Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1930)
- Date
- 1930-01-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 2 Jude mit der hebräischen Sprache, jedoch ohne Re Thora ist ein schlechter Jude! Die hebräische Sprache ist aber die erste Stufe auf dem Wege, der wieder zur Thora führen kann, — und das ist als Gegenwirkung gegenüber dem bisherigen Auflösungsprozeß der indifferenten jüdischen Massen das Entscheidende. Wochenrundschau. Materielle und geistige Ilöte in Rutzland. Wenn wir in diesen- Tagen im Lichte der Menora eine Epoche der jüdischen Geistesnot an unserem Auge vorüberziehen ließen, so dachten wir vielleicht an die jüdische Gegenwartsnot in dem Lande im Osten, wo Haman und Antiochus zugleich gegen unsere Brüder wüten. Das Kapitel der geistigen und religiösen Nöte in Rußland ist von uns allzu oft und reichlich behandelt worden. Wie gestaltet sich die materielle Lage der Juden in Rußland? Daß die Juden dort von der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage, der Misere der Weltwirtschaft wie der spezifisch russischen, mitbetrofsen werden, wollen wir keinem zur Last legen. Wenn aber die Regierung überdies bemüht ist, durch Steuerdruck und Ausschlußpolitik die Lage der Juden noch kritischer zu gestalten, so erinnert dies doch gar zu sehr an zaristische Methoden. Hunderte jüdische Handwerker in Moskau, die bisher der Moskauer Kreditgenossenschaft „Selbsttätigkeit" angehörten und von dieser mit Arbeit und Rohmaterialien versorgt wuvden, wurden soeben, weil sie einstmals Händler waren', aus dieser Genossenschaft ausgeschlossen, wodurch ihre wirtschaftliche Existenz vollkommen vernichtet ist. Die Verzweiflung unter den Familien der Ausgeschlossenen ist umso größer, als sie nunmehr auch die Anweisungen auf Lebensmittelrationen verlieren. In Weißrußland wurden zahlreiche jüdische Bauern, die schon seit zehn Jahren ihren Boden bearbeiten, aus den Kollektivkolonien ausgeschlossen, weil sie gegen die Vereinigung ihrer Wirtschaften mit nichtjüdischen Kollektivs waren. Die jüdische landwirtschaftliche Genossenschaft „Pachor" im Kreise Mohilew wurde „internationalisiert", indem man sie mit »Der Traum pharao's und die Deutung durch Joseph." "Aus den Werken von Y\ ta» ■o-na "iLandrabb. Mährens, aus Anlaß seines 176. Geburtstages. Von Lehrer F. Bayer in Köln. Bei der Deutung, die *jov dem Traume Pharaos gibt, heißt im Kapitel 41, Vers 26: „Die sieben guten Kühe sind sieben Jahre, die sieben guten Aehren sind sieben Jahre Hin nna DiVn nur ein Traum ist es". Im Vers 27, in dem die Rede von den sieben mageren Kühen und sieben leeren Aehren ist, fehlt der Nachsatz svnrmD'fai» den wir auch hier, wie im Vers 26, erwartet hättten. Weshalb die Verschiedenheit der gedanklich gleichen Sätze? Ausfallend ist auch im Vers 27 die Verschiedenheit in der Bezeichnung der Zeit. Während wir ber der Deutung der nwin rvns ynw die Zeit des Präsens "nsn" a'wsaw vorfinden, haben wir im letzten Teil des Verses, ber der Deutung des Traumbildes der sieben leeren Aehren, die Zeit des Futurums ajn yiv. Alle diese Fragen beantwortet der obengenannte V'i pru mit dem nan en a zu fpa 'a, der zu den angeführten Versen 26 und 27 die Ansicht des nin zitiert; diese sagt uns, die Hungersnot habe, entgegen dem einfachen Sinne der nun- 14 Jahre gewährt. Woher hatte R. Jehnda diese Auffassung? Die Antwort hierauf gibt uns V"i vna nma 'n in seinem Der Israelit__ mchtjüdischen« Kollektivkolonien vereinigte. Jüdische Genossenschaftsmitglieder, die sich gegen >d'en Zusammenschluß aussprachen, wurdenals „Kulaken" (nicht klassenbewußie Bauern) ausgeschlossen. 