Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1930)
- Date
- 1930-02-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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13. Februar 1930 solcher Sicherheitsbedingungen im Lande, daß es mit Fpg und Recht als Nationalheim angesehen werden kann. Es darf unter britischer Flagge keine Pogrome geben. Ein Weiteres ist in dem Versprechen der Deklaration eingeschlossen: die freie Einwanderung. Es kann von einem Nationalheim keine Rede sein, wenn die Juden nach Palästina nicht als in ihr Nationalheim zurückkehren können. Heimat ist der Ort, zu dem man zurückkehrt. Gewiß ist dieser zweite Punkt in der Deklaration nur in dem Maße enthalten, als die Hilfsmittel der Juden und die Verhältnisse und natürlichen Hilfsquellen des Landes seine Realisierung erlauben. Das Land ist klein, eine große Bevölkerung kann es nicht absorbieren. Die Balfour-Deklaration war keine Deklaration gegen die Araber. Die Geschichte des Krieges und die Ereignisse nach dem Kriege haben gezeigt, daß beim Britsh Empre nicht die geringste Neigung besteht, die arabischen Hoffnungen zu beeinträchtigen. Wenn eine Nation mit wehenden Fahnen aus dem Krieg hervorgegangen ist, dann ist es das arabische Volk. Auch das in der Balfour-Deklaration an die Juden gegebene Versprechen enthält nichts, was für die Araber schädigend wäre. Wir haben unsere Versprechen an die Araber erfüllt, und die Regierung wird in gleicher Weise bereit sein, auch die an die Juden gegebenen Versprechen zu erfüllen. Wenn Sie, fuhr General Smuts-fort, als Zionisten bestimmte Rechte fordern, so tun Sie das nicht im Geist der Feindschaft zu einem anderen Volke. Meiner Meinung nach können die Ansprüche der Juden wie die der Araber miteinander in Einklang gebracht werden. Das jüdisch-arabische Problem ist fast so alt wie die Geschichte, es geht noch auf Abraham zurück. Jetzt ist die Zeit gekommen, das Problem zu lösen. Wir gehen daran im Geiste des guten Willens, im Zeichen des Mandatssystems und unter der Aufsicht des Völkerbundes, der in immer stärkerem Maße die führende Autorität in diesen Dingen wird. Ich bin mir dessen sicher, daß der jüdische Genius, wenn er sich dem Problem der Herstellung des Friedens mit den Arabern zuwenden wird. Sie befähigen wird, einen Weg zu finden, dieses Land zu Ihrem Nationalheim zu machen und trotzdem den Frieden mit den Arabern zu wahren. Wenn die Zahl der Juden durch Freigabe der Immigration und vernünftiges Handeln in stärkerem Maße anwachsen wird, dann wird, so glaube ich, nach einer Generation ein derartiges Gleichgewicht hergestellt sein, daß Unrecht nicht mehr Platz haben wird. Sie werden mehr als je durch finanzielle Leistungen zur Beschleunigung der Einwanderung in das jüdische Nationalheim beizutragen haben. Ich denke, daß unter der klugen Führung der britischen Regierung und bei Aufrechterhaltung von Gesetz und Recht mit Hilfe der starken Hand, wie sie die Verhältnisse im Orient erfordern, die Weisheit und die Initiative des jüdischen Volkes einen Weg zur Lösung der mit den Arabern entstandenen Probleme finden werden. Es scheint mir nicht wünschenswert, daß das jüdische Volk die Fehler bei/der britischen Regierung sucht. Die britische Regierung röird das ihre tun, und ihr Versprechen erfüllen. Aber das jüdische Volk muß weise und staatsmannif!h sein und einen modus. vivendi mit dem ara? bischen Volke finden. Das kann in voller Uebereinstimmung mit der VÄfour-Deklaration geschehen. Ich zweifle nicht daran, däß ünsere Politik durchdringen und die kommende