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Der Israelit · 1930-01-30 · Heft 5 (30.1.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 5 (30.1.1930)
Date
1930-01-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 5 Der Israelit 30. Januar 1930 Bekräftigung ihrer Aufforderung einen Polizisten an die Mauer. Mehrere arabische Repräsentanten, unter ihnen auch der Erotzmufti, haben vor der Untersuchungskommission, übereinstimmend mit dem Brief der Moslemitischen Gesellschaft „El Aksach" an den Oberrabbiner Kuck, die Behauptung ausgestellt, daß die Juden zwar das Recht hätten, an der Klagemauer zu beten, daß sie es aber nicht mit lauter Stimme tun dürfen. Die gemeldete Maßnahme dient offenbar dem Zwecke, dieser Auffassung praktisch Nachdruck zu verleihen. Die jüdische Eesamtbevölkerung von Hebron, oeren Zahl vor den Unruhen lyehr als 500 betrug, besteht gegenwärtig aus 15 Arbeitern,' die ° damit beschäftigt find, Grabsteine auf den Gräbern der jüdischen Opfer zu errichten, und einem jüdischen Polizisten, Die jüdische Bevölkerung fürchtet noch immer, nach Hebron zurückzukehren. Die 16 jetzt in Hebron befindlichen Juden bewohnen eines der verlassenen jüdischen Häuser, und der Distriktsbeamte hat ihnen Sicherheit garantiert. Die vor mehreren Wochen wegen Erkrankung des Staatsanwalts Sherwell unterbrochene Verhandlung gegen 12 Araber, die des Mordes an der Familie Mäkle f f und der in ihrem Hause in Mozah weilenden Gäste beschuldigt werden, wurde heute wieder ausgenommen. Ms Zeugen wurden die beiden überlebenden Kinder ver Familie, der achtjährige Mordechai und die zwölfjährige Hannah Makleff, einvernommen. Vom palästinensischen Oberrichter, Sir Michael MacDonnell, freundlich ermahnt, ihm die volle Wahrheit über das Geschehene zu sagen, beschrieb der schluchzende kleine Junge den Ileberfall auf das Haus seiner Familie. Er erzählte, wie seine Mutter einem der Attentäter, der jetzt auf der Anklagebank sitzt, zurkef: „Was wollt Ihr von uns?" kr sah, wie eine Kugel seinen Bruder im Garten niederstreckte. Seine Eltern wurden aus der Terrasse erschossen. Mordechai Makleffs Schwester Hannah bestätigte die Aussage ihres Bruders, daß die Angreifer von Kolonieh kamen. Alle Angeklagten wurden mangels Beweises freigespro ch en. Die Gegensätze in der Mandatsfrage sind offenbar auch bei der Wahl einer neuen arabischen Delegation nach London zur Geltung gekommen. Nach einer lebhaft verlaufenen Abstimmung wurden in die Delegation gewählt: Als Vorsitzender der Großmufti von Jerusalem, als Sekretär Auni Bey Abdul Hadi. Der Präsident der arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha und Moghanan Essen di Moghanan, eine der aktivsten Persönlichkeiten der Eerkutive, sind bei der Wahl unterlegen. Damit hat die Richtung des Obersten Moslemrates einen Sieg über die von der Palästinensisch-Arabischen Exekutive repräsentierte Richtung davongetragen. Delegation des Obersten mostemitischen Rates nach den islamischen Ländern. Jerusalem, 22. Jan. Der Oberste moslemitische Rat bereitet die Entsendung einer Delegation in alle islamischen Länder vor, mit der Aufgabe, dort Hklfsgelder für die durch die palästinensischen Unruhen geschädigten Araber zu sammeln und für die palästinensisch-arabische Sache'im Sinne des Obersten moslemitischen Rates Propaganda zu machen. Scheich Musafar, der sich gegenwärtig wegen seiner antijüdischen Boykottätigkeit in Gefangenschaft befindet, soll sich nach seiner Freilassung der Delegation anschließen. Auch Scheich Hassan, der vor der Shaw-Kommission von britischen Zeugen als Aufwiegler und Hetzer geschildert worden ist, und Scheich Faruki, der Autor der von der Regierung beschlagnahmten Flugschrift über