Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1930)
- Date
- 1930-01-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450600-2450603--76624-2534211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 3 Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Südwestdeutsche Bezirkstagung des orthodoxen Rabbinerverbandes. Frankfurt a. M., 12. Jan. Unter starker Beteiligung der Mitglieder fand Montag, den 6. Teweth, zum ersten Male eine südwestdeutsche Bezirkstagung des Orthodoxen Rabbinerverbandes in Frankfurt a. M. statt. Hauptgegenstand der Verhandlungen bildeten eine Reihe aktueller halachischer Fragen, über welche im einzelnen die Herren Rabbiner Josef Ho - r o v i tz - Frankfurt a .M„ Rabbiner Jonathan Horov i c z - Jerusalem-Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Ans - Lacher- Wiesbaden referierten. Die Referate, welche sich vor allem auf Fragen des jüdischen Eherechts und auf Spezialprobleme des synagogalen Gottesdienstes sowie einiger neuerer Arznei- und Genußmittel erstreckten, werden sämtlichen Mitgliedern des Orthodoxen Rabbinerverbandes zugehen. Das soeben^erschienene Werk des Gründers des Orthodoxen Rabbmerverbandes, Rabbiner Dr. Salomon Breuer s. A.,' „Belehrung und Mahnung" Teil I, ist für Mitglieder des Orthodoxen Rabbinerverbandes mit einer Ermäßigung von 25 Prozent erhältlich (broschiert M. 3.15, in Leinwand M. 4.30). Diesbezügliche Bestellungen sind ausschließlich an den Schriftführer, Herrn Rabbiner Dr. M e r z b a ch - Darmstadt zu richten. Eine Kundgebung des Jüdischen Ariedensbundes. Berlin, 13. Jan. Am Sonntag nachmittag veranstaltete der Jüdische Friedensbund eine Massenkundgebung in der Hochschule für Musik. Der große Saal war voll geMt von Menschen aus allen Schichten. Den Vorsitz führte Dir. Oskar Wassermann, der die Versammlung begrüßte . Darauf sprach der Romandichter Lion Feuchtw a n g e r. Er ist der merkwürdigen Meinung, daß man sich bei dem Kriege gegen den Krieg nicht aus die Bibel berufe. Als Eegenwartsmenschen müßten wir.für den Frieden kämpfen, und die Juden zu allererst, weil sie unter den Kriegen am meisten zu leiden haben. Herr Dr. Alfred N o s si g, der Initiator des Bundes, wünscht eine methodische Erziehung der Jugend zur Friedensliebe. Aehnlich äußert sich Rabbiner Dr. Prinz. Darauf ergreift unter Jubel der Versammlung Albert E i n st e i n das Wort . Der Geist sei die beste Waffe, das habe das Judentum in seiner langen Geschichte Hermesen. Der Friedensbewegung, die heute durch die bessere Menschheit geht, müßten wir Juden unsere tausendjährige Erfahrung zur Verfügung stellen. Aus dem Kriegsbudget der Völker werde ein Friedensbudget. . , Frau Rabbiner Dr .Eschelbach er appelliert an die Mütter und Oskar Wassermann hält das Schlußwort, in dem er alle Anregungen zusammensaßt und sich besonders dem Appell an'die Jugend anschließt. Enquete der deutschen Landeszentrale'des. Weltverbandes Schomre Schabbos. Berlin, 10. Januar. In der Verwirklichung des Arbeitspwgramms, nach dem der Weltverband Schomre Schabbos nicht lediglich den Sabbat vor Entweihung schützen, sondern auch positive Wege und Möglichkeiten zu seiner Heiligung schaffen will, hat die deutsche Landeszentrale des Weltverbandes eine großzügige Aktion unternommen, um sowohl Niederlassungsmöglichkeiten für jüdische Kausleute, Handwerker und Angehörige der freien Berufe in der Provinz zu ermitteln, als auch Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Arbeitnehmer festzustellen. Diese Unternehmung hat eine durchaus befriedigendes Resultat gezeitigt, so daß der Weltverband Schomre Schabbos auf Grund desselben in der Lage ist, eine Reihe von Eristenzmöglichkeiten unter voller Wahrung des Sabbatgesetzes nachzuweisen. Aus der Repräsenkanlenversammlung. Berlin, 10. Jan. In der Repräsentantensitzung der Jüdischen Gemeinde Berlin am Donnerstag, den 9. Januar, abends, wurde D-e r Israelit 16. Januar 1930 zunächst das bisherige Büro wiedergewählt. Den größten Raum nimmt die Beratung eines Antrages von Dr. F l e i s ch er (lib.) ein, der vom Gemeindevorstand die Benutzung der religiösen sozialen und historischen Bestrebungen dienenden Eemeindeinstitutionen zu Abwehrzwecken verlangt. Trotz aller Abwehrmaßnahmen schreitet — so führt der Antragsteller aus — die Entfremdung der Juden gegenüber der Umwelt fort, und die abenteuerlichsten Vorstellungen von Juden und jüdischer Lehre greifen Platz. Leistet der Z.