Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 71 (1930)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1930)
- Date
- 1930-01-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 1 INVENTUR¬ AUSVERKAUF Beginn: Montag, 6. Januar Lager'Räumung bis auf’s Letzte Preis-Senkung bis auf’s Letzte 10 I % Rabatt auf alle regulären Waren einige Marken-Artikel ausgenommen 5CHMEIPER Das neuzeitliche grosse Kaufhaus geber gegen if)-r jüdisches Personal scharf gegeißelt Wurde. Darüber hinaus Wurden aber auch wertvoll« Anregungen für die praktische Arb-eit gegeben. Betont wurde besonders die dringende Notwendigkeit, daß Ae Rabbinen sich wert mehr als bisher für die Interessen der g-esetz-estreuen AngsstMen einsetzen. Es wurde ferner der Plan zur Gründung einer jüdischen Angestellten-Organifation nach -gew-Lrkfchaft'lich,em Muster diskutiert, der in der demnächst einzuberufenden Mitglieder-Versammlreng weiter erörtert werden wird. Mit der Aufforderung an die Anwesenden, durch Rat und Tat zur Durchführung der zu bewältigenden großen Aufgaben beizutr-agen, schloß Herr Auerbach Ae eindrucksvolle Kundgebung. Dek Abend brachte der Anigeftellten-Gruppe einen sehr erheblichen Mitgliederzuwachs. Die Adresse dev Anigestellten-Gruppe lautet: Verein für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos," (Angeste llten-Gruppe) Berlin N. 54, Gorrnannstraße 27, Telefon: Norden 7436. Sieg der Verständigungspolitik im deutschen Zionismus. Berlin, 31. Dez. Der Delegiertentag der zionistischen Vereinigung für Deutschland, der vom 29. bis 31. Dezember in Jena, stattfand, endete mit einem vollen Sieg der durch Kurt B-liumenfeld vertretenen Richtung, die für eine aktive Verständigungspolitik gegenüber den Arabern -eintritt. Seine Anträge wurdenmit 83 gegen 53 Stimmen der politifchradikalen Gruppen angenommen. Ausführlicher Bericht folgt. . England. Eine Erklärung der Schöpfer der Batfour- Deklaration. London, 20. Dez. Lord Balf our, Lloyd G e o r g e und General Smuts veröffentlichen- -heute in den „Times" -einen Brief als Appell an die Oeffentlichkeit Großbritanniens und an die Regierung, in dem es heißt: Als Mitglieder des Krtegskabinedts, das für die im Jahre 1917 verkündete Batfour-Deklaration,. sowie für die Politik des Nationalheims für das jüdische Volk verantwortlich war, blicken wir mit tiefer Besorgnis auf die gegenwärtige Lage in Paläftiroa, Ae, so erscheint es klar, -eine Folge des nichtbefriedigenden Fortganges der von Großbritannien gegen, Ende des Krieges begonnenen Arb,eil ist. Mit der- Balfour-Deklaration übernahm men wir eine Verpflichtung zur Erfüllung einer vorgefchri,ebenen Politik. Mt der Uebsrnahme As Palästina- Mandates übernahmen wir zugleichdie Verpflichtung, lebenswichtige Ver-wckltungsapfgabenzu -erfüllen. Aber gewisse Ursachen, die nach wie vor im Dunkelsind, D er I s r a e l i l '-? 2. Januar 1930 haben es verhindert, -daß diese Aufgaben und diese Politik voll zur Durchführung kämen Das muß anders werden. Wir fordern die Regierung dringend auf, sine' autoritative Kommission zu ernennen,, Ae -Aegesamte Lage des.Mandates untersuchen soll. Wünschenswert -ist auch eine weitgehende Neuregelung des Verwalt-ungsap parates . zwecks Durchführung, der Deklaration, und des Mandates dem Buchstaben unddem Geiste. nach. Die von uns übernommene Verpflichtung -ist -k-lar und unzweideutig. Die Schaffung -einer solchen Kommissionwird vor aller Welt dartun, daß Großbritannien entschlossen ist, seine Ehrenpflichten zu -erfüllen; diese Maßnähme wird auch Juden wie Arab-ern- Bürgschaft dafür sein, daß Ae Regierung entschlossen sei, alle Mängel, des gegenwärtigen Systems zu beheben. London protestiert gegen die Retigionsverfolgungen in Rußland. — Eine große Rede von Ehief