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Der Israelit · 1930-01-09 · Heft 2 (9.1.1930) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 2 (9.1.1930)
Date
1930-01-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 2 ich habe die Unterschrift. Bevor wir 1919 unsere Wünsche der Friedenskonferenz unterbreiteten, haben wir wieder gesagt: Unser Plan bietet Vorteile für Dich und für uns, und er verstand es.. Wir sind jedenfalls nicht hingegangen, ohne den Versuch der Verständigung. Die Verständigung ist schwer, sie wird lange dauern, aber es ist notwendig, daß auch die Araber eine andere Psychologie gewinnen. Wir werden, bereit sein, Verhandlungen zu führen, wenn die Zeit kommt. Ich kann leider aus die schöne Rede meines Freundes Lichtheim nicht eingehen. Wenn ich nur einen Satz sage, So werden Sie verstehen, daß ein Gefühl der jüdischen Solidarität, es mir jetzt verbietet, ihm Vorwürfe zu machen, oder ihn zu kritisieren. Ich warne ihn aber. Es .ist mir nicht um Polemik zu tun oder um Pointen. Es ist mir blutiger Ernst, wenn ich ihn warne: vor einer gewissen wohlgemeinten Leichtfertigkeit bezüglich des „Doar Hayom" und dergleichen. Es kommt nicht daraus an, wie Sie und ich das bewerten, sondern wie andere es bewerten. Wir sind heute nicht mehr im Vakuum, alles wird uns -schwer angekerbt. Worte werden hineingelesen, die nicht gemeint waren. Und wenn Preedy die Frage gestellt hat, ob es überhaupt einen gemäßigten Zionisten gibt, so hat er das ausgenützt, worüber ich aus Solidarität nicht sprechen konnte. Chachamim h'.saharu bediwdechem — Weise hütet Eure Worte. Ich bin nicht mit einem einzigen Punkt Ihres Programms einverstanden, weder mit Ihrer Taktik, noch mit der Substanz, aber ich weiß auch genau, was Ihnen in die Schuhe geschoben wird, ist nicht wahr. . Ich muß mich auch gegen Bileskis Auffassung wenden, daß die Qualität unseres Nationalismus erst genau sestgestellt werden muß. Es gibt nur eine Qualität unseres Nationalismus. Wir sind nicht eine Nation von Eroberern, sondern eine Nation, die in ihr Eigentum zurückkehrt. Die zionistischen Kongresse schaben niemäls einen anderen Nationalismus vertreten. Preedy darf ihn anzweifeln, nicht wir. Nicht in dieser schweren Stunde. Die Kraft, Menschen zu gewinnen, Geld zu schaffen, den Ausbau zu fördern, quillt nicht aus Pessimismus. Es war auch meine traurige Pflicht, Illusionen im Zionismus zu zerstören, weil ich Realitäten sah. Würde ich Ihnen Wirklichkeiten schildern, wie »ch lie in den letzten sechs Wochen sah, Sie würden sagen, man muß ein Held sein, um weiterz u gehen und weiterzu arbeiten. Und trotzdem habe ich heute Morgen gesagt, wir sind ein ewiges Volk, wir werden auch dieses überstehen. Das jüdische Volk ist unzerstörbar, es findet seinen Weg, es hilft sich durch." Norwegen Das Schachtverbot in Norwegen. Drontheim (Norw.), 1. Jan. Wegen des Inkrafttretens des Schächtverbotes ist heute ein Trauergottesdienst abgehalten worden. In der Trauerrede ging Herr Lehrer I a c ob s o h n von der Ehanuckageschichte aus und schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß ebenso wie in den Tagen der ta’RJaffn sich die Wahrheit durchringen wird, um uns unser religiöses Recht wieder zu geben. Palästina. Rabbi Sonnenfelds Erklärung. Jerusalem, im Dezember. Der Iustizsekretär der palästinensischen Regierung hat mit Datum vom 11. Dezember an Oberrabbiner Sonne n f e l d ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: „Ich erhielt. Abschrift von Ew. Ehrw. öffentlichen Erklärung. Sie hat mich bis, ins Innerste gerührt. Ich empfinde, was jeder rechtschaffene Mensch empfinden muß beim Lesen dieser Kundgebung, die wahrhaft „augenerleuchtend ist. In großer Verehrung gez. Norman B e n t w i ch. Die Untersuchungskommission am Schlüsse der ersten Phase. Jerusalem, 30. Dez. Am 24. Dezember entwickelte Merriman in siebenstündiger Rede den jüdischen Standpunkt. Er griff auch die Regierung scharf qn, was zu einigen Zwischenfällen führte. Es sprachen dann die Anwälte der arabischen Erekutive und der Vertreter der Regierung. In nichtöffentlicher Sitzung wurde dann Dr. R u p p i n vernommen. Das Hauptmotiv der Merrimanschen Rede war der Nachweis, daß-es kein Zusammenstoß, sondern ein Ueb erfüll von Arabern auf Juden war. Am diesen Punkt kristallisierte sich alles, was der Anwalt aus den wochenlangen Verhandlungen zusammenfassendherausarbeitet. Eine große Rolle in seiner Rede spielten auch) die „Protokolle der Weisen von Zion", die die ganze Erbärmlichkeit und Gewissenlosigkeit der Hetzcampagne zeigen. Er erhob folgende fünf Anklagepunkte gegen die Negierung: - ~ 1. Man hat es unterlassen, sich mit der Aufhetzung durch die Presse zu beschäftigen, die im Januar begann, als die Zeitungen einen Heiligen 'Krieg wegen der Klagemauer propagierten. 2. Man hat es unterlassen, in einer Regierungserklärung die Behauptung zurückzuweisen, daß die Juden Angriffe auf islamische Heiligtümer beabsichtigen. 3. Durch die Bewilligung der Tischa b'Aw-Demonstration an der Klagemauer hat die Regierung die Ver- 'anhwortung für diese Demonstration auf sich genommen. 4. Den übereinstimmenden Warnungen der jüdischen Repräsentanten an allen Orten des Landes wurde zu wenig Beachtung geschenkt, als alle Berichte einschließlich der hebräischen Presse in der Befürchtung einig waren, daß am Freitag grauenvolle Dinge' geschehen würden. 5. Unter Mißachtung der Warnungen hat die Regierung keine Verstärkungen herangeholt, keinen angemessenen Gebrauch von den verfügbaren Schutzkrästen gemacht und ließ das Feuer auf die Angreifer in Jerusalem nicht eröffnen. In Jaffa und Nablus, wo die Truppen feuerten, breiteten sich die Unruhen nicht aus. Der Tenor der arabischen Reden war: Die Juden hätten die Araber gereizt und zum Aufruhr aufgefordert. Damit hat die llntersuchungskommission den ersten Teil ihrer Aufgabe erledigt. Die weitere Untersuchung auf Grund des in Palästina zusammengestellten Materials wird in London vor sich gehen, wohin sich die Mitglieder der Kommission bereits begeben haben. Vor ihrer Abreise erließ die Kommission eine Proklamation an die Bevölkerung,. in der sie zu Ruhe, Frieiden und Verständigung gemahnt wird. Personalien. Rabbiner Dr. Äoigdor Schönfeld London, 5. Jan. Wie bereits kurz gemeldet, ist das allverehrte geistige Oberhaupt der Adaß Jisroel-Gemeinde in London, Rabbiner Avigdor Schönfeld, im Alter von 49 Jahren nach kurzem, schweren Leiden dahingegangen. Der Heimgegangene stamnrte aus Suppo in Ungarn, besuchte in seiner Jugend das Gymnasium in Gran und lernte zuerst mehrere Jahre in Groß-Tapolcany und dann auf der Perßburger Jeschiwo. Zuerst als Rabbiner des Montefiore-Vereins in Wien tätig, kam Rabbiner Schönfeld 1909 nach London, wo er sich als Rabbiner und Prediger und insbesondere auf pädagogischem Gebiete in der Einrichtung und Leitung einer großen Religionsschule sehr bald einen Namen machte. Seine jugendliche Begeisterung 'ür alles wahrhaft Jüdische übertrug sich auf Jung und Mt und machte ihn bald zum Mittelpunkt orthodox-jüdischen Lebens in der Weltmetropole. Er begründete den Jugendverein „Ben Sakkai", der die der Schule entwachsene Jugend, Jünglinge sowohl, wie Mädchen, in den wichtrgsten Entwicklungsjahren für die Fortsetzung des Lernens und für ein Eindringen ^in die verschiedenen jüdischen Wissensfächer gewann. 