Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1930)
- Date
- 1930-01-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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23. Januar 1930 Der Israelit Nr. 4. Seite 9 Ich denke, daß Sie angesichts der alarmierenden Berichte in der Presse diese Feststellungen gerne von mir hören werden." Der Präsident der-JCA (Jewish Colonisation Association), Sir Leonard L. Cohen, berichtete kurz über die letzte Sitzung des Rates, der JCA in Paris und teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß die politischen Verhältnisse in Rußland dem Rat der JCA eine gewisse Besorgnis verursachen. „Gegenwärtig," sagte er, „sind die Aussichten außerordentlich trübe. Wir müssen das Beste erhoffen. Auf eine Frage des Rabbi Dr. S. Laiches antwortend, sagte Sir Leonard L. Cohen, „daß er Einzelheiten nicht mitteilen könne. Je weniger man im gegenwärtigen Augenblick über diese Dinge spreche, desto besser sei es." Der Vorsitzende der Anglo Jewish Association, Leonard G. Montefiore und eines ihrer ältesten Mitglieder, Sir Edward Stern, beglückwünschten in warmen Worten Sir Leonard L. Cohen zu der hohen Auszeichnung, die ihm in der letzten Ernennungsliste vom König gewährt worden ist. Nach kurzen Dankesworten Sir Leonards begrüßte der Präsident den neuen Vorsitzenden des Exekutive Committee der Anglo Jewish Association Leonard Stein (bis vor kurzem Sekretär der Zionistischen Exekutive) anläßlich seines Eintritts in Dieses Amt ats Nachfolger des verstorbenen Joseph Prag. Leonard Stein erstattete den Bericht des Exekutive Committee und gab Aufschlüsse über die E v e l i n a de Rothschild-Schule in Jerusalem, die er in den letzten Wochen besucht hat. Trotz der. unruhigen Zeit, die Palästina durchgemacht hat, berichtete er, setzt die Schule ihre Tätigkeit normal fort, und der Besuch ist im Wesentlichen nicht beeinträchtigt worden. Er berichtete noch über die Schwierigkeit der Zweni-Sprachen-Frage in der Schule, die auch die Aufmerksamkeit des Regierungsdepartements für Erziehung auf sich lenkt. Alle Anstrengungen sind gemacht worden und werden weiter gemacht, sagte er, um die Ansprüche des Hebräischen und des Englischen in Einklang zu bringen. Amerika. Der amerikanische Kongreß zu den Religionsverfolgungen in Rußland. N e w y o r k, 17. Jan. Samuel D i ck st e i n , der jüdische Vertreter von Newyork im Kongreß der Vereinigten Staaten, erhob in seiner im Kongreß am 15. Januar gehaltenen Rede schwere Vorwürfe gegen die Sowjetmacht wegen der Verfolgung aller Fornren der religiösen Hebung in den Sowjetländern. Rabbiner und Geistliche werden in die Verbannung geschickt, weil sie religiösen Unterricht erteilen. Solche Verhältnisse schlagen der Zivilisation ins Gesicht. Amerikanisches Geld hat zur Gesundung Rußlands beigetragen, aber Amerika werde in seiner Hilfe für Rußland nicht sortfahren, wenn die Verfolgung der Religion fortgesetzt wird. (ITA.) Rumänien. Der Kongreß der lranssylvanischen Orthodoxie. Des, 15. Jan. Ein am 7. Januar-hi^r zusammengetretener Kongreß der orthodoxen Rabbinen Transsylvaniens befaßte sich unter Vorsitz bon Rabbiner Wesel aus Torda mit den vielfachen- Streitigkeiten, die in der letzten Zeit in den orthodox organisierten Gemeinden Transsylvaniens entstanden sind. Die Versammlung beschloß, daß in jedem Fall unterschieden werden muß zwischen Trennungsbestrebungen, die sich auf religiöse Bedenken gegen die Institutionen einer Gemeinde oder die Führung der Gemeinde stützen, und solchen separatistischen Bestrebungen, die auf persönlichen Gegensätzen beruhen. Um hierin Klarheit zu schaffen, ist jeder Streitfall dem Rabbinischen Rat der Kanzlei vorzulegen. Werden religiöse Bedenken als berechtigt anerkannt, so ist die Teilung zulässig und das Besdin bestimmt dann, ob die Muttergemeinde, nachdem die Orthodoxen ausgeschieden sind, innerhalb der orthodoxen Organisation verbleiben kann. Dagegen wird jede Gemeindetrennung, die nach dem eigenen Urteil-Don Gemeindemitgliedern vorgenommen und nicht durch das Urteil des Besdin bei der Kanzlei gebilligt ist)-einem strengen Jffur unterstellt. Tser Kongreß beschäftigte sich dann noch