Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1930)
- Date
- 1930-01-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450604--76646-2534234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
rzie^unq und Lei? aqc zum,; Organ des Kundes gesttzrstreuer jüdischer Kehrer Deutjchlands AuherordenMche Generalver^ sammlung -es Bundes gefehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands am 5. Januar 1930 in Frankfurt a. M. Der Vorstand des Bundes hatte fstne Mitglieder zu einer außerordentlichen Generalre sammlung nach Frankfurt einberusen. Die Versammlung fand im Hörsaale der Synagogengemcinde Israelit sche Relizionsgesellschaft statt. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt: Aenderung der Statuten. Der Vorsitzende, Herr Studienrat Munk, eröffnete um 3 Uhr die Versammlung. Da die Anzahl der um 3 Uhr anwesenden Mitglieder statutengemäß nicht genügte, wurde eine zweite.außerordentliche Generalversammlung auf 3,30 Uhr einberusen. In der Zwischenzeit wurde von dem Vorsitzenden über die Gründung des Vereins Erholungs und Alterchnm für jüdische Lehrer und Kantoren in Bad Ems berichtet. Ein großer Teil unserer Mitglieder hat bereits di: Mitgliedschaft erworben. Der Jahresbeitrag beträgt 3 Mark. Der Vorsitzende unseres Bundes gehört dem Vorstände des Erholungsheims als Mitglied an. Um di: Errichtung des Heims zum Wähle erholungsbedürftiger Kollegen bald zu ermöglichen, ist die Zahlung eines einmaligen freiwilligen Beitrags angebracht. Di: anwesmden Kollegen nahmen die Mitteilungen des Vorsitzenden mit Interesse entgegen. Es ist zu erwarten, daß in dem Emser Institut eine Einrichtung geschaffen wird, die kranken und erholungsbedürftigen Kollegen ein Buen retiro zu bieten vermag. Der Vorsitzende berichtigte weiter eine Mitteilung, die durch die jüdische Press: gegangen war, nach welcher die Freie Vereinigung beabsichtige, die Ausbildung von Schochtim zu Religionslehrern in die Hand zu nehmen. Man erfuhr, daß der Vorstand der Freien Vereinigung dem Aufrufe, der von einem Mitglieds ausgegangen war, ohne dazu autorisiert zu sein, fern stehe. Ei e offizielle Verlautbarung des Vorstandes der Freien Vereinigung wird wohl bald noch erfolgen. Zu der um 3,30 Uhr eröffneten zweiten außerordentlichen Generalversammlung hatte sich inzwischen eiie große Zahl von Mitgliedern eingesunden. Der vom Vorstande des Unabhängigen Vereins Israeli is her Lehrer im Freistaate Hessen, sowie von einigen Mitgliedern des Vereins Jeschurun eingebrachte Antrag auf Abänderung der Statuten, fand die einstimmige Annahme der Generalversammlung. Paragraph 1 der Statuten erhielt folgenden Wortlaut: Der Verein trägt den Namen „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands". Er will die gesetzestreuen jüdischen Lehrer (-innen) Deutschlands zu einer selbständigen Organisation zusammenscssen. Er vertritt die Belange des jüdischen Unterrichtsvesens und der jüdi-' schen Lehrerschaft im Geiste der Thauro und wirkt so an der Erhaltung und Stärkung der Emunoh mit. Paragraph 5 und 17 Absatz 3, die die gleichzeitige Mitglied schaft des Bundes und anderer Lehrerrerbände ausschließen, wurden gestrichen. An der an die eingebrachten Anträge anschließenden Diskussion beteiligten sich außer dem Vorsitzenden die Kollegen Oppenheim-Rhina, Ochsenmann-Frankfurt, Schuster-Groß-Krotzenburg, Dr. Lange und Hirschberg-Frankfurt. L. Kaufmann-Sprendlingen. Es dürfte am Platze sein, im Anschlüsse an den Versammlungsbericht noch mit .einigen Worten auf die Bedeutung der vo'genommenen Statutenänderung und ihre Auswirkung einzugehen. Der Bund gfttzeslreuer jüdischer Lehrer hat seit seiner Gründung seine Ausgabe darin erblickt, die Belange des jüdischen Unterrichtswesens und der jüdischen Lehrerschaft im Geiste der Thauro zu vertreten. Um jeder Verwischung aus dem Wege zu gehen, hatte er in seinen Statuten die Sicherungsbestimmung festgelegt, daß