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Der Israelit · 1930-01-09 · Heft 2 (9.1.1930) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 2 (9.1.1930)
Date
1930-01-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1 Seite 3 9. Januar 1930 Am Donnerstag referierte Herr Dr. Sigmund Stein (Köln) über „Die Einstellung der gesetzestreuen Jugend zur nichtjüdischen modernen Gesellschaft". Der Redner sprach von einer Kulturkrise auf allen Gebieten des seelischen, geistigen, politischen und wirtschaftlichen Lebens, von der Entgeistigung und Cntseelung, die durch den Materialismus und Atheismus als praktischer Weltanschauung im Leben der modernen Gesellschaft Platz gegriffen hat. Der Grund dieser Erscheinung sei in der Mechanisierung unserer Zeit zu finden, in deren Folge sich eine Minderachtung aller seelischen Werte einstellte. Die Auswüchse des Sports seien unter anderen ein Merkmal hierfür. Der Redner schildert dann weiter die furchtbaren Auswirkungen des Mangels religiöser Werte im Kulturaufbau der modernen, insbesondere nichtjüdischen Gesellschaft. Genaue statistische Angaben auf verschiedenen Gebieten, wie z. B. der Verbrechen, Alkoholismus, moderne Literatur, Kunst, Ehen (Ehenot), Kinder, insbesondere in ihrem Verhältnis zu ihren Eltern bildeten den Beleg dieser Auffassung. Eine angeregte Diskussion schloß sich dem interessanten Referat an. Es beteiligten sich hieran die Herren Josef Stern, Dr. Willy Hofmann, Gutmann- Nürnberg, Lippold (Kreuznach), Gabriel Feuchtwanger, Emil Klein, Seckbach-Stuttgart, Alfred Stein, Josef Bamberger. Es wird ausgeführt, daß est nicht richtig sei, die Devise „Tauroh im Derech Erez" zum Vorwand zu nehmen, um ein Doppelleben zu führen. Unsere Jugend kann verlangen, daß man sich auseinandersetzt mit den Fragen des modernen Lebens. Man befürwortet, daß die moderne Literatur in den Aguda-Jugendgruppen mit jüdischen Augen behandelt werde. Wir müssen die Vervsrtung unserer Mitmenschen umstellen. Das muß die Aguda erreichen, daß das geistige Band der Zusam? mengheörigkeit geschaffen wird. Es wird des ferneren auf die Bemühungen nichtjüdifcher Kreise auf der Grundlage des religiösen Lebens eine Abhilfe zu schaffen gegen die schlechten Auswirkungen der modernen Zeit hingewiesen. Nach dem Schlußwort des Referenten wird die Tagung von dem Vorsitzenden, Herrn Hartog Hartogsohn, der den Teilnehmern für ihr Erscheinen dankt und den Wunsch ausspricht, daß sich die Ausführungen der Redner bald in die Tat umsetzen möchten, geschlossen. A. L. Zur Frage der Hilfsgelderverkeilung. Nach Drucklegung des in der letzten Nummer dieser „Blätter" erschienenen Aufsatzes über die Hilfsgelderverteilurg wird uns der Wortlaut des darin ebenfalls erwähnten Briefes zur Kenntnis gebracht, den Oberrabbiner Kuk an Rabbiner Chajim Oser Grodzenski richtete. Um unseren Lesern ein klares Bild zu geben und um vor allem niemand ein Unrecht zu tun, fühlen wir uns verpflichtet, unseren Ausführungen diesen Wortlaut des Kutschen Briefes nachzutragen. Er lautet wie folgt: Jerusalem, Erew Sukkos 5690. Soeben erreicht mich Ihr gesch. Schreiben. Trotz der Fülle der Arbeit, beeile ich mich in Angelegenheit der Hilfsgelder zu antworten. Fast alle diese Gelder gelangen in die Hand des Waad leumi und der zionistischen Leitung. Wir haben nun unsererseits gefordert, daß aus dieser Kasse nicht nur diejenigen unterstützt werden sollen, die unmittelbar geschädigt oder ausgeraubt worden sind, sondern auch die, denen durch die furchtbare Lage im Lande, wie sie durch die Pogrome hervorgerufen worden ist, ihre Nahrung geraubt worden ist; insbc? sondere die Institutionen des alten Jischuw, deren bisherige Einnahmen buchstäblich jetzt in die Kasse des Hilfskomitee fließen. Die Sendboten schreiben, daß man jetzt unter dem Eindruck der Pogrome in der Diaspora ihnen keinerlei Gehör schenkt, wett die Vorstellung besteht, daß das Hilfskomitee sch on alleDinge in Erez Jisroel or'dnen wird. Infolgedessen finden hier Versammlungen der Bevollmächtigten des alten Jischuw und der Leiter der Institute und der Jeschiwoth statt, die sich mit dieser Forderung an uns wenden. Das Hilfskomitee hat jedoch eine negative Antwort gegeben, in dem es sagt, daß es aus seiner Kasse nur diejenigen unterstützen könne, die ausgeplündert oder deren Besitz verbrannt oder vernichtet worden