mit der Frage der Amtsdauer des Kanzleivorsitzenden und entschied, daß vorläufig-die Bestimmungen des alten Ungarischen Statuts maßgebend sind, wonach die Wahl des Präses lebenslängliche Geltung hat. Personalien. Luzern, 13. Jan. Ein imposanter Trauerzug bewegte sich letzten Mittwoch zum jüdischen Friedhof. Von nah und fern kamen die vielen Verwandten und Bekannten, um ihrem unvergeßlichen Freunde Benjamin Rosenblatt die letzte Ehre zu erweisen. Der Verblichene war der Sohn der bekannten Soser Herz Rosenblatt in Fürth und lebte getreu den jüdischen Traditionen als braver und frommer Jehudi. Nach Absolvierung der Bürgerschule in Fürth kam er im Jahre 1889 nach Luzern und gründete nach seiner Verheiratung mit Jeanette geb. Berg im Jahre 1902 die in weiten Kreisen bekannte Pension Rosenblatt. Herr Rosenblatt hatte für jeden ein gutes Wort und betätigte in seinem Leben , den Spruch unserer Weisen: Dipsn m an» r-vp-on ntt Durch sein vornehmes und freundliches Wesen konnte er sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen. In den letzten Jahren wurde er von einem tückischen Leiden heimgesucht. Sein nie versagender Humor verließ ihn selbst in den schweren Stunden seines Leidens nicht und durch seinen Witz vermochte er seine Umgebung von seiner Krankheit hinwegtäuschen. Aufopfernde Pflege von seiten seiner besorgten Gatttin und Kinder und ärztliche Kunst vermochten das Unvermeidliche nicht aufzuhalten. — An der Bahre widmete Herr Rabbiner- Brom dem Entschlafenen herzliche Worte des Abschiedes. Alle, die Freund Rosenblatt kannten, werden ihm ein gutes Andenken bewahren. Möge der Vater der Witwen und Waisen der schwerbetroffenen Familie beistehen und ihren herben Schmerz durch seinen lindernden Trost mildern. rraxan- L. B. Crai sheim, 15. Januar. Eine ehrwürdige Greisin, eine Zierde unserer Gemeinde, haben wir zu Grabe getragen. Frau Bertha Landauer hat im Alter von 82 Jahren das Zeitliche Gesegnet. Sowohl in der Gemeinde Michelbach an der Lücke, wo sie 50 Jahre gelebt hat, als auch hier, hat sie die größte Liebe und Verehrung genossen. Sie war Mutter von sieben Kindern, welchen sie eine ausgezeichnete Erziehung zuteil werden ließ und welche das Alter der Mutter nach Kräften verschönt haben. Bis wenige Monate vor ihrem Tode wurde Frau Landauer wegen ihrer Rüstigkeit und ihrer Eeistesfrische allgemein bewundert. Ihr lebhafter Geist erfaßte alles Moderne, ohne daß sie dabei den Weg ihres strengen Glaubens und ihres rituellen Lebenswandels verlassen hätte. — Ihr Haus war immer ein Zufluchtsort für Arme und Sorgenvolle und viele derselben werden ihrer stillen Wohltäterin Tränen der Dankbarkeit nachweinen. Ihr Andenken verbleibe im Segen.N"n22.n-M. St. Schmieheim (Baden), 14. Jan. Seit 50 Jahren wirkt Herr Kantor und Lehrer Bloch im Dienste seines Berufs. Seit 45 Jahren versieht er in hiesiger Gemeinde sein Amt. Er genießt allgemein großes Vertrauen und Entgegenkommen, sodaß ihm seine Gemeinde vor einigen Tagen sein 50jähriges Amtsjubiläum zu ei-em wahren Festtag gestaltete. Zahlreich versammelten sich seine Gemeindemitglieder in der Synagoge, wo ein Festgottesdienst abgehalten wurde. He-r Stadtrabbiner Dr. Schiff aus Karlsruhe gab ein herrliches Bild von den Verdiensten, welche der verehrte Jubilar sich im Dienste der Landessynagoge, im Dienste seiner Gemeinde und nicht zuletzt im Dienste der Menschheit erworben hat. Seit 45 Jahren wirkt er in hiesiger Gemeinde mit als Kantor. Er versteht es. wie wenige, in bezaubernder Weise seine Zuhörer zu fesseln, in inniger Weise den Mittler zwischen ’-pn und seiner nV’nj? zu stellen. In Anerkennung seiner Verdienste in der Landessynagoge, ließ ihm der Oberrat der Israeliten in Karlsruhe durch Herrn Vezirksältesten Weil ein Ehrengeschenk, eine Ehrenurkunde mit einem Diplom überreichen. Seine Kollegen waren ebenfalls zahlreich erschienen und feierten ihn - in herrlichen Gesängen. "Seine Gemeinde und selbst seine Schüler überreichten unter warmen Worten der Ehrerbietung und Wertschätzung sinnige Geschenke. .