Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1930)
- Date
- 1930-01-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 2 Lassen Sie nire UHR E N bei Neeser-LAPP, Alfegasse 2 rep arierexl- Sie gehen gut und die Preise sind billig. Alles unter Garantie. geringem Kapital gestützt und erhalten werden, statt daß es in Konkurs gerät oder eingeht, wodurch oft die Existenz des oder der Inhaber vernichtet wird, dabei auch die Stellungen der Angestellten etn'gehen und letztere brotlos werden. Ein weiteres Tätigkeitsfeld wäre der ständige Nachweis von Niederlassungsmögllchkeiten für jüdische Geschäftsleute und Handwerker an Plätzen, wo solche eine gute Existenz finden können, ebenso der Nachweis von verkäuflichen Geschäften und Betrieben, welche am Sabbat geschlossen sind, damit solche nicht emtze'hen oder in nicht an der Heiligung des Sabbat interessierte Hände übergehen. Auch die Förderung und Unterstützung zum Einheiraten in gestehende Geschäfte wäre eine wichtige Aufgabe. Sehr viele fromme Geschäftsinhaber auf kleinen Plätzen, die außer ihrem Geschäft kein Vermögen besitzen, müssen das Geschäft verkaufen oder eingehen lassen, weil sie auf diese Weise Geld beschaffen müssen, um einer Tochter eine Mitgift oder Aussteuer zu geben, während dagegen durch Einheirat eines jungen Mannes das Geschäft erhalten bleiben könnte. Die Anzeigen in den jüdischen Zeitungen betreffend An- und Verkauf jüdischer Geschäfte, Fabriken und Betriebe sowie die Anzeigen von Gesuchen von Teilhabern und Gesuchen nach Beteiligungen müßten ständig aufmerksam verfolgt und vom Verband entsprechend durch Anbietung kostenloser Vermittlung bearbeitet/werden. Das oben erwähnte zu gründende Finanzinstitut müßte auch den Zweck verfolgen, Kapitalien zum Ausbau und zur Vergrößerung von bestehenden jüdischen Geschäften, Fabriken und sonstigen Unternehmungen zu beschaffen, wenn durch die Vergrößerung des betreffenden Betriebes vermehrte Stellungen für kaufmännische und gewerbliche Angestellte geschaffen werden können. Viele Kapitalisten, welche mit einer üblichen Verzinsung ihrer Kapitalien in sicheren« Papieren nicht zufrieden sind, legen solche in Spekulationswerten aller Art an und fördern hierdurch oft große industrielle Unternehmungen, Banken, Konzerne usw., welche Juden überhaupt nicht einstellen. Die Ereignisse der letzten Jahre und insbesondere der letzten Zeit haben vielen Inhabern von Aktien und Beteiligungen schwere Verluste gebracht. Es muß darauf hingewirkt aus: Die hellenistische Epoche, die für das geistige Antlitz der gesamten abendländischen Kultur weit bestimmender gewesen sei, als die ihr voraüfgehende griechische und römische Zeit, sei durch die religiösen Anschauungen und Gebräuche der über die ganze Mittelmeerwelt ausgebreiteten Juden aufs, stärkste beeinflußt worden; ein Einfluß, der sich auch in dem werdenden katholischen Christentum Nachweisen lasse. Lietzmann charakterisierte dieses Diaspora-Judentum als eine religiös sehr aktive Gemeinschaft, die eine äußerst erfolgreiche Werbung für ihren Glauben entfaltete. In den Paulinischen Briefen. in der früh-christlichen Gebeisammlung der Apostolischen Konstitutionen und in einer reichhaltigen Propagandaliteratur offenbare sich Wesen und Wirksamkeit dieses Judentums der hellenistischen Aera. Lietzmann vervollständigte dieses Bild durch die Ergebnisse der Ausgrabungen. Er zeigte in Lichtbildern jüdisch-hellenistische Synagogen und Katakomben, Sarkophage, Münzen und Schmuckstücke, die beweisen, daß dieses Diaspora-Judentum den für die griechisch-römische Kultur ausgeschlossenen Sinn mit zäher Treue gegen seine alte Religion und ihre heiligen Kulte verband. (Jüdische Not in Berlin.) Ministerialrat Hans Goslar schreibt in der „Berliner Jüdischen Zeitung": „Wir stehen in Berlin mit seinen 170 000 Juden im allerschwersten Kampf: die soziale Umschichtung in der Berliner Jüdischen Gemeinde gegen die Zeit vor dem Kriege ist für den aus der Gemeindearbeit her Eingeweihten erschreckend und