werk einmal studierte, von ihm gefesselt wird. Neben der Erklärung des Textes werden sämtliche Mizwoth, die in einer Sidra Vorkommen, inhaltlich erklärt, dann wird aber auch auf die tieferen Gründe der Mizwoh eingegangen. Diese Seite des Werkes kommt naturgemäß gerade erst im zweiten Teil auf Schmoth zur vollen Geltung. Jeder Rabbiner und Prediger, der öfters öffentliche Vorträge hält, dürfte dieses Buch eine willkommene Fundgrube für ungekünstelte Homiletik in echt litauischem Stile sein. Die Verbreitung des Werkes wird — so hoffen mir zuversichtlich — bald das Erscheinen der weiteren Teile: ermöglichen. E. kleines Feuilleton. Der Ehofez Lhajim und Rabbi Meier Berlin. Warschau, 9. Febr. Wie die Zeitungen melden, hat Rabbi Meier Berlin» der Vorsitzende des Misrachi, seinen Aufenthalt in Warschau dazu benutzt, um dem zur Rabbinerversammlung anwesenden ehrwürdigen Chofez Lhajim einen Besuchabzustatten. Das „Jüdische Tageblatt" bringt aus offenbar autorisierter Quelle einige Stellen aus dem Ge-