— Möge ’-pn dem Jubilar »"»y Kraft verleihen,.um sein heiliges Amt weiter ausüben zu können! Sch. Mosbach (Badens 19. Jan. Unter einer außerordentlichen Teilnahme von nah und Fern wurde am Montag, 20. Januar, Frau Pauline E i s e m a n n zur letzten Ruhe gebettet. Unsere alttehrwürdige Gemeinde verliert in der -Verblichenen eine wahrhaft tugendhafte, tief religiöse Frau ,die all ihre Kraft der .man»'? und demwahren Merschentum weihte. Insbesondere betrauert unser Frauenverein dnsm unersetzlichen VeUust, da die Verklärte zu dessen eifrigsten und tätigsten Mitgliedern gezähltt hat. Herr Bezirlsrabbiner Greilshcimer widmete der Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf. Möge der Allgütige die vollverwaisten Kinder ob des herben Geschickes trösten. rrasan- Königstein, 20. Jan. Bei den Wahlen in das Stadtparlament wurde Herr Restaurateur Adolf Heß als Magistratsfchöffe gewählt. , Lindhsim (Oberhessen), 18. Jan. Am 8. Kislew verschied die in weiten Kreisen angesrhene und hochgeachtete Frau Berta Schuster im Alter von,79 Jahren. Die Verblichene zeichnete sich durch außerordentliche Frömmigkeit und großes Gottvertrauen aus. Weit über ihre engere Heimat hinaus war ihr Eemilus Chefed bekannt und hat sie - viel No.ll und Kummer in vornehmer verschwiegener Weise gelindert. In ergreifenden Worten zeichnete Herr Provinzialrabbiner Dr. Lahn aus Fulda ein lebenswahres Charakterbild der Verblichenen. Auch Herr Rechtsanwalt Dr. Heinemann aus Fulda rief seiner langjährigen Freundin herzliche Abschiedsworte nach. Die gesamte jüdische und fast die gesamte nichtjüdische Ortsbevölkerung gab der Verblichenen das letzte Geleite, und kann man daraus ersehen, welch große Wertschätzung und welch großes Ansehen die Verblichene in allen Kreisen genossen hat. fräsen. Vermischtes. Subotica, 15. Jan. Mittwoch, am 6. Chanuckatage, wurde die von Herrn Jgnac Großberger und Frau gestiftete nun Ivo in hiesiger Gemeinde eingeweiht. Die ganze hiesige Gemeinde und auch von Nachbargemeinden waren viele Gäste gekommen, um der Festlichkeit beiwohnen zu können. Nachdem die n"o zur Synagoge gebracht worden war, sang Herr Oberkantor Brandsdorfer mit seiner schönen dramatischen Tenorstimme, mit dem von ihm dirigierten Knabenchor sehr schön tan yiiu und D-njm mv. Dann bestieg Sr. Ehrw. Herr Oberrabbiner Moses Deutsch die Kanzel und hielt eine schwungvolle, an Inhalt und Form meisterhafte nvii. die alle Anwesenden in spannender Auhnerksamkeit hielt; er beleuchtete die 12N2 nnn niü» und legte dar, was dir mn uns war, ist und was sie uns sein soll, daß dir Verehrung der nun nicht äußerlich allein, sondern auch in Innern des.Herzens stattzufinden habe und zwar dadurch^ daß wir und unsere Kinder nach dem Geiste der nun leben. Nach mna sang unser pn Brandsdorfer mit Chor UL ny» unter allgemeinem Beifall. Ein abends stattgefundenes Festbankett, wo auch sehr schöne n-n gesprochen wurden, bildete den Schluß der schönen Feier. Berlin» 19. Jan. Die Agudath Israel-Ortsgruppe Berlin veranstaltet im Tewes bis Siwan 5690, Januar bis Mai 1930, verschiedene Vorträge. GroßStrehlilz (O.-Sch.), 15. Jan. Am hiesigen Platz wäre eine gutgehende Zahnarztpraxis abzugeben, die für einen religiösen Zahnarzt sehr geeignet wäre. Newyork, 5. Jan. Seit Beginn des Jahres erscheint hier unter dem Namen „Jüdischer Zeitgeist" eine Monatsschrift, die speziell den deutschen Juden in Amerika die sie interessierenden Nachrichten aus der deutschen Heimat bringen soll. Die uns vorliegende erste Nummer ist reich ausgestattet. Oie glückliche Geburt eines Knaben zeigen hocherfreut an '•ERWIN OSCHER STROH und FRAU Eva geb. Lange Wien II, 23. Januar 1930 Obere Augartenstraße 64/3 /'st a 11 Karten Für die zahlreichen Aufmerksamkeiten zur Barmizwoh unseres Sohnes Josef, danken, auch in seinem Namen ^ARON AUERBACH und FRAU Helene geh. Posen^ Zur Fertigstellung des Neubaues Kleine Obermai nftraße9 wird ganz oder geteilt Geboten: 3X4 Zimmerwohnung, Zentr. Heizung. all. Komf. 1X3 Zimmerwoynung, ..; „ : 1X2 Zimnr. Wohn. und Ladenlokal. per 1. 4.1930 Angebote an A. Rübenach, Obermainanlage 11 part. Suche für meine Tochter» 20 Jahre alt, eine Stelle als Stütze der Hausfrau, wo Dienstmädchen vorhanden, od.zu Kindern mit Fam.-Anschl. 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