ist. also nur die unmittelbar Betroffenen, nicht aber diejenigen, die mittelbar zugrunde gerichtet worden Der Israelit Biäntf__ find. Unter diesen Umständen habe ich die Agudath horabbonim in Amerika telegraphisch gebeten, sich mit dieser Angelegenhell zu beschäftigen. Dort ist eine große Bewegung gegen die Vorenthaltung der Hilfsgelder gegenüber den Institutionen entstanden, die ja wissen, daß ihre ehemaligen Einkünfte an das Hilfskomllee übergegangen ist. Deshalb ersuchte mich Herr Felix Marburg, ich solle in den Hilssausschutz eintreten, um die Interessen der religiösen Institutionen zu schützen. Ich habe dieser Anregung nach reiflicher Ueberlegung nicht entsprechen können, da man mir keine Zusage gab, die von mir gestellten Vorbedingungen zu erfüllen. So sind wir mitten in einer Bewegung, um den Bestand der heiligen Institutionen, der durch die Lage schwer gefährdet ist, zu sichern und wir wissen noch nicht, welche Ergebnisse diese Bemühungen haben werden. Es ist klar, daß auch die Interessen der Kolalim einbegriffen sind, denn diejenigen der heiligen Anstalten, von denen die Armen Unterstützung fordern, haben sich augenfällig vermehrt, besonders diejenigen, die nicht beweisen können, daß ihr Mangel direkt von den Pogromen unmittelbar herrührt, die also der Hilssausschutz vollkommen abweist, so daß die Kolalim sich bemühen müssen, ihnen beizustehen. Unter diesen ist sicher eine große Zahl üuyerst Unglücklicher und in großem Umfange auch bedeutende und wertvolle Talmide Chachomim. Es kommt wohl etwas Geld auch direkt auf meinen Namen. Wenn der Hilfsausschuß auch die mittelbar Beschädigten unterstützen würde, deren Lage zum Teil furchtbar ist, so würde ich auch Gelder, die auf meinen Namen kommen, dem allgemeinen Hilfskomitee übermitteln, das unter der Leitung des Waad leumi und der zionistischen Exekutive steht. Aber nachdem in diesem Punkte die Aufastung auseinandergeht, so verteile ich dasjenige Geld, das auf meinen Namen kommt, nach meiner eigenen Einsicht in meinem Büro. Aus dem Vorstehenden können Sie sehen, daß es nur recht und billig wäre, den Kaulelim aus den Unterstützungen möglichst zu helfen, um den großen Bruch wenigstens teilweise zu mildern, der alle vom Kaulel Abhängigen betroffen hat. Ich schließe mit den besten Wünschen usw. A. I. Kuk. Aus diesem durch Objektivität und Zurückhaltung ausgezeichneten Schreiben geht sonnenklar hervor, daß auch Oberrabbiner Kuk die Tätigkeit des zionistischen Hilfskomitees stark beanstandete und neben chm ein besonderes Hilfswert für nützlich erachtet hat. Zu der in dem Briefe von> Rabbi Meier Berlin angeschnittenen Frage der Beteiligung des Schaare Zedek-Hospitals an der Versorgung der Verletzten und Verwundeten (s. „Blätter" Nr. 26 vom 24. Dezember 1929) erhalten wir von der Verwaltung des Schaare Zedek-Hospitals eine ausführliche Berichtigung der Angaben des Herrn Rabbiner Berlin, die zu umfangreich ist, um sie in vollem Wortlaute abzudrucken. Es ergibt sich aus der Berichtigung jedenfalls, daß Rabbi Meier Berlm keinerlei Recht hatte, es als' eine „Verdrehung der Tatsachen" zu bezeichnen, daß das Schaare Zedek-Hofpital vom ersten Tage der Unruhen an überfüllt gewesen sei. Es war derart überfüllt, daß Zimmer für 6 Betten mit 10 Betten belegt waren. Nicht einmal die Aerzte, die in der ersten Zeit auch abwechselnd Nachts im Spital blieben, fanden ein Zimmer. Auch die Ziffern, die in dem Briefe voir Rabbi Meier Berlin enthalten waren, stimmen nicht. Doch scheint uns dieser ganze Streit um die Belegungsziffern und um den Anteil der einzelnen Hospitäler an den Verpflegungskosten so wenig belangreich, daß es nicht nötig scheint, den Gegenstand weiter zu erörtern. Es hatte sich für uns ja nur darum gehandelt, der Politik des Bagatellisterens oder des Totschweigens, die von zionistischer Seite konsequent gegenüber allen Leistungen des alten Jischuw geübt wird, entgegen zu treten, weil diese auf allen Gebieten geübte Methode darauf hinausgeht, die thoratreuen Kreise in der öffentlichen Meinunig herabzufetzen und ihren Einfluß zu schwächen. Diesem letzten Endes gegen die Tauroh selbst gerichteten Beginnen entgegen zu treten, halten wir nach wie vor für unsere Pflicht. Ein Rundschreiben der polnischen Landesorganisalion. , Die Zentrale der polnischen Landesorgamsation der Agudas Jisroel hat im Chefchwan zu