Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450599--76585-2534170
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

24. &ezemöer 1929 eine Prognose stellen darf, so wird in Zukunft Tels einer der wichtigsten Stützpunkte der östlichen Agudo, wenn nicht gar das Zentrum werden, das gemeinsam mit den seit Iahrzeh^en bewährten Freunden in Kowno: Merket und Lewin, Lipschütz und Schereschewski die Organisation wieder führen wird, den rnirö'? n^n miK! Und doch wird der lebendige Mittelpunkt immer die bleiben, mit dem jungen Raw, den andern Söhneni und den Schwiegersöhnen des p'-ismit dem Rabbi Chaim Rabinowitsch, als Führern. Damit ichdas Erlebnis von Tels in Herz und Seele, nicht vermeine, es bleibt für uns in Litauen nichts zu tun übrig, fuhr ich zum Abschluß meiner diesmaligen Reise noch nach Memel, wo vor und während des Krieges eine ansehnliche Agudogruppe, noch von deutscher Seite gegründet, existiert hatte. Die besten der alten Freunde — die Brüder Iosselowski, Leib Hanemann, der lerngewaltige Vorsitzende der Gruppe, haben der Idee die Treue gehalten, ob es ihnen, gemeinsam mit dem verehrten Rabbiner Dr. Lazarus gelingt, die Gruppe wieder zu beleben, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wurde der Besuch dort tatsächlich zur ernsten Mahnung, weiter und weiter für den Gedanken des werbend zu wirken. Nur durch unermüdliche Arbeit kommen^ wir voran, erwerben wir Anrecht auf neue Erfüllung des alten Wunders. 03 nws ö’awp *inuar W. S, I. Keren Hathora in Finnland. Im Aufträge der Keren chatauro-Zentrale Wien besuchte Herr Wolf S. Jacobson-Hamburg Finnland, um mit den dortigen maßgebenden jüdischen Kreisen wegen Schaffung einer finnländischen K. H.-Landeszentrale zu verhandeln. Nach einer Reihe von aufklärenden Vorträgen, die Herr Jacobson in Helsingfors in Abs hielt, beschlossen die Vorstände dieser beiden Gemeinden den korporativen Anschluß an den K. H. Durch die getroffenen Abmachungen ist es dem K. H. möglich, alle im Jahre 1929 durch Finnland subventionierten Thoraanstalten weiter zu stützen und darüber hinaus ansehnliche Beträge zur weiteren Verwendung für Thorazwecke frei zu bekommen. Es besteht begründete Aussicht, in aller Kürze zu ähnlichen Abkommen mit Estland, wo der K. H. Vertreter wiederholt Besprechungen mit den maßgebenden Kreisen hatte, und mit Schweden zu gelangen. War und ist ein besonderer Hilfsfonds der Orthodoxie für Erez Iisroel notwendig? Unter der Ueberschrift „Unser altes ErezJisroel, ei ni Wort zumAufbau des alten Jischuw" hat der „Israelit" in seiner Sukkoth-Nummer auf Grund der ihm aus dem heiligen Land zugegangenen Nachrichten ein Bild von den schweren Schädigungen entworfen, die der alte Jischuw durch die Aw-Pogrome und ihre furchtbaren wirtschaftlichen Nachwirkungen erlitt und hat aus diesen Ausführungen die Konsequenz gezogen, daß der Aufbau und die Weiterführung eines speziell f ür den a l t e rs Jischuw bestimmten Hilfsfonds für diesen eine Lebensnotwendigkeit bedeutet. Dabei wurde die Objektivität nach der anderen Seite so gewissenhaft gewahrt, daß sowohl die Leistungen beispielsweise des Hadasiaspitals anerkannt, als auch dis Notwendigkeit, den geschädigten und gefährdeten neuen Kolonien zu Hilfe zu kommen, ebenfalls ausdrücklich betont war. Nichtsdestoweniger sah sich durch unsere Ausführungen der Leiter des zionistischen Hilfswerkes in Palästina, Rabbi Meier Berlin, veranlaßt uns eine in ziemlich ge- Der Israelit Blätter_ reiztem Tone gehaltene Berichtigung zu senden, die wir zunächst zur Prüfung nach Jerusalem schickten. Nachdem die Antwort uns vorliegt, veröffentlichen wir nun zunächst den sachlichen Teil des Berlinschen Briefes. Er lautet: 1. Es ist eiic einfache Verdrehung der Tatsachen, wenn die Diige p darg-stellt werden, als ob der alte Jischuw bei Vertülung der Hilfsmittel nicht in Betracht käme. Es ist Tatsache, daß 83 Prozent der Gelittenen in Hebron, Safed und der Altstadt Jerusalem, die vom Hilfssond fortwährend ausgehalten werden, zu dem alten Jischuw gehören. 