11 000 jüdische Handwerker in L e n? i n g r a d wandten sich mit einem Memorandum an die Regierung der Sowjetunion, in der sie sich gegen die „Reinigung" der Genossenschaften der jüdischen Heimarbeiter von „ehemaligen Händlern" wenden. Einen tödlichen Schlag für tausende jüdische Deklassierte bedeutet die soeben von der Sowjetregierung herausgegebene Verordnung, daß die gewesenen Händler und jetzigen Deklassierten alle aus ihrer Händlerzeit noch schuldig gebliebenen Sieuergelder sofort zu bezahlen haben. In allen Teilen der Sowjetunion finden zu nächtlicher Stunde „Razzien" von Steuereinehmern statt, die die Wohnungen der ehemaligen Händler aufsuchen und die gesamte Inneneinrichtung für angeblich rückständige Steuern pfänden. Tausende produktiv arbeitende Handwerker werden auf diese Weise zu Bettlern gemacht. Die Kollektivierung von jüdischen und nichtjüdischen Gemeinwesen, gegen die sich beide Teile wehren und deren Ablehnung mit dem Vernichtungskampf gegen die jüdischen Kleinbauern j beantwortet wird, zeigt, daß auch dieser Feldzug seine Wurzel im Geistigen hat; im Ungeiste, der -darauf aus ist,- durch Amalgamierung alle religiösen Regungen in der Brust d>er Menschen zu ertöten: y’rmn orrrwri1?' aber auch Tatfrrt»- Der Untersuchung erster Mt. Die Uniersuchungskommission in Palästina hat die erste Phase ihrer Arbeit abgeschlossen. Was an Ort und Stelle durch Vernehmung von Zeugen, Angeklagten, Sachverständigen und Anwälten zu ergründen war, ist in langen Sitzungen und durch Lokaltermine ergründet worden. Der zwei t e Akt wirdim neuen Jahre in London spielen, wo in Auswertung des gewaltigen Materials die S ch u l d f r a g e gelöst, die stark angegriffenen Methoden der Verwaltung und der Mandatspolitik geprüft und die Mittel zu BiQXULTBA Die sfarkschäumende Sauerstoff-Zahnpasta Wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 60 Pi BIOX-MUND WASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne Prob e-Flaschc gratis.Max E!b A. Ö„ Dresden 9. Januar 1930 einer Verständigung in der Zukunft erwogen werden sollen. Zufrieden ist mit dem Gang der Untersuchung keine Seite, was nicht unbedingt die Schuld der Kommission sein muß. Die Exekutive der jüdischen Arbeit e r o r g ani s a t i o n e n in Palästina hat ihre eigenen Erfahrungen aus 'den Unruhetagen und ihre eigene Meinung über die Untergründe und Zusammenhänge der Bewegung. Sie hat sie in einem Memorandum an die Kommission auseinand-ergefetzt. Die Denkschrift wurde aber nicht beachtet und Vertreter der Arbeiterorganisation wurden nicht vernommen. So tritt sie nun mit einem Protest hervor, in dem sie erklärt, daß neue politische und moralische Gefahren aus einer so gearteten Untersuchungsarbeit dem Lande drohen. „Doar Hajom" von Geiste Jabotinskis nimmt die Aussagen Merrimans in der Schlußsitzung zum Anlaß s ch w e r e r A n g r i f f e aus d i -e K ornmiss t o n, der er „Rechtsverdrehung, wie sie fest dem Dreyfus-Prozeh nicht vorgekommen ist", vorwirft. Auf der anderen Seite tobt das arabische Organ „El E a r m e l " gegen die Kommission, ihre Mitglieder, die jüdischen Anwälte und einzelne Zeugen und Gutachter. Die Zeitung ruft die a r a bisch e W e l t zur Selbsthilfe auf, nachdem, wie die Untersuchung zeige, von England keine Hilfe zu erwarten fei. Man schicke Delegationen — nicht nach England-, sondern in die arabischen u n d mohammedanischen Länder, daß sie dem arabischen Palästina materiell undmoralisch zu Hilfe. kommen. Wir wollen mit unserem Urteil abwarten, bis die Kommission' und die Regierungsinstanzen in London auf Grund der Arbeit in Palästina ihr endgültiges Wort gesprochen haben. Warum sollte es fo schwierig sein? In den in diesen Tagen erschienenen „Mitteilungen der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin" äußert sich Prediger Dr. Joseph Lehm a n n in einem längeren Aufsatz unter der Ueberschrist „Befriedung" über das Palästina-Problem. Wir lesen da u. a.: „Es besteht eine