Beginn der Winterarbeit zunächst ein besonderes Rundschreiben an alle Ortsgruppen ergehen lassen, worin die Trumas Chower-Aktion für das Jahr 6690 eingeleitet und die Monate Cheschwau, Kislew, Teroeth als Trumas Chower- Monate proklamiert wurden. Alsdann ließ die Zentrale ein weiteres ausführliches Rundschreiben folgen, das auch für andere Landesorganisationen von Interesse sein wird und das wir deshalb im folgenden -im Wortlaut wiedergeben. Es lautet: Jetzt, nachdem die heiligen Festmonate vorüber.sind und die Wochen der Arbeit beginnen, möchten wir Euch alle zur Erneuerung der agudistischen Jnnenarbeit auf all den zahlreichen Gebieten, die uns die Kenestio Gevaulo zur Wahrnehmung überwiesen hat, aufrusen. Diese Kenessio, die zu 60 Proz. aus polnischen Delegierten bestand und die unserem Lande auch eine entsprechende Vertretung in den Organen der Welt-Aguda gesichert hat, legt uns eine große Verantwortlichkeit für die Entwicklung der Aguda und zwar nicht nur der lokalen und Landes-Aguda auf, sondern auch für das Gedeihen der Weltorganisation. Der Gedanke der Organisation der Gesetzestreuen in der ganzen Welt zu einem festen einheitlichen Block muß jetzt in seiner ganzen Tiefe erfaßt werden und muß die Aktivität aller unserer im öffentlichen Leben stehenden Mitarbeiter nicht nur im eigenen Kreise, sondern vor allem für die Landes-Aguda und für die Weltaguda aufs höchste steigern. Wir stellen im folgenden die einzelnen zu bearbeitenden Gebiete kurz, skizziert zusammen. a) Organisation. Die Grundlage aller organisierten Arbeiten ist die Herstellung einer intimen und regelmäßigen Beziehung zwischen den Ortsgruppen und der Zentrale. Gerade hier bleibt viel zu wünschen übrig. In nicht seltenen Fällen werden die Briefe und Rundschreiben der Zentrale einfach von dem Empfänger in die Tasche gesteckt und kommen gar nicht zur Kenntnis der Gruppe. Selbstverständlich bleiben sie dann unbeantwortet. Die erste Aufgabe ist also zunächst einmal an jedem Orte eine verantwortliche Adresse für die Korrespondenz mit der Zentrale festzustellen und dafür zu sorgen, daß jedes Schreiben der Zentrale dem Gesamtvorstand vorgelegt und in allen Einzelheiten gewissenhaft beantwortet wird. Das zweite ist die Fürsorge der Vergrößerung der Mitgliederzahl der Ortsgruppen, die Heranziehung neuer Freunde und Mitglieder, die Aufbringung finanzieller Mittel durch Einziehung der Trumas Chower-Beiträge. Ferner sind Chawerim Nichbodim, die in der Lage sind, von Zloty 50.— aufwärts jährlich zu zahlen, zu werben. Zu diesem Zwecke wollen Sie uns schleunigst ein Verzeichnis der an Ihrem Orte in Betracht koinmenden begüterten Persönlichkeiten einsenden. b) Erez Iisroel. Unsere Erez Jisroel-Arbeit, die gänzlich auf dem Gedanken edr Mizwas Jischuw Erez Jisroel basiert, ist nicht von politischen Bedingungen abhängig, vielmehr ewig und zeitlos. Daher hat die K. G. uns die Pflicht auferlegt, unablässig auf die Stärkung des Keren Hajifchuw bedacht zu fein, urn vor allem die religiösen Erziehungsinstitutionen im heiligen Lande zu erhalten und auszubauen, und uns auch wieder die Möglichkeit kolonisatorischer Arbeit zu schaffen. Im einzelnen fordern wir folgendes: 1. Abschluß der Sammeltätigkeit für den Hilfsfond bis Rofchchaudesch Kislew. Zu diesem Zeitpunkt muß das gefanuuelte Geld zur Weitergabe nach Erez Jisroel an i)ie Zentrale eingefandt werden. 2. Sofortiger Beginn einer kräftigen Arbeit für den Keren Hajifchuw, nach der Weisungen unserer Palästina-Zentrale, die in aller Kürze den Gruppen zugehen wird. 3. Bestellung eines Erez Jisroel-Kommisiars in Ihrer i i > mm WfJLä# mm Postscheck-Konten: Landesdirektorium des Keren Hatorab in Deutschland Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A. Hamburg). , Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt?a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Kommissariat Köln Nr 50131 (P, Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommissariat Leipzig Nr, 70147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 73 991 C. Salomon. Keren Hatorah-Kommissariat Breslau, P. Sch. A. Breslau Nr. 60510 für Iwan Möller Keren Hatorah-Kommissariat Hamburg P. Sch. A. Nr. 40953 für Dr. Julius Ba<e Keren Hatorah-Kommissariat Kartsruhe Markus Stern Bankkonto Ignaz Ellern fl-) i: l ------

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