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Der Israelit · 1930-02-06 · Heft 6 (6.2.1930) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 6 (6.2.1930)
Date
1930-02-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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6. Februar 1930 Der Israelit Nr. 6 Seite 9 Amerikanische Philantropie. Newyork, 1. Febr. Die Vereinigte Jüdische Kampagne (United Jewish Lampaign) zur Aufbringung von 25 Millionen Dollar für die Zwecke der Wiederaufbauhilfe an die jüdische Bevölkerung Ostpreußens und anderer Länder, wurde am 31. Dezember 1929 abgeschlossen. Der Leiter der Kampagne, David W Brown, teilt mit, daß 15 Millionen Dollar in bar aufgebracht worden sind, seit die 'Kampagne am 12. September 1925 begonnen worden ist. Fraglos seien 15 Millionen Dollar ein ungeheurer Geldbetrag, und die Tatsache, daß so große Summen gegeben worden sind, sei der beste Beweis für die verwandtschaftlichen Sympathiegesühle des amerikanischen Judentums für ihre leidenden Stammesgenossen, aber, so sagt Brown, wir dürfen uns nicht die Meinung erlauben, daß die schon gegebenen 15 Millionen ausreichen. Denn, würde es dabei bleiben, so würde das, was wir bisher getan haben, vergeblich getan fein. Die Zeitschrift „American Hebrew" veröffentlicht eine Statistik über die von den amerikanischen Juden im Laufe des Jahres 1929 für jüdische philantropische und soziale Zwecke gespendeten Beträge. ^Die Spendenzusammenstellung umfaßt nur Einzelspenden, deren Betrag höher ist als 10 000 Dollar. Für verschiedene Bildungszwecke wurden 15 780 000 Dollar gespendet (darunter sind Spenden des Filmmagnaten For im Betrage von 9 Millionen und des bekannten Warenhausbesitzers Julius Rosenwald im Betrage von 2 Millionen Dollar). Für verschiedene soziale Zwecke innerhalb Amerikas wurden 13 760 000 Dollar gespendet und für soziale Zwecke außerhalb Amerikas 1760 000 Dollar. Die Spenden für rein philantropische Zwecke erreichen den Betrag von 11 543 000 Dollar. Für Palästinazwecke sind 7 025 000 Dollar aufgebracht worden. In dieser Summe ist auch die Spende Felir Marburgs in Höhe von einer halben Million Dollar enthalten und die zwei Millionen Dollar, die nach den Augustunruhen unter Führung von David A. Brown gesammelt worden sind. Insgesamt erreichen die statistisch erfaßten Spenden im Jahre 1929 den Betrag von 51 Millionen Dollar. Gegen Schikanen des amerikanischen Cinwanderungsgesehes. Washington, 31. Jan. Vor einiger Zeit hat der Kongreßmann Dickstein, das einzige jüdische Mitglied des Einwanderungskomitees des House of Representatives, eine Vorlage eingebracht, die in sechs Punkten Erleichterungen von Härten bezweckt, die das gegenwärtige Emmigrationsgesetz der Vereinigten Staaten mit sich bringt. — Am 28. Januar intervenierte beim Einwanderungskomitee des House of Repesentatives zugunsten der Annahme dieser Erleichterung eine jüdische Delegation, die von Rabbi Dr. Stephan S. Wise, dem Ehrenpräsidenten, und Bernard Deutsch, dem Präsidenten des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses, Dr. Mar Köhler für das American Jewish Committee, dem früheren Kongreßmann Nathan Perlmann, dem Großmeister des Ordens Brith Abraham, Kongreßmann Emanuel Geller und? dem Herausgeber der jüdischen Tageszeitung »Der Tog"//:Dr. Margoshes, geführt wurde. Dr. /Wise verurteilte die in Ainerika dauernd zunehmende Feindschaft gegen.'jm Ausland geborene amerikanische Einwohner . Man nenne' sie Fremdlinge und Ausländer. Es werde zuviel davdü gesprochen, daß sie Gesehesbrecher seien. Man hat kein Recht, rief Dr. Wise, die auswärts geborenen Menschen so zu behandeln, als gehörten sie alle den kriminellen Schichten an. In Vertretung des Secretary of Labour Davis sagte der Vizesekretär des Departements für Arbeit und Einroandeurng, daß er gegen zwei von den vorgeschlagenen sechs Bills Einwände habe. Die eine betrifft die Legalisierung des Status solcher Einwanderer, die bis zum 1. Juli 1924 -illegal ins Land gekommen sind, während bisher die betreffende Frist der 