Generation ein neues Palästina wachsen sehen wird. Die Vision des jüdischen Nationalheims ist eine große Vision, sie kann etwas ganz Außerordentliches bedeuten: nicht nur die große Wiedergutmachung des in der Vergangenheit verübten Unrechtes, sondern auch ein Positivum für den in die Zukunft gerichteten Blick. Ich trete für däs Nationalheim mit dem Wunsche ein, daß in Palästina ein starkes Zentrum des jüdischen Volkes erbaut und behauptet werde, als Mittelpunkt eines Systeiüs, däs in den kommenden Zeisen der Menschheit von Nutzen sein wird. Währnd meines Besuches in den Vereinigten Staaten, sagte General Smuts zum Schluß, seiner Rede, habe ich ap! vielen bedeutenden Zufäyimenkünften teilgenommen. Diese Versammlung ist keineVersammlung in den Vereinigten Staaten. Das .jüdische.. Volk dauert durch die Geschichte und geht durch., alle Länder. Die..Juden sind die großen' internationalen Zeugen der menschlichen Rasse.'Wenn Sie hier sprechen, sprechen Sie nicht nur als Amerikaner. Sie repräsentieren ein über die ganze Wett zerstreutes Volk, und indem ich Ihnen gegenüber¬ Der Israelit Nr. 7 Seite 9 stehe, stehe ich der Geschichte der Welt gegenüber. Ich fühle, daß das, wofür Sie einstehen, und die Versprechungen, die Ihnen gemacht worden sind, sich auf dem Wege zur Verwirklichung befinden. Ich wünsche- Ihnen Erfolg und ich weiß, daß Sie ans Werk gehen und Ihr Ziel erreichen werden! Eine Diskussion über hie Kalenderreform. Washington,!. Febr. Friedländer, Paul L e w i n , Eugen Arnd , t Paul Forstenzer. Georgensgmünd, 10. Febr. Auch im hiesigen Friedhof — gehört gemeinsam der Kultusgemeinde Schwabach, Synagogengemeinde Roth, Windsbach — sind Grabsteine beschädigt und geschändet worden, und zwar zu wiederholten Malen. Untersuchung ist im Gange. Die Friedhofsverwaltung hat auf Ergreifung des Täters eine Belohnung von 330 Mk. ausgesetzt. Bemerkenswert ist, daß die Hiesigen Nationalsozialisten ebenfalls eine Belohnung von 100 Mk. auf Feststellung der Täter ausgesetzt haben! In Washington fand Ende Januar eine öffentliche Diskussion über die jüdischen Einwände gegen die propagierte internationale Kalenderreform statt, bei der der Leiter des Wetterbüros der Vereinigten Staaten, Dr. Charles F. Marvin, den Standpunkt der Internationalen Liga für festen Kalender und Rabbi Louis I. Schwefel die jüdischen Einwände gegen die beabsichtigte Reform vertraten. Die Diskussion wuchs über den Anlaß hinaus zur Erörterung der prinzipiellen Frage, ob die amerikanische Gesetzgebung auf die religiöse Uebung von Minoritätsbekenntnissen wie Juden oder Sabbatarier Rücksicht zu nehmen habe. Dr. Marvin legte dem überwiegend aus Juden bestehenden Publikum dar, daß die Kalenderreform unbeschadet ihrer Opposition oder ohne sie zustande kommen und daß ihre oppositionelle Haltung nur dazu führen werde, daß sie zu Gegnern einer vernünftigen Reform gestempelt werden würden. Er bestritt dann, daß die Annahme eines neuen Kalenders irgendwelche bürgerliche oder religiöse Rechte, die in der Verfassung gewährleistet sind, verletzten würde. „Freie Uebung der Religion" bedeute lediglich Freiheit des religiösen Brauchs und Glaubens. Diese Freiheit bleibe von jeder Kalenderreform unberührt. Oekonomische Schwierigkeiten, die durch die Uebung eines besonderen Glaubens entstehen, seien eine andere Frage. Die Verfassung gewährleiste nicht den Schutz vor solchen ökonomischen Härten. Die Juden und Sabbatarier sind auch jetzt schon gewissen wirtschaftlichen Härten dadurch ausgesetzt, daß sie sich an den Sabbaten am Wirtschaftsleben