Rabbi Hertz. London, 22. Dez. Di-e prominentesten eng-lifchen Geistlichen- und Ob-errabbiner Dr. Hertz luden zu einer Pvoteftversämmlung gegen Ae Religionsv-erfolgungen in- Rußland nachder Albert Hall -ein. Der über 10 000 Menschen, fassende Saal war überfüllt, alle Schichten-, der englischen,. Bevölkerung waren vertreten-. Es wurdeeinmütig -die folgende Entschließung angenommen: Die Versammlung protestiert mit ganzer Kraft gegen, Ae unaufhörliche Verfolgung aller Gläubigen in Rußland und fordert alle,, die an Gott glauben und -Ae Freiheit lieben, auf, unablässig zu beten und zu arb-eiten für Ae -religiöse Freiheit der Völker in Rußland.^ Die -englifche Regierung wird aufgefordert, -die größten Anstrengungen zu machen, damit die Sowjetregierung die religiösen, Verfolgungen' einstellt. Die Resolution wird allen zivilisierten Regierungen der Welt übermittelt. , Nachdem Maire Th. Aub-ert, der spez-iell zu -der Versammlung aus Gen,f nach London -gekommen ist. einen generellen Bericht über Ae Verfolgungen der Gläubigen in Rußland, erstattete und die Geistlichen -der verschiedenen christlichem Religionen über bas Martyrium ihrer Anhänger im Sowjetreich berichtet hätten, ergriff Chief Rabbi Dr. H -e r tz das Wort zu einer Ansprache, in der er ausführte, die Juden haben am Mrkftenunter der religiösen Verfolgungin Rußland zu leiden-; das Judentum fei die Zielscheibe für Ae Revlgionsfeinde. Die Beschlagnahme der Synagogen, seitens der lokalen Sowjets dehnt sich über -ganz Rußland aus. Während der vergangenen hohen Feiertage mußten in zahlreichen Städten Ae Juden in Scheunen und Ställen ihren Gottesdienst verrichten, und sie 'waren glücklich-, wenn sie solche' Unterkunftsstätten für . ihr Gebet gefunden hatten. Die Rabbiner sind mannigfachen Erniedrigungen unterworfen. Die Zionisten werden mit unmenschlicher Grausamkeit behandelt, man wjirft ihnen vor, daß sie Agenten des britischen Imperiums feiern Man, wirft sie in Ae Gefännffse oder deportiert sie nach den ödesten Gegenden- Sibiriens. Viele von ihnen werden zu Selbstmord und Wahnsinn getrieben. Jede Art religiösen Unterrichts ist verboten. Erst unlängst wurden zwei Rabbiner, der eine 71, der andere. 73 Jahre alt, zu -je sechs Monaten Zwangsarbeit verurteilt, weil sie das „furchtbare Verbrechen" begangen haben, klein,en, Kindern, das Beten beizub ringen. In Win-iza, Podolien,, wurden zweihundert Kinder über zwei Wochen lang in den Gefängnissen ge-' halten, weil sie das Versteck ihrer hebräischen Lehrer nicht verraten wollten. Was ist nun zu tun, fragte der Chief Rabbi. Cr glaube, sagte er, an eine Wirkung von, Vorstellungen seitens der englischen- Regierung. Indem diese Regierung der moralischen Empörung aller Menschenfreunde Ausdruck geben wird, wird sie das Rückgrat jener Staatsmänner stärken,, die einfe-hen, wie- 'töricht ein agressiver Atheismus ist? In Ae inneren- Verhältnisse desrussischen' Volkes will sich ke-in Mensch einmischen. Der Rabbiner schloß, man dürfe nicht verzweifeln, an dem klaren Stnn -eines ganzen Volkes, schließlich, werde Ae Gerechtigkeit triumphieren. - Die englische Schlachthofbitt berücksichtigt das jüdische Ritual. ' " London, 22. Dez. Die soeben von Colonel Moore im Unterhaus eingebrachte und vom Commander Kenworthy und Sir Archibald Sinclair unterstützte Schkachth-cms-bill, Ae Vorschriften für humanes Töten der Schka-chttveve enthält, fetzte mit Bezug auf A-ef für Juden, und Mohammedaner fest, den,en in keiner' Weise verwehrt. sein, darf, Tiere -gemäß den Vorschriften ihrer Religion zu schlachten, sofern den Tieren -nicht unnötige Leiden zugefügt' werde....:' .. . .? . Weizmann über die politische Lage. i - London, 23. Ä-ez. Weizmann hielt bei einem.