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Der Israelit · 1930-02-13 · Heft 7 (13.2.1930) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 7 (13.2.1930)
Date
1930-02-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 7 Der Israelit 13. Februar 1930 können, daß der größte Teil der Wünsche ohne weiteres erfüllt werden könne. In späterer Abendstunde wurde die Delegation vom Ministerpräsidenten Barthel empfangen und mit großem Interesse angehört. Interpellation im polnischen Sejm über das Recht der Inden auf Arbeit. Warschau- 10. Febr. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm hat Abg. Dr. Rosmarien im Namen des Jüdischen Klubs eine Interpellation an die Regierung betreffend das Recht der Juden auf Arbeit eingebracht. Es ist nicht das erste Mal, heißt es in der Interpellation, daß jüdische Deputierte von der Tribüne des Sejm herab an die Regierung die Frage wegen Nichtzulassung jüdischer Bürger zur Arbeit in staatlichen Institutionen richten. Alle Gesuche von Juden, ihnen Aemter zu übertragen, für die sie die notwendigen Qualifikationen besitzen, werden von den zuständigen Behörden ablehnend beschieden. Und wenn staatliche Aemter Konkurse auf freie Posten ausschreiben und sich Juden für diese Posten melden, so werden diese Anmeldungen unberücksichtigt gelassen: die betreffenden Posten werden entweder durch weniger qualifizierte nichtjüdische Kräfte oder überhaupt nicht besetzt, nur um nicht den Juden ihr Recht auf Arbeit zu gewähren. Man gewinnt den Eindruck, daß ein fein durchdachtes System der Fernhaltung der Juden von staatlichen und sonstigen öffentlichen Aemtern und Arbeitsstellen eingeführt ist. Nicht ein Numerus clausus, sondern gar ein Numerus nullus wird gegen Juden angewandt, die jüdische Jugend wird künstlich jeder schöpferischen Arbeit ferngehalten, unbeschadet dessen, daß sie die entsprechenden Fähigkeiten und Qualifikationen, sowie den in Polen so notwendigen Arbeitseifer für eine solche Arbeit besitzt. Die Interpellation ist belegt durch eine große Zahl Dokumente und Tatsachenberichte, aus denen die vollständige Fernhaltung von Juden von staatlichen Aemtern und Arbeitsstellen hervorgeht. Zum Schluß wird die Regierung gefragt, was sie zu tun gedenkt,-um diesem gegen die Juden gerichteten raffinierten System ein Ende zu bereiten. Ungarn. Kultusminister Graf Klebelsberg in der Pester israelitischen Gemeindestube. B u d a p e st, 4: Febr. Präsidium, Vorstehung und Repräsentanz der Pester Israelitischen Gemeinde feierten im Rahmen einer Festsitzung das 50jährige Jubiläum der Wochenschrift „Egyenlöseg". Kultus- und Unterrichtsminister Graf Kuno Klebelsberg erschien aus diesem Anlaß zum ersten Male im jüdischen Eemeindehause und legte in einer gehaltvollen Rede ein Bekenntnis zur nationalen und konfessionellen Einheitsfront ab. „Wenn ich.heütS'als Kultus- und Unterrichtsminister hier erschienen bin," sagte er, so habe ich einer großen Konfession gegenüber nur meine Pflicht erfüllt. Ich begrüße es, daß „Egyenlöseg" außer aktuellen Berichten auch eine religioNsethische Rubrik hat. Es bedarf einer festen Koalition zwischen Staat und Konfession. Man sollnicht bei der nationalen Einheitsfront stehen bleiben, sondern auch eine konfessionelle Einheitsfront bilden. Es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, in dem großartigen Werke des Wiederaufbaus könnte die ungarische Nation der gewaltigen, geistigen und moralischen Energien entraten, die die jüdische Konfession repräsentiert. Mein Freund, Dr. Desi, hat ganz offen auf die Wunde hingedeutet, die das ungarische Judentum schmerzt. Ich möchte dieses leidige Problem hier nicht weiter erörtern, aber Sie wissen ja, daß ich seinerzeit das Numerus clausus-Gefetz nicht votiert habe; ich bin in das Couloir des Parlaments hinausgegangen und habe von allem Anfang an betont, daß dieses Gesetz die Quelle zahlreicher Uebelstände sein werde. Durch eine neue gesetzliche Verfügung habe ich erwirkt, daß in formalem Belange alles ausgemerzt werde, was für das Judentum verletzend ist." „Pester Lloyd" würdigt im Leitartikel das Erscheinen des Kultusministers im israelitischen Gemeindehaus und führte u. a. aus: „Das war nicht eine Ministerrede wie jede andere; in ihr