Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1930)
- Date
- 1930-01-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 2 D er Israelit Blätter 23. Januar 1930’ schen Freund. Er fand freundliche Morte für meine Arbeit, aber: „Sie sind zu sehr Opportunist geworden." Eine Minute später war ich bei einem Basler Bekannten, einem ergebenen Agudisten. Nach kurzen! Worten der Begrüßung ein Vorwurf an meine Adresse: ich sei zu aggressiv, zu intolerant. Wer hat Recht, beide oder keiner? Will A. I. es wirklich jedem Recht machen und macht sie es darum niemandem Recht oder gilt auch für sie, gilt auch für die agudistifch-e Linienführung, für die verantwortlich zeichnen, das alte Wort, wohl der Wahrheit unentwegt nachzustreben, sich aber von untragbaren Uebersteigerungen fern! zu halten, von Erlässen oa Tiay*? Tiasn nn prw? 4. Doch steigen wir lieber zu den Höhen reinen Thorastudiums empor, wo nicht die Luft politischen Mißbehagens weht, wo alles einig ist, alles sich und das anzustrsbende Ziel in Einmütigkeit liebt: Zur in Montreux! Ich bleibe meiner Verbundenheit an Tels getreu, wenn ich in Worten, höchster Liebe und Bewunderung diese Großtat rühme, die e i n j ü - d i s ch e s E h e p a a r — die Frau hat den gleichen, vollen Anteil wie der Mann — geschaffen, um mit dieser Leistung der Welt zu zeigen, was jüdischer Wille, wenn er in den Dienst des Höchsten gestellt ist, zu leisten vermag. Tels bleibe ich getreu, denn der Telser Raw b"xr fiat auf den Gründer dieser m'W als er in der Durchführung seines Planes zu erlahmen drohte, weil er zu wenig Mitarbeiter fand, von seinem Geist, dem Geist mutiger, nimmermüder Tatkraft gelegt, der Telser Raw V'XT hat ihm von den besten seiner Schüler geschickt, daß sie der neuen m'P' das Gepräge zu geben helfen. Der Gründer, der Leiter der raw ist ein „Nowogrodeker"; wer in der Terminologie etwas zu Hause ist, weiß, was alles dieser Begriff umschreibt, weiß, wie diese m'rc" mit ihren über 50 omns gestaltet sein muß, wenn in ihr der Geist von Tels mit der Seele oon Nowogrodek sich vermählt. Ueber die Erfolge, die m Montreux erzielt worden, steht mir ein Urteil nicht zu; daß der Sachverständigste, Rabbi Chaim Oiserrr^v^Vncrch tagelanger Prüfung hochbefriedigt fortging, hat die Welt erfahren und damit ist Montreux über jene Kritik gestellt, die ihre Zurückhaltung, die nur Müdigkeit war, mit Vorsicht und ähnlichem bemäntelte. An anderer Stelle wird mehr über den in Montreux empfangenen Eindruck zu sagen, sein; der Vermerk in diesem Bericht gelte nur als eine kurze Registernotiz! 5. „Im Westen doch Neues!" Ich könnte unter diesem Rubrum noch manchen schönen Eindruck verzeichnen, vor allem Einzelheiten von der Gründung der Schweizer A. I. Frauengruppe bringen, die erweisen, wie stark der agudistische Gedanke in den Frauen dieses Landes Wurzel geschlagen, von dem Wirken Einzelner und jugendlicher Gemeinschaften, von der minn ronK' die hier gewaltig wächst — ich lasse es für heute mit diesem Bericht genug sein. Neues unk» Schönes lebt im.Westen, sinnvoll wirken aufeinander abgestimmte Kräfte mit einander Hand in Hand, daß sie Gebilde auf Gebilde, das eine aus dem andern, das eine das andre tragend und hebend, gestalten; dies ist mein Wunsch für die Freunde in der Schweiz. W. S. I. Eröffnung der Beratungen durch Herrn O. M e nd e l s o h nwurde Herr I. M. Lerner zum Vorsitzenden gewählt. Die Statuten der Bank, über die Advokat Krischet berichtete, wurden angenommen. Die Bank führt den Namen „Zentralbank für K o o p e r a t i v g e s e lisch a f t e n ". Jn> den Aufsichtsrat der-Bank wurden 15 Mitglieder gewählt. Die Leitung bilden die Herren I. M. Lewi n, Jacob Trockenheim, Wolf Gutgeld in Warschau, M. M i n z b e rg in Lodz, S i e d e l b e r g in Lub lin, Jecheskel Ehrlich in Biala. Zum Bor sitzenden des Verwaltungsrates wurde am fol genden Tag Herr O. Mendel so hn gewähl zum Vorsitzenden der Leitung Herr I. M. Le w i n. Man hofft, die Bank in den nächsten Tagen eröffnen zu können. Die