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Der Israelit · 1930-01-16 · Heft 3 (16.1.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 3 (16.1.1930)
Date
1930-01-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 3 Der Israelit 16. Januar -1930 - Ungarn. Adolf Frankl, gewähltes Oberhausmitglied. cz.— Budapest, 12. Jan. . Unter Teilnahme sämtlicher Vertreter der orthodoxen Judenheit des ganzen Landes hat dieser Tage im Prunksaale der orthodoxen Gemeinde die Wahl für die Vertretung der Orthodoxie-im ungarischen Magnatenhause anstelle des verewigten Oberrabbiners Koppel Reicher stattgefunden. Obwohl sämtliche Faktoren sich vorher geeinigt hatten, den Präsidenten der Landeskanzlei, Adolf Frankl, der lediglich zu diesem Zwecke von der Budapest.er orthdoren Gemeinde als Rabbiner gewählt wurde, mit dieser staatsrechtlichen Würde zu betrauen, mußten die Elektoren im Sinne des Gesetzes auch zwei andere Kandidaten für diese Wahl nominieren. Es waren dies die Oberrabbiner Straffer Debrecen und Rosenbaum Kisvarda. Die beiden letztgenannten erhielten von den 175, Wahlberechtigten 11 bezw. 10 Stimmen; für Adolf Frankl wurden 154 Stimmen abgegeben. Eine Deputation, unter Führung des Vorsitzenden, Vizepräsidenten L. Hartstein, begab sich in die Wohnung des Neugewählten, um ihm das Mandat zu überreichen und ihn feierlich einzuholen. „Ein Vierteljahrhundert — sagte: der Redner — arbeiten wir zusammen im Dienste unserer Konfession. Mit Gottes Hilfe haben wir all,es erreicht, was wir uns als Ziel gesteckt halten', Unsere Autonomie ist gefestigt,- deren Unantastbarkeit auch von den Brüdern des anderen Lagers bereitwilligst anerkannt. Grotze Ausgaben harren Deiner in den Hallen der Gesetzgebung. Für die Interessen der Orthodoxie, für das gesamte ungarische Judentum, in diesem schweren Zeitalter, welches soviel Weh und Leiden in seinem Schatze tragt." Der Neugewählte dankte gerührt für die grotze Ehrung und entwickelte sein Programm. Er brauche nicht zu versichern, datz er unentwegt auf dem Standpunkt der autonomen Organisation stehe. Er baue weiter auf wann nm auf rna-, und “pix- Mit meiner Tätigkeit stehe ich auch im Dienste unseres Vaterlandes. Ein patriotisches Bekenntnis in dieser Hinsicht abzugeben, halte er für überflüssig. „Mit freudiger Genugtuung möchte ich in dieser feierlichen Stunde noch betonen — sagte er am Schlüsse seiner Programmrede — datz zwischen uns und der Landesorganifation der Kongretzgemeinden, bezw. meinem Kollegen, dem illustren Präsidenten Baron Kohner — seitdem drüben unsere Autonomie rückhaltlos anerkannt wurde — die besten Beziehungen, bei gegenseitigem Verständnis sich entwickelt haben,-welches gute Verhältnis es ermöglicht, in gemeinsamen konfessionellen Angelegenheiten, einheitlich und zusammen zu Händeln. Ich hoffe, datz dieses gute Verhältnis auch in Zukunft bestehchi wird." Dem Sitzungsleiter und Mitpräsidenten L. H a r tst e i n , sowie dem Kanzleianwalt Dr. Reiner spricht der Neugewählte seinen besonderen Dank aus für die treue Md anhängliche Mitarbeit. Nach den Reden der Oberrabbiner Strafser und Rosenbaum erhob sich auf allgemeines Verlangen der Reichstagsabgeordnete G. D e f i, der auch führendes