2. Ebers) ist es Verdrehung von Tatsachen, zu behaupten, daß das Schaare Zedeck-Hospisal vom ersten Tage der Unruhen überfüllt war. Das ist völlig falsch. In Schaare Zedeck war nur ein Sechstelteil der gesamten Ziffer unte'gebracht, während di: Hsilsumme pro Kranken des Schaare Jedeck beträchtlich höher ist als die der anderen Krankenhäuser. 3. Es ist auch unrichtig, daß die Waisenhäuser Pogromwa'sen ausgenommen haben. Von der 71 Pogromkindern sind 33 bei ihren Müttern, 10 bei ihren Verwandten, auf Kosten des Hilsssonds, untergebracht. . 17 haben im Kinderheim Aufnahme gesunden, die übrigen befinden sich in den Waisenhäusern außerhalb Jerusalems (nach eigenem Wunsche). 4. Die Flüchtirge sind im Sirauß'schen Beth Habriuth und den Schulgebäuden untergebracht worden. Außer den religiös-nationalen Schulen des Misrachi gibt es hier selbst kei ie bequeme und geräumige re'igiöse Schulen bezw. Chedergebäude, die als Sammelhäuser geeignet waren. 5. Der H'.lssfond, an dessen Spitze ich stehe, hat auch nicht unbedeutende Mittel für die Thora- und Chefsed- Jnstitutionen bewil igt. Die Hrbroner J^schivo erhielt von uns über 4300 Lstr. Dieser klare Tatbestand ermöglichte Reorganisierung der Jeschiwa in Jerusalem and Neuaufnahme des Thorastudiums dortfelbst. Ebenso wurden unterstützt die folgenden Jeschiwoth: Thora Chajim 570 Lstr., Etz Chasim ca. 400 Lstr., Mea Shearim 100 Lstr. Es werden zunächst auch die Jeschiwoth Schaare Schomaim und Chaje Olam in Erwägung beträchtlicher Summen gezogen. Hierzu bemerkt die Agudas Jisroel-Zentrale in Jerusalem folgendes: 1. Der von der zionistischen Leitung nach verschiedenem Hin und Her jetzt wieder ganz allein verwaltete Hilfssond hat ungesähr 600 000 Lstr. gesammelt. Von diesen 600 600 Lstr. sind jetzt, nach Verlaus von dreieinhalb Monaten, nach.ihrer eigenen Veröffentlichung 60 000 Lstr. verteilt worden. Man bemüht sich mit aller Macht, keinerlei nicht zurückzahlbare Summen mehr zu verausgaben. 2. Selbstverständlich haben auch orthodoxe Kreise an den Hilfsgeldern partizipiert, da ja fast alle von den Pogromen B:t offenen der Orthodoxie angehörten. Die armen Fiuchtinge der Peser und Grusiner sind gewiß orthodox, aber es sind Leute, gegen welche die zionistische Leitung keine Feindschaft hegt. Die Beschwerden darüber, daß man bei der Verteilung der Hilssgelder die Orthodoxie nicht berücksichtige, bezieht sich aus den Kern des a'.ten J'schuw, auf die bewußte Orthodoxie, die ein Dorn in den Augen der Zionisten ist. In bezug auf diesen Teil des Jischuw muß man sagen, daß er von der zionistischen Leitung mit Gleichgültigkeit, wenn nicht mit Haß betrachtet wi'd. Gleich in den ersten Tagen, als wir uns mit der Bitte um Hilfe für Talmide Chachocim, die im Hause Strauß gewohnt hatten und die durch die Pogrome aus diesem Hause flüchten mußten, an die Leitung des Hilfswerkes wandten, haben wir nichts erreicht, weil di: Einwohner extreme Orthodoxe find. Der Eemcindepräses von Safed hat vom Leiter des Hilfswerkes auf die