1920 ging der Heimgegangene als Leiter der Misrachi-Schulen nach Palästina. Aber schon nach 2 Jahren legte er als aufrechter Mann von unverfälschter orthodoxer 'Gesinnung sein Amt nieder, weil er einsah, daß es unmöglich' sei, bei der weitgehenden finanziellen Abhängigkeit der Misrachi- Schulen von der zionistischen Organisation, diese Schulen ohne Kompromisse und mit der Aussicht auf gute religiöse Erziehungserfolge zu führen. Nach London zurückgekehrt und von seiner Gemeinde freudig wieder ausgenommen, stellte er sich die Aufgabe, die unabhängige Orthodoxie in London in der „Union orthodor-jüdischer Gemeinden" zu organisieren, die heute 9 Synagogen mit etwa 3000 Mitgliedern umfaßt. Berufungen nach Saloniki, New Pork, Berlin und Frankfurt lohnte er ab, weil er sich seinem Londoner Werke aufs. tiefste verbunden fühlte. Mehr und mehr näherte er sich iif den letzten Jahren der Agudas Iisroel, an deren Kenessio Gedaulo er noch vor wenigen Monaten einen warmherzigen, seine Sympathie und seine innere Zugehörigkeit zum Ausdruck bringenden Brief richtete. Auch seine älteren Söhne — der Heimgegangene hinterläßt 6 Söhne und eine Tochter — stehen der Aguda nahe. Der tragische Tod des in der Blüte der Jahre stehenden- Mannes hat in den Kreisen der Adaß Jisroel-Gemeinde niederschmetternd gewirkt. Die schwärmerische Liebe, mit der seine Gemeindemitglied^r an dem Heimgegangenen hingen, kommt jetzt erst recht zu überwältigendem Ausdruck. Möchte es der Gemeinde vergönnt sein, einen würdigen Nachfolger zu finden, der das Werk des Heimgegangenen fortsetzt, und möge seine Familie Trost finden in dem Bewußtsein, daß °"n b'iip o’p’ix Gedern, 3. Januar. -In die Freudenstimmung unseres Ehanuckafestes hat sich für unsere- Gemeinde ein bitterer Wermutstropfen gemischt. Am Vorabend starb plötzlich und unerwartet Frau Käthe V o e h I, die Gattin unseres langjährigen ersten Vorstehers Maiei; Voehl. Ein vorbildliches Frauenleben hat damit seinen Abschluß gefunden, das den ganzen Adel, die hohe Würde des jüdischen Weibes in sich verkörperte. Jedes einzelne Wort der salomonischen Hymne an das jüdische Weib ließ sich auf diese wahrhafte vvrr anwenden. Von einem starken, unerschütterlichen rimn erfüllt, ertrug die Entschlafene mit seltener Geduld und Gottesergebenheit ihr Leiden. Möge die Erinnerungan ihre guten Werke der Familie Trost, ihren Kindern zugleich Ansporn sein, in ihrem Geiste fortzuwirken. > rrasar. Zeitlofs (Ufr.), 5. Januar. Am 12. Januare feiert n"'rr Frau Feanette Reich, die Gattin des leider vor drei Jahren Heimgegangenen und noch in bester Erinnerung stehenden wackeren »-nrp Mar Reich n"s, im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihren 75. Geburtstag. Sie hat die rP37, bei bester körperlicher und geistiger Rüstigkeit^ alle ihre Söhne und Töchter als gute D'mrp erzogen zu haben. Wir wünschen der Jubilarin •mv v'NVzn nxa w Großkrotzenburg, 5. Januar. Am 5. Kislew starb hier Siegfr. Münz im blühenden Alter von 28 Jahren an einer plötzlichen Krankheit. Mit, ihm hat die