Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1930)
- Date
- 1930-02-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450607--76694-2534285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Budapest 1× ep/1002374
- Oradea 1× ep/1002404
- Vác 1× ep/1048169
- Wrocław 1× ep/1002369
OCR text
Seite 4 Nr. 7 Der Israelit 13. Februar 1930 einer Aussprache zwischen Hitler, Rohbach und dem Italiener N i g l i o r a t i, worüber sogar ein Protokoll vorhanden ist. Der italienische Faschismus erklärte sich danach bereit, dem deutschen Faschismus mit Geld und Waffen auszuhelfen gegen Konzessionen in der S ü dtirolfrage. Zu diesen Konzessionen waren die Herren um Hitler gern bereit. In Ungarn wurde zu gleichen Zwecken ein Bündnis mit den Erwache n d em Magyaren geschlossen. Die italienischen Gelder flössen so reichlich nach München, daß man die dort bestehenden Fonds unangegriffen lassen konnte. Und sie waren, im Gegensätze zu den russischen Tscherwonzen, echt . . . Auf alle damit zusammenhängenden Fragen an Kläger und deren Zeugen blieben diese die Antwort schuldig. Hitler protestiert in größter Erregung gegen die Fragen. In diesem Schweigen und diesen Protesten liegt eine r e st l o s e V e - st ä t i g u n g der Angaben der Verteidigung. Was uns dabei am meisten interessiert, ist erstens der Herr Ford, der für die Herren kein offenes Herz und keine offene Hand, sondern nur noch eine offene Ausgangstüre hatte. Damit scheint der amerikanische Großindustrielle vom antisemitischen Wahne völlig geheilt zu sein, und wir gratulieren ihm zu seiner Genesung. Was Italien betrifft, so hat Mussolini wiederholt Anlaß genommen, zu erklären, daß sein Faschismus mit Judenhaß und den dunklen Elementen, die ihn in Deutschland vertreten, nicht da ^geringste zu Lun hätte, und wir wollen es ihm glauben. Auch für den Fall, daß untergeordnete italienische Stellen mit Hitler und Roßbach an einem. Tische saßen. Es ging dabei gewiß nicht um die. Juden, sondern um das schöne Land Tirol, und die Münchener Herren waren wohl klug genug, bei dieser Verhandlung den eigentlichen Inhalt des deutschen Faschismus nicht hervorzukehren. Von den drei von Hitler aufgestellten Grundsätzen bleibt nur je der eine Teil zu Recht bestehen: Geld, Geld und G e l d! Palästinensische Schulfragen. Von Rabbiner I. Horovicz (Jerusalem) Frankfurt a. M. lSchluß.) Maharam Schick — der angefragt wurde, ob man den Psak Beth Din über die Schulen in Erez Jisroel respektieren müsse — weist in seinen Response» auf den bekannten, ganz ähnlichen, Psak der ungarischen Rabbiner vom Jahre 5626 hin. Die Hauptbestimmungen dieses Psak bezogen sich auf den Almemor in der Mitte; daß Kantor und Sänger beim Gottesdienst keine be- Fällen von Justizirrtümern und Justizmorden immer mutige Leute , finden mögen, die wie die französischen Vorkämpfer des Rechtes^ die „Dreyfusards", Leben, persönliche Wohlfahrt und Ansehen daran setzten,, um der Wahrheit und dem Recht zum Siege zu verhelfen. Familiennachrlchken. Barmizwoh.:,,Brunp, Sohn der Wwe. David Frankenthal, Altenlotheim nn» 's. Geburten: Ein Sohn, Benno Ehrlich Hölderlinstr. 12. Silberne Hochzeit: F. Wiesenfelder und Frau Ina, geb. Löb, feierten am 15. Schebat flhre Silberne Hochzeit. Vriefkaslen. L. Keller in-K. Betrag hier kassiert und Ihrem Abonnement-Konto gutgeschrieben. W. Ir. in ZLr. Wir gratulieren. Jmübrigen dürste es zu weit führen, über ein zehnjähriges Jubiläum Bericht zu bringen'. Wochenkalender. v. 18.