Beschwerde, daß> Safed alle feine Eiiwohner verlieren werbe, di: Antwort erhalten: „Wenn ihr es verlaßt, werden wir an eurer Stelle andere ansiedeln." ■ 3. Jetzt werben P'äne für den Aufbau des Zerstörten ausgearbe'tet. Allein jedes sehende Auge kann wahrnehmen daß die Ri sensummen den zerstörten Einzels! dtungen wie Beer Tauwiso, Chuldo u. a. zugewandt werden. In Beer Tauwiso arbeitet man bereits am Aufbau. Hebron und Zfas daaegen können sich dieser Berücksich igung nicht erfreuen. Die Eel'-e-, dir von jetzt an ausgegeben werden, stellen im wesentlichen Darlehen gegen 6 P r o z. Zinsen und gegen ausreichende Sicherheit dar, sie sollen nachher in die zionistische Kasse zurückfließen und ihr dann als Eigentum bleiben. Für dis Darlehen, die man jetzt den Geschädigten in Jerusalem gewährt, verlangt mau dir Haftung der Regierung dafür, daß diese der zionistischen Leitung die Regierungsentfchädigurg für Rechnung der Anspruchsbrrechiiglen zurückzahlen wird. Aus den Memoranden, die von Zfas und Hebron und Haifa vorliegen, geht klar hervor, daß die Leitung des Hilfswerkes die Lage in diesen Städten in keiner Weise ge'iitbert hat, daß die Unglücklichen sich aus den Straßen herumwälzen oder in „Heimen", ohne Kissen und Bettzeug. Aber niemand kümmert sich um sie. Wenn aber aus den Hilfsgetdern, die doch für die Aermsten der Armen gegeben würben, man weder dem unglücklichen Hebron, noch dem nied ^gebrannten Zfas, noch Haifa gibt, wem sonst wird man geben? Was wird man mit den Hundertta"s:nden von Pfund tun? Für welchen Zweck hat die Gesamtheit in der Diaspora dieses Geld gegeben? Es scheint klar, daß man es verwenden Nr. 25. Seite 3 will zur Deckung des Budgets des Keren Hajefsod, und daß 90 Prozent der Summen für rein zionistische Zwecke ausgcgeben werden sollen. 5. Zu Vertretern des Hilfswerkes in den palästinensischen Städten, und zwar u Slabten, die fast ausfchlicß ich von Orthodoxen bewohnt find, hat man Männer gewählt die frei von jedem religilfen Anhauch sind, und den von ihnen zu Betreuenden so fern stehen wieder Osten dem Westen. Sie spotten der Unglücklichen und behandeln sie auf die grausamste Weise. Zum Vertreter in Zfas, einer 'Stabt, die vollständig orthodox ist. hat man einen Arbeiter gewählt, der den Sabbat entweiht und ein vollendeter Leugner ist, und der der Orthodoxie mit vollendetem Hasse gegenübe^steht. Dis Dinge sind soweit gediehen, daß bei einer Versammlung, die diese Woche im Waad Hakloli unter dem Vorsitz von Oberrabbiner Kuk stattsand, im Zusammenhang mit den Forderungen von Zfas und Hebron einer der Anwesenden, Herr Margowsii, erklärte, es sei eigentlichi klar, daß die zionistische Leitung Rache nehmen wolle an denjenigen Städten, die es gewagt hätten, aus dem Waad leumi auszutreten. Sie wolle den Jlschuw in Hebron und Zfas vernichten, um Stützpunkte der Orthodoxie loszuwerden." Zu den Einzelheiten des Briefes von Rabbi Meier Berlin wird von Jerusalem folgendes bemerkt: a) Es ist ganz richtig, da,, 80 Prozent der Notleidenden von Hebron und Zfas und Jerusalem zum alten Jischuw gehören. Es war also keine andere Wahl, als daß man diesen Kreisen geben mußte. Aber ihnen hat man nur die Brosamen in Gestalt von Krumen gegeben, Unterstützungen von 1—2 Lstr. Uns liegt ein Verzeichnis von Tatsachen vor, aus denen hervorgeht, daß orthodoxe Fami.ien, die durch die Pogrome vollständig vernichtet worden sind, sich die Füße wund gelaufen haben und nichts bekamen, oder aber zum Hohn eine Unterstützung von 1.72—2 Pfund. b) Die