Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1930)
- Date
- 1930-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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6. Fsbruar 1930 Der Israelit Nr. 6 Seite 5 gen des Tages" herangeführt wird, sondern umgekehrt: das moderne Leben'muß an den ewigen religiösen Werten gemessen und von dieser Höhe aus auf seinen wahren, uns frommenden Gehalt geprüft werden. Man kann nicht — das müssen die klugen Theologen, Direktoren, Justizräte und Generalsekretäre doch einmal einsehen — ein Maximum a n Religion bieten und zugleich sie, die Religion, dem Diktate des Tages und dem Geiste — oft genug Ungeist — der Zeit unterstellen. And wieder der unselige Fuhball. Es fällt uns nicht leicht, in einer Zeit, da 3in firia die äußere Lage in Palästina noch vollgeladen ist mit gefährlichem Zündstoff, ein kritisches und mahnendes Wort auch nach i ni n e n ZU richten. Aber es hieße eine Liebespflicht gegen Erez Jisroel und feine jüdischen Menschen verletzen, wollte man schweigen. Der Sturm, der über den heiligen Boden fegte, hat bei all seinen fürchterlichen Verwüstungen leider das nicht hinwegzufegen vermocht, was wir ohne Träne so gern preisgegeben hätten: den SPortfim - m e l, der der Tod alles Geistigen und Religiösen ist und es besonders darauf abgesehen hat, den heiligen Sabbat niederzuboxen und mit Fuß und Ball niederzustampfen. Es war vielleicht kein Zufall, daß die Katastrophe an einem Sabbat von einem Fußb a l l s p i e l p l a tz ihren Ausgang nahm. Eine Tatsache, das die Mord banden nicht entlastet, uns aber doch ein väterlicher Fingerzeig hätte sein sollen. 'Er wird übersehen!. Zu den alten Spielplätzen in Jerusalem um Beth-Jsrael und Mea-Schearim kommt nun ein neuer im Zentrum des altfrommen Jischuw, im Stadtviertel „Schare Chessed". Wie auf den alten, so wird auch auf dem neuen Spielplatz der Hauptmatch. auf Sabbat gelegt. Nachbarn, die gegen diesen Skandal protestieren, werden von den jugendlichen Helden angegriffen und mißhandelt. Es entstehen Prozesse. Gerade das würde heute in Palästina Noch fehlen: daß Richter nicht allein über arabische Huligans, sondern auch Äber Juden, die Juden mißhandeln, Zu Gericht sitzen müßten! 2)as Traurigste an der Sache ist, daß, wie wir aus palästinensischen Zeitungen ersehen, der Platz, Eigentum des N a t i o n a l f o n d s, von diesem an die Fußballklubs schenkweise überlassen wurde, obwohl die Leitung keinen Augenblick im Zweifel darüber sein konnte, wie und wann die Spiele zum Austrag kommen. Wir haben im Jerusalemer Misrachiorgan noch keinen Protest gelesen. Er wird sicherlich noch kommen». Aber ist es mit dieser papierenen Protestaktion allein getan? Hat ein Teil der Jugend aus den Ereignissen nichts gelernt, so sollten sie die Alten zur Besinnung bringen. Wer durch hochherzige Schenkungen dem wilden Uebermut Vorschub leistet, macht sich schwer mitschuldig. Wer dazu schweigt, nicht minder. Nationalsondsgrundstücke sind auch Eigentum des Misrachi. Palästinensische Schulfragen. Von Rabbiner I. Horovicz (Jerusalem) Frankfurt a. M. In den bisherigen Darlegungen über den Jssur auf europäische Schulen in Erez Jisroel sind über -einzelne Vorkommnisse und über Autoritäten, auf welche Berufung geschieht, teils lückenhafte, bezw. irrige Mitteilungen, teils aber Verwechselungen unterlaufen, an denen man nicht stillschweigend Vorbeigehen kann, weil solche leicht zu falschen Vorstellungen verleiten können. Einem mehrseitig an mich gerichteten Wunsche entsprechend, will ich in folgendem eine historisch-getreue Ergänzung bezw. Richtigstellung folgen lassen. Aus ästhetischen Gründen möchte ich vor allem empfehlen, den, Ausdruck „Che rem" in den Auseinandersetzungen zu vermeiden. Man könnte beinahe mit Herrn Oberrabbiner Carlebach sagen, daß es keinen „Cherem" gegeben hat. In stilistisch-formaler Weise nicht. In den betreffenden ersten und letzten Urkunden war eigentlich von! Jssur und Jssurim, nicht aber von „Cherem" die Rede. In Jerusalem z. B. wird dieses ominöse Wort nur mit den Anfangsbuchstaben „Ches-Resch" bezeichnet. Die Darstellung, daß der Frankel'schen Schulgründung eine „von den gesamten sesardischen und aschkenasischen Bothe Dinim", unter Mitwirkung des ChachamBaschi erbrachte, zuständige „religiöse Legitimation" vorausgegangen sei, enthält ein Gemisch von Richtigkeit und Unrichtigkeit, die eine wahrheitsgetreue Klarstellung geradezu herausfordert. Die Konferenz, die mit dem Plane der Schulgründung vom Dichter L. A. Frankel befaßt wurde, bestand aus ehrenwerten fefardifchen Chachamim, denen auch einige aschkenasifche Notablen zugezogeni waren. Mit den Bothe Dinim und den offiziellen Oberrabbinen (einschl. des damaligen Chacham Baschi) war dieses sä hoc zusammengeftellte Kollegium nicht identisch. Josef Schwarz ^"27 war der fromme, illustre Gelehrte aus Deutschland, der in seiner Kleidung die sefardische Tracht angenommen hatte. Doch war er offiziell weder aschkenasischer noch sefardischer beamteter Rabbiner. Nissim Back war Vorsteher der schönen chassidischen Synagoge, um deren Bau er sich unvergängliche Verdienste erworben. Offizieller Rabbiner war er nicht. Rafael Jedidja Abulafia war Hauptrabbiner und Führer der berühmten sesardischen Kabbalistensynagoge B e t h - e l. Chacham Baschi war er nicht. Es war zugleich die Rede von einem „Protest der Kollelim", in welchem es heißt: „Obfchon der Anfang der Schule unschädlich zu sein scheint, so wissen wir aus Erfahrung, daß das Ende bitterer wie Wermut sein wird. Man wird die Wissenschaft zur Hauptsache und die Thora zur Nebensache machen." Diese „Kollelim" — die Gemeinde des Chacham Baschi nannte man Kolel Sesardim — bildeten jedoch damals die Gesamtheit der aschkenasischen Gemeinde zu Jerusalem. Ein anderes offizielles gemeindliches Forum gab es nicht zu jener Zeit. Dieser Protest, datiert vom 9. Siwan 5616, enthält aber tatsächlich ein förmliches allgemeines Verbot gegen diese Schule — für die Aschkenasim — und schließt mit der Warnung: dieses Verbot bleibt unverbrüchliches Gesetz für uns und unsere Kinder auf ewig. Dieses Dokument ist unterschrieben von den offiziellen rabbinischen Spitzen: Jesaja Burdaki, Sundel Salant, Schmuel Salant — damals das jüngste Mitglied im Beth-Din — und von den namhaftesten Rabbinern jener Zeit. Das offizielle Rabbinat des Kolel-Sefardim hat sich diesem Verbote nicht angeschlos-' sen. Das ist auch aus dem Atteste des Chacham A b u la f t a ersichtlich, mit welchem er z u g l e ich e rZe i t dem Beschlüsse der Aschkenasim b e igetreten ist. Es heißt daselbst u. a.: „Wie gut wäre es, wenn« die sesardischen Rabbiner das gleiche täten. O, sie haben noch nicht die Probe bestanden und ahnen die Gefahren nicht, die daraus entstehen werden. Mein Gemüt ist nicht beruhigt, obwohl, wie ich höre, einige Verbesserungen vorgenommen wurden. Ich selbst schließe mich alldem an, was die aschkenasischen Rabbiner angeordnet haben, für mich und meine Nachkommen für ewige Zeiten. Möchten doch auch andere meinesgleichen so handeln. Es gibt kaum eine größere Heiligung des göttlichen Namens." Es ist übrigens historisch festgestellt, daß der fromme Gelehrte, R. Josef Schwarz eingewilligt hatte, auch die Leitung der Schule in eigener Person zu übernehmen. Gleich Chacham A b u l a f i a hat aber auch er seine bereits erteilte Zustimmung zurückgezogen, obwohl er von der Ueberzeugung durchdrungen war, daß unter seiner Leitung die jüdische Gefetzestreue nicht zu kurz kommen werde; um den gleichen Geist auch für eine spätere Zukunft sicherzustellen, fehlten jedoch i n st i t u t i v e Bürgschaften. Erst nachher sah sich