hiesige Gemeinde einen großen Verlust erlisten, denn er gehörte zu dem wenigen, die die Gebote der Thauro mit Genauigkeit beachteten.. Schon in jüngeren Jahren gründete er sich.eine eigene Position in der Großstadt und doch war es ihm möglich, den Schabbos ber seinen Eltern hier jede Woche zu verleben. Seine Mitmenschen zollten ihm ob seines geraden Lebenswandels höchste Achtung und von seiner Beliebtheit legte die Beerdigung beredtes Zeugnis ab. Herr Lehrer Schuster fand herrliche Worte des Dankes im Namen der Gemeinde, Herr Justin Löbenberg sprach warnre Worte zur Betätigung und Förderung von Limud Thauro und Herr A. Berberich verabschiedete sich in ergreifenden Worten von seinem Freunde. Möge den gebeugten Eltern reicher Trost erblühen. N"2^r>- Vermischtes. Gladbeck, 5. Januar. Hier wurde unter großer Beteiligung und in echter Feststimmung ein neues Sefer eingeweiht. Die Feier fand am Sonntag, den 29. Dezember 1929, 3 Uhr nachm, im Betsaale, Kaiserstraße statt. Sie begann mit Einschreiben der letzten Buchstaben in der Thorarolle durch die Gemeindemitglieder, worauf Anzünden der Chanuckalichter folgte. Nach Empfang der Thorarolle durch das Komitee verbrachte man sie in feierlichem Zuge in den Betsaal, wo sie mit den drei alten rrvm ’idd durch Herrn Lehrer Bär und zwei Gemeindemitglieder empfangen wurde. Es folgten Predigten des Herrn.Rabbiner Dr. Neu haus - Mülheim, Herrn Rabbiner Derer ch - Dilisburg und Herrn Lehrer Bär- Buer. Darauf gab es siebenmaligen Umzug um den Almemor und ein Schlußgebet nivw -mb durch Herrn Schächter- Gladbeck. Eine rmxrmwo und heiteres Beisammensein in der Privatwohnung des Herrn Kaufmann schloß sich an. Tyrnau, 2. Januar. Im Anschluß an die vor einigen Wochen gebrachte Nachricht über die Veranstaltung anläßlich eines rro -prn und snaoa ovo in der Tyrnauer Ieschrwa können wir heute Mitteilen, daß die Feier festgesetzt ist auf März) crVyan unb den darauffolgenden Sonntag. Bereits ist eine größere Anzahl von Allmeldungen eingelaufen und allerseits wird große Anhänglichkeit gegenüber der Ieschiwa und ihrem, verehrten Leiter «"ö’Vff bekundet. Das Vorbereitungskomitee bittet alle' Freunde der ru’ff'», alle ihnen bekannten derzeitigen Adressen ehemaliger Schüler dem Konritee an die Adresse des Herrn Dir. A. Trattner, Trnava, bekanntzugeben. Iamiliennachrichten. Barmizwo: Paul, Sohn des Herrn Siegfried Oppenheimer, Mittelweg 16. ffr'i 's 'p raff. Synagoge Friedberger.Anlage. — Heinz, Sohn des Herrn I. Rothenberg, Rheinstraße 19. ffr>i'b/p raff. Synagoge Unterlindau. - - Joseph, Sohn des Herrn Aron Auerbach, Hamburg. 18. Tebet. Synagoge „Vereinigte Alte und Reue Klaus", Rutschbahn 11. Geburtstag: Am Schabbos, den 11. Tebet, begeht in Kippenheim (Baden) in seltener körperlicher und geistiger Frische Frau Rosa Wertheimer geb. Werl ihren 90. Geburtstag. n"2. 'Bevorstehende Hochzeiten: Josef Hirsch-Gerolzhofen u. Hanna Erlebacher Oberdors/Popfingen. Schweinurt, Hotel ..Burgfrieden" 14. Januar.H Gestorben: Hr. B. W. Resenblatt, 57 Jahre. Luzern. Wer seine Kinder gerne nett angezogen sieht und dabei -mit Vorliebe nur gute Qualitäten in Kindersachen kauft, sowie Auswahl und erstklassige Bedienung liebt, besucht in seinem eigenen Interesse sofort den Inventur- Ausverkauf der Spezialfirma für Kinderkleidung, Louis Rau, Schillerstr. 14, welcher Ungeheueres an Auswahl und Preiswürdigkeit bietet. (Siehe Inserat.)

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