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Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 20)
Language
German
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SMe 4. Nr. 25 D er Israelit Blätter 24, DsZemb-sr 192» Pogrom doch kaum festzustellen ist, während dagegen Z:f as für feine Rabbinen 20 Ljtr. verlangte, aber rundweg abgewiesen wurde." Bis dahin der Bericht aus Jerusa.em. . Wir glauben, daß nach dieser erschöpfenden Darstellung die Akten, der Geschichte des zionistischen Hilfswerkes in seinem Verhältnis zur Orthodoxie geschlossen werden können. Der „Israelit" hat in seinem Sukkoth-Leitartikel und dann später in seiner Wochenschau vom 18. Cheschwan („Tragödie in der Tragödie") sich aufrichtig bemüht, die immer lauter werdenden Beschwerden, die von allen Seiten, über die Handhabung des Hilfswerkes zu ihm gelangten, in der denkbar rrllldesten und vorsichtigsten Form zum Ausdruck zu bringen. Er hat darauf hingewiesen, daß man volles Verständnis für das Bestreben der zionistischen Organisation haben kann, die gesammelten Summen nicht einfach hinauszuschleudW um nachher angesichts einer katastrophalen Läge Mit leeren Händen dazustehen. Aber dieser Gesichtspunkt durfte und darf nicht dazu führen, über die unmittelbar schreiende Not zur Tagesordnung überzugehen oder sich bei der Verteilung, entgegen dem Willen der Spender, von parteiischen Gesichtspunkten leiten zu lassen. Die Errichtung des selbständigen orthodoxen Hilfsrverkes, wie es die Kenessio Gedaulo beschlossen hat, war eine unbedingte Notwendigkeit. Wenn jetzt in einem neuerlichen Schreiben Rabbi, Berlin versucht, auch die Wirkung des sensationellen Brieses abzuschwächen, den Oberrabbiner K u k an Rabbiner C h a j i m Oser Grodzenski schrieb und in dem er wegen, der zwischen ihm und dem Hilfskomitee bestehenden starkem, Meinungsverschiedenheiten b a.t> al l e Gelder nicht dem Hilfskom i t ee, sondern ihm, Rabbiner K u k, z str; s e lbst 8 ndigen Verteilung z u schiäken, so kann dieser Abschwächungsversuch nicht gelingen. An der Tatsache ist jedenfalls nicht 3ü;rütteln, daß selbst eine den Zionisten gegenüber,: so außergewöhnlich konziliante Persönlichkeit wie Oberrabbiner Kuk sich über die G es.i ichts p-un k t e der Hilfsgelderv erteil ung mit dem zionistischenKomi- Ü^e sticht einigen konnte. Ist das aber Vers Fäst. so kann man es den ausgesprochen antizionistischen orthodoxen Kreisen in Crez Jisroel gewiß NW verübeln, wenn sie die Existenz und die,Meitsren>twicklung ihrer lebenswichtigen Institütionen . in einem Augenblicke schwerster Gefahren nicht chren ausgesprochenen Gegnern in die Hand legen wollten. : l 7 Noch Agudas ZlsroelJugend-Organlsalion? " Die Agudas Jisroel - Jugendorganisation planst für Weihnachten einen Delegiertentag oder wenigstens ' eine Boll-O.-B.-Sitzung ett.guberufen. Wäre es da nicht an der Zeit, dem Problem Agudas Jisroel — Esra etwas zu Leibe zu gehen? Ferner ist weder für Agudas Jisroel die Nächwuchsfrage, noch für den Esra die Aelterenfrage befriedigend gelöst. Noch krankt A. I. daran, daß sie keinen genügenden Nachwuchs hinter sich hat, und noch weiß der Esra nicht, was er tun soll, um nicht seine älterem Mitglieder, insbesondere soweit sie keine Führernaturen sind, eines Tages für sich und den zu verlieren, wodurch der Nutzen seiner Erziehungsmethode in Frage gestellt würde. Der ältere Esräer, der die an ihn herangetretenen Probleme verhältnismäßig objektiv zu betrachten gelernt hat, wird eines Tages, wenn er glaubt/alle Fragen genügend behandelt zu haben, zu einem - toten Punkt gelangen. Der Führer im Esra dagegen, der mit seinen Gruppen nochmals' an die Probleme herantritst kann sich dadurch, daß immer wieder andere Fragen an ihn gestellt werden, in die Probleme mehr vertiefen. Bei,dem älteren Esräer, der jedoch nicht Führer werden kann, wird sich, wenn er diesen toten Punkt wahrnimmst sein Verhältnis zum | l Esra lockern, und er wird sich dort in kurzer Zeit , überflüssig Vorkommen. Es tann nun fein, daß ihn eine Freundschaft zu einem Esrasührer oder B. j. A.