Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1930)
- Date
- 1930-01-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Blätter 23. Januar 1930 Nr. 2 Sekte 3 wissen, daß man dann ein Minimalbudget aufstellte, weil es uns nicht darauf ankam, der agudtstischen Welt durch große Ziffern eine Freude zu machen, eine Ahnung dessen zu geben, was wir leisten könnten, sondern weil es uns daraus ankam, mit dem Betrag die Arbeit zu beginnen, den aufzubringen die einzelnen Landesorganisationen sich verpflichteten, garantierten. Wir haben in die hunderttausende gehende Budgets begeisterungsaber darum nicht immer in gleichem Ausmaß zahlungsfähiger polnischer Freunde abgelehnt; ebenso ein Budget von jugendlicher Seite, das selbst Männern mit grauen Köpfen als Mindestsumme notwendig schien, und uns auf eine noch viel kleinere Summe beschränkt. Denn es kam uns nicht auf das an, was vielleicht möglich werden könnte, sondern aus das, was absolut sicher seu Und doch: Die Landesorganisationen übernahmen Garantien, und als nun die neue Leitung als Erstes daran ging, auf Grund dieser.Garantien mit dem Inkasso zu beginnen, da zeigte es'sich, daß selbst diese Beträge zunächst nicht erhaltbar seien, selbst nicht aus Ländern mit guter Wirtschaftslage. Und die Organisations- und Finanzabteilung mit Sitz in Frankfurt ist darum zum großen Teil lahmgelegt, denn ihr Name sollte 'sinngemäßer lauten: Finanz- und Organisation'sabteilung. Es ist nur möglich, im Rahmen der vorhandenen Finanzen zu organisieren. Die Eisenbahn und die Hotels geben Niemandem Kredit, selbst wenn er sich als der hingebungsvollste Agudist, als Mitglied höchster agudiftischer Körperschaften ausweisen kann. Da haben. Sie die klare, deutliche Antwort. Unser bester Wille nützt' nichts, und die geeignetsten Menschen können Sie nicht haben, wenn das Geld fehlt, sie zu besolden. Und ich füge hinzu, daß diese Menschen nicht anspruchsvoll sind, daß ihnen die Agudoarbeit nicht der Spaten, damit zu graben, sein soll, sondern Menschen, die nur das Aeußerste zum Leben haben wollen, um dann ihr Leben der Organisation hinzugeben. Ich schreibe dies nieder, damit auch die Andern es wissen. Sie, H. K., wissen es ja ohnehin, da es sich um Menschen Ihres allernächsten Freundeskreises handelt. ' Es fehlt an Geld. Und darum ist für mich in der Tat etwas fast Wunderbares, daß „der Kopf ohne Körper" trotz dieser Situation noch so sehr Kopf und Seele bleiben konnte, trotz dieser Notlage so viel veranlassen, durchführen und auch in organisatorischer Hinsicht in die Wege leiten konnte. Hl. Denn es ist seit der Kenessio Gedaulo doch geleistet worden. In organisatorischer Beziehung: Die Trumas Ehower Nichbod-Aktion wurde eingeleitet, Litauen, Lettland und die Schweiz wurden zu diesem Zwecke bereist. In England wurden in wichtigen Zentren große Agudogruppen neu gegründet. Die Organisierung der agudistischen Frauen macht ausgezeichnete Fortschritte. Die agudistische Jugend hielt nicht nur in Frankfurt eine in erster Reihe der deutschen Jugend dienende Konferenz, sondern auch eine in Antwerpen, für den Zusammenschluß der westeuropäischen Agudojugend höchst bedeutsam. In politischer Beziehung: Die Exekutive tagte wiederholt und hat bezüglich der palästinensischen Situation entscheidende Entschließungen gefaßt und teilweise bereits zur Durchführung gebracht. Sie hat in Erez Jisroel selber in schwierigsten Situationen den Einfluß und die politischen Ideen der Aguda praktisch zur Geltung gebracht. In sozialer Beziehung: Eine Abordnung der Agudas Jisroel wurde vom Präsidenten des internationalen Arbeitsamtes in Genf empfangen, um die Frage der Sonntagsruhe-Angelegenheit weiterer Klärung entgegenzubringen. In Sachen der agudistischen Bank wurde in Holland durch zähe Arbeit eines unserer Freunde Bedeutendes erreicht. "Ueber die Ursache, weshalb in Deutschland diesbezüglich nicht mehr geschehen konnte, wird Sie ein kurzer Blick in den täglichen Handelsteil der politischen Zeitungen unterrichten. Mit dem Vorsitzenden des Rabbinischen Rates fanden wiederholt Besprechungen seitens der Leitung statt, die für die weitere Ausgestaltung dieses unseres wichtigsten Organes von entscheidender Bedeutung sind. Für den Bau des Beth Jakob-Seminars in Krakau und seine Erhaltung wurden in der Schweiz und in