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Der Israelit · 1930-02-13 · Heft 7 (13.2.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 7 (13.2.1930)
Date
1930-02-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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13.- Februar 1930 Der Israelit Nr. 7 (Bene 7 Der Chor der Alten Synagoge unter Mitwirkung des bekannten Oberkantors Herrn Pinkaffowicz wird die Kundgebung mit Psalmgesängen umrahmen. Die jüdischen Angestellten und der wirtschaftliche Antisemitismus. Berlin, 10. Febr. Die Repräsentanten der Berliner Jüdischen Gemeinde, R.-A. Dr. Klee, Ministerialrat Goslar- Redakteur Waldmann und Genossen haben namens der-Fraktion der Jüdischen Volkspartei der Repräsrntantenversammmlung sollende Interpellation eingebracht: Was gedenkt der Gemeindevorstand zu tun, um angesichts der großen Stellungslosigkeit jüdischer Angeßellter erneut mit einem harken und wirksamen Appell an die jüdischen Arbeitgeber und an die leitenden jüdischen Männer in den Banken und anderen Aktiengesellschaften heranzutreten? Wie ist überhaupt der Stand der Arbeiten gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus? Rttuatmordbeschuldigung ist Beleidigung der jüdischen Religion. Leipzig, 10. Febr. Das Reichsgericht bestätigte heute durch Verwerfung der Revision das Urteil des Schwurgerichts Nürnberg vom 4. November 1929, das den Landtagsabgeordneten Streicher zu zwei und den Schriftsteller Karl Holz in Nürnberg zu drei Monaten Gefängnis wegen Religionsvergehens verurteilt hat. Im „Stürmer" war seinerzeit im Zusammenhang mit der Mordaf,äre Hausmann-Daube in verschiedenen Artikeln (Streicher kommt nur für einen dieser Artikel in Betracht) den Juden zur Last gelegt, daß es sich auch hier wieder wahrscheinlich um einen „Ritualmord" handle, wie sie in früheren Zeiten vielfach begangen worden seien. Das Schwurgericht erachtete diese Vorwürfe in einer Weise gegen die jüdische Religionsgemeinschaft erhoben, die wegen ihres beschimpfenden Charakters den Tatbestand des Paragraph 166 StrGB. erfüllen. Versammlung des Schochtim-Vereins der Landrabbinatsbezirke Emden—Oldenburg. Papenburg a. d. Ems, 10. Febr. Am 2. Februar fand hier die Tagung des Schochtim-Vereins Emden—Oldenburg in der Wohnung des Kollegen Grünfeld statt. Die Teilnehmer wurden im. Versammlungslokale von Herrn Vorsteher Heß aufs herzlichste begrüßt. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Schochtim des Bezirks ihre Tagung auch einmal nach Papenburg verlegt hätten und wünschte den Verhandlungen einen gedeihlichen Verlauf. Der Vorsitzende, Herr Bachmann, entbot seinen Gruß den zahlreich Erschienenen und brachte ein Schreiben des Herrn Ruhelehrer und Senator Strauß zur Kenntnis der Versammlung, in welchem Herr Strauß fein Bedauern ausspricht, der Versammlung aus Gesundheitsrücksichten nicht beiwohnen zu können. — $)aupt= Verhandlungsgegenstand war die Besprechung über die Gründung des Reichsverbandes der Schochtim, dem sich der Verein selbstverständlich anschließen wird. Durch die von den drei bereits bestehenden Verbanden an die Schochtim Deutschlands versandten Aufrufe zur Bildung von Landes- und Bezirksverbänden veranlaßt, erachtete es die Versammlung für notwendig, einen Schochtimverband Nordwestdeutschlands ins Leben zu rufen, uw. den Schochtim der angrenzenden Bezirke die Möglichkeit zum Anschluß an einen bereits bestehenden Verband zu bieten, bis sie selbst in der Lage sein würden, eigene Verbände zu gründen. Nachdem noch freie Besprechungen zu ihrem Rechte gelangt waren, wurde die noch zur Verfügung stehende Zeit mit dem Lernen von Dinim ausgefüllt. Die nächste Tagung wurde für Ende März in Norden in Aussicht genommen. polen. Die große Rabbinerkonferenz m polen. Warschau, 10. Febr. Die am Montag hier eröfsnete Konferenz der offiziellen Vertreter des orthodoxen Judentums, aller Rebbes und Rabbiner von Bedeutung, löste eine Aufmerksamkeit aus, wie man sie in Polen lange schon für jüdische Angelegenheiten nicht mehr beobachtet hat. Die politischen Zeitungen würdigen die Zusammenkunft in großen Artikeln und berichten über alle Einzelheiten, Di« Woche. Berlin. Die Reichskonferenz