Gründung einer agudistifchen Zentralbank für Genossenschaften in Polen. Warschau, 11. Jan. Am letzten Sonntag fand die Gründungsversammlung einer Zentralbank für die bestehenden orthodoxen Kooperativ-Genossenschaften statt. An der Versammlung nahmen die Vertreter von 70 Genossenschaftsbanken teil. Nach Dem Andenken Rabbi Awigdor Schönfelds. Rabbiner Dr. S ch ö n f e l d Wr in Lo bon hat für die Idee der Agudas Jisroei die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Orthodoxie, mit soviel Tatkraft und Hin gäbe, mit seinem ganzen Herzblut gekämpft daß wir als Dank für die Leistung als Ab fchiedsgruß die Worte Hinsehen wollen, die wir. unter dem frischen Eindruck seines Wir lens, vor mehreren Jahren hier niederge schrieben. Sein Gedächtnis bleibt gesegnet er lebt, wenn seine Gemeinde, Londons Or thodorie, im Sinne seines Lebens weiter kämpft für den großen Gedanken von nmn nsn’i min- Die Ad aß Iisroel, eine im Norden Londons domizi lierte, von einigen deutschen und österreichisch-ungarischen Juden vor etwa zwei Jahrzehnten gegründete Gemeinde ist die natürliche Akiionsbas'.s für Menschen unserer Sen düng, das Milieu, in dem sich „Leute unserer Art" hei misch und heimelig fühlen. Ganz diskret sei vermeldet daß „Frankfurt", was ja wohl in Wirklichkeit das geistige Erbe seiner beiden Großen, Ehatham Sofer und S. R. 'Hirsch, bedeutet, hier dominiert, sowohl was das geistige Gepräge der Gemeinde als solcher, als was die Einstellung der Mitglieder und vor allenr ihres Raw anlangt. Schul Rabbinerhaus, Bes Hamidrasch mit chassidischem Minjan Religionsschule, Jugendverein. Ben Sakai, alles liegt beisammen, gruppiert sich um das Rabbmerhaus, und . wieder wird Geographie zum Symbol: im Mittelpunkt aller Dinge steht der Raw, und er ist auch wirklich der Zentralpunkt. . Seine englischen Predigten — er spricht ohne Ornat, das TaNis über dem Lopf —, seine deutschen Midraschvorträge anl Schabbos nachmittag vertiefen wirtlich den „Gottesdienst"; feine täglichen Gemoro-Schiurim geben dem Bes Hamidrasch seinen Sinn; sein Organisationstalent hat eine vorzügliche Religionsschule aufgebaut, im Ben Salm der Jugend eine kräftige Organisation geschaffen, und auch im Minjan der Ehassidim, das, wie man mir sagt, von hervorragenden Lamdonim frequentiert wird, ist fein Wort so entscheidend wie in Schul Ein Mann von ungeheurer Tatkraft» ausgewachsen in einer Sphäre, die man bei uns im Westen so gern als „Ungarn" diskreditiert, wirkt er als ein Symbol des Agudo-Gedänkens, obgleich er der Agudo-Organisatiön nicht angehört. Und nicht nur in seiner engeren Gemeinde, auch im Westen Londons, da, wo das Judentum unserer Auffassung nur schwach lebt, rufen ihn diejenigen zu Schiurim, zur Inspektion ihrer Talmud Thoras, die kräftige „Hausmannskost" sür sich und ihre Binder als das Gesundeste betrachten. 'Leider ist durch die Ausdehnung Londons der Aktions-Radius, der. Adaß Iisroel und ihres Führers nur ein begrenzter und in der Adaß Iisroel selber ist eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung dadurch gehemmt, datz die tatkräfttigsten „Adahler" vom Norden zum Westen verziehen nnd wohl noch ihr Geld und dann und wann ihren Rat der Adaß Iisroel geben, aber nicht mehr das, was die Hauptsache ist, die ganze Hingabe der Persönlichkeit, durch die allein eine Schöpfung wie die Adaß Iisroel sich durchsetzen kann. Diese betrübliche Tatsache wird ein wenig ausgeglichen dadurch, daß begüterte Ostjuden vom East nach dem Norden ziehen. Auf diese Weise fließt der Adaß doch immer wieder östliches und frisches Blut zu . Neben dem Raw wirken in der Adaß prächtige Menschen; dem Lotalpatriotismus des Berichterstatters tat es besonders wohl, daß den täglichen Morgenschiur — Mischnajis mit Tausfaus Jomtow — im torif£f) rmat>fcörteiT Anschluß an den Gottesdienst em alter Hamburger lernt. nicyl rr n, »Auch Du bist nicht befugt, von der Arbeit müßig zu bleiben". Eine Antwort an H. K. I. In den Blättern vom 10. Kislew und 9. Teweth beschäftigt sich H. K. mit der