Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1930)
- Date
- 1930-01-09
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 1 Der Israelit Blätter 9. Januar 1930 Wir ersuchen dringendst angesichts der Notlage, die noch heute in Erez Jisroel herrscht, um weitere Unterstützung des yilfswerls der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt am Alain, Postscheckkonto Nr. 53 900. Gruppe, dessen Adresse Sie uns unverzüglich Mitteilen wollen. c) presse. Es ist Ihnen aus unseren früheren Rundschreiben belannt, mit welchen Schwierigkeiten es uns gelang, das Wiedererscheinen einer agudistischen Tageszeitung unter dem Namen „Das jüdische Togblatt" zu sichern. Aller Anfang ist schwer. Aber wir konstatieren mit Befriedigung, daß die Redaktion sich mit Erfolg bemüht, mit den älteren Tageszeitungen hinsichtlich der Reichhaltigkeit des Inhaltes in Konkurrenz zu treten und die Befriedigung der Leser zu erlangen. Leider müssen wir konstatieren, daß nach dem ersten Sturm der Begeisterung die Zahl üer Abonnenten zurückgeht und niemand daran denkt, daß dies der letzte Versuch der Ausrechterhaltung einer agudistischen Tageszeitung ist. Sollte dieser Versuch, Gott behüte, scheitern, so würde diese einzige orthodoxe Tageszeitung verschwinden und alle unheilvollen Konsequenzen dieser Tatsache in die Erscheinung treten. Wir müssen daher fordern, daß Sie sofort eine besondere Pressekommission gründen, die sich mit der Verbreitung des jüdischen Togblattes beschäftigt und mit de,n Erwerb von Anzeigen für dieses Blatt. Die Adresse des Vorsitzenden dieser Pressekommission wollen Sie uns unverzüglich mitteilen. d) Lozialökonomische Angelegenheiten. Es ist eine der wichtigsten Ausgaben dre Agudas Iisroel, an der Hebung der wirtschaftlichen Lage unseres Volkes zu arbeiten. Es ist uns gottlob gelungen, die Legalisierung des Revisiionsverbandes unserer kooperativen Genossenschaften zu erreichen und die von der K. G. beschlossene Zentralbank wird die Aufgabe haben, den Genossenschaften mit vernünftigen Krediten zur Seite zu stehen. Wir fordern Sie üuf, die Initiative zur Gründung einer agudistischen Bank, falls sie noch nicht besteht, an Jhreni Platze zu ergreifen, die sich dem Revisionsverbande anzuschließen hat. Ferner bitten wir Sie, einen Vertrauensmann zu ernennen, der sich mit der Allgemeinen Kreditbank und dem Verkauf der Aktien befaßt. e) Erziehungsangeiegenheilen. Es ist Ausgabe der Ortsgruppen, auf diesem Gebiete nach den Weisungen der Crziehungszentrale „Chorew" zu arbeiten, die beim Zentralbüro der Aguda errichtet worden ist. Wir machen Sie nur auf eine wichtige Einzelheit aufmerksam machen und zwar auf die Notwendigkeit der Errichtung von Handwerkerschulen, wie sie von der K. G. unter ausdrücklicher Zustimmung des Rabbinischen Rates beschlossen worden sind. Die Dringlichkeit dieser Maßnahme bedarf keines Nachweises. Zur Vorbereitung der Ausführung bedürfen wir von Ihnen eine beschleunigte Beantwortung folgender Fragen: 1. Wie viele Knaben sind in Ihrer Stadt vorhanden, die ein Handwerk erlernen wollen, die also nicht ausschließlich beim Thoralernen bleiben? 2. Für welche Handwerke ist an Ihrem Orte ein Bedürfnis vorhanden? 3. Auf welche Art und Weise glauben Sie die Mittel beschaffen zu können, um eine Handwerkerschule oder mindestens Ausbildungskurse für Handwerker in Ihrer Stadt zu schassen? 4. Besteht bereits eine solche Schule in Ihrer Stadt und unter wessen Einfluß steht sie? s) Chisuk Hadaß. Wir beziehen uns auf unsere wiederholten Rundschreiben hinsichtlich der Sabbatbeobachtung, Wahrung der Reinheitsgesetze usw. Trotzdem haben wir bisher einen klaren Bericht über das, was auf diesem Gebiete von Ihnen bisher veranlaßt worden ist, nicht bekommen. Wir bitten, dies nachholen zu wollen. g) politische Angelegenheiten. Wir beziehen uns auf unser Rundschreiben vom letzten Sommer, worin wir ersuchten, in jeder Gruppe einen Vertrauensmann zu ernennen, mit dem die Zentrale in jüdisch-innenpolitischen