-er führt — der B. j. A. selbst lst einem Nlchtakademiker ja verschlossen — mit dem er sich gemeinsam über einzelne Fragen aussprechen wird. Hat er aber diese Möglichkeit nicht, dann weiß er nicht, wohin er sich wenden soll, und geht der Gemeinschaft als Mitarbeiter verloren. Seine subjektive Einstellung, zu der ihn später das Leben zwingen wird, kann dann leicht von augenblicklichen Bedürfnissen des erwählten Berufes statt von Erwägungen eines sich seines Sollens bewußten Jehudi geleitet werden, und so wird er — trotz Esraerziehung — mehr oder weniger Philister. Zur Agudas Jisroel-Jugendgruppe führt ihn, so naheliegend sie ihm sein sollte, und manchem vielleicht auch erscheinen möge, in der Tat kein Weg, denn dort findet er nur Menschen, die zu den Dingen bereits ziemlich subjektiv eingestellt sind, und er sieht nur ihre „Parteibrille", vor j der er zurückschreckt. Und das liegt an der heutigen Form der AJJO., deren Organisation - soweit der Organisations-Vorstand überhaupt tätig ist — durch die sich stetig jagenden Sammel aktionen, (die übrigens einen Jugendlichen nicht zum Agudoh-Jdealusten machen können, sondern ihn vielmehr zeitig lehren, die Taschen zuzuhalten), schon Menschen erforderst, die bereits fest mit Agudas Jisroel verbunden sind. (Was vom O.-V. außerdem noch geleistet wird, geschieht fast durchgehend nur auf Anregungen von dritter Seite.) Auch die einzelnen Jugendgruppen sind schon dadurch, daß in ihren Leitungen Männer sitzen, die bereits fest agudistisch eingestellt sind und bestenfalls ein leidlich gutes, in sich geschlossenes Klubleben erreichen können, zu einem Betätigungsfeld für solche, die zwar der Ideologie der Agudoh zustreben, aber mit Agudas Jisroel noch nicht fest verbunden sind, nicht geeignet. Hier fehlt m. E. die Verbindung, die einem bisher nur. objektiv betrachtenden Menschen die Möglichkeit gibt, den bereits fest subjektiv eingestellten näherzukommen, und deswegen ist die Nachwuchsfrage in A. I. und die Aelterenfrage im Esra noch nicht gelöst. Der Esra will diese Brücke nicht bilden, denn wenn er seine politischneutrale Einstellung aufgibst fürchtet er Me jüngere Jugend längst nicht so vollkommen erfassen und überdies in einen ideologischen Zusammenbruch geraten zu können, wie das bei anderen Jugendbewegungen geschehen ist. So ergeben sich aus dem Vorstehenden folgende Lösungsmöglichkeiten: 1. Die Jugendgruppen der A. I. werden grundlegend umgestellt. Was bisher in den Jugendgruppe gele'stet wurde, ist im Grunde genommen Arbeitsgebiet für die jüngeren, Impuls gebenden Mitglieder einer Ortsgruppe und gehört demnach in die Ortsgruppen. Die Jugendgruppen dagegen werden von den an dem Gedeihen der A. I. interessierten Esraführern und Aelteren des Esra, die keine Führerqualitäten besitzen, gebildet, zu denen natürlich auch noch immer einzelne gle'ch eingestellte Außenstehende und bisherige A. J.