kündigte sich eine Etappe an, die die Gesundung unseres öffentlichen Lebens nun schon seik>Jahr und Tag erreicht hat. Wer heute zurückdenkt, an die Schreckenszeit, die in den Tagen von Orgovany, in dem Bombenwurf von Zsongrad und dem Höllenmaschinenanschlag aus das Elisabethstädter Kasino in Budapest gipfelte, wird die Wegstrecke unschwer ermessen können, den die ethische und politische Selbstläuterung unserer Nation zurückgelegt hat. Daß ein aktiver Minister ohne äsigstlichen Seitenblick auf das rassenschützlerische Fähnlein sich mit so eindeutiger Entschiedenheit gegen den antisemitischenWahnwitz kehrt und die Fahne der nationalen und der konfessionellen Eintracht entrollt, ist gewiß ein verheißungsvolles Zeichen der Umkehr. Wo sind heute die Erwachenden Ungarn"? Ihr Lager hat sich aufgelöst, die wenigen Fanatiker der alten Garde werfen nicht mehr Bomben in Ballsäle, legen nicht mehr Höllenmaschinen in Klublokale, sondern besudeln einander mit Wurfgeschossen aus der Gosse. Graf Klebelsberg hat sich auf seine Novelle zum Numerus clausus-Gefetz berufen, die alles ausmerzt, was für das Judentum verletzend war. Aber der Numerus clausus selber ist noch immer da. Wir können dem Grafen Klebelsberg versichern, daß ein Gesetzesantrag auf völlige Abschaffung des Numerus clausus weder in der öffentlichen Meinung noch in den beiden Häusern des Reichstages auf nennenswerten Widerstand stoßen wird. Der Numerus clausus ist eine faule Frucht am ungarischen Baume, wer sie abschüttelt, kann des allgemeinen Beifalls sicher sein, ausgenommen des Beifalls jener Würmer, die aus der Fäulnis ihre Nahrung ziehend Rußland. Rußland will keine AMwirkung der jüdischen Hilfsorganisationen im Auslande. M o s k a u, 10. Febr. Die Regierungskommission für Berufsumsch'chiung der Juden „Komze t" hat das Angebot der Föderation der jüdischen Hilssvereine Englands, sich mit einer Summe von jährlich 100 000Dollar an dem jüdischen Aufbauwerk in Rußland zu beteiligen, zurückgewiesen. „Komzet" veröffentlicht hierüber eine Mitteilung, in der es wörtlich heißt: „Im Hinblick daraus, daß an der Spitze der englisch-jüdischen Hilss-Föderation der Londoner Ch'.ef Rabbi Dr. Hertz steht, der durch seine schimpfliche Hetze gegen Sowjetrußland bekannt ist, und weil die Hilfsarbeit die,er Föderation zu Antisowjetpropaganda ausgenutzt werden kann, beschließt „Komzet", seine Untersch ist unter ein Abkommen mit dieser Föderation abzulehnen." Die Stellungnahme von „Komzet" gegen Ch'ef Rabbi Dr. Hertz ist dadurch zu erklären, daß der Chief Rabbi gemeinsam mit den führenden Geistlichen der christlichen Kirchen kn England einen Ausruf unterschrieben hat, in welchem die Verfolgungen der Religion in Rußland in scharfen Worten verurteilt werden. England. i Die Schächlfrage in England.! London, 10. Febr. Der Gesetzentwurf über humanes Schlachten der Tiere (Humane Slaughter of Animals Bill) kam vor das Unterhaus zur zweitön' 'Lesung. Die Königliche Tierschutzgesellschaft hat aus diesem Anlaß einem Appell! an die Oeffentlichkeit gerichtet, in dem die Wähler aufgefordert werden, die Bill zu unterstützen. In dem Appell wird mitgeteilt, daß bisher die Verwaltungen von 356 Orten Satzungen angenommen haben, wonach die Tötung von Schlachttieren ausschließlich durch mechanisch funktionierende Instrumente zu geschehen habe. Bei Vorlage der Bill sprach sich ein Teil der Mitglieder des Unterhauses für Vertagung aus, da sich die Obliegenheiten des Hauses stark angehäuft haben. Andere Mitglieder/ meist Konservative, waren für sofortige Behandlung der Bill. Es kam zusehr erregten Szenen. Schließlich wurde beschlossen, die Bill in einer der nächsten Sitzungen in Behandlung zu ziehen. „Manchester Guardian" führt aus, es bestehe wenig Hoffnung, daß die Regierung die Bill unterstützen wird. Reformen aufdem Gebiete der Tierschlachtung seien darum der Initiative lokaler Behörden überlassen. Unter den. Großstädten hat Manchester das!: System humaner Schlachtung als erste eingeführt. Das vom Stadtrat von Manchester angenommene Statut macht eine Ausnahme für Personen jüdischen Glaubens, die vom Oberrabbiner eine Lizenz für Schächtung nach jüdischem Ritual erhalten haben, Solche Schächter haben das Recht zur Schächtung