der Dichter L. A. Frankl genötigt, den Schulbetrieb s e f a r d i - sche n Händen zu überantworten. Der aschkenasische Jischuw wuchs von Jahr zu Jahr. Es kamen die Jahrzehnte der Renaissance. Talmud-Thora-Schülen und Jeschiwoth standen in Blüte. Die in der gangen Diaspora anerkannten und verehrten Thorafürsten waren die unbestrittenen Führer des palästinensischen Judentums. Es waren dies der Brisker Raw, Rabbi Josua Leb D i s k i n, der Lubliner Raw. Rabbi Sch'neur Salman und Rabbi S ch m u e l Salant. Unter ihrer Aegide wurde am 7. Adar 5656 der alte Jssur gegen die Schulen', deren verderblicher Einfluß in erschreckender Weise bereits bemerkbar war, neuerdings in allen Synagogen veröffentlicht. Um jede Meinungsverschiedenheit über die Authentizität des alten Jssur und dessen unverbrüchliche Rechtsgültigkeit ein für allemal zu beseitigen, wurden von diesen drei Thoragrößen noch Sonderatte st e hinzugefügt. Da über den Standpunkt, den Rabbi Schmuel Salant y's: in dieser Frage eingenommen hatte, irrige Ansichten geäußert wurden, möge die Proklamation des Mannes, der 60 Jahre als der weife Führer des thoratreuen Judentums in vorderster Reihe gestanden, hier im Wortlaute abgedruckt werden. Das Dokument der 3 Thorafürsten wird mit den Worten eingeleitet: p3 nnn *333 X"33in c>"32 o^wii'W ^-iimRabbi Schmuel Salant V'27 schreibt folgendes: oinnn by X3 ’33n ’3X 03 tawna nur? 0'233X m 31223,3 310x312 '•»■fon bxr 030,33 x"33in p*n23 in iw o'p'32.3 0’3iX3,3 iio'x 310*6 '0,302 ix •wn nva oinnn nx cm »oVio pi — 3sv *noa in»’?’» bnh onwxn 711613 irnx by 0'3ir»n D’:33n 00033 tzrasro noo 131231 nm c6wi3' p",3’y non 3133 3*nx 1X32? cpwn 32 17131331 ioj?na xm mn 310'X.3 m 0X31 -1 bv 3 *713' ]’»3 n'3 01V ]%X1 0 1' ,3 |’X '.37 hv 0'3312.3 628 *63 '123X 1.37'X l'TT 1X283 2811212 '81 '162i3 13'7111203 71X 13773X1 »711376 13'3'3 oninn n3M23 .112x3 ^2 711333 33 6w i3'333i? rn 61213' j?"32 no i"3in 33X n p"V2 'i ov 33333 Daß Rabbi Schmuel Salant trotzdem einem thoratreuen Lehrer zugestimmt hatte, den Lehrerposten an der Lämelfchule anzunehmen, darf durchaus nicht als Negierung des Jssur aufgefaßt werden, an dem er selbst so hervorragend mitgewirkt hatte. Nicht 332’33 für den thoratreuen Lehrer, wohl aber 332'33 im Hinblick auf die Tatsache, daß die verbotenen Schulen mit ihren gefahrdrohenden Schäden nun einmal doch be - stehen, muß es jeden wahren Jehudi mit Genugtuung erfüllen, wenn möglichst viel fromme Lehrkräfte an diesen Schulen angestellt würden. Zur Würdigung dieser Haltung eine kleine Reminiszenz. Als wir im Herbst des Jahres 5674 im Vereine mit den Oberrabbinen Sonnenfeld, Kuk, Kliers, Markus u. n. m. a., eine Inspektionsreise durch Galiläa machten und jeden Tag in einer anderen Kolonie predigten und lehrten, betrachteten wir es als eine unserer Hauptaufgaben, auch hei den Lehrern und Schulbehörden uns zu bemühen, daß in den einzelnen Schulen mindest e n, s ein thoratreuerLehrer für Unterweisung in religiösen Fächern angestellt werde. Die Vorsteher der Kolonien und deren Einwohner haben zumeist mit seelischer Zuneigung beigepflichtet. Lehrer und Schulleiter verhielten sich dagegen ablehnend, zuweilen auch herausfordernd. Unvergeßlich blieb uns eine aufregende Szene in einer Synagoge der größten Kolonie am Sabbat vor,33in,3 nx'3p Nach einer mit großer Begeisterung angehörten Derascha des Oberrabbiners Kuk, bestieg so ganz unvermittelt der Schulleiter W. die Kanzel, um den lediglich national orientierten Chinuch der neuen Schulen zu verherrlichen und die Rabbiner zu diskreditieren, weil sie die hebräische Sprache nicht genug Hochhalten. In einer öffentlichen Versammlung am Ausgang des Sabbats hielten die Rabbiner nochmals eindrucksvolle Reden über die Notwendigkeit eines thorätreuen Chinuch, den man 'niicht erwarten könne von Lehrern, die selbst