Deutschland in den letzten Wochen große einmalige und dauernde Beträge gewonnen. Die Palästina-Zentrale ist mit der Reorganisation ihrer Mädchenschule in Tiberias beschäftigt und konnte ihr Schulwerk im übrigen aufrechterhalten, für ein in der Gründung begriffenes Unternehmen für Viehzucht und Milchwirtschaft in Afule, das von agudistischen Persönlichkeiten geleitet wird, eine große Aktion in der Slowakei und in der Schweiz in die Wege geleitet, und schließlich die Koscherverpflegung auf den palästinensischen Lloyd-Dampfern sichergestellt. iv. Wir alle werden wissen, daß die Zweite Kenessio Gedaulo war. Unsere Leitung und unsere Leistung wird aller Kritik standhalten können, wenn die Voraussetzung, die oben klar Umschriebene Voraussetzung, erfüllt wird, wenn die Länder, die Ortsgruppen und die Einzelnen ihrer Pflicht Nachkommen, wenn die Chower Nichbod-Aktion übe r a l l durchge - führt wird, wenn es uns gelingt, 8 50 Agudisten z u frn den , d en en es n i ch t e i n e L a st , f o nd e r n e i n e E h r e ist, ein Chower Nichbodd er Agudas Jisroel zu sein, wenn Jeder, der in ehrlicher Sorge um die Organisation der A g u d a s I is r o e l ist, hier mit seiner Arbeit einsetzt. Der Einzelne kann diese Arbeit nicht vollenden, nicht einmal die Organisationsabteilung der Agudas Jisroel, wenn nicht jeder Verantwortungsbewußte, jeder von der gleichen Sorge wie H. K. Gepackte es weiß, bekennt und betätigt, daß auch er nicht befugt ist, müßig beiseite zu stehen, daß auchereinChowerNichbod werden oder wenigstens einen Chower N i ch b o d w e r b e n m u ß. Gelingt es uns, die finanzielle Grundlage zu schaffen, dann gelingt es uns auch, den organisatorischen Ausbau zu vollziehen, dann gelingt es auch, die einzelnen Arbeitsgebiete zu verbreitern und ihre Inhalte zu vertiefen. Dann wird sich der G. A. zwar sicherlich auch weiterhin bei der Bekanntgabe angestrebter oder erreichter Leistungen allergrößte Zurückhaltung auferlegen, nicht weil in den Führern noch geheim-diplomatische Tendenzen von früher her lebendig sind, sondern weil alles, was mit Sensationen, Empfängen bei Ministern und ähnlichem Dekorativen zusammenhängt, nicht in die rein geistige, nach innen weisende Linie der Agudas Jisroel paßt. Dann wird aber bei aller so gebotenen und begründeten Zurückhaltung das, was unsere Oeffentlichkeit von Agudas Jisroel hört, so reich und vielgestaltig sein, daß jeder spürt, daß die 2. Kenessio Gedaulo gewesen ist, spürt, daß wir nicht NM einen führenden Kopf haben — es sind übrigens mindestens drei — sondern daß dieser auf einem Körper sitzt, der lebt und seine Lebensfähigkeit und -Freude vielgestaltig äußert. W. S. I. Aus der Bewegung. Frankfurt a. M. Die Palästina-Zentrale gibt bekannt, daß folgende Bücher durch sie zu ermäßigtem Preise zu haben sind: 1. Belehrung und Ermahnung, von Rabbiner Dr. Salomon Breuer Wr statt M. 4.50 für M .3.15 das broschierte Exemplar; das gebundene M. 4.30. 2. Juden und Araber in Palästina, von Dr. Alfred Wiener, zum ermäßigten Preis von M. 1.— statt M. 1.40. Berlin. Die Orts- und Jugendgruppen der Agudas Jisroel Berlin veröffentlichen folgendes Programm für Tewes bis Siwan 5690: Vorträge: 27. Jan.: Geschichte und Bedeutung der Kaussel maarowi (Klagemauer). Referent: Seminardozent Rabb. Dr. Moses Auerbach. 10. Febr. Der Weltkongreß der Schomre Schabbos. Referent: Dozent Rabb. Dr. S. Grünberg, Vorsitzender des Weltverbandes der Schomre Schabbos. 3. März: Was kann der Rabbinische Rat dem gesetzestreuen Judentum bedeuten? Referent: Rabb. Dr. E. Munk. 7. April: Religiöse Heimkehr. Referent: Dr. Nathan Birnbaum. 5. Mai^ Moderne jüüische Literatur. Referent: (wird noch beranntgegeben.) — Die Vorträge finden bis auf weiteres im Lernsaal der Adaß Jisroel, Artilleriestr. 