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Der Israelit · 1930-01-02 · Heft 1 (2.1.1930) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
71 (1930)
Issue
Heft 1 (2.1.1930)
Date
1930-01-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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2. Januar 1930 D et 3 s t a e I i t Nr. 1 ' Seite 7 wimmert, daß g-ememifoim mit Äom- Direktorium des Verbandes ih Polen baldigst uhlsäsfende Pläne ausgeaxbeitet werden zur Belebung der gesamten kooperativen Tätig-- keit in Polen. - Rutzland. Me russische Fünftagewoche. Riga, 31. Dez. In Ruht and wurde die ununterbrochene Arbeitswoche -smgeführt. Für die Maschinen wird der Ruhetag abgeschafft. Da äbdr doch der Mensch seinen-Ruhetag Huben und den Arbeitern >für die Abschaffung des gewohnten Sonntages ein Aequivalenb geboten werden muß, wurde beschlossen, dem einzelnen Arbeiter statt jeden siebenten Tag jeden fünften Tag! einen Ruhetag zu gewähren.. Die Arbeitswoche hat auf diese Weise nur fünf Tage. Und die Angestellten und Arbeiter werden tn bezug aus chve Rühetage in fünf Schichten eingefeAt. An jedem Tag der Arbeitswoche hat also eine andere Schicht den Ruhetag. Rur fünf Tage im Jahr, die fünf Revol-utiönsfeierlage, find allgemein'. Daß mit dieser Reform der ArbeitszÄt durch die Abschaffung des Sonntages und' selbstverständlich'auch des Sabbats auch der Religion ein empfindlicher Schlag versetzt wird, ift nur eine von der kommunistischen Regierung begrüßte Nebenerscheinung. ■ ' Mit der Einführung der Fünftagearbeitswoche werden die einzelnen Werke gezwungen, besondere Kalender zu drucken und sie an die Arbeiter zu verteilen. Denn es ist ja unvermeidlich, daß ohne solchen Kalender die größte Unordnung entsteht. Niemand kann ja. .mm; während der Uebergangszeit, seinen Ruhetag im Kopf behalten. Die Fabriken druckten also einen „Arbeitskabender" auf verschiedenfarbigem; Papier. Blau, grün, roh, gelb und weiß, für jede der einzelnen Ruhefchichten. Für jede Schicht sind die Ruhetage rot aufgedruckt. Wenn schon solche Arbeitskalender- ..gedruckt wurden, lag auch die'Idee nahe, entsprechend der neuen Wirtschaftsordnung die Kalenderreform durchzufühven. .Die Akademie der Wissenschaften bekam den diesbezüglichen Auftrag. Man erinnerte sich nicht nur an die Reform der französischen Revolution, sondern auch an Projekte, die in -Amerika geplant waren. Das amerikanische System wollte ein Jahr in dreizehn gleichmäßige Monate teilen, mit Rücksicht auf die religiösen Gefühls der Bevölkerung aber die Siebentagewoche mit dem Sonntag beibehabten. Nun, in Moskau geht man über die Religiosität vollkommen hinweg. Der Plan 'der Kalenderreform sieht natürlich die Zeitrechnung' von der Oktobermvolution an vor. Da das landwirtschaftliche Jahr am 1. November beginnt, soll auch das neue Jahr nach' dem neuen Kalender am alten ersten November beginnen. Das Jahr hat wie früher zwölf Monate. Jeder Monat sechs" Wochen zu je fünf Tagen. Der Kalender soll auch ein ewiger sein, d.h., er - ist so konstruiert, daß in jedem-Jahr Las gleiche Datum auf denselben! Tag fällt. Die fünf Reooluitionsfeiertage führen kein Datum, sondern Namen. Sie werden dem einzelnen Monat, auf den sie fallen, als einunddrsißrgfter Dag zugezählt. Auf diese Weise erhält 'das russische Jahr die 365 . Talge des astronornifchlen. Außerdem wird jedem Schaltjahr noch ein JndUstrialisierungstag, zugeteilt. So ist die geplante Kalender reform. Man will in späterem Zeiten auch die Namen der Monate verändern, an ihre Stelle astronomische Bezeichnungen setzen und endlich auch die Bezeichnung'der Tage. . Palästina. Die Arbeit der Unlersuchungskommifsion. Jerusalem, 23. Dez. Am 18. Dezember kam wieder Oberrabbiner. Ku k zur Be'rnchmung. Der arabische. Anwalt Stöcker will vom Oberrabbiner wissen, worauf sich das Recht der Juden auf die Klagemauer stütze. Rabbi Kuk sagt: „Wir verzichten. daraus, mit Dokumenten zu kommen und w sere Ansprüche zum Gegenstände einer Diskussion zu machet. Die gesamte zivilisierte Welt weih, daß die Klagemguer die.Tränenstätte des jüdischen Volkes ist." Cr lehnt jede weitere Aussage übev diesen Gegenstand ab. M e r r i m a n verliest eine Erklärung des Ober-, k o m m i f f a r s in einer Sitzung des. Völkerbundes in Genf, in der es 'heißt, die Klagemau e r f rag e könne glatt gelöst