Tendenz, jüdisch zu Nennen, was auch nur wenige Juden angeht. Das ist eine Tendenz, gegen welche ich in anderer Beziehung schon argumentiert habe. .Es ist eine Tendenz, die dem Jüdischen eine falsche Deutung beilegt und zuzeiten zu einer Gefahr für die Juden führt. Die Antisemiten freuen sich, von einer internationalen jüdischen Finanz zu sprechen, weil einige Juden in internationalen Finanzgeschäften engagiert sind. Andere bezeichnen die Musik oder die Kunst als jüdisch, weil Musiker, die zufällig Juden sind, schreiben, oder Werke zur rnw «wo Er sagt hierin-das Folgende: Wenn auch die Tierwelt durch reichliche Ernährung mittels Getreide gut und fett aussieht, so beweist das noch nicht in allen Fällen, daß die Menschen keinen Mangel leiden. Das Vieh begnügt sich auch schon mit minder gutem Futter. Notfalls lebt das Vieh ohne den Genuß des Getreides, es gedeiht in vielen Fällen schon durch das Verzehren von Gras. Nicht also der Mensch. — Das Bild der fetten Kühe braucht also noch nicht das Symbol der großen Sätttigung und des großen, Reichtums der Menschen zu sein. Anders ist es beim entgegengesetzten Traumbilde im Vers 27: dem Bilde der sieben mageren Kühe. Die Kühe wehen wohl auch auf den Mangel der Menschen an Vorräten in den verschiedenen Eetreidearten und andern Lebensmitteln . hin. Fehlt es dem Menschen an wichtigen Nahrungsmitteln, so leidet auch das Vieh mehr oder minder darunter. — Plastischer und eindringlicher jedoch als das Traumbild der sieben mageren Kühe malt das Bild der sieben leeren Aehren die schwere Hungersnot aus. Das in den Aehren vorhandene Getreide dient doch fast nur zur Versorgung des Menschen. Aus diesem Grunde betont bei der Deutung des Traumbildes der guten Kühe und vollen Aehren im Vers 26 rrin nnrr ai!>n- Beide Bilder deuten nur ein und dasselbe an: sieben Jahre der Sättigung. Nicht also verhält es sich mit der Erklärung des Verses 27: Die mageren Kühe und leeren Aehren bezeichnen zwei voneinander getrennte Zeiten. Die sieben ausgehungerten Kühe symbolisieren wohl sieben Jahre des Mangels, jedoch erträglichen Umfanges. Die sieben leeren Aehren aber schildern uns die zweite Periode der Hungersnot in ihrer vollen Schwere und in ihren entsetzlichen Auswirkungen. Erst durch sie werden die glücklichen Jahre der Sättigung gänzlich vergessen werden. B'isa psa s>a»n p nami Daher ist der Ausdruck desrn? asn sntr "wr" im zweiten Teile des Verses 27 verständlich. Nach den ersten sieben Hungerjahren, deren Folgen noch einigermaßen erträglich sind, kommen die andern sieben Jahre des Mangels, die in ihrer Härte und Folgen die ersten sieben Jahre weit übertreffen werden. In diesem Verse wäre der Ausdruck nnr^r tmSm auch garnicht am Platze. Kleines Feuilleton. Rabbiner Dr. Michael Lahn?"2T zum Gedächtnis. Zehn Jahre find verstrichen seit dem Tode des „Fuldaer Raw", der zu den Auserkorenen gehörte, deren Wirken in der Geschichte nicht verwischt werden kann. Es hat sich in diesen Jahren manches geändert im jüdischen Leben nach innen und außen. Wo Michael Lahn gewirkt hat — man kann es im letzten hessischen Dorfe, das auf der Grenzlinie des Fuldaer Ländchens liegt, beobachten — ist heute noch der Grund, die Urzells für lebendige Jüdifchkeit vorhanden, die weitere Kreise zieht. Michael Cahn war ein Rheinländer und blieb es bis zuletzt. Prinzipientreue, Unentwegtheit und heiliger Eifer für Gott und feine Thora hatten gefällige, liebenswürdige Formen, die die Menschen für höhere Zwecke gewannen. Darin dürste zum größten Teile der Schlüssel zu seinem Erfolge gelegen haben. Er hatte in jungen Jahren bei Rabbi Schmuel Bondi 5>"st in Mainz güernt und kam später als einer der ersten Schüler Esriel Hildesheimers nach Berlin. Dort führte ihn eine glückliche Fügung auch Rabbi Israel Sal unter, dem großen