Institutionen des alten Jischuw, deren Einnahmen naturgemäß in di:sm Monaten durch die SammelPropaganda des Hilfsfonds sich stark verminderten, darunter die vielen Jeschiwoth und Talmud Thora-Anstalten, die auf diese Weise indirekt von den Pogromen betroffen waren, wobei 500 Familien von Jeschiwolehrern in Jerusa'em allein geradezu bis zum Hungertod gebracht worden sind, wurden vom Hilsssond überhaupt nicht berücksichtigt. Eine Ausnahme hiervon ist die'<Jeschiwo in Hebron, der sie unter dem Drucke ihrer amerikanischen Freunde gezwungen waren, eine bestimmte Summe zu geben. c) Die von Rabbi Berlin in Punkt 5 seines Schreibens erwähnten Zahlungen an die Jrschiwoth sind weiter nichts als einfacher Ersatz der Schäden, die die in den Jeschiwrth-Eebäuden untergebrachien Flüchtiingr angerichtet haben, z. B. Ersatz für zerbrochene Stühle, Fenster und ähnliche Schäden, deshalb haben nur Tauras Chajim, Ez Cha'im und Mea Shearim bekommen. So war z. B. die Jeschiwo und Talmud Thora Ez Ehasim monatelang der Aufenthaltsort für dis Flüchtlinge, die dort natürlich mancherlei Schäden anr.'chtele.n. Dagegen sind die Gesuche von Jeschiwos 'und sonstiger Institutionen, mit der furchtbaren Lage zu rechnen und ihnen Unterstützungen zu gewähren, rundweg abgeschlagen worden. Dabei hat man — was nicht beanstandet werden soll — den Lehrern der zionistischen Schulen ihr Gehalt für zwei Monate, was vielleicht 1500 Pfund ausmacht, bezahlt, den Melamdim natürlich keinen Pfennig. Ein hier weilender Newyorker Advokat, Eoldstein, der sich von der Lage überzeugte, entschloß sich nach Amerika zu telegraphieren, damit dort während der Feiertage eine besondere Propaganda für di: Jeschiwoth und Talmud Thoras veranstaltet werde. Man sagt, daß Rabbi Berlin selber das Telegramm Unterzeichnete, daß aber die zionistische Leitung die Propaganda dennoch zu verhindern wußte. d) Daß der Hilfs.ond den Spitälern ihre Auslagen für die Verpflegung der Verwundeten ersetzte, ist richtig. Das geschah auf ausdrückliche Anordnung aus Amerika. e) Das Disiii'fchs Waisenhaus machte öffentlich bekannt, daß es bereit fei, alle Pogromwaisen aufzunehmen. Wenn es sich indessen um Kindererziehung handelt, so ist man bei den Freien sehr gewissenhaft und weiß zu verhüten, daß Kinde; einem orthodoxen Institut anvertraut werden. Man schickte die Kinder lieber in moderneKinderhärser, um sie dort in areligiösem Geiste zu erziehen. Selbst solche Kinder, die im Diskin'schen Wa'senhaus untergebracht waren, hat man wieder herausgenommen. f) Es ist vollständig unwahr, daß dis orthodoxen Institutionen keine Stätte zur Unterbringung der Flüchtlinge geboten hätten. Das große Haus der Churba, alle Zimmer der Talmud Thora Ez Chajim waren Monate hindurch von Flüchtlingen bewohnt. Viele Hunderte Flüchtlinge hielten j.ch dort di: ganze Zeit auf und in den ersten Tagen war der ganze J'schuw der Altstadt in diesem Hause konzentriert. Auch die Zimmer der Jeschiwo Mea Scheorim wurden den Fücht ingen überlassen; ebenso die 10 Zimmer der agudistischen Mädchenschule, in denen dir Hebroner Flüchtlinge bis vor Noschhaschono, teilweise bis Eheschwan wohnten. Auch in den anderen Städten des heiligen Landes z. B. in Zfas wurden Gebäulichkeiten der orthodoxen Gemeinden den Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. g) Es ist nicht uninteressant, daß das Misrach harabbanuth 330 Lstr. aus den Hilfsgeldern erhielt, obgleich bei ihm ein unmittelbares Betroffensein durch den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.