31 lParterre) statt. Beginn pünktlich 8.45 Uhr abends. Gäste stets willkommen. — Schiurim. Veranstaltet von der Jugendgruppe (siehe besonderes Programm). — A r - beitskurfe. Veranstaltet von der Frauengruppe (siehe besonderes Programm). Handelswissenschaftliche Ausspracheabende. Veranstaltet von der Jugendgruppe (siehe besonderes Programm). In den nächsten Wochen wird die Jugendgruppe ihr eigenes Heim eröffnen. Besondere Mitteilung hierüber wird noch ergehen. Karlsruhe. Aus'den Kreisen der Israelitischen Religionsgesellschaft bildete sich eine Frauengruppe der Agudas Jisroel hier, die sich die Pflege der geistigen und sozialen Ideale der Aguda zur Aufgabe gemacht hat. Es wurden Schiurim angesetzt, in denen die „Neunzehn Briefe" von Rabb. Hirsch b"r, wie auch der Inhalt der Tefillo und andere Gebiete des jüdischen Schrifttums besprochen werden sollen.. Eine Arbeitsgemeinschaft behandelt pädagogische Fragen anhand der Montessori Literatur. Ein Kreis der Mitglieder stellte sich für die geplante Frauenhilfe zur Verfügung. Gesellige Zusammenkünfte, in denen agudistische Themen behandelt werden sollen, sind oorgesehep. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Damen: Frau Sofie Ettlinger, Frau Bella Michalski, Frau Mina Kaufmann und Fanni Rotschild. — Die rege Beteiligung an den bisherigen Sitzungen läßt eine gedeihliche Wirksamkeit erhoffen. Subotica. Die am Anfang.dieses Semesters gegründete Beth Jakob-Schule hatte am vergangenen Chanucka den Beweis erbracht, daß ihr Wirken rin erspr'eß'iches ist. Sie ließ durch ihre Zöglinge den Sinn und Wesen des Ehanuckafestes beschreiben, an welcher Arbeit der größte Teil der Zöglinge teilnahmen. Die besten Arbeiten wurden laut Urteil eines Juris preisgekrönt und zwar: die der Frl. Gabriella und Rachel Deutsch, Golde Engländer und Frida Winkler. Diese Arbeiten, geleistet von'Mädchen im Alter von 13—16 Jahren bewiesen, dag der ^Unterricht in einem solchen Geiste geschieht, daß es den Namen Beth Jakob in richtiger Sinne wohl verdient. Der Erfolg ist in erster Reihe der selbstlosen und mühevollen Hingabe der Leiterin dieser Schule, Frau Mirjam Deutsch, zu verdanken. Der Chanucka wurde zugleich dazu benützt, daß in der ganzen Stadt für „K e r en H a t o r a h" gesammelt wurde, und hat einen den hiesigen Verhältnissen entsprechenden Erfolg gehabt. Bratislava. In der slovakischen Agudas Jisroel gilt das alte Midraschwort, das den Frauen einen die Männer beschämenden religiösen Eifer zuerkennt . Wie die Berichte aus allen Teilen des Landes zeigen, entwickeln sich die Aguda-Frauen-und Mädchengruppen überall sehr stark. Das gilt nicht nur für die alten größeren Gruppen wie z. B. Bratislava, wo sich die Rührigkeit und Begeisterung der Mitglieder wieder anläßlich eines großen Chanuckakestes gezeigt hat, sondern auch in den kleineren Gruppen, wie z. B. in Trnava und bei der Neugründung vvon Gruppen durch die bestehenden. In Nove Zamky hat die Aguda-Frauengruppe an einem der letzten Sabbate eine besondere Mädchengruppe eröffnet, die die jüdischen Mädchen über 14 Jahre erfaßt . In Bratislava besteht eine Kindergruppe (sogenannte B.-Gruppe, dem deutschen Esra entsprechend), die sich ebenfalls gut entwickelt. Neutra. Der Agudas-Verein nvv nVnp in Neutra gibt aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Vereins eine Jubiläumsschrift heraus, die lesenswert ist. Der erste Artikel ist eine Würdigung des Neutraer Raw, Oberrabbiner Mosche Kah von Oberrabbiner Josef Adler in Schlößburg (mit Bild). Beachtenswert ist ein Vegrüßungsartilel vom Generalsekretär der Aguda in der Slonakei, I. I. Braun. Die weiteren Seiten füllen Notizen, Bekanntmachungen und Mitteilungen des Vereins. Montrsur. Am letzten Dienstag besuchte der Vorsitzende der deutschen Landesorganisation des Keren Hatorah, Herr Wolf S. Jakobson, die Jeschiwa. Bei dieser Gelegenheit hielt er einen längeren meisterhaften Vortrag, in dem er vor allem seiner Freude Ausdruck gab, hier in einem der schönsten Teile der Schweiz eine Stätte der Thora zu finden. Die meisten Menschen gehen nach Montreux, um dort körperlich auszuspannen. In die Jeschiwa kommt man, um sich. geistig zu erholen. Die überwältigende Schönheit der Montreurer Berge, die jeden in Entzücken verseht, lenkt die Menschen der Jeschiwa nicht etwa vom Lernen ab, sondern weist sie vielmehr mit elementarer Kraft auf die Größe Gottes hin und eifert sie zum Studium der göttlichen Lehre an. Das eben, so führte der Redner weiter aus, habe ihm an den Montreurer Bachurim so gut gefallen, daß sie mit ihrer Begeisterung für die Thora eine tiefe v’»© ns-p verbinden. Wie man sich heute über die Telscher und Slabodkaer Bachurim überall, wo sie eine Stelle im öffentlichen Leben einnehmen, lobend aussprkcht, schloß Herr Jakobson seine zündende Rede, so wird man auch über die Schüler der ys?" na’©’ einmal