3. Juli 1921 ist. Zu viele Ausländer, sagte er, sind nach dem Juni 1921 illegal ins Land gekommen. Sie können, wenn, sie fünf Jahre in den Vereinigten Staaten gewesen sind^ nicht deportiert werden. Absr das ist kein Grund, ihnen auch das Bürgerrecht zuzuerkennen. Die zweite Bill, der er widerspricht, geht darauf hinaus, vorübergehenden Besuchern der Vereinigten Staaten zu erlauben, ständig dazubleiben. ' Afrika» Kongreß der südafrikanischen Juden in <£ope Town. Cape Town, 7. Jan. Am 5. Januar wurde in Cape Town der 8. Kongreß des südafrikanischen Jewish Board of Deputies eröffnet. Der Bürgermeister von Cape Town, Rev. Lewis, begrüßte die Delegierten in einer Ansprache, in der er warme Worte der Anerkennung für den jüdischen Anteil an der Entwicklung Südafrikas fand. Der Präsident des südafrikanischen Board of Deputies, S. Rast h a e l y, sprach in seiner Eröffnungsrede über das Abnehmen des Antisemitismus in Südafrika und über den reibungslosen Fortgang der jüdischen Immigration. Es bestehe die Hoffnung auf eine Ermäßigung der für die Einbürgerung erhobenen Gebühren. Die jüdische Siedlungsbewegung in Südafrika hat gute Fortschritte gemacht und ebenso das zentrale Arbeitsnachweisamt, welches in den 20 Monaten seiner Existenz 700 Juden in verschiedenen Beschäftigungen untergebracht hat. Einschneidende Einwanderungsbeschränkung für Südafrika. K a p st a d t, 30. Jan. Der Minister Imperial der südafrikanischen Union, Mallan, hat im Parlament einen Gesetzentwurf eingebracht, der für Einwanderer aus bestimmten Ländern nach dem Beispiel der Vereinigten Staaten von Nordamerika Quoten festsetzt und eine einschneidende Einwanderungsbeschränkung bedeutet. Sollte der Gesetzentwurf vom Parlament angenommen und in die Praxis umgesetzt werden, so würde dies für die Judenschaft bestimmter Länder, deren Auswanderer besonders nach Südafrika den We^ nahmen, ein schweres Unglück bedeuten. Die Judenschaft von Litauen zum Beispiel lieferte das stärkste Kontingent der nach Südafrika kommenden Immigration. Während im vergangenen Jahre 1379 Einwanderer nach der südafrikanischen Union aus Litauen kamen, sieht die neue Einwanderungsbill eine jährliche Quote von nur 50 Einwanderern aus Litauen vor. Das bedeutet eine fast vollständige Abdrosselung der litauischen jüdischen Emigration. Aehnlich gestalten sich die Dinge bei Annahme des Gesetzes für Polen und die anderen osteuropäischen Länder. Palästina. Prozeß Ittamar den Avi. Jerusalem, 2. Febr. Ittamar Ben Avi, der vor einigen Tagen nach seiner Rückkehr von einer Europa-Reise wegen seines offenen Briefes an Sir John Chancellor verhaftet und gegen eine Geldbürgschaft aus der Haft entlassen wurde, hac gegen seine Verhaftung beim Oberkommissar, ~tr John Chancellor, Protest eingelegt. In dem Protestschreiben teilt er mit, daß er im Gefängnis von der Polizei brutal behandelt wurde. Der Prozeß gegen Jttamar Ben Avi findet am 4. Februar vor dem Jerusalemer Kreisgoricht statt. Die Gerichtsverhandlungen nehmen ihren Fortgang. ... Jerusalem, 30. Jan. Die Gerichtsverhandlungen gegen einzelne der Beteiligung an den Unruhen beschuldigten Araber und gegen ganze Dörfer nehmen ihren Fortgang. Jetzt wurde die Untersuchung gegen die der jüdischen Kolonie Beer Tuvia benachbarten Dörfer eröffnet, mit dem Ziel, ihre Verantwortlichkeit an dem Ueberfall auf Beer Tuvia sestzustellen und chnen eine der Größe ihrer Schuld angemessene Kollektiostrafe aufzüerlegen. Mit dem gleichen Ziel wird die Untersuchung gegen die um Moza gelegenen arabischen Dörfer geführt. Gegen zwei Araber, die beschuldigt sind, im Hause des Rabbi Slonim in Hebron während der Augustmassakres Mordtaten verübt zu haben, ist die Untersuchung abgeschlossen worden. Gegen weitere 17 Araber, die des Mordes und der Plünderung in Hebron angeklagt sind, wird in diesen Tagen unter dem Vorsitz des zu diesem Zwecke nach Hebron berufenen englischen Richters De Freitas verhandelt werden. Unter ungeheurer Spannung der Bevölkerung von Jaffa und Tel-Awiw begann'am 30. Januar vor dem Gericht in Jaffa