-V. die politische und Rechtsschutzarbeit, so muß die Gemeinde als öffentlich-rechtliches Körperschaft durch Aufzeigung jüdischer Leistung in ihren Institutionen der religiösen Abwehr dienen. Redakteur W a l d m a n n (Volkspartei) begrüßt die Ausweitung der Gemeindearbeit gerade auf Initiative eines Liberalen. Die beste Abwehr sei jüdische Leistung in der Welt, vor allem seine Selbstachtung wieder.;— Goslar (Volkspartei) und Rosenthal (lib.) verweisen aus die Gefahren der antireligiösen Kommunistenpropaganda unter der jüdischen Jugend. Sie fordert insbesondere, daß alle Tagesereignisse vor der Welt vom Standpunkt des Judentums behandelt werden müßten. So werde man auch erst den Juden zeigen, wie alle so „neuen" Ideen urjüdisches Gut seien, der Jugend beweisen, daß die Lebensarbeit eines Marx, Lassalle und Bernstein nur habe entstehen können aus dem Poden der jüdischen Tradition, der sie in ihrer Arbeit unbewußt verhaftet seien. Trotz dankenswerter Arbeit des Z.-V. geschehe auch in der reinen Abwehrarbeit noch zu wenig angesichts der auch in sonst vorurteilslose Kreise dringenden Verleumdungskampagne, vor allem gegen die Sittenlehre des Judentums (Meineidslüge, Ritualmord, Geheimlehre usw.). Dr. Klee sieht in der „Abwehrarbeit" im alten Sinne nur eine ,,dura necessitas": Unsere Abwehr bedeute: den Matzstab jüdischer Lehre an die Ereignisse und Fragen des Lebens zu legen . Nicht Abwehr, sondern Beeinflussung des Weltgeschehens. D. h. Es ist. nicht bedeutsam, daß wir z. B. die Bodenreform als jüdisches Lehrgut in Anspruch nehmen, sondern daß wir Bodenreformer sind und Bodenspekulanten nicht dulden und so wenn auch nicht Schemittah und Jowel, so doch ihren rechtspolitischen Kern in Tagesförderungen umschmieden. So müssen wir das Judentum Vorleben und durch den jüdischen Farbton, dein wir in die Kämpfe der Welt tragen, die Schmutzfarbe der Verleumdung auslöschen. R.-A. Stern (lib.) stellt fest, daß heute auch der Zionismus die „Sendung des Judentums" in der. Galuth im ethischen Sinne bejahe. Es gilt zu erkennen, daß das rein Kultische der heutigen Jugend kaum noch Kampfobjekt und Zentrum ist, und daß der Moderne gegenüber der volle Dreiklang Thauro-Awaudo-Eemilus Chassodim wieder herauszustellen sei. Das Haus stimmt einem Anträge Falkenbergs (lib.) auf Einrichtung von Kursen für junge jüdische Mütter zwecks Einführung in die jüdische Gedankenwelt und Förderung jüdischer Erziehungsarbeit einmütig zu. Der Etat ist der Versammlung bereits zugegangen — zum ersten Male seit vielen Jahren vor Beginn des Etatsjahres — und wird nach Vorberatung in einer Kommission in den nächsten Sitzungen behandelt werden. Resolution des zionistischen Delegierlentages. Berlin, 7. Jan. Die vom Jenaer Delegiertentag der Z. V. f. D. mit 82 gegen 53 Stimmen bie 8 Enthaltungen angenommene politische Resolution lautet: 1. Das Fundament jeder zionistischen Politik ist der unzerstörbare Lebenswille des jüdischen Volkes, ihr notwendiges Ziel die Errichtung der nationalen 4m Palästinamandat anerkannten öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte. ' 2. Zur Durchführung dieser Politik verlangen wir nicht nur, daß in Zukunft unter allen Umständen Schädigungen des Aufbaus der Heimstätte durch die Negierung vermieden werden, wie sie in der Vergangenheit aus Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit oder aus verständnislöser Abneigung gegen unsere Sache entstanden sind, son- . dern wir fordern die