des Verbandes „Ost jüdischer Organisationen in Deutschland" tagt am 23. Februar in Magdeburg. — Die Verhandlungen zwischen der Gemeinde und Jadlowker wegen Uebernahme einer Oberkantor st eile durch den Kammersänger sind an Jadlowkers finanziellen Ansprüchen gescheitert. — Das europäische Büro der amerikanisch-jüdischm Wanderer-Hilfs- und Schutzgesellscha,t H I A S , das in den Jahren 1920—1926 in Warschau, seither in Berlin domizilierte, übersierelt Ende April d. I. wieder nach Warschau. München. Hitlers Hauptorgan, „Völkischer Beobachter", veröffentlicht eine seitenlange Kundgebung, in der mitgeteilt wird, daß ab 1. März eine neue Ausgabe des „Völkischen Beobachters", der „Völkische Beobachter für Groß-Berlin" im Umfange von acht Seiten täglich erscheinen wird. Es wird eine visrmonatige Werbeaktion eingesetzt, zu deren Unterstützung der Verlag 30 000 Mark für Werbeprämien bereitstellte. Prag. Der Statistische Staatsrat in der Tschechoflovakei beantragt, daß sich fernerhin bei Volkszählungen und Wahlen nur solche Leute zur „jüdischen Nationalität" bekennen dürften, dir Hebräi s ch oder Jiddisch sprechen. Gens. Nach dem bekanntgegebenen Arbeitsprogramm für die kommende Session des Völkerbundes wird über den Bericht der Palästina-Mandat -K o m m i s s i o n am 2. April verhandelt werden. Paris. Vor Einwanderung in Brasilien wi.d von „Hias" gewarnt. Die Krisis auf dem Arbeitsmarkt hält dort an. London. Bei einem Diner aus Anlaß des 70jährigen Bestehens der Londoner Jüdischen Armenbehörde wurden von den Gästen über 50 000Pfund für diese Behörde gezeichnet. Budapest. Die antisemitischen Parteien können sich über dir Rede des Kultusministers Klebelsberg im jüdischen Gemeindehause nicht beruhigen und fordern kategorisch seinen Rücktritt. Moskau. Auf der Insel Sachalin, wohin mehrere Juden aus Biro Vidschan übersirdelten, herrscht grausamer Antisemitismus. Ein Jude, namens David S ch u st e r, wurde in seiner Arbeitsstätte von seinen Arbeitsgenossen so fürchterlich gepeinigt, daß er irrsinnig wurde. Untersuchung wurde eingeleilet. Jassy. Die Jassyer Universität hat 40 Studenten, die sich an den letzten antisemitischen Aussch-eitungen im chemische« Institut beteiligt haben, mit Verlust eines Semesters bestraft; diese Studenten werden sich zu der im Februar stattfindenden Prüfung nicht stellen können. Die Vorlesungen werden sie nur besuchen dürfen, wenn sie eine Erklärung unterzeichnen, daß sie die Ruhe nicht stören werden. Saloniki. Die Universität in Salonin bereitet die Schaffung eines Instituts für jüdische Studien vor, das der Universität direkt angegliedert sein soll. Der Inhaber des Lehrstuhls für Hebräisch an der Unirersität Salonili, Lazare B e l l e l i, der aus Korfu stammt und mehrere Jahre in Engand verbracht hat, erhielt von der Universität den Auftrag, eine Reise durch die jüdischen Gemeinden von Mazedonien und Thrazien zu machen, um zu erkunden, ob genüg junge Juden, die griechische Gymnasien absolviert haben und sich der rabbinischen oder oder der Lehrerlaufbahn widmen wollen, für den Besuch der rabbinischen Akademie in Saloniki in Betracht kommen. Jerusalem. 25 arabische Boykottagitatoren, die von der Polizei vor einiger Zeit festgestellt und zu Jdentifizierungszwecken photogravhiert wurden, si'd seitdem nicht mehr als -Boykott-Posten in den Straßen von Jerusalem erschienen. Also bitte weiter photographieren! — Der Stadtrat von T e l - A w i w hat beschlossen, daß das diesjährige Purimfest im Hinblick auf die traurigen Ereignisse im August v. I. als st i l l e s Fest begangen werden soll; Karnevalsumzüge werden nicht stattfinden. Der Stadtrat ist zu den letzteren Maßnahmen zu beglückwünschen! — Der Heimtransport der Flüchtlinge nach Hebron hat begonnen. Es soll ein neues jüdisches Viertel in der Stadt errichtet werden. Die Zahl der Heimkehrenden wird vom Hilfskomitee festgelegt. — Die Arabische Delegation begibt sich nach London mit einem Schreiben der Palästina-Regierung, in dem ihr bescheinigt wird, daß sie alle arabischen Parteien vertrete und die öffentliche Meinung der Araber zum Ausdruck bringe. Besonderen Glanz verleihen der Versammlung der greise Chofez Chajim, die