der Prozeß gegen den 23 Jahre alten jüdischen' Polizisten Hinkis, der beschuldigt wird, am 25. August an einem Punkte zwischen Jaffa und Tel- Awiw eine aus fünf Personen bestehende arabische Familie ermordet zu haben. In der Anklage heißt es, daß Hinkis aus Rache für die Tötung von vier und die Verwundung von fünf Juden durch Araber seinerseits die arabische Familie überfallen und getötet hat. Die Anklage behauptet, daß Hinlis, als er von der Ermordung des jungen Benjamin Goldberg und einiger anderer junger Juden aus seiner Gruppe, die zur Rettung einer zwischen Tel-Awiw und Miekweh Israel in eine gefährliche Lage geratene Gruppe jüdischer Arbeiter geeilt waren, erfuhr, seine Polizistenuniform ablegte, ein Gewehr ergriff, und an der Spitze einer erregten jüdischen Menge in ein arabisches Haus eindrang, fünf der Insassen tötete und zwei verwundete. Der Gerichtshof setzt sich aus den Richtern Corrie und Copeland zusammen, die Anklage vertritt Sherwell, die Verteidigung führt der Advokat Eliash. Revision eines Todesurteils gegen einen Juden. — Freispruch von Arabern. Jerusalem, 26. Jan. Vor dem Appellationsgericht in Jerusalem, unter Vorsitz des britischen Richters Corrie mit den Richtern Baker und Copeland als Beisitzern, wurde am Sonnabend, dem 25. Jan., in der Berufungsverhandlung wegen des gegen den Jaffaer Juden Joseph Urphali im Herbst vorigen Jahres gefällten Todesurteils die Entscheidung getroffen. Das Todesurteil ist aufgehoben und der Prozeß an die erste Instanz zwecks Einvernahme neuer Zeugen zurückverwiesen worden. Das gegen Joseph Urphali ausgesprochene Todesurteil ist das erste und einzige gegen einen Juden in Palästina gefüllte Todesurteil. Er ist beschuldigt, während der Augustunruhen einen Araber erschossen zu haben. Der Beschuldigte ist ein wohlhabender sephardischer Jude aus Jaffa. Die hebräische Presse des Landes gibt ihrer Erregung wegen des im Prozesse gegen die zwölf des Mordes an der Fa m i l i e M a k l e f f beschuldigten Araber von Kolonieh gefällten Freispruchs Ausdruck. „Haarez" schreibt: „Die Rechtsliebe der britischen Richter steht uns außer Zweifel. Aber dieser Spruch ist das letzte Glied einer Kette von Ereignissen, die zeigen, daß niemand in Palästina sich verpflichtet fühu, zu ermitteln, wer eigentlich das Geschehene zu verantworten hat. Wäre eine britische Familie in der Weise vernichtet worden wie die Familie Makleff, würde auch dann die Palästinaregierung öffentlich ihre Unfähigkeit eingestehen, einem solchen Gemetzel Einhalt zu tun und die Mörder zu bestrafen?" — „Doar Hajom" schreibt: „Uns interessiert nicht, wie die Richter zu ihrer Entscheidung gekommen sind, daß die gegen die Angeklagten vorgebrachten Zeugnisse nicht zu ihrer Verurteilung ausreichten. Wenn aber niemand da ist, der anstelle der jetzt Freigesprochenen unter Anklage gestellt werden kann, und wenn die Regierung nicht die Araber ausfindig machen kann, die für' den Mord an der Familie Makleff zu bestrafen sind, dann sollte die Polizei der verbrecherischen Vernachlässigung ihrer Pflicht angeklagt werden, durch die es möglich geworden ist, daß Mörder- und Räubertruppen, die eine ganze jüdische Kolonie ausgeplündert und fast eine ganze Familie ermordet haben, in Freiheit bleiben." Aehnlich äußert sich „Dawar". Sprechsaal. Jerusalemer Schulfragen. Eine Stimme aus Palästina. Aus der Stellungnahme der Redaktion des „Israelit" in Nr.' 48 zu den Jerusalemer Schulfragen geht hervor, daß auch die Redaktion dieses führenden orthodoxen Organes empfindet, es dürfte die Zeit gekommen sein, an eine erneute Prüfung des Problems heranzutreten. Und wahrlich, — d a s Problem ist heute spruchreif geworden! Um. dies zu zeigen, gilt es, sich zu vergegenwärtigen, wie die Situation vor zwei Menschenaltern lag, die zu dem Verbot des Schulbesuches führte, und wie sie heute ist. Damals gab es in Palästina nur einen alten Jischuw, d. h. eine jüdische Bevölkerung auf 'Basis eines Lebens im Sinne und zu immer tieferen Erkennt-

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