-22. Februar 1930 «,. 17.-24. Schebat 8880 Samstag 15 H m»v flat? nVva Sonntag 16 18 Montag n 19? , " / ' ■ Dienstag Feb. 18 V2V 20 ' -;■ Mittwoch 19 21 ' ■ Donnerstag 20 22 Freitag 21 23 Samstag 22 24 VINN pana» nn» sonderen Kleidungsstücke anlegen dürfen; daß man Chorgesänge in der Synagoge nicht mitan hören darf; daß die Trauung nicht in der Syna goge, .sondern nur unter freiem Himmel statt finden dürfe und schließlich das Verbot gegen Sprachen- und Profan-Unterricht. Im Mittel Punkt dieses Psak, der von 70 Gedaulim unterschrieben wurde, stand jedoch das Verbot der Predigt in deutscher Sprache für Ungarn.;,Jch war ja diesbezüglich" — schreibt Maharam Schick, der damals Rabbiner in St. Georgen bei Preß bürg war und gleich den anderen „ o b e r l ä n d i s ch e n " Rabbinen diesen Psak nicht mitunterschrieben "hatte :— „anderer Ansicht. Meine Kollegen haben« mir jedoch nicht beigepflichtet Ich muß mich ihrer Entscheidung in Ehrfurcht unterordnen. Thorapflicht ist es, jede Verordnung, erbracht als Hut für das Thoragesetz, ge treulich zu erfüllen. Man sehe doch, was aus Prag, Frankfurt, Breslau und Berlin geworden ist. Um wieviel mehr sollte Erez Jisroel von den schädlichen Auswüchsen dieser und ähnlicher Schu len verschont bleiben." Und wie in Jerusalem haben auch die führenden Rabbiner in Ungarn — u. a. Teitelbaum, Sziget, Grünwald, Szatmar, Rosenberg, Hunsdorf, Winkler, Mad, Silberstein, Waitzen u. n. v. a. — in neuerer Zeit (5661) den alten ungarischen Psak Beth-Din, aufs neue feierlichst bekräftigt. In diesen neuen Kundgebungen wird sogar auf den Uebelstand hingewiesen, daß viele Bachurim, die sich für den Rabbinerberuf vorbereiten, ihre jungen Jahre zum Schaden des Thoralernens, mit dem Lesen pro faner Bücher vergeuden. Die anerkannten rabbinischen Autoritäten von Erez Jisroel — ohne Ausnahme — stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß gegen Sprachen- und Profanunterricht in den Talmud-Thora-Schulen — was unter Profanunterricht Zu verstehen ist, bezw. was in diese Kategorie nicht fällt, haben die berufenen Autoritäten zu bestimmen—na» .am ii»8 an — ebenso wie gegen die bekannten, lediglich mit hebräischnationaler Tendenz, ohne jegliche Rücksicht auf Thora und thoratreue Erziehung, gegründeten Schulen, ein rechtsgültiger Jssur besteht und daß dieser Jssur durch kein anderes Beth-Din aufgehoben werden könne. Auch der Psak-Din von Ungarn wurde niemals außer Kraft gesetzt. Es wurde vielmehr, wie oben nachgewiesen, der Verbindlichkeit des alten Jssur erneute Sanktion verliehen. Unbeschadet dessen konnten aber zu gleicher Zeit in den orthodoxen Gemeinden zu Preßburg, Budapest, Großwardein und noch in vielen anderen Gemeinden, mit dem „Thora- und Derech Erez-Programm", bei Zustimmung der zuständigen rabbinischen Autoritäten, segenspendende Erziehungsanstalten errichtet werden, deren zahlreiches Schülerniaterial sowohl für die Jeschiwoth iKife auch für das Erwerbsleben sorgfältigste Vorbereitung erhielten, viax am iian an Als ich vor 23 Jahren als rabb. Leiter des Palästinaamtes der Pekidim und Amarkalim /zu Amsterdam und Vertreter. der Freien Vereinigung in deren Aufträge die Vorbedingungen für die Gründung der „Rezach Jisroel"-Schulen feststellen sollte