die panarabischen Bestrebungen, sollen der Delegation angehören. (ITA.) Die grossartigsten Neuerungen seit Jahrzehnten bringt der neue Senking-Gasherd 6 umwälzende V erbesserungen B esich tigung hochinteressant- E. HAGE & Co. Am Eschenheimer Tor 3 Personalien. Rabb. De. Kahn 60 Jahre in Wiesbaden. Wiesbaden, 25. Jan. Es steht vielleicht in der Geschichte der jüdischen Gemeinden Deutschlands als erstes Beispiel da, daß es einem würdigen Nestor der rnaon vergönnt ist, den Tag seines Amtsantritts in der gleichen Gemeinde — nach bx/2 jährigem wohlverdienten Ruhestand — zum 60. Male sr'»y wiederkehren zu sehen. Als junger, tatkräftiger Schüler des alten Würzburger Raw 7>"*f und R. Esriel Hildesheimer '^"xi berief ihn damals eine kleine Schar hierher, um für rniayi nun in ungetrübter Reinheit eine Pflegestätte zu schaffen, und in unermüdlicher Arbeit schuf er alle Institutionen, die notwendig waren, den Einheimischen ein echt jüdisches Leben zu ermöglichen,,sowie den thoratreuen Gästen aus aller Herren Länder Gelegenheit zu geben, am Weltkurplatz bei strengstem rmpa körperliche Erholung neben geistiger Anregung zu finden. Es ist ein ganz besonderes Ni-:, in patriarchalischem Alter bei ungetrübter körperlicher und geistiger Frische sein Lebenswerk in seinem Sinne fortleben und gedeihen zu sehen. Seine Bescheidenheit, ein ganz besonderer Zug seines Wesens, ließ die Bitte aussprechen, daß man den Tag nur feiern dürfe, wenn man ihn gleichzeitig als das Iubiläum der Kehilloh, die ja mit seinem Amtsantritt eigentlich begründet wurde, begehe. Und so hatte sich die Gemeinde fast vollzählig und mit ihr eine große Zahl anderer Verehrer und Freunde in der Synagoge zu einer schlichten Feier versammelt. Es war eine weihevolle Stimmung, als nach dem Vortrag des n«n2 pnx durch den Chor Herr Rabbiner Dr. Ansbacher die Kanzel betrat, anknüpfend an die vom Jubilar vor 60 Jahren an die kleine Gemeinde gerichteten Worte irriwn imian dem ehrwürdigen an Dank und Anerkennung zollte, im Namen der Gemeinde, vieler Hunderte von Schülern, für die niemals ruhende Energie, mit der es ihm gelungen ist/ v'-ya-« r« tcp ber jungen Schar von damals segensreiche Entfaltung unter dem Beistand Haschems zu verschaffen, ona rrnp'i und stets Männer und Frauen heranzuziehen, die dem Namen unserer großen Väter und Mütter Ehre machten. Anlehnend an die dem Gefeierten von je eigene Sympathie für n'iva'a dankte der Redner der gütigen Vorsehung imfy (60)j; nan -,y die der Kehillo 6 Jahrzehnte hindurch durch manche Kämpfe beigestanden und ihr in ihrem Raw '"a stets den berufensten Führer geschenkt, 'n ki» iss -pia» p '2 nan 60 Jahre so wirken und im Ruhestand noch Vorbild zu sein, kann nur der Segen eines Mannes sein, der vom Scheitel bis zur Sohle . ein Mann von Energie ist, getragen von 'n mm tote es der Jubilar ist, dem Haschem uns noch viele Jahre in seiner Jugendfrische erhalten möge. Nach der Tefilloh versammelte sich die Gemeinde nochmals ungezwungen im Hause des Herrn Rabbiners Dr. Kahn um ihre Glückwünsche zu überbringen und für jeden hatte der jugendliche Greis ein gemüts- und humorvolles Wort der Begrüßung. Auch hier war es seinem Nachfolger, Dr. Ansbacher, Bedürfnis, mit herzlichen Worten auszuführen, wie das Haus des Gefeierten und sein Familienleben vorbildlich war für seine Gemeinde und manche Anregung gab, und für alle Zeiten müsse es der Kehillo ein ewiger Markstein sein, wie ihr erster Führer 'nV smp> vna V2 60 Jahre lang — ->», sein Amt als ma heilige Krone tragend, nur das Bestreben hatte,- der rmnp und Haschem zu dienen. Als sinniges Geschenk überreichte er eine von Herrn Lehrer Grünbaum verfaßte und in klassischem Hebräisch geschriebene Widmung mit