Vorstandsmitglied der Budapester Neologengemeinde ist und führte etwa folgendes aus: „Lediglich als Gast bin §/ich in diesen illustren Kreis hineingeraten. Ich legitimiere mich aber auch als Abgesandter .meiner orthodoxem Heimatsgemeinde. Ich begrüße den edlen Sproß der berühmten Familie Frankl, meinen väterlichen Freund Adolf Frankl. Meine tiefe Huldigung entbiete ich den illustren Vertretern Unserer Landesorthodorie. Mein Pietätsgefühl sagt mir, welch wichtiger Teil des ungarischen Judentums, der ungarischen Nation in unserer Orthodoxie vereinigt ist. Für Ihren Glauben und für Ihr Vaterland sind Sie zu allem bereit. Sie haben heute den Würdigsten in Ihrer Mitte für. die staatsrechtliche . Würde der Konfession gewählt. Ich begrüße Sie zu dieser glücklichen Wähl und begrüße den neuen Gesetzgeber mit der Bitte, er möge meine bescheidene Mitarbeit gerne ' entgegennehmen, er möge über mich auch in Zukunft verfügen. In dieser feierlichen Stunde biete ich auch der Eesamtorthodoxie, diesem hervorragenden, erleuchteten und hochsinnigen Teile des Judentums meine Dienste an. Die Konfession hat in den jüngsten Jahrzehnten viel Leid erfahren. Möge Ihren Nachfahren, Ihren Kindern ein schöneres Leben befchieden sein!" Diesen spontanen Ausdruck der Anhänglichkeit und Bruderliebe hat die Versammlung mit begeisterten Eljen- Rufen honoriert. Aus allen Teilen des Landes und auch aus dem Auslande laufen Begrüßungenan den Gefeierten ein. Die Jerusalemer Waad Hair Hoaschkenasi, deren Ehrenmitglied der ' .Gefeierte ist, hat in einem warmen Begrüßungsschreiben'seiner freudigen Genugtuung.über diese Auszeichnung wärmsten Ausdruck verliehen^ Die Verifizierung dieser Wahl durch das Oberhaus erfolgt in den nächsten Tagen. Neuwahl der Landesverlretung der ungarischen orthodoxen Iudenheit. Budapest, 10. Jan. ~ . Heute Nachmittag hat die zweitägige Wahlkampagne, die dazu berufen war, der orthodoxen Judenheil des Landes ihre neue Vertretungskörperschaft zu geben, ihren Abschluß gesunden. Sechzig Laienmitglieder und vierzig rabbinische Mitglieder sollten neu gewählt werden. Die offiziellen . Listen wurden fast' unverändert zum Siejge geführt. In Budapest wurden u. a. die Brüder Abraham, Leopold und David v. Freudiger gewählt, Karl v. Freudiger nur als Ersatzmitglied. Weitere Budapester Vertreter sind: Stadtrepräsentant Desider Krem, Schuldirektor Dr. Deutsch, . Markus Klein, Kahn, Frankl, Geza Deutsch, Adolf Schlesinger u. a. Die meisten (stimmen erhielt Samuel Bernfeld (Debrecen). Die rabbinischen Mitglieder der Leitung sind en bloc durchgegangen, wie sie von der Kandidierungskommission; yorgeschlagen würden. Ferner wurden einstimmig zu Ehrenmitgliedern gewählt: die Oberrabbiner Benedikt (Szemnathely), Grünfeld (Büdszentmihaly), Silberstein (Vac), Schreiber (Eger) und Winkler (Hegyaljamat). Tschechoslowakei. Der Ieschiwo-Tag in Pretzburg. Preßburg, 10l Jan. Es war ein großer Tag dieser 15. Kislew. Wahrlich wert festgehalten zu werden mit seinen machtvoll erhebenden Eindrücken, mit seinen min-tiesen Empfindungen. Und es ist nicht unnütze Zeitvergeudung, ihn nochmals zu durchleben, solange alle Einzelheiten noch lebendig in uns nachwirken. Ein solcher Tag, er kommt nicht so schnell