nicht beteiligen. Es steht ihnen frei, ihre Religion in dieser Weise einzuhalten, aber weder die Verfassung noch die Gesetze schützen sie vor den ökonomischen Konsequenzen. Rabbi Schwefel griff Dr. Marvins Argumentation an. Es fei das erste Mal, daß er eine solche Stellungnahme im Verlauf der Diskussion über die Kalenderreform höre. Er sei erstaunt und entrüstet darüber, daß Dr. Marvin es wage, eine solche Argumentation vor diesem Auditorium und vor der Presse der Vereinigten Staaten zu gebrauchen. Jeder verantwortliche Historiker oder Kenner der politischen Wissenschaft würde diese eigentümliche Auffassung von den religiösen Grundfreiheiten ablehnen müssen. Auch die Katholiken und Protestanten würden es nicht zulassen, daß ihre Feiertage jedes Jahr auf eine andere Zeit fallen. Der jüdische Sabbat würde nach der geplanten Kalenderreform gar in jeder Woche auf einen anderen Tag fallen. Er sei in der Lage, Namen führender Bischöfe und kirchlicher Würdenträger zu nennen, die ihm persönlich erklärt haben, daß sie zum Kampf gegen die vorgeschlagene Kalenderreform mit'allen Mitteln bereit seien, sobald nur ernsthaft an ihre Einführung gedacht werden sollte. •: (ITA.) ValSstiim. Ein jüdischer PolizeimaNn zum Tode verurteilt. Jerusalem, 10. Febr. Am Mittwoch, den 5. Februar sprach das Gericht in Jaffa das Urteil in dem Prozesse gegen den Polizermann Hinkis aus Tel-Awiv, dem die Anklage zur Last legt/ daß er am 25. August in der Gegend zwischen Jaffa und Tel-Awiw als der Führer einer erregten jüdischen Gruppe in ein arabisches Haus eindrang, wobei fünf der Insassen des Hauses getötet und zwei verwundet wurden. Das Gericht erkannte Hinkis für schuldig und verurteilte ihn zu m Tode. Gegen das, Todesurteil wurde Revision eingelegt. vermischtes. Berlin, 10. Febr. D e r V e r e i n d e r Beamten und Angestellten der jüdischen Gemeinde zu Berlin (wirtschaftliche und berufliche Interessenvertretung). hat'sich wie folgt konstituiert: 1. Vorsitzender: Eitel Ro ck m acher: 2. Vorsitzender: Dr. Jlja Gold- Mann; Kassierer: Siegmund Sa lb erg: Rendant Moritz Rath; Schriftführer: Willn Ro senth al; Beisitzer: MärtinG o ld st ei n, Georg Wittenberg Dr. Erna Hünfeld, 9. Febr. Donnerstag, 6. Febr. 'n fand die Einweihung einer aus freiwilligen Spenden der Gemeinde erstandenen min nso unter Teilnahme aller Gemeind emitglieder und vieler Gäste aus Nachbargemeinden statt. Die Synagoge erstrahlte im Lichterglanz, mit Tannengrün künstlerisch geschmückt. Nach dem Ausheben der alten „Sforim" sang der aus Gemeindemitgliedern gebildete Chor unter Leitung des Herrn Lehrer Braunschweiger hon iino Die alten Sforim wurden dem neuen entgegengetragen, das am Eingänge zur Synagoge Herr Prorinzialrabtiner Dr. C a h n - Fulda in Empfang nahm. Nack» den üblichen nispn und dem Einheben aller Sforim unter den Gesängen des Chors, bestieg Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn die Kanzel. Er zeichnete die Bedeutung des Tages in formvollendeter Rede, die einen tiefen 'Eindruck bei allen Zuhörern hinterließ. Mit Chorgesang schloß die würdige Feier. Schönlanke, 11. Febr. Am Sonntag, den 26. Jan., sprach in dem von Herrn Rabbiner Berlinger geleiteten Kurs zur Fortbildung der Lehrer und Kantoren der Grenzmark, Herr Kantor Lewinsohn - Jastrow, über das Thema: „a»rai “p Der Redner wußte das reiche Material des Themas in rechter Weise anzuführen und prinzipiell zu behandeln. Die sich an den Vortrag anschließende Aussprache wurde durch eine Reihe weiterer prinzipieller Bemerkungen und instruktiver Ausführungen des