Akrostichon des iviij? ov des Jubilars. Sichtlich gerührt dankte der Gefeierte mit wenigen, aber von tiefstem Herzen kommenden Worten und wünscht seinem Nachfolger, daß auch er einst nach 60jährigem Wirken in seinem Sinne die gebührende Würdigung aus so beredtem Munde finden möge. Zum dritten Male fand man sich im Hotel Ritter zu einem einfachen Festessen ein, wo sich der größte Teil der Gemeinde, auch Schüler und Verehrer von auswärts eingefunden hatten, um einige gemütliche Stunden mit dem Jubilar zu verbringen, in deren Verlauf es natürlich Viele drängte, ihm einige Worte des Dankes und der Verehrung zu widmen. Zunächst begrüßte anstelle des leider durch Unpäßlichkeit verhinderten Vorsitzenden Dr. M. S u l z b e r g e r, dessen Stellvertreter, Herr Felix Goldschmidt, die Anwesenden, gedenkt mit ehrenden Worten des großen Werkes, das der ehrwürdige Raw mit einigen taurohbegeisterten Männern aus kleinen Anfängen geschaffen und wünscht, daß es dem Gründer der Kehillo vergönnt sein möge, noch recht oft diesen Tag mit ihr zu begehen. Herr Berthold Kahn überreichte eine von Schülern und Freunden gesammelte Spende — bis jetzt in Höhe in über 1200 Mk..— die als Dr. Kahn-Fonds zu seiner Verfügung gestellt wurde und für Wohlfahrtszwecke und Förderung des Taurohstudiums verwendet werden soll. Die Sammlung wird noch fortgesetzt; es sind Beiträge von Freunden jeder Zeitsehr willkommen und sie stellen den sinnigsten Ausdruck der Verehrung für den Jubilar dar. Sodann widmet Herr Rabbiner Dr.- Ansbacher humorvolle, in feierlichen Ernst ausklmgende Worte dem Doppeljubiläum, schließend mit dem altjüdischen c>"n^, das ja auch eine Doppelform darstellt. Ergreifend war es, wie drei Generationen von Schülern dem greisen Lehrer dankten, Herr Adolf Ackermann als' der älteste anwesende Schüler mit launigen Worten der ersten Schuljahre ge-' £ENKIAf<3 dachte, Herr Ferd. Baum im Namen vieler, Schüler und Schülerinnen, die Verehrung zum Ausdruck brachte, die sie heute noch mit dem geliebten Lehrer verbinde, und als einer der Jüngsten Herr Berthold Goldschmidt an Hand geistreicher Ausführungen Lus dem noch vom Raw '"a geleiteter. y»x» *22 nyv. dem Lehrer dankte, und der Hoffnung Ausdruck verlieh, noch lange seinen Worten lauschen zu können. Herr Robert Strauß aus Frankfurt und Max Wreschner betonten besonders das innige Verhältnis, das Schüler und Gemeinde mit dem Raw stets verband, Herr Neustadt an ein vom Jubilar vor vielen Jahren gehörtes Gleichnis ^anlehnend, führt treffend aus, wie das damals nach Wiesbaden verpflanzte Reis sich zu einem mächti- 1 gen, reiche Früchte spendenden Baum entfaltete, Herr Drachmann weist darauf hin, wie derselbe nach dem Grundsatz des wv»a ns T2n stets das für hiesige Verhältnisse Angebrachte gefunden, und zum Schluß wieder eine humorvolle Note anschlagend, entrollt Herr Fritz , Levy Bilder aus der Schule, in der selbst nach dem vom Raw stets vertretenen Grundsatz „wer seinen Sohn lieb hat, züchtigt ihn", anscheinend zu den Lieblingsschülern gezählt hübe. Auch der Jubilar ließ es sich nicht nehmen, mit von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten allen Rednern zu danken und mit dem stets als Losung ausgegebenen warn ixapn galtet zusammen und höret, die Gemeinde aufzufordern, stets in den oorgezeichneten Bahnen unter seinem in gleichem Sinne weiterwirkenden Nachfolger weiterzuwandeln. Den Reigen der Redner beschloß der frühere langjährige Vorsitzende, Herr San.