seine Mitglieder ausschließlich in dem Bunde die Organisation zu erblicken haben, der allein das Recht zuzusprechen ist, die Interessen der aus dem Boden derstehenden Lehrer, sowie des gesetzestreuen Unterrichtswesens zu wahren. Die Entwicklung ist andere Wege gegangen. Sicherlich beeinflußt durch Momente, die außerhalb des religiösen Ideenkreises, nur auf dem Gebiete wirtschaftlicher Gestaltung zu suchen sind. Ein großer Teil der Mitglieder hat Anschluß beim Lehrerverbande gefunden. Man glaubt in der großen Organisation der zur Einheitlichkeit strebenden Lehrerschaft wirtschaftliche und Standesinteressen besser gewahrt und gefördert zu wissen. Man kann das verstehen, wenn man auch selbst den Uebertritt nicht mitgemacht, nicht milmachen konnte. Manche Kollegen sind durch Eintritt ihrer Landesvereine in den allgemeinen Lehrerverband vielfach gegen ihren Willen Mitglieder des Verbandes geworden, da ihnen aus persönlichen und wirtschaftlichen Gründen ein Austritt aus ihrem Vereine nicht tunlich erschien. Diejenigen, die aus der „Isolierung" auch heute noch nicht herauswollen, können jedoch auch ihrerseits für ihre Stellungnahme seitens ihrer gleichgesinnten Brüder volles Verständnis erwarten. Doch über den innerhalb der gesetzestreuen Lehrerschaft bestehenden Gegensatz in gemeinde- und verbandsvolitischer Beziehung heute zu reden, liegt nicht in unserer Absicht. Wir freuen uns, daß eine Plattform gefunden wurde, auf welcher sich die gesamte gesrtzestreue Lehrerschaft zusammengeschlossen, um vor allem die uns heiligen Güter, die aus der min uns zukommen und ai ops dibbo die zu wahren und zu hüten, uns reicher Gewinn ist, zu pflegen und zu fördern. Diese Plattform für sämtliche Lehrer, denen rivinpn nrvnn in ihrer ewig gütigen Norm das Primäre ist, ist der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer. Wir sind immer noch der Meinung, daß man ber dem himmelweiten Abstand der religiösen Anschauungen im Verbände wohl reine Standesangelegenheiten in Gemeinsamkeit mit andersgesinnten Kollegen erörtern und behandeln kann, daß jedoch das religiöse Moment das Kräutlein Rührmichnichtan ist, das die Geister scheidet und eine Behandlung von rein religiösen Fragen unmöglich macht. So ergibt sich für jeden Lehrer, dem die mm der Fels ist, an den die Fluten vergeblich branden, die Notwendigkeit der Erhaltung und Weiterführung unseres Bundes. So kam auch in der außerordentlichen Generalversammlung des Bundes, über welche wir hier berichten, einstimmig zum Ausdrucke, daß die Stellungnahme der Bundesmitglieder, sofern sie durch ein religiöses Motiv bedingt ist, durch keine anderweitige Bindung inhibiert wird. Wir wis'en, daß viele Kollegen in allen Teilen des Reiches die Streichung des Paragravh 5 mit Freuden begrüßen werden, da ihnen jetzt der Weg offen steht, der zum Bunde gesetzestreuer jüdischer Lehrer führt. Ist der Bund jetzt doch die Lehrerorganisation, di: orthodoxe Lehrer, sofern sie der Üeberzeugung sind, daß die religiösen Belange der gesetzestreuen Lehrerschaft nur in einer selbständigen Organisation vertreten werden können, sich im Bunde zusammenfinden werden zur Arbeit im Geiste und Dienste des gesetzestreuen Judentums, des Judentums des . min. So wollen wir unsere Ausführungen beenden mit demselben Worte, mit dem unser Bundesvorsihender, Herr Studienrat Munk, unsere außerordentliche Generalversammlung schloß: wn *rs v'n »aa Als Brüder gleicher Gesinnung und gleichen Wollens schließen wir uns zusammen in dem Bunde der gesetzestreuen Lehrerschaft. 