wieder. Er bedeutet eipe mächtige, überwältigende Kundgebung für die Ehre der nempn min,...für bte Liebe zum m->inn ii«rt>— Hätten wir auch nichts vernommen aus dem Münde der-Großen in Jisroel, die'in beredten, hinreißenden Worten das Lebensbild ihres gottbegnadeten Lehrers und Meisters vor unseren Augen erstehen ließen; nichts von den Gefühlen der Dankbarkeit und der. tiefen Verehrung für den Born, aus dem sie geschöpft und ihren Durst gestillt, — hätte er uns nichts anderes gebracht, als den einzigartigen N Anblick der Hunderte von Männern^n?^52i c>iZ2»>-die mit sichtlicher innerer Gehobenheit, freudig leuchtenden Auges hinanschritten zur Bergeshöhe ihrer ihnen liebgewordenen heiligen Moriahstätte — nsnn tmTaptttp — bies allein hätte uns schon tiefbewegt ausrufen lassen müssen: T-»-»“iw mvi nt Als wir dichtgedrängt das Almemor des großen rioaan ma umstehen, auf welchem die ehrwürdige Gestalt ii«LN fi» in der althergebrachten Tracht des Schiurlernens erscheint, da sind Raum und Zeit vorschwunden vor unserem Auge; wir wähnen uns zurückversetzt in die Tage unserer glücklichen Jugend und wir werden nun den, ersten S'man-Schiur mit dem mmns -Vortrage einleiten hören. Sein Wort ertönt. War dies nicht unsere eigene Herzensstimme? — Nein — der Rebbe spricht; aber unsere Herzen sprechen mit .Jedes Wort fügt sich ein in den Rahmen unserer Seelenstimmung. Es schwingt sich von ihm zu uns und von und zu ihm. Draußen am 2"nn n»a schilderten dann zwei meisterhafte Redner, — die ehrw. Rabbonim von Esorna und Raab — Leben und Wirken ihres großen Lehrers, des ‘»"ST -iDiD vav. Andächtig und in tiefer Ergriffenheit lauschten die zahlreichen Zuhörer ihren begeisternden Worten. Kein Auge blieb trocken, als an der Hand der Gemoro (Chullin Fol. 6Ob) des Zaddiks Wert und Bedeutung für die Welterhaltung uns dargelegt wurde; Die Lewono scheint untröstlich, weil sie nur svpn ninvn genannt wird. 121 lvpn i>ni!2V zvpn 2pv' 1'»V2 '->?> lautet Haschems Trostspruch: Dw großen, nützlichen Werke für der, Menschen Wohl und Glück auf Erden entstehen größtenteils unter dem Lichte der Sonne. Des Nachts-aber schläft und ruht alles geistige und physische Schaffen. Warum sollen nicht auch unter einem Lewono-Lichte menschheitsbeglückende, heilbringende Werke getätigt.werden? Anseiner Jahrzeit tagt darum dieser, Jeschiwotag, _ der alle gewesenen Talmidim zu einerinnigen Vereinigung zusammenschließen? soll — wie weit immer Die Verhältnisseauch räumlich voneinander sie trennen Mögen'. — Es soll ein- „Hisachdus", ein Einswerden^von 6er Zusammen-'-: kunft ausgehen, das in wahrem Verbundensein und in treuer Verbrüderung zueinander, in -jeder Hinsicht, upd bei jeder ' sich ' darbietenden Gelegenheitsegensvoll in Erscheinung trete, auf daß alle vonselbst zu einer unlöslichen Zw-- , sammengehörigkeit und ersprießlichen Zusammenarbeit zum , weiterem Ausbau ihrer alten „Ie fchi w o hora.m ö" die Hände, sich reichen, ' daß sie gedeihe- und. erblühe - und in ihrer ganzen Herrlichkeit sich entfalte mmni nin pit»nV Eine Landeskanzler für die Osislowakei. . - Brat isla o a, 7. Jan.. - . Wie die Blätter melden,' hat in Uz hör od unter. : Vorsitz des Deputierten. Dr. Kr o m eine Versammlung