Angelegenheiten korrespondieren kann. Aus den vorstehenden Punkten ergibt sich das Arbeitsprogramm für die nächste Zeit. Wird unseren klaren Forderungen Rechnung getragen, so können wir mit Sicherheit auf einen Aufschwung der Aguda in unserem Lande zum Besten der Thora und zur Ehre des ganzen religiösen Judentums rechnen." Das Rundschreiben zeigt jedenfalls, daß die polnische Agudaleitung sich über die Ziele ihrer Arbeit vollkommen im klaren ist und es bleibt nur zu wünschen, daß ihre guten« Absichten auch ebensoviel Verständnis und vor allen Dingen praktische Tatkraft im Kreise der Agudisten findet, wie die Leitung es erhofft. Kopf ohne Körper. I. Die Art, wie die Redaktion der „Blätter" meine Betrachtung zur Frage, ob die zweite Kenesfio schon gewesen, kritisiert hat (Rr. 24), und die Antwort, die sie auf meine Fragen mir erteilte, ist typisch für das Verhältnis der agudistischen Leitung zu ihrer Austraggeberin der agudistischen Organisation und verdient daher als abschreckendes Beispiel festgehalten zu werden. „So untätig, wie er glaubt, ist seit Wien weder die organisatorische noch die politische Leitung geblieben, wenn sie auch nicht jede Aktion und jede Reise in di e O e s s e n t - lichkeit hinauszuposaunen für richtig hält", antwortet man mir und fühlt dabei wohl nicht, daß mit einer solchen Antwort die Todesprognose für die Organisation gestellt wird. Denn was muß das schon für ein Organisationsgebilde sein, das n^t der Leitung darin eins wäre, in Ruhe gelassen zu werden. Nicht zu wissen, was vorgeht, nicht zu hören, welche Aktionen eingeleitet wurden, welche Schritte die Leitung zu irgendwelchen Zwecken unternommen hat. Ja, hat denn dann die Organisation überhaupt noch Sinn, wird man so jemals aus der Organisation geistige, moralische und materielle Kräfte ziehen können?! Müßte es im Gegenteil nicht gerade vornehmste Pflicht der Leitung sein, ein solches Verhältnis zwischen sich und der Organisation zu schaffen, daß die vorhandenen Interesse'.? erhalten und gefördert, schlummernde Interessen neu geweckt werden? Die Oessentlichkeit erst dann zu unterrichten, wenn man sie in Anspruch nehmen will, ist reichlich spät. Erwartet die Leitung Interesse in Form von klingender Münze für die Organisationskasse oder für Organisations-Institutionen, oder in Form von tätiger oder beratender Mitarbeit, dann darf sie in ihrer Berichterstattung, in ihren Informationen nicht Methoden anwenden, die vorhandene Jnteressenfunken anstatt anzuschüren ausglimmen lasten. II. Ich verkenne keineswegs die Schwierigkeiten, die die agudistische Rumpsleitung seit Wien auf innerorganisatorischem Gebiete hatte. Ich verkenne noch weniger die Schwierigkeiten, die aus dem von mir rein als Beispiel gebrachten Erzrehungsgebiet in Erez Jisroel waren, sind und nach der Diskussion im „Israelit" zu urteilen ewiglich sein werden. Aber sind Schwierigkeiten denn da, um sie zu belasten, oder um sie hinwegzuschaffen? Und wenn man sie schon nicht hinwegschassen kann, dann sollte man sie wenigstens zu verringern versuchen. Ich bin der Ansicht, daß es Schwierigkeiten' gibt, deren Größe, wenn man sie erst einmal an die Oessentlichkeit bringt, zusammenschrumpfen, und daß ein Teil der Erziehungsschwierigkeiten die Agudas Jisroel in Erez Jisroel hat und auch ein Teil der agudistisch-innerpolitischen Schwierigkeiten hierzu gehören. m. Die Redaktion der „Blätter" leugnet eine „Leitungskrise". Das mag insofern berechtigt sein, als Agudas Jisroel seit Wien keinen Leitungskörper besitzt. Die agudistische Leitung ist heute gleichsam Kopf ohne Körper. Kopf ist ihr (G. s. D.!) der „Präsident-wider-Willen" Jacob Rosenheim. Aber es ist kein Mensch der Leitung gewonnen worden, der imstande wäre, Jacob Rosenheim einen Teil der Arbeit, die Zu bewältigen ist, und die seit Wien in erhöhtem Maße zu bewältigen ist, abzunehmeni Das kommt daher, weil die Mitglieder des deutschen Geschäftsausfchufses, denen die organisatorische und finanzielle Leitung in Wien übertragen wurde, zu sehr in eigener Arbeit belastet sind, als daß, wie es wünschenswert wäre, sie einen größeren Teil ihrer Zeit der Bewegung zur Verfügung stellen könnten. Das frühere G. A.