Herrn Rabbiner Berlinger eingeleitet. Die außerordentliche Lebhaftigkeit, mit der sich die anwesenden Herren an der Diskussion beteiligten, war ein Beweis dafür, wie anregend das Referat gewirkt hat, und wie groß das Interesse der Teilnehmer für die Sache ist. Möge der Kurs auch weiterhin die Hebung des jüdischen Lebens unserer Provinz segensreich beeinflussen und eine Quelle jüdischer Erkenntnisse und Anregungen bilden. Flensburg, 11., Febr. Ein Festtag für unsere Gemeinden Flensburg und Friedrichsdorf war die Inspektionsreise des Herrn Oberrabbiners unserer Provinz, des allverehrten Herrn Dr. C a r l e b a ch. Nach der Schulprüfung versammelte sich die Flensburger Gemeinde zu einem Vortrage des Herrn Oberrabbiners im Flensborghus über Erziehungsfragen. Die zündenden Worte des Redners lösten eine lebhafte Diskussion aus, und allgemein wurde der Wunsch nach mehr Vorträgen und verstärktem Lehrplan laut. Als Versammlungsleiter sprach Bezirksrabbiner Dr. Cohen den tiefgefühlten Dank der Gemeinde aus und versprach sofortige Erfüllung aller Wünsche. — In Friedrichstadt fand am darausfolgenden Abend eine Versammlung der Gemeinde statt, die mit Begeisterung einem - Vorträge des Herrn Oberrabbiners über „Bibelkrilik und Ausgrabungen" lauschte. Auch hier fand der Appell zu gesteigerter Beschäftigung mit Lehre und Geschichte des Judentums allgemeinsten Anklang und weckte auch das Interesse derer, die sonst keine Beziehung, mehr dazu haben. Fulda, 9. Febr. Ein Jubiläums- und Wohltätigkeitsfest, wie es Fulda wohl kaum gesehen hatte, feierte der Jüdische Frauenverein am 12. Jan. d. I. Der große Stadtsaal konnte die Gäste kaum fassen. Die erste Vorsitzende, Frau Jda N u ß b a u m , verstand es Mit viel Umsicht, die Sache zu arrangieren. ..Mit Hilfe der übrigen Vorstandsdamen, sowie einer Anzahl hilfs-. bereiter Mitglieder des Vereins, konnte das Fest zu einem Feste der Gemeinde gestaltet werden. Dien Verführungenwaren erstklassig. Frau Baum, welche;die Revue: „Lu die Tipsy" ei istudierte, rystroe, mit starkem Beifall Dank gezollt/ Ebenso versetzte eine/...Szene a.u s Jacob s T r a u m" die Zuhörer ' m- -'BegeiMrung. Turnlehrer iir Frl. Mayer übernahm in' ehrenamtlicher Weise die Einübung der in Hessentracht vorgeführten Tänze. Als Ansager stellte sich Herr Ferd. Schuster in dankenswerter Weise in den Dienst der Sache. Er verstand es in bester Art, das Publikum zu fesseln. Ein Lokalvortrag, versaßt und vorgetragen von Frl. Berta Blume n t h a l, sorgte für den Humor des Abends. Ilm einen finanziellen Erfolg zu erzielen, stellten sich Damen des Vereins bereit, Verkaufsbuden auf das herrlichste herzurichten und in denselben in anmutiger Kostümierung ihre Speisen unkGetränke anzubieten. Der finanzielle Erfolg soll zufriedenstellend sein. Der Reinertrag wird restlos Armen und Kranken zugute kommen, und kann wohl manche Not damit gemildert werden. Düsseldorf, 9. Febr. Das Fest der Einführung einer neuen Sefer Thora, welches Jung und Alt zusammensührte, konnte die ostjüdische „Ehewra Mischnajith" dank der anerkennenswerten Bemühungen des Herrn A. N. Rücker.sowie des Vorstandes der Chewra, Herrn L. Kanärek und Herrn E. Geizholz, am Sonntag, den 19. Teweth, gefeiert werden. Das neue Sefer wurde gegen. 6 Uhr abends von der Wohnung des Herrn E. Geitzholz nach dem Betlokal des Vereins „Achwah", KreUzstr. 54, gebracht, wo es schon auf der Straße von den anderen Sifre Thoras des Vereins Achwah sowie mit, Musik, Chorgesang und Fackeln empfangen wurde. Nachdem die meisten Anwesenden Lekowaud Hathora auf-