Rebbes von Ger, Belz und Aleksander. Vor dem Krakowski-Hotel, wo die Wagen mit den hohen rabbinischen Gästen anfuhren, war der Andrang so groß, daß die Polizei für Aufrechterhaltung der Ordnung sorgen mußte. Die erste Sitzung hatte mehr die Form einer Demonstration. Sie hatte kein Präsidium und keine Tagesordnung. Als erster sprach der „Chofez Chajim". In anderthalbstündiger Rede besprach der greise Rabbi alle aktuellen Probleme und beschwor die Delegierten, die Angelegenheiten der Religion selber in die Hand zu nehmen und sie nicht Menschen auszuliefern, die für ihre Person fern von der Religion leben. Als der Rabbi von der ökonomischen und geistigen Not der polnischen Judenheit sprach, wurden seine Worte von lautem Schluchzen unterbrochen. Am Dienstag arbeitete die Kommission unter Führung von Rabbi S ch a p i r o - Lublin und Rabbi L e - w i n - Rzeszow an dem Memorandum für das Ministerium, das, alle jüdischen Fragen umfassend, einige Dutzend Druckseiten einnimmt. Am Abend trat das Plenum zu einer zweiten Versammlung zusammen, in der Rabbi Schapiro über die Arbeiten der Kommission referierte. In Sachen des Rabbinergesetzes sieht' die Kommission im Reglement mehrere kritische Punkte, die die Kompetenz der Rabbiner, wie überhaupt das religiöse Recht schmälern, so insbesondere der geplante' O b e r r a t. Das ganze Rabbinerreglement muß noch einmal von den Thorakapazitäten überprüft werden. Die Versammlung genehmigte einstimmig die Beschlüsse der Kommission. Der Rakower Raw schlägt die Schaffung eines Permanenzkomitees vor, bestehend aus Vertretern der Agudas Jisroel, der Unparteiischen, aus Galizien und Zentrallitauen, um über die religiösen Belange zu wachen. Es soll ferner ein Ruf zu Frieden und Verständigung an alle Gesetzestreuen ergehen. Mit weiteren flammenden Reden des Kamenitzer Raw, des Herrn David Schreiber, des T^rnopoler Raw und von Rabbi Schapiro aus Lublin findet die Versammlung ihren Abschluß. Wir werden auf diese bedeutsame Kundgebung noch einmal zurückkommen. * . * Eine Delegation, bestehend aus dem Chofez Chajim, den Rebbes von Ger und B e l z, den Herren Senator Mendelsohn und David Schreiber, begab sich ins Ministerium und wurde vom Ministerpräsidenten wie den zuständigen Ressortministern in Audienz empfangen. Eine große Menschenmenge rief den Wagen, in denen die Rabbis saßen, begeisterte Jechi-Rufe nach. Zuerst wurde die Delegation vom Innenminister Jusewski empfangen. Als erster ergriff der „Chofez Chajim" das Wort. Er sagte, er erinnere sich noch gut des polnischen Aufstandes im Jahre 1863, da die besten Söhne Polens nach Sibirien verbannt wurden. „Ich danke Gott, daß er mich die politische Wiederauferstehung des polnischen Reiches erleben ließ!" Der Referent für jüdische Angelegenheiten übersetzte die Worte ins Polnische, die auf den Minister sichtlichen Eindruck machte. Daraus referierte Senator Mendelsohn über die Beschlüsse der Rabbinerversammlung und speziell über die Zwangssonntagsruhe. Die wirtschaftliche Lage der Juden. in Polen sei so katastrophal, daß viele der Versuchung, den Sabbat preiszugeben, erliegen würden. Somit sei das Gesetz eine wirtschaftliche und eine religiöse Gefahr. Eine Milderung des Gesetzes, die in den Kompetenzen des Innenministeriums liege, sei eine der Hauptforderungen der Konferenz. Die Worte wurden unterstrichen von den Rebbes. Herr Schreiber überreichte das Memorandum der Konferenz. Der Minister hörte alles aufmerksam an und versprach in freundlichstem Tone, sein Möglichstes zu tun, um die religiösen Wünsche des orthodoxen Judentums zu erfüllen. Im Vorzimmer begrüßten viele höhere Beamte die Delegation in ehrerbietigster Weise. In ähnlicher Weise vollzog sich die Audienz beim Bildungsminister Tscherwinski. Der Minister verlangte vom „Chofez Chajim" den Segen. Der Rabbi verband mit dem Segen die Erklärung, daß die religiösen Fragen die Lebensfragen des jüdischen Volkes sind. Auch hier hielt Senator Mendelsohn das Referat, das vom Belzer Rabbi mit einigen Worten unterstrichen wurde. Der Minister dankte für den Besuch und glaubte, heute schon mit Bestimmtheit sagen zu

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