-Mitglied Dr. Ehrmann hat trotz mannigfacher Bemühung den Sitz im G. A. nicht behalten wollen und feine Tätigkeit auf die Palästinazentrale beschränkt. - Damit müßte man sich doch nun endlich ei-ümal abfmden und nach einer Kraft sich umsehen, die imstande wäre, die Reorganisation der Aguda, die Neuorganisation des in Wien beschlossenen Trumath Chower Nichbod vorzunehmen. Hat man in den Aguda-Jnstitutionen, wie Palästinazentrale oder Keren Hatauroh nicht Menschen, diie imstande wären, ihre ganze Kraft der Organisation zu widmen, und die durch ihre bisherige Tätigkeit die Gewißheit bieten, gute Arbeit leisten zu können? Hat man noch keine Zeit gefunden, sich nach einem geeigneten hauptamtlichen G. A.-Mitglied umzusehen? Und wenn man sich umgesehen hat, ist es denn so schwer, zu einem Resultat zu kommen? Höchste Zeit wäre es, die Rumpfleitung in eine arbeitsfähige Leitung zu wandeln. Denn wenn die Leitung gleichsam Kops ohne Körper ist, dann bedeutet dies auf die Organisation übertragen: Körper ohne Kops. H. K. (Herr H. K. scheint nicht zu wissen, daß hauptamtliche Kräfte Geld kosten und daß Geld eben das ist, was der Agudas Jisroel heute mehr als je fehlt. Red.). Aus der Bewegung. Amsterdam. Am 13. Kislew hielt die Ortsgruppe Amsterdam in ihrem Vereinslokale eine Mitgliederversammlung unter Vorsitz von Rabbiner de Lange ab, die der Vorbereitung der auf den 16. Februar nach dem Haag einberusene Landesversammlung der holländischen Aguda galt. Die Herren Rabbiner de Lange, Hen, Onderwyzer und I. A. Lissauer, deren Amtszeit abläuft, wurden wiedergewählt. 3» der Aussprache beschäftigte man sich zunächst ausführlich und unter lebhafter Teilnahme der Anwesenden mit der Propaganda für den Keren Hathora in Holland . Die Schwierigkeiten, die sich zum Teil aus Mißverständnissen, zum Teil aus einer gewissen parteiischen Einstellung mancher Kreise heraus bei der Propaganda ergeben, wurden eingehend erörtert und Vorschläge zu ihrer Beseitigung gemacht. Dann wandte sich die Debatte dem Keren Hajischuw zu, wobei die Beziehungen zu den Pekidim und Amarkalim einer Besprechung unterzogen wurden. Lebhafte Auseinandersetzungen knüpften sich an die Hilfsgeldersammlung, die in Holland gemeinsamen Charakter trug, so daß die agudistischen Kreise das Recht hätten, von der Leitung der Sammlung Rechenschaft über die vielfach beanstandete Art der Verwendung der Gelder zu fordern. Schließlich wurde angeregt, daß Herr Kottek die Angelegenheit weiter verfolgen soll. An die öffentliche Versammlung schloß sich noch eine interne Aussprache. Kihmgen. Der am 27. Tischri 5690 aus Initiative von Fredi Lustig und Elieser Oppenheimer gegründete Esra ist innerhalb sechs Wochen zu einer ganz erfolgreichen Gruppe herangewachsen und hat eine äußerst lebhafte Tätigkeit entfaltet. — Am Mittwoch den 16. Kislew 5690 hat die konstituierende Versammlung stattgefunden, in der Elieser Oppenheimer und Cäsar Steinhof zu Führern gewählt wurden. Es wurde das Winterprogramm ausgearbeiter, das neben einer Anzahl von Ausflügen und sonstigen Veranstaltungen, auch Schiurim für Jungens und Mädchen in Mischnajos, Tenach und Gemoroh vorsieht. Es finden auch wöchentliche Leseabende statt, die sich aus verhältnismäßig hohem Niveau bewegen. Ganz besondere Begeisterung finden die Freitag Abend- Feiern, bei der sich allwöchentlich die taurohtreue Jugend Kitzingens bei jüdischen 'Gesängen und Sidro-Besprechungen vergnügt. Eine Vortragsreihe über „Das Wesen der Mizwaus" und sonstige religiöse Probleme bilden die Anregung zu lebhaften Diskussionen während dieser Veranstaltungen. Möge der Segen Gottes auf uns ruhen! Postscheck - Konto I V Landesnrganisatiun: Landesorganisafion der „Agudas Jisroel*1 in Deutschland, Hamburg: No. 50204 Hamburg.