über alles Erwarten groß. Der allergrößte Teil unseres Mittelstandes ist vernichtet, die großen Handels- und Bankhäuser sind entweder der wirtschaftlichen Entwicklung zum Opfer gefallen oder aus jüdischen Händen in die von Nichtjuden oder Täuflingen übergegangen, und eine große Masse völlig besitzloser Existenzen ist werden, daß jüdische gesetzestreue Kapitalisten sich auch in reichem Maße an dem Finanzinstitut beteiligen, welches eine für die orthodoxe Gesamtheit so wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Ein besonderer Zweig zur Schaffung von Existenzen wäre auch die Errichtung von Hotels und Restaurants, welche noch an vielen Plätzen fehlen. Diese Aufgabe könnte in Gemeinschaft mit dem Verein zur Förderung jüdischer Speisehäuser gelöst werden. Notwendig wäre es jedoch, daß eine Stätte zur Ausbildung für den Beruf des Hoteliers oder Restaurateurs geschaffen würde, damit dieser in der Lage ist, allen berechtigten Anforderungen, ,öie an ein Hotel oder eine Restauration gestellt werden, zu entsprechen. Viele der Letzteren rentieren oft deshalb nicht, weil die Besitzer nicht die nötige Vorbildung für den Beruf, haben ,weshalb auch die Klagen der jüdischen Reisenden über die Mangelhaftigkeit vieler jüdischer Gaststätten nicht verstummen. - Auch durch Gründung einer jüdischen Krankenkasse sowie einer Versicherungsgesellschaft für alle Arten Versicherungen ließen sich ungezählte Stellungen für Leiter, Angestellte und Existenzen für Vertreter schaffen, nicht nur am Platze des Hauptsitzes der betr. Gesellschaft, sondern an fast allen Plätzen. Auch muß betont werden, daß die Mitwirkung bei Errichtung sozialer Institutionen wie Krankenhäuser, Siechenhäuser, Sanatorien usw. abgesehen von ihrem sozialen Zwecke auch die Sabbat-Idee fördert, da doch bei Gründung einer jüdischen Institution auch wieder eine ganze Anzahl Stellungen für Leiter und Angestellte geschaffen wird. ' Aus dem Obigen geht wohl schon zur Genüge hervor, wie groß und wie umfangreich das Tätigkeitsfeld für eine Organisation zur Förderung der Sabbathaltung ist. Ueberall stößt der jüdische Stellensuchende, sei er Kaufmann, Akademiker, Handwerker usw. auf die größten Schwierigkeiten, wenn er versucht, in einem nichtjüdischen oder am Sabbat nicht geschlossenen Betriebe oder Unternehmen anzukommen, darum gilt es, jüdische, sabbathaltende Betriebe, Fabriken und Unternehmungen sowie Institutionen zu schaffen und Existenzen zu begründen oder, auszubauen. Jeder an der Erhaltung des kostbarsten Kleinods Israels, unseres Schabbos, Interessierte und jeder von sozialem Geist erfüllte Jude mag hieraus 'erkennen, daß die Förderung aller Organisationen, die uns den Sabbat retten wollen, die brennendste Aufgabe der Gegenwart darstellt. herangewachsen. Soweit sie sich aus Selbständigen zusammenseht, leidet sie unter Kapitalknappheit und zunehmender Ausschaltung des Handels. Sind sie Angestellte oder Arbeiter, so empfinden sie auf das Traurigste und Schmerzlichste den unausgesetzt wachsenden wirtschaftlichen Antisemitismus, der sie aus einer ganzen Reihe von Einzelgebieten der Fabrikation schon völlig herausgedrängt hat. Endlich der Teil von ihnen, der charakterstark und glaubensuberzeugt am Sabbat als der grundlegenden und heiligsten Ewiglciksinstilu im des Judentums, .festhält, findet nur noch in den seltensten Fällen bei diesem sich täglich verengenden Acbeitsmarkt die Möglichkeit, sich eine Existenz auszubauen. Ohne den Sabbatgedanken und die Praxis dieser stärksten und für uns charakteristischsten Bekenntnistat jüdischer Menschen muß jüdisches Leben zerbrechen und im fremden Sande spurlos versickern." Goslar fordert konstruktive Arbeit an dem geistigen, moralischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Berliner Judentums. Wochenkalender. v. 11. b. 18. Januar 1630 v. 11. b. 18/Trbet 6660 Bamstag 11 ul IW’l Sonntag 12 12' Montag Jan. 13 131 * Dienstag 14 14 Mittwoch IS 15 Donnerstag 16 16 Freitag 17;17 Samstag 18 18 ’m» 9. Januar 1930 WresponSevren * llaedncbken. Deutsches Reich. Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Berlin, 6. Januar. Am 5. Januar trat die Arbeit sge m e i n s ch a f t der jüdischen Sa n d esverb Sn de des drutschen Reiches zu einer Tagung zusammen, bei der fast alle angeschlossenen Verbände vertreten waren. Der Vorsitzende wies in seiner Begrüßung darauf hin, daß die Arbeitsgemeinschaft, deren letzte Sitzung um ein Jahr zurückliegt, dazu berufen sei, die gemeinsamen Interessen der deutschen Judenheit wahrzunehmen, so. lange es zur Gründung eines Reichsverbandes nicht gekommen ist. Es fand eine Aussprache darüber statt, auf welche Weise bei der Zuführung rabbinischer Kräfte zu den in Einzelfällen für sie in Betracht kommenden Wirkungsstätten die Rücksicht auf die Höhe der ihnen zu gewährenden Besoldung ausgeschaltet werden kann. Die Frage soll, da es sich hierbei um Mißstände handelt, die hauptsächlich bei der Besetzung großstädtischer Rabbinerstellen hervorgetreten sind, der Konferenzgemeir,schaff der Großgemeinden zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Einen breiten Raum nahm in den Erörterungen wieder die Lage der Rabbinerbildungsanstalten ein. Im Hinblick auf die ungemein große Bedeutung dieser Institute für die Erhaltung des Judentums wurde von allen Seiten die Notwendigkeit betont, die zu ihrem Fortbestand sowie zur Sicherung der Pensions- und Reliktenverforgung ihrer Dozenten erforderlichen Mittel durch die Landesverbände aufzubringen. Soweit das mit Rücksicht auf deren sonstige Belastung nicht möglich ist, soll versucht werden, private Organisationen zu schaffen, damit die Rabbinerbildungsanstalten selbst in jedem Falle von der Sorge um ihr Bestehen befreit werden. , Zur Beratung über die inneren Fragen des Religionsunterrichts, insbesondere die Schaffung von geeigneten Lehrbüchern, ferner über die Frage der Fortbildung der schulentlassenen Jugend wurde ein kleiner Ausschuß gebildet, der sich nötigenfalls durch Zuwahl von weiteren geeigneten Personen ergänzen soll. Von Vertretern der kleinen Landesverbände wurde die in ihnen herrschende Notlage geschildert. Infolgeder Verkleinerung der einzelnen Gemeinden und der Verarmung der in ihnen verbliebenen Mitglieder fehlt es an Mitteln für die Befriedigung der nötigsten Bedürfnisse. Es wurde eine engere Verbindung unter den kleinen Landesverbänden angeregt, damit diese wenigstens moralisch sich gegenseitig einen Rückhalt verschaffen. Briefkasten. G. Zz. iü Leipzig. Daß R. Israel Sa lavier irr Cholerajahre in Wilna am a"1. in der Schul die Betenden zum Essen angeeifert und selber gegessen hätte, wird in einer hebräischen Novelle von Dawid Frisch mann unter dem Titel behauptet. Es ist eine des Beweises entbehrende Legende und hätte darum nicht vom „Jüdischen Lexikon" übernommen und als biographische Note verwendet werden dürfen. — -H' K. K. Uns gehen so viele hebräische Rätsel zu, daß wir um Einhalt bitten müssen. S. S. in K. Wir können solche schwere Anklage nicht bringen, ohne erst die Sache zu prüfen. :••>!**:*;S i^i ii^| |ji :**•:;j ,3. .; . '' . .. . Die Preußische Landespfandbriesanstalt in Berlin (Grundkapital und offene Reserven über 30 Millionen RM.), dir satzungsgemäß Darlehen zur Herstellung und Erhaltung von Klein- und Mittelwohnungen gewährt, legt laut Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil in der Zeit vom 6. bis 25. Januar 1930 einen Betrag von 3 Millionen Goldmark ihrer am 2. Januar zur Ausgabe gelangenden Zprozentigen Goldmark-Pfandbriefe, Reihe XVIII zum Vorzugskurs von 9672% zur öffentlichen Zeichnung auf. Die Pfandbriefe sind reichsmündelsicher; ihre Notiz an den Börsen zu Berlin und Frankfurt a. M. wird Anfang Januar 1930 mit 97% erfolgen; die Lombardfähigkeit bei der Reichsbank wird demnächst beantragt werden. Die Stücke sind zu GM. 100, 200, 500, 1000 und 5000 lieferbar. Zahlung kann bis 25. Februar 1930 erfolgen. Alle durch den Verkauf der Papiere aufkommenden Beträge werden ausschließlich dem Wohnungsbau zugesührt. '