werden, wenn sich dis Moslemiten entschließen, den Platz vor der Mauer den Juden zu verkaufen. Eine entsprechende Summe sei dafür vorrätig. Oberrabbiner KUk sagt, er höre zum ersten Mal von dieser Erklärung des Oberkommisiars, und er sprach dabei den Segensfpruch 2'vani uwn Als er auf die Märtyrer von Hebron zu sprechen kam, brach er in Tränen aus. Zum zweiten Mal weinte er laut, als er vom Verbot des Scho färb k a f e n s ä m Jom-Kippur an der Mauer sprach. „Es ist mir unmöglich," sagte er, „in trockenen Wörben auf Fragen zu antworten', die mir so tief an die Seele gehen." - Der Vorsitzende tadelt ihm zu Ohren gekommene Fälle von Zeugeneinschüchterungen. Die Wortesind an die Adresse "der Arabischen Exeku tive gerichtet. Herr Pasmann läßt sich als Zeuge über die Methoden der jüdischen Arbeit aus und'bringt stallstifche Zahlen über Kolonisierung und Austrocknung von Sümpfen. Entgegen den Behauptungen' der arabischen Anwälte weift er nach, daß die Araber.genügende EntschÄdiZungen bekommen hätten. Die sanitären Arbeiten haben - Cholera- und Typhusherde beseitigt. Am 19. Dezember wind Herr M. Smiliansky vernommen, ein bekanner landwirtschaftlicher Fachmann^, der alle Angaben Pasmanns bestätigt und noch erweitert. Ein angesehener Kolonist aus Petach Tikrva, Abraham Schapiro, erzählt über, die Gärung und die Verhältnisse in Petach Tikwäh. Die Kolonie schloß durch seine Vermittlung 1922 einen Friedens- und Freundschaftsbund mit den arabischen Nachbarn, Ms die Gärung jetzt eintrat, schickte er eine Deputation zu den Nachbarn, und sie blieben auch trotz Aufhetzung von allen Seiten, dem Bunde treu. Schapiro schildert im weiteren das freundnachbarliche Verhältnis zwischen Iw den und Arabern in und um Petach Dikwah. Er schließt mit den Worten: „Ich bin überzeugt, daß 8b Proz. der Araber den, Frieden wollen,. Die meisten kämpfen, nur gegen das britische Mandat und schlagen dabei die Juden, tot." 1 Am 21. Dezember wird unter großer Spannung Harry Sacher vernommen'. In längeren Ausführungen zeichnet er das Wesen der Zionistischen Bewegung und des jüdischen Aufbaus. Auf Wunsch definiert er auch Len Begriff Jüdisches Nation«lheim. Er versteht darunter eine Politik, die den Juden die gesetzliche Grundlage gibt, in Palästina ei n z u wander n, das Land aufzu bau en und eine jüdische Zivilisation im jüdischen Geiste zu schaffen. Aus der Vermählung Israels mit Erez Israel ergeben sich die großen Leistungen, die Palästina einen Anteil ,an der "W el tzivilis a >t i o n sichern. „Wir kommen nicht ins Land, um Geld zu verdienen, sondern um unsere Seele zu läutern und unseren Beitrag zur Kultur der Menschheit zu leisten. Die zweite arabische Generation wird wissen, daß die Zukunft Palästinas unzertrennlich mit den Juden verbunden! ist. Me Juden haben nicht die Absicht, über andere zu herrschend wollen aber auch nicht von anderen beherrscht sein." Er akzeptiert die These des Balfourb r ief es, wonach nichts geschehen dürfe, was die bürgerlichen- oder religiösen Rechte nicht-jüdischer Gemeinschäften in Palästina verletz. Die Revisionisten machen Opposition gehören aber zur zionistischen Organisation. Sicherheit bringen könne.nur eine feste Hand der Regierung. Die britischen Beamten, die nach Palästina geschickt werden, müßten besser über die Dinge informiert werden. Sacher machte noch andere Dorschkäge zur Vermeidung von Unruhän. Erste Notwendigkeit sei eine e n 8 g ü l t i g e L ö s u n g d e r K l a g e m a u e r f r a g e. In dieser und auch anderer Beziehung, habe die Regierung schwere Fehler gemacht. Die arabische Bewegung richtet sich letzten Endes gegen England. Hatten doch prominente Araber versucht, die Z i o n ist e n für einen Trutzbund gegen England zu gewinnen. Auf das Drängen Stöckers, Namen zu nennen,, nannte Sacher Auni Bey, der jetzt als Anwalt im Saale wirkt. Der Anwalt protestiert sehr lebhaft, Sacher aber b l e @ b t b e i s e i n e r A u s s a g e. Von einer Verhandlung über diesen- Punkt könne nicht die Rede sein, da 'die Zionisten! selbstverständlich von vornherein auf diese. Zumutung nicht eingingen. den, am Tage des Massakres in ein Haus in Hebron ei «gedrungen %u sein und dort fünf Studenten der Jeschirvah ermordet zu haben. Drei der Beschuldigten wurden wegen Mangels an Beweisen aus der Haft ent-, lassen, 10 wurden dem Gericht übergeben, das