-ihm zu Ehren vom Anglo Palestinian Club gegebenen Festessen, bei dem James de Rothschild den Vorsitz führte, eine längere- Rede. Er. widersprach der Auffassung, daß Ae B-alfour-Dekla-raii-on. eine nicht ernst zu nehmende Kriegsmaß-nähme gewesen sei. Die Deklaration sei der Ausfluß einervon großen. Ideen -und dem Gefühle der historischen- Gerechtigkeit -getragenen weit-schauenden. Politik. Auf diese Erklärung, gestützt, hätten die jüdischen- Einwanderer in- Erez Ji-stml gewaltige K-ultu-rar-beit geleistet unddieser Arbeit gegenüber könne man den M-ordseldzug der letzten Monate nur als einen Kampf der Wüste gegen Ae Zivilisation bezeichnen. Der Zionismus ~ habe niemals einen sehnlicheren Wunsch gehabt, als mit den Ambernin Frieden und Eintracht und gegenseitiger Achtung zusammen zu leben, und dies sch auch: Ae Poli-tik der Je-, wish Agency. Der Mandatarmacht gegenüber könnten. Ae Juden ein reines Gewissen haben. Versagt hätten jedoch die Berwaltungssorm-en -in- Palästina -und zum Teil auch die Persönlichkeiten,, -die Träger -dieser Verwaltung waren. Einige von Aesen Persönlichkeiten hätten Mangel -an- Verständnis- und richtiger Einstellungöer Lage gezeigt;- Dile Rede machte auf dieverfammelten. Mitglieder des Clubs -einen tiefen Ciüdru-ck. Macdonald zu dem Balfour-Lloyd Georges- Smuls-Schreiben. L-o nd-o n-, 24? Dez. In -der Sitzung -dse Unterhauses vom 23. Dezember fragte Major Str Archibald Sinclair den Ministerpräsidenten, ob er die Absicht habe, eine Kommission zur Untersuchung der ^rage höherer Politik betreffend -Ae künftige Verwaltung des Pakästina-Manda-teseinzusetzen-, insofern,, -als diese. Fragen außerhalb der Kompetenz der Shaw-Kommission liegm,. Der Premierminister antwortete: „Es ist mir bekannt, daß Aefer Vorschlag in -einem. Schreiben gemacht worden ist, unter dem Ae Unterschriften einflußrei-cher Persönlichkeitenstehen,, Ae. mir natürlich gebieten, den Vorschlag. mit größter Sorgfalt zu erwägen. Cs gibt allerdings wichtige Ueberliegungen, Ae sorgfältig abgewogen werden müssen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Der Fragenkomplex, das muß ich sagen, liegt klär außerhalb des Kompetenz-Bereiches der Shaw-Kommission und kann nicht zu -einem Teil ihres- Berichtss gemacht werden. Frankreich. Tagung des Rates der «Foundation", in Paris. Parts, 19. Dez. Am 15. Dezember d. I. fand in Paris eine Sitzung, des Council der American Joint Reconstruction Foundatton-'statt. -Anstelle des verstorbenen- Präsidenten des Cvunoils,. Fmnz Philippsohn, wurde auf Vorschlag von Herrn. Dr., Bernhard Kahn -im Namen, -der amerikanischen- Mitglieder des Rates -einstimmig Herr Leonard- L. Cohen-London, gewählt, 'Anstelle der ausgefchiedenen Mitgliederdes- Councils sind-Ae Herren AAoigdor Gol-dsmid-London, Dr. Alfred. Klee-Berlin, Dr. Adolph Silb-erszein- Lemberg und Dr. Joffe-Riga, ernannt worden. Auf Grund der ausführlichen Gerichte der Managing Directors der Foundation, Dr. Bernhard Kahn und 2>r~ Louis Oungre, über Lage und Tätigkeit der von der FoundatiM in den verschiedenen Landern finanzie-vten jüdischen Kreditgenossenschaften bewilligte der Council neue Kredite i-n -einer Gesa-mthö-he von- 115.000 Dollar für di-e Arbeit.-in Litauen,, Alt-Runränien, Beßarabien, Bukowina, Tschechostowakei, Oesterreich usw. Außerdem ist eine ganze Reihe von Beschlüssen über A,e weitere Arbeite rn diesen. Ländernangenommenw-orden-. .Die zur Verfügung gestellten Kredite sind bestimmt!, Ae genossenschaftliche Tätigkeit — soweit möglich und notwendig — zu erweitern und besonderseine weitere Reduktion der bischerigen Zinssätze,. Ae.Ae Kassen für ihre Darlehen noch zu erhebengezwungen sind. Herbeizufühven. ' v Vorschriften eine Ausnahme Y'M ]\\i) wt Vä/OutlC'H NM ÜC Verhältnissen in Polen biefchäftigt und in Aussicht g*