Situation innerhalb der Agudas Iisroel nach der Kenessio Gedaulo und kommt zu dem Ergebnis, daß die Leitung der Agudas Iisroel es in allem und jedem hat fehlen lassen, den großen Erfolg: der Kenessio Gedaulo richtig auszumünzen. Mit der Frage „War die Zweite Kenessio Gedaulo schon?" glaubt er die Situation am besten beleuchtet, und mit der Feststellung „Köpf .ohne Körper" die Ursache für die von ihm konstatierten betrüblichen Erscheinungen gefunden zu haben- Es ist selbstverständlich, daß diese Blätter für jede Kritik offen sind. Es ist aber nicht damit getan, blindlings zu kritisieren und nur Schatten, ZU sehen, wo auch Licht ist, besonders dann nicht, wenn diese Kritik doch ein wenig am eine „Haltetden-Dieb-Taktik" erinnert. Denn um es klar und unzweideutig auszusprechen: Selbst wenn der Sitz des Herrn Dr.. Ehrmann im G. A. mit einer Persönlichkeit von seiner Tatkraft, Energie und Organisationsfähigkeik besetzt worden wäre, — ob eine solche im Augenblick überhaupt vorhanden ist, weiß ich, nicht, — selbst wenn der deutsche G. A. für seine ausgetretenen Mitglieder schon Ersatz gefunden, hätte, also eine komplette „organisatorische und finanzielle Leitung" der Agudas Iisroel mit Sitz; in Frankfurt schon vorhanden, wäre, auch dann weiß ich nicht, ob das möglich gewesen wäre, was H. K. erwartet. II. H. K. fragt: „Warum wird der großartige Erfolg der zweiten Kenessio Gedaulo nicht ausgewertet . . . Fehlt es nur an Geld, oder fehlt, es an Menschen, oder fehlt es gar an Willen?" An Willen, mein lieber H. K., fehlt es nicht. Der Wille ist bei Jedem von uns; beim Alter wie bei der Jugend und auch beim „Mittelalter", zu dem ich gehöre, in starker, fester Weife vorhanden!. Ob es an Menschen fehlt? Die Frage ist nicht so eindeutig zu beantworten. Menschen, die be-- reit sind, im Rahmen ihrer freien Zeit, ihrer sonstigen beruflichen Inanspruchnahme, ihrer anderweitigen Verpflichtungen mitzuarbeiten, gibt: es viele, sehr viele. Damit ist es aber nicht getan? Mit gelegentlicher Hingabe eines freien Abends,, mit gelegentlichem Schreiben eines kritischen Artikels, dessen Bedeutung ich gewiß durchaus nicht unterschätze, mit gelegentlicher Teilnahme^ an Beratungen und Veranstaltungen kann man der agudistifchen Idee, die doch ohne Uebertreibung die Welt erfüllt, die ihrer würdige Organisation nicht schaffen. Dazu bedarf es Menschen, die nicht nur bereit sind, die volle Verantwortung zu tragen, sondern auch ihre volle Zeitihre ganze Kraft in den Dienst der Organisation stellen. Selbst eine komplette Leitung m Frankfurt, wem wir annehmen, daß ihre Initiative, ihre Stoßkraft größer, stärker wäre als die des „Kopfes" allein, kann nur Direktiven geben. Sie auszuühren, bedarf es der Mefnchen, welche wie erwähnt, an nichts anderes gebunden sind wie an die Arbeit für die Agudas Iisroel. Und diese Menschen werden solange fehlen, bis die Frage „Fehlt es an Geld?", die wir heute mit einem glatten I a beantworten müssen, mit einem ebenso glatten Nein erledigt werden kann. Es fehlt an Geld! Um diese Feststellung kamf men wir nicht herum. Wie froh auch die Erinnerung an Wien uns stimmen mag, wie stolz mir auch darauf sein mögen, daß nun ja doch die - Größten der Thoragroßen unsere Führer sind, wie beglückend es für uns auch sein mag, daß von der Idee der Agudas Iisroel immer weitere Kreise gepackt werden, — ich denke an die schriftl ichen Begrüßungen der Kenessio Gedaulo durch jene führenden Rebbes, die uns bisher organifaes fehlt an Geld.. Und das Geld beantwortet alles". Dieses alte Weisheitswort bleibt leider ewig jung und ist ber uns aktueller denn je. Sie wissen es, denn Sie gehörten diesen Kommissionen meines Erinnerns auch an, daß wir, während im großen Verhar.dlungsfaal hohe und edle Worte und tiefe Gedanken den Menschen übermittelt wurden, in Nebenräumen tagten und ganz nüchterne Fragen kühl zu erwägen hatten Welches Mindestbudget müssen wir der Kenessio, Gedaulo vorlegem, damit von einer Wetterführung der Geschäfte die Rede sein kann?" Sie