von Vieh, dessen Fleisch zur Nahrung für die jüdische' Bevölkerung bestimmt ist. . Die dem Unterhaus vorliegende Bill enthält ebenfalls eine Verfügung, laut welcher die Schächtung nach jüdischem Ritual auch bei Gesetzwerdung der Bill nicht verboten sein soll. (ITA.) Ämerika. Bedeutende Worte eines südafrikanischen .. Staatsmannes. Newyork, 5, Febr. Auf dem Bankett der Zionistischen Organisation für General Smuts hielt dieser eine bedeutsame Rede, der wir folgendes entnehmen: „Ich ziehe meinen Hut vor dem kleinsten der Völker, das zum Fortschritt der Welt einen großen Beitrag geleistet hat. Ich war in Palästina und habe das kleine Land gesehen. Das kleine Volk in diesem kleinen Lande hat für die Sache der Menschheit etwas geleistet, was keinem anderen Volke zu leisten gegeben war. Ich weiß,, es ist -ein Akt der Gerechtigkeit und der Dankbarkeit in ihrem rechten Sinn, wenn wir Nichtjuden für dis Sache des jüdischen Volkes eintreten. Sie haben zu leiden gehabt, vielleicht werden Sie noch weiter zu leiden haben. Leiden ist das Merkmal Ihres Stammes und das Merkmal aller großen Nationen. Alle großen Männer und Frauen haben das Wort „Opfer" mit großen Lettern in die Geschichte der Menschheit eingeschrieben, und nichts Außerordentliches ist geschehen, wo dies Wort fehlte. Sie haben viele Opfer gebracht, und aus diesen Opfern ist der große Geist geworden, der Sie führt." Der Redner erinnert an die Zeit, in der die Valsour- Deklaration erlassen worden ist. In der Zeit schwerster Bedrängnis, als die dunklen Wolken der Kriegsnot den Horizont verfinsterten, wandten sich die Gedanken der Staatsmänner der jüdischen Sache zu. Die Balfour- Deklaration ist ein knappes, aber sorgfältig erwogenes Dokument. Der Text wurde mit Juden und Nichtjuden in und außerhalb Englands beraten, die Bestätigung, des amerikanischen Präsidenten Wilson wurde eingeholt.. Die weitestgehenden Sicherungen, die einem Volke gegeben werden können, wurden so der Deklaration gegeben. Sie wissen, die Balfour-Deklaration ist nicht in vagen Wendungen abgefaßt und keine bloße Geste, ihr liegt eine bestimmte konstruktive Politik zugrunde. Seit den August-Ereignissen ist hier und da die zweifelnde Frage gestellt worden, ob das Versprechen auch eingehalten werden wird. Ich sage Ihnen als einer der Urheber der Deklaration und als einer, der alles, was" sich seither in Zusammenhang mit ihr ereignet hat, genau kennt, daß die Balfour-Deklaration Bestand haben und dem Wortlaut und dem Geist nach verwirklicht werden wird. General Smuts erinnert an den vor einem Monat von ihm gemeinsam mit Lord Balsour und Lloyd» George veröffentlichten Brief und sagt: Ich bin dessen.: gewiß, daß wir mit diesem Brief nicht nur die, Meinung: des Kriegskabinetts von 1917 zum Aüsdruch^,gebracht. haben, sondern auch die Meinung derj Legenjvä.xftgen Exponenten der britischen Politik. ’-v Wenn Sie den Wortlaut der Deklaration betrachten, . werden Sie sehen, daß die Worte sehr sorgfältig, gewählt sind. Wir haben nie versprochen, daß wir oder die,bri-^,.4 tische Regierung es unternehmen werden, alle Juden der Welt zu sammeln und sie in Palästina seßhaft zu, machen. Es wäre höchste Torheit gewesen, so etwas versuchen zu wollen. Die Juden sind nicht nur eine Nation, sie haben unter allen Völkern den ausgeprägtesten Charakter einer Nation. Aber sie haben die wundervolle 1 Eigentümlichkeit, daß - sie zugleich; das inter-;: nationalste aller Völker sind. Die Diaspora ist in der jüdischen Entwicklung ebenso bedeutungsvoll wie ,das Heimatland Palästina, und die Zerstreuung wird fort- . dauern. Wir haben versprochen, daß das nationale Heim in Palästina errichtet und,Mchert werden soll für bie- - jenigen Juden, die dorthin gehen wollen. Und wie, sollten sie nicht dahin gehen wollen und Hort , die Cnfwick- - lung fortsetzen, in dem Lande, das geistig und materiell ihre Heimat ist? Sollen aber dem Versprechen der Bal- X four-Deklaration gemäß die Juden, die es wollen, nach . Palästina' kommen können, dann müssen für sie Bedin- 'gungen geschaffen werden, daß sie ungefährdet dahin kommen können. Ich verstehe das Unternehmen der Errichtung des Nationalheims im Sinne der Schaffung .

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