stattgefunden> in der über die Organisation der o r tho boxen G e me in d e n in Karpato-Rußland beraten wurde. Es handelt sich um die Frage, ob man in Uzhorod ' eine selbständige orthodoxe Landes- - kanzlei ^begründen oder sich der. Landeskanzle: in - Bratislava anschließen und sich "mit einer' Erpositur in Uzhorod begnügen soll. Voraussetzung für däs Ganze war die Aussöhnung zwischen H ü st und. M u n k a c z, die glücklicherweise erreicht worden ist. In der Hauptfrage wurde alsdann beschlossen selbständig vorzügehen und eine -eigene orthodoxe Landeskanzlei in Uz-, horod für' das Ostgebiet zu errichten. Mit. der Ausarbeitung der Statuten find Rabbiner S p u a - Munkay und Rabbiner Dufchinsky-Hust betraut worden. So erfreulich die Zusammenarbeit dieser beiden Männer ist, so muß^man doch feststellen, daß die Errichtung, einer selbständigen Kanzlei für: dieses Gebiet eine Schwächung der Stoßkraft der Orthodoxie ..bedeutet. - Die kulturellen Nuancierungen, die zweifellos zwischen dem Osten und dem Westen vorhanden sind, hätten kein Hindernis für die Wahrung der Einheitlichkeit bilden dürfen.. ' Polen. Der Sabbat im Expedilionsgefchäfk. ■ Warschau, 10. Jan. Aus Bemühen des „Zentralverbandes der Sabbatfreunde in Polen" wurde ein Abkommen mit. den jüdischen Erpeditionsgeschäften in Warschau, Lodz, Baronowicz und anderen Städten zustande gebracht, danach nunmehr von; . diesen jüdischen Firmen keine W ar en m eh r am - o ber zu S a b b a t exp ediert wer d e n. In einem Rundschreiben an die Kundschaft wird diese von dem Firmen gebeten, den Beschluß zur Kenntnis zu nehmen und- ' ihn in "feiner Ausführung zu fördern. Die Schechita-Bill in England. London, 10. Jan. Die „Union orthodoxer jüdischer Gemeinden" m London hat den Board of Deputies aufgefordert, einL Aenderung der in dem neuen. Schlachthofgesetz vorgesehenen Bestimmung zum Schutze des Schächtens vorzunehmen.. Vorgesehen ist bisher, daß sämtliche Schochtim, die zugelassen werden sollen, einer Ermächtigung des Chief Rabbi, bedürfen. Die Union macht darauf aufmerksam, daß eine olche Regelung, die einer einzelnen Persönlichkeit das Monopol für die Ausstellung von Bescheinigungen überträgt, gänzlich ohne Vorbild in der jüdischen Geschichte. 'ei und . der Gerechtigkeit widerspräche. Andererseits können natürlich.auch der Behörde nicht zügemutet werden, selbst zu prüfen, ob die Autorisation des Schochets in Ordnung, geht. Die Union schlägt' daher vor, zu bestimmen, daß, zugelassen sei „jeder Schachet,: der eine Bescheinigung des Präsidenten des Board of Deputies vorzeigen kann".' In - dieser Bescheinigung muß beurkundet sein, daß „der Inhckber von dem Rabbiner einer im Bord of Deputies vertretenen Gemeinde die ordnungsmäßige Autorisation erhalten hat". Hoffentlich wird dieser Vorschlag vom Board of Deputies und vom Chief Rabbi als felbstver-- stündlich angenommen werden, damit die Union nicht gezwungen ist, die im Interesse des orthodoxen Judentums > r unerläßlichen -Forderungen selber den parlamentarisches.- Instanzen gegenüber zu vertreten. Eine derartige -. Auseinandersetzung zwischen zwei jüdischen Stellen wäre na»- türlich höchst unerwünscht.

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