und zu diesem Zwecke aufgefordert wurde, meine Ansicht über den „Cherem" mitzuteilen und nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß der „Cherem" aufgehoben werde, habe ich meinen Standpunkt in einer Denkschrift niedergelegt, in der u. a. folgendes ausgeführt ist:;,Die Rücksichtnahme aus Thora und Mizwos kann und darf sich im heiligen Lande' nicht auf eine bestimmte Klasse beschranken, sondern muß auch das ganze Erwerbs¬ und Volksleben durchdringen und beeinflussen. Hier darf die Thora, die Erfüllung ihrer Vorschriften nicht etwa nur Privilegium einer Gelehrtentaste sein, hier müßten auch Kaufleute und Gewerbetreibende bis zum letzten Handwerker hinab, alle, vom Geiste der Thora durchdrungen, ein Leben entfalten, wie es aus der altjüdischen .Zeit in die Gegenwart hineinleuchtet., Das ist das 'Ideal, dessen Erreichung wir mit allen Kräften anzustreben haben. >Zur- Erreichung dieses Hochzieles ist es erstes Erfordernis,. daß alle dafür zu treffenden Maßnahmen.im Geist und mit Einverständnis mit den hiesigen berufenen, gottesfürchtigen Wortführern, den rabbinischen Autoritäten Jerusalems, getroffen werden. Alle Schritte, und mögen sie in noch so reiner Absicht erfolgen, tragen, wenn, sie im Gegensatz und gar im Widerspruch mit.den maßgebenden hiesigen Autoritäten geschehen, den Stempel der..Erfolglosigkeit an der Stirne. . » Es sind hier selbst die äußeren Extreme zu: berücksichtigen, sogar in solchen Punkten, bei welchen die Annahme berechtigt erscheint/ daß den Vertretern dieser Extreme das volle Verständnis für die Forderungen-der Zeit und was sie zur Hebung der Thora verlangt, abgeht. Abgesehen davon, daß jede Meinungsverschiedenheit die Tatkraft lähmt und so jeden ersprießlichen Erfolg'in Frage .stellt, dürfte, eine besonnene Würdigung, auch des^ extremsten Standpunktes zu einer milderen Beurteilungdesselben führen. Extreme können nur durch—Ertreme bekämpft werden. Dem maßlosen Fanatismus des Unglaubens gegenüber und angesichts der offenen Verhöhnung unserer heiligsten Heiligtümer durch von auswärts kommende, einflußreiche Elemente, die dem heiligen Lande ihr eigenes Gepräge aufdrücken wollen, durch- Schulgründungen, in denen das spezifisch Religiöse syste-- matisch beseitigt, weil man dessen vollständige Ausrottung schicklichkeitshalber nicht ausdrücklich fordern und auch nicht auf einmal erreichen kann; Schulgründungen, durch welchedie Keime des Abfalls sogar heimlich in die Kreise der Eltern getragen werden, die diesein verderblichen Einflußgegenüber ganz ohnmächtig dastehen: erscheint der Einsatz der ganzen Persönlichkeit und die Entfaltung des gleichen Eifers seitens der gesetzestreuen, gottesfürchtigen - Kreise, wie ein Akt der Notwehr, jedenfalls aber als ein durch eine rücksichtslose Offensive gebotene Defensive, deren -. Notwendigkeit von keinem schmerzlicher bedauert wird, als/ von den über unser Heiligtum ängstlich wachenden Kämp- ' fern, welchen dieser Kampf 'ausgedrungen wurde. Die harten Maßnahmen, zu welchen die hiesigen maßgebenden Autoritäten wiederholt genötigt waren und es heute noch find, mögen dem Fernstehenden oftmals befremdlich- und unsympathisch erscheinen. Bei näherer Kenntnis der wahren Sachlage wird ihnen kein Unbefangener mildernde Momente und selbst Billigung versagne können. Die Toleranz, welche die Wortführer des Abfalls selbst für ihre