-Rat Dr. K ö r n b t u m, der plastisch zeichnet, wie die Kehillo mit Rabbiner Dr. Kahn fastzwei untrennbare Begriffe darstelle, und die Worte des Vorredners noch dahin interpretierte, das irav in glei» cher Weise auch auf den seit 4% Jahren das Werk des" Gründers fortsetzenden Nachfolger, Herrn Rabbiner Dr. Ansbacher stets zu übertragen. Allen Teilnehmern wird der Eindruck der Feier unvergeßlich bleiben und alle vereint der Wunsch, den Jubilar noch v-ay in ihrer Mitte: in dieser Frische zu sehen. Einführung des Vezirksrabbiners. Borken (Wests.), 29. Jan. Es ist nunmehr gelungen, einen Bezirksrabbiner für die nordwestlichen Gemeinden Westfalens mit dem Sitz, in Borken (Wests.) zu gewinnen. In dankenswerter Art: hat der Preußische Landesverband jüdsicher Gemeinden, in Berlin sich bereit erklärt, diesen Rabbiner anzuftellen. Am 19. Januar 1930 wurde der gewählte Bezirksrabbiner, Herr Dr. Max Köhler, feierlich in dieses- Amt eingeführt. Unter einem Ehrgeleite, bestehend aus den Vorständen der einzelnen Gemeinden, wurde der' Rabbiner zur Synagoge geführt. Der Vorhof war bereits mit Blumen bepflanzt. Eine Tafel mit der Inschrift „Boruch haboh" war zur Begrüßung vor dem Eingänge des Gotteshauses angebracht. Ein Spalier der Jugend mit den Standarten der 12 Stämme war zur Begrüßung aufgestellt, um symbolisch die zukünftige Arbeit des Rabbiners für die Jugend der Gemeinden zu kennzeichnen. Die Synagoge war festlich erleuchtet und reich mit Guirlanden geschmückt. Ein Chor, geleitet von dem Herrn Lehrer G i n s b e r g-Vorken, begrüßte den Rabbiner bei seinem Eintritt ins Gotteshaus mit dem Gesang: „Boruch haboh". Nach dem Gesänge des Herrn Lehrer L ö w aus Gemen begrüßte der Vorsteher der Gemeinde Borken, Herr Jonas Haas, den neuen Rabbiner und gab seiner Freude Ausdruck, daß der ersehnte Augenblick für die Gemeinde Borken und für die Gemeinden der Umgebung gekommen sei, wo sie sich wieder einem geistigen Führer unterordnen könnten. Herr Haas begrüßte die erschienenen Gäste und, teilte mit, daß der Landrat, der Bürgermeister und der evangelische Pfarrer leider wegen Verhinderung ihre Glückwünsche der Gemeinde und dem Rabbiner schriftlich übersandt haben. Daraus betrat Herr Dr. Jsmar Freund-Berlin die Kanzel und führt namens des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden offiziell den Bezirksrabbiner in sein Amt ein. Er ist sicher, daß der Herr Rabbiner zur Belebung der Landgemeinden seine Kräfte einsetzen und die Grundsäulen des Judentums, „Taüroh, Awaüdoh und Gmilas Chasodim" als sein Arbeitsziel betrachten wird, damit Jugendunterricht und soziale Betätigung in allen Gemeinden wieder blühen und gedeihen.. Nunmehr hielt; Herr Bezirksrabbiner Dr. Max Köhler seine Antrittspredigt. Er dankt zunächst dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Berlin und den Vertretern: der Gemeinden für das Vertrauen, das sie in ihn gesetzt, für den innigen und herzlichen Empfang, den die Gemeinde Borken ihm bereitete und für die schönen Worte der Begrüßung, die eine Anzahl Vertreter der Gemeinden ihm entgegengebracht. Er gedenkt der Erziehung seiner Eltern und seiner Studienzeit am Berliner Rabbiner-Seminar. Anhand der Sidroh führt er das Verhältnis des Arejwus, des innigen Zusammenlebens der Jakobs-Familie aus. Die Landgemeinden müßten jetzt stärker als früher einsehen, daß sie ihrem Untergange entgegengehen, wenn, sie sich nicht verbunden fühlen mit der jüdischen Gesamtheit. Nur durch die Vereinigung der einzelnen Gemeinden und der gegenseitigen Beziehungen zwischen Stadt und Land, zwischen Groß- und zwischen Kleingemeinde könne das Leben der Kleingemeinde erhalten. Er gelobte, seine beste Kraft einzusetzen, um Hüter und Wächter der heiligen Institutionen, Berater und Freund eines jeden, Führer der Jugend und Lehrer der ganzen Gemeinschaft zu sein. Mit einem innigen Gebete um Gottes Beistand und Segen für seine Tätig-

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