'n cn'Libn naya -am Gerüstet ziehen wir einher vor Haschem. nr? Mische? Geist f" W in jüdischen Schulen. ~ 3 Teil: Der deutschkundlich^ Unterricht. ** (Alle Rechte Vorbehalten.) Von Studienrat Louis Rosenblatt in Kaiserslautern. (Schluß.) Die Aufsatzthemen schließlich aus allen Stufen teilweise dem jüdischen Gedanken- und Ideenkreis zu entnehmen, dürfte bei der Wahl des angegebenen Lesestoffes nicht schwer sein. Freilich sollen nicht alle Aufsätze rein jüdischen Inhalts sein, es genügt, wenn in jeder Klasse im Jahre 2—3 solcher Themen gestellt werden; da eignen sich, wenn auf der Unterstufe die Briefform behandelt wird, Roschhaschonohbriese an die Angehörigen, ferner Erlebnisaussätze aus allen Stufen (Freitagabend, Sederabend, Barmizwohsest, Gottesdienst am Verföhnungssest) Beschreibungen auf allen Stufen (Synagoge, Rembrandsche Bilder, sowie solche moderner jüdischer Künstler, wie Hermann Struck, Abel Panns), Gedankengänge von Psalmen und Prophetenabschnitten, bei allgemeinen Themen auch Berücksichtigung jüdischer Beispiele (z. B. bei Behandlung des Sprüchwortes „Fortes Fortuna adiuvat" als Beisoiel den Stamm Juda bei der Ueberschreitung des Schilfmeeres oder die Makkabäer, bei dem Worte „Der nicht geplagte Mensch wird nicht erzogen" als Erempla Abraham, Moses oder Daria) ferner historische Aussätze aus der jüdischen Geschichte (die jüdische Magna Charta (vgl. Hirsch' Ges. Schriften und 2. Buch Moses Kap. 12), Berufung Jesajas, Schilderung messianischer Zeit nach Jesajas, das Problem der Völkerversöhnung und andere. Es ist klar, daß in Kürze ein Problem wie „Jüdischer Geist im Deutschunterricht" nicht behandelt werden kann; es sollten hier auch nur Anregungen gegeben werden und verdankt die richtige Durchführung dirser Aufgabe viel der Geschicklichkeit des einzelnen Lehrers. Ohne Zwang und Schwierigkeit ergeben sich diesem aus der Jahreszeit, aus den Festzeiten und aus den Wochenabschnitten oft die besten Anknüpfungspunkte oder Anwendungen. „Wie du säst, so wirst du ernten", gilt auch hier im gewissen Sinn bei der geistigen Saat. Freilich wie jene von Frösten, Stürmen und Hageisch'ägen oft heimgesuchi wird, so ist auch unsere geistige Saat von vielen Gefahren bedroht. Wie es bei der Pflanze sehr viel aus den Boden ankommt, dem sie entsprießt, so hängt auch ber unseren Schülern viel davon ab, welchem Hause sie entstammen und in welcher Umgebung sie aufwachsen. Nur wenn Elternhaus und Schule gemeinsame Ziele haben und sich gegenseitig unterstützen, ist einigermaßen gute Saat zu erhoffen. Und trotz diesen günstigsten Voraussetzungen bleibt für das einzelne Individuum doch noch die schwerste Arbeit, sich selbst Emunoh, wahre und reine Gottesfurcht, zu erwerben. Alles gewährt Hafchem seinen Geschöpfen freiwillig, nur zur Gottesfurcht muß sich der einzelne selbst durchringen. Doch können Elternhaus und Schule durch Vorbild und Lehren den jungen Menschen zur tiefsten aller Wahrheiten bringen: „Fürchte Gott und halte seine Gebote!" Zur Frage der jüdischen Lehrerbildung im Hinblick auf die Zukunft unserer Landgemeinden. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink in Berlin-Wilmersdorf. (Fortsetzung.) Von der Akademifierung des Standes jüdischer Volksschuil- oder gar noch der Religionslehrer obendrein verspreche ich mir nach der Richtung hin so gut wie gar nichts. Eher noch einen Rückschlag ins Schlimmere. Stimmen, wie die des Lehrers Wallach in Aachen, die auf eine völlige Abschaffung des Unterrichts im Hebräischen hindrängen — da er doch nun einmal ohne Ergebnis abschneidet — dürften dann die Regel bilden. Wie bereits erwähnt, — ist der Studiengang der zünftigen akademisievten Bolksfchuklehrer mit BiW-ungsftoffen üboriladen. Beim besten Willen selbst wird den jüdischen Dingen nicht mehr als die Stellung eines untergeordneten Nebenfaches Vorbehalten bleiben. Welch' eine Not wirb sich hieraus für die Gemeinden ergeben! Welch schreckliche Not sich hieraus für die betreffenden Stelleninhaber erst gestalten! Diese letzteren werden zwar über ein sehr bedeutendes Wissen und Können verfügen. Für i sie wird aber im gegebenen Falle eine Verwendung sich; nicht bieten! Dasjenige, was von ihnen gefordert und-_ erwartet wird, — dem werden sie wieder mehr od^f & & 3 er 3 © 3 © g