gegen sie in kurzem den Prozeß eröffnen wird. — Irr Jaffa wurde der Araber Hussein Abdel Hamid, der beschuldigt war, den jungen Benjamin Goldberg aus Tel-Awiw, Sohn des Ziomstenführers I. L. Goldberg, der sich mit «inigen anderen jungen Juden aus Del-Awiw zur Rettung einer isolierten jüdischen Arbeitergruppe begab, ermordet zu haben, aus der Haft entlassen. — Schieich Muzafar aus Jaffa, der auf der von den' Zeitungen veröffentlichten schwarzen Liste der Regierung unter Nr. 16 erwähnt ist und von dem der stellvertretende Kommissar des Südidistriktis vor der Untersuchungskommission be-» hauptet hatte, daß er « „Rede-Narr" sei, wurde von der Regierung aufgefordert, 500 Pfund als Bürgschaft für künftiges Wohlverhalben zu erlegen. Der Scheich weigerte sich, den Betrag zu erlegen': man erwartet, daß er verhaftet werden wird. - Araber wegen Ermordung von Jeschiwah- Studenten in Hebron vor Gericht. Jerusalem, 19. Dez. ~ Der Untersuchungsrichter beendete die Vorvernehmung von 13 Arabern aus Hebron, die beschuldigt wer- Arnerika Die Hetze gegen Dr. Mägnes.. Ne w y o rk, 30. Dez. Dr. I. L. Magnes, dessen Gespräche mit dem englischen Arabienkenner St. John Philby über die Bedingungeneiner arabisch-jüdischen. Annäherung wie eine . Bombe in fast allen zionistischen Kreisen wirkte, versandte an eine Anzahl prominenter Juden eine Erklärung, in der er vorschkägt, daß . die Zionistische Exekutive in Jerusalem und der Waad Leumi gemeinsam eine Kommission ernsten sollen mit dem Ziele, die Meinungen der jüdischen Gemeinschaft Palästinas bezüglich einer arabisch-jüdischen Verständigung und der Errichtung eines Parlamnts in Palästina zu erkunden. Eine andere ' Kommission soll in London zum StUdtum des Problems unter Heranziehung von Staatsmännern und politischen Sachverständigen 'eingesetzt werden. Dr. Magnes führt in dieser Erklärung weiter aus, er sehe in den von John Philby gemachten Vorschlägen einen großen Fortschritt gegenüber den von den, Arabern gewöhnlich vertretenen Forderungen, indem Philby auf dem Standpunkt steht, daß die Balsour-Deklaration und das Mandat bestehen bleiben sollen, daß dem High Commissioner ausgedehnte Machtbefugnisse gewährt werden sollen, so u. a. die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sowie Vetorecht gegen legislative Aktionen oder Beschlüsse des Parlaments. Auch hat sich Philby mit dem Prinzip freier jüdischer Einwanderung gemäß der Aufnahmssähitzkeit des Landes und mit dem Recht der Jewish Agency, jüdische Interessen' zu vertreten und zu schützen, einverstam den erklärt. Dr. Magnes meint, das Weißbuch von 1921 habe den Traum einer Urherrfchafk der Juden im Lande b eendet, aber den Juden das Recht gegeben, in Palästina zu bleiben und eine genügende Basis für die Schaffung eines geistigen Zentrums im Sinne Achad Haams zu bilden. Der High Commissioner sollte von der Mandatarmacht ernannt und vom Völkerbund bestätigt werden, wodurch Palästinas Position --als ein Heim für Juden, Christen und Moslems gekennzeichnet würde. Palästina sollte ein b irrationaler Staat se in, mit konstituRonellen und' legislativ'en Formen, die das Land zu einer internationalen Heimat für alle Religionen und Rassen machen. In der zionistischen.Presse ist inzwischen gegen« Magres ein wahres Kesseltreiben entstanden^, das sogar die „Jüdische Rundschau" zu der Frage veranlaßt, wohin es führen solle, wenn jedem Menschen 'das Wort im Munde verdreht werde. Wir können mit Genugtuung feststellen, daß diese Taktik nicht nur agudistrschen Führern« gegem über beliebt ist, können es aber Herkn- Dr. Magnes überlassen, seinen Standpunkt zu vertreten. In dem Dementi, das Dr. Magnes telegraphisch der amerikaMschen und palästinensischen Presse übermittelte, verweist er auf seine" Auffätze aus den' Jahren 1921 und 1919, die beweisen, daß er nicht etwa unter dem Eirn druck, der. arabischen Angriffe seine jetzige Meinung gebildet habe. Er erklärt ausdrüMch, -daß die Balfo-ur- Deklaration, die so oft feierlich bestätigt würde, schon um des Prinzips von Treu und Glauben'im internationalen Leben unbedingt b'eftehen bleib«en müsse. Sie solle aber, aus einenr Stein des Anstoßes w die Grundlage einer Verständigung zwischen- Juden und Arabern ver-» wandelt werdän. (Fortsetzung siehe Sei-te 13.); ( . : 1

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