Zerstörung unseres Allerheiligsten zu fordern nicht müde werden, wird man daher billigerweife nicht denjenigen versagen, welche die Art und Weise des Unterrichts und der Erziehung zur Thora in der seit undenklichen Zeiten gehandhabten und bewährten Form unverändert erhalten wissen möchten und sich selbst gegen solche Neuerungen ablehnend verhalten, die vielen zur Erhaltung und Festigung der Thora wünschenswert, ja gerade unerläßlich erscheinen. Mag man über diese alte, von den Vätern überkommene Art und Weise der Erziehung: zur Thora denken, wie man immer will, sie mag nach Ort und Zeit vervollkommnungsfähig und verbesserungsbedürftig sein; daß sie ihren Zweck zu allen Zeiten erreicht,, daß sie Geister und Gemüter für Thora und Aboda gewonnen und erhalten hat: das wird niemand in' Abrede 'teilen. Ebensowenig läßt sich leugnen, daß die an v i e l e n Orten versuchten Neuerungen auf diesem Gebiete dem Studium der Thora und der Festigung der Gottesfurcht nichts weniger als förderlich waren. Im heiligen Lande aber zeigt es sich leider immer mehr, wie die Befürchtungen der Rabbiner nur allzusehr berechtigt waren. Dieser eine Umstand dürfte genügen, um die Abneigung zu erklären, die man hier gewissen Aenderungen in der Heranziehung der Jugend zu Thora und Mizwos ohneweiteres entgegenbringt und ebenso das unentwegte Festhalten an der überlieferten.Art und Weise des Thoraunterrichts, selbst wenn veränderte Zeitoerhältnisse auch hier eine Aenderung und Anpassung an die bestehenden Tatsachen geboten erscheinen lassen. Auf Grund dieser Erwägungen, die man achten und denen man Rechnung tragen muß, auch wenn man sie für seine Person nicht teilt, ist z. B. der Unterricht fremder Sprachen und profaner Wissenschaften bei a'len Thora--- schulen ausgeschlossen. Es kann aber nicht oftund/ent- 'chieden genug betont werden, daß das diesbezügliche^rabdinifche Verbot nicht etwa eine Folge lichtscheuer/ Äissenfeindlicher Rückständigkeit ist, La es durchaus fnicht 'dstM Lrlernung fremder Sprachen und dergleichen untüsagt^-r andern sie nur nicht in den für Thorazwecke gegründeten Schulen gelehrt haben will. “ ... '! Diese grundlegenden Bemerkungen sind für das ständnis der hier in Betracht kommenden Verhältrkksse unerläßlich und mußten deshalb vorausgeschickt werden. Auch wenn man persönlich auf dem Standpunkte stehtz der in Europa der allgemein verbreitete ist, daß die gründliche Kenntnis von Sprächen und dergleichen nicht nur wünschenswert, sonder» auch höchst notwendig ist, so dürfte: man unseres Erachtens denn doch me/ die Hand/zu -einem.! Schritte bieten, der nicht den Intentionen der matzgeben-., oen rabbinischen Autoritäten Jerusalems entspricht und . nicht von ihnen rückhaltslos gutgeheißen ist." : :;/ Diese vor 23 Jahren festgestellten Grundsätze, ,'ind auch Heute^gewissenhaft zu beachten. ,HAeu^ wir uns davordurch, .immer> erneute^ Aufrollen der „Cheremfrage", künstliche' Gegensatz^ ich uneren eigenen Reihen . zu konstruierest unbi?öa» durch unsere. Freunde und Mesinnungsgenossen in Erez Jisroel in ihren Empfindungen zu ver- . etzen. Das „TKoraund Derech-Erez-Programm" ist kein Norzutzsprivilegium der rvesteuropaischen Orthodoxie^ MrÜe kuWhuHt von/ Rabomerf. Hirsch«erfünden: Witz- Prinzip tion. av ^hirv1 »in “py haben die" jwan '»bn uns tradierte, ftabbiner Hirsch hat es für unsere Zeit interpre--