aktive Unterstützung. der Mandatarmacht, zu deren Gewährung sie durch das Mandat verpflichtet ist und die sie uns bisher in hohem Maße vorenthalten hat. Des weiteren betrifft die Resolution , die Gründung der I e w i s h A g e n c y und den Versuch einer V e r - ständigung mit den Arabern. kaufen ibreDiätand Nabrüngsmiltei im REFORMHAUS Schäfergasse 2.5, Rufnummer Hansa 1484 Zweiggeschäfte: Höchst, Antoniterstrasse 31 Eschersheim, Am weißen Stein 19 G Der Almemor in der Heidereutergasse. * Berlin, 7. Jan. Der Vorsitzende des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr Georg K a r e s k i, ersucht uns um Veröffentlichung der nachfolgenden preßgesetzlichen Berichtigung: „Die in Ihrem Bericht auf Seite 5 Ihrer Nummer 52 wiedergegebene Behauptung des Herrn Moritz A. L o e b, die von ihm benutzte Aufstellung stamme, nicht von dem Leiter des Bauamtes, sie rühre vielmehr von einem der Beamten dieser Abteilung her, ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß weder der Leiter noch einer der Beamten oder Angestellten des Bauamtes die benutzte Ausstellung angesertigt hat, und daß der von Herrn Loeb zitierte „Parteifreund" zugibt, den Entwurf selbst, ohne Mitwirkung des Bauamtes, angefertigt zu haben. Georg Kareski." (Für die Oeffentlichkeit ist es sachlich von geringem Interesse, von wem die in der Repräsentantenversammlung vorgelegte Zeichnung herrührt. Nur die Frage interessiert, ob die Verlegung des Almemor in der Tat den Wegfall von 52 Sitzplätzen oder nur von etwa 10 Sitzplätzen bedingt. Im übrigen kann die Entscheidung einer derartigen Prinzipienfrage unmöglich von einem aus alle Fälle für das Budget der Berliner Gemeinde minimalen Geldverlust abhängig gemacht werden. Red.) Reichsverband der Schomre Schabbos-Stellenvernüttlungen. Berlin, 7. Januar. Zu dem Berichte in der vorigen Nummer des „Israelit" ist nachzutragen, daß auch die Stellenvermittlung des Vereins Chewras Bachurim (Agudas Jisroel-Jugendgruppe in Nürnberg) bei der konstituierenden Versammlung vertreten war und sich an dem Zusammenschluß beteiligt hat. Vom Reformrealgymnasium Iawne. Köln, 12. Jan. Das Provinzialschulkollegium in Koblenz hat verfügt, daß in diesem Jahre zum erstenmal seit Bestehen der Anstalt eine regelrechte Schlußprüfung zur Erteilung der Obersekunda- und mittleren Reife auch an der dem Reformrealgymnasium angegliederten Realschule nicht mehr stattzufinden braucht; vielmehr ist die Anstalt fortan berechtigt, durch Beschluß der zuständigen Klassenkonferenz die Obersekunda- und mittlere Reife auszusprechen. Zu Ostern 1930 eröffnet die Jawne die erste Unterprima. Da die Oberstufe des Reformrealgymnasiums insbesondere auch im . Dienste der neuen Vorbildung jüdischer; Volksschullehrer, und -lehrerinnen steht, macht die Leitung der Anstalt darauf aufmerksam, daß Anmeldungen für. die Obersekunda zu Ostern 1930 .(auch von Auswärtigen) umgehend 'an den Direktor/ (St. Apernstr. 29) zu richten sind.;, - ' - > Aührerkagung des Reichsausschusses der jüdischen Jugendverbände. Seesen (Harz), 9. Jan. In der Zeit vom 25.—31. Devember 1929 fand tit dem Jacobsonhein in Seesen (Harz) eine von den im Reichsausschuß vereinigten Jugendstunden beschickte Führertagung statt. Dr. Moritz- Schweizer- Essen und Edith Cohn- Berlin behandelten organisatorische Fragen. Das Thema der Der - wirklichung der Jugendford erun.gen in de r sozialen Arbeit behandelte Dr. Hanna Eisfelder und Sieg Hirsch. Dr. Friedrich B r o d n i tz und Dr. Ernst Bloch behandelten das „Soziale Element im Aufbauwerk für Palästina und Rußland". Die Diskussion über den Bildungsstand der jüdischen Jugend, über den Dr. Eli Munk und Hermann G e r s o n referierten, stellt nur den Beginn einer Unterhaltung über dieses Thema dar. Dr. Munk bemühte sich, den Standpunkt des gesetzestreuen Judentums in seiner Geschlossenheit darzustellen und betonte besonders die Wichtigkeit der jüdischen Schule. Hermann Gerson, der im Ge-