-Jugendmitglieder hinzukommen werden. Die technischen und organisatorischen Arbeiten werden von den Aelteren geleistet, damit die Esrasührer nicht überlastet werden. So wie manl im Esra srstematüch die aktuellen Probleme objektiv betrachtet, wäre es dann Aufgabe der Jugendgrupven, ebenso svstematisch vom Standpunkt, der Idee und des Programms der A. I. aus gesehen, sub'ektiv zu ihnen Stellung zu nehmen. Damit wurde die Existenz der Jugendgruppen berechtigt und notwendig werden, und dann könnte auch -rrcht mebr die (lächerliche) Frage nach Arbeitsgebieten auftanchen. Eine vielleicht beüere zweite Lösungsmöglichkeit wäre, mit Rücksicht darauf, daß die E«raführer politisch neutral bleiben wollen, eine Verbindungsorganisatton zu gründen — sie braucht ja acht sehr kompliziert zu sein und auch nicht gerade den Namen Agudas Jisroel tragen — deren Mitglieder wr.fi> Aufgabenkreis der gleiche ist, wie beim vorigen Lösungsversuch. Hierbei könnten die bisherigen A. J.-Jugendgruppen aus Rationalisierungsgründen von den Ortsgruppen aufgesogen werden. Sie könnten aber auch weiter bestehen bleiben, denn ob die ältere Jugend noch ältere Menschen anregemi kann, hleibt fraglich; es kann aber auch sein, daß die Lustlosigkeit her älteren Menschen auf die bisherigen Jugendmitglieder ansteckend wirkst und das wäre, mancherorts bedauerlich. Der O.-V. wäre natürlich bei beiden Lösungsversuchen aufzulösen und dementsprechend neuzubilden. Vielleicht können uns diese Ausführungen wenigstens der Klärung der Lage etwas näher führen, und darum ist es erwünscht, daß Agudisten und Esräer, denen am Gedeihen der A. I. und des Esra gelegen ist, baldmöglichst hierzu Stellung nehmen, damit sich der De-legiertentag der AJJO. bezw. der Gesamt-O.-V. bereits über die zu unternehmenden Schritte schlüssig wird, und damit-endlich einmal in dieser Richtung auch etwas geschehen kann. Nebenbei sei noch eine kurze. Bemerkung außerhalb des gesetzten Themas gestattet: Auch der Angestelltenbund der A. I. erhält erst seine letzte Existenznotwendigkeit, wenn er bewußt verhindern will, daß der jüdische Angestellte — z. B. durch Beitritt in den G. d. A. oder Z. d. A. — den augenblicklichen Nöten seines Berufes erliegt und nicht sich feines Sollens als Jehudi stets bewußt ist. Es wären deswegen innerhalb des Angestelltenbundes Betrachtungen anzustellen, ob der jüdische Angestellte Proletarier oder nicht vielleicht Mttelständler sein soll. Aus der Beweaung Emds», 15. De^emb-r. Am 6. De'ember sv-ach hier im vollbesetzten Ti mlllaale Herr Obemabbiner Dr. C a r l e b a ch - Altona über das Thema: Agudas Jisroel in Gegen^a-t und Znkunft. Der Redner l-gte in lichtvoller Weise sti'en S^andounkt an den Aufgaben der Agu^ah dar. Im allgemeinen gelte für uns das Prophetenwort: Emes Wscholaum. Aber' in bewegten Zeiten, wie den heutigen, müßle uns die Megillobbotschaft: Di^re Scholaum Weemes zum Leitstern dienen. Nur so könne sich Agudas Jks-oel segens-eich innerhalb des Judentums auswir'en. Redner so-ach dann von der Sonderstellung des jüdischen Belkes inm'tten der Völker der Welt und s'i"er g'oßen Aufgaben für sich selbst und für die Menschheit und sorach ferner von jüdischer Politik. Das Judentum kennt nur rel'oi's; Po'i'ik im höchsten Sinn-, und verlangt Moral nicht nur vom Einzelnen, sondern auch vom Staate. Den Satz: „Macht gebt vor Recht" kennt das Judentum nichZ jüdische Politik ist Moral. Redner Zeichnete di; Konflikte, di: entstehen können nicht nur zwischen Gut und Böse, sondern auch zwischen Gut und Gut. und zwischen Jung und Alt. Mit packenden Bildern aus dem jüdischen Leben .der Vergangenheit und Gegenwa't deutete er die Losung an. Keren Hathoraarbeit, die Enthebung der Bes Jakauw-Schulen, das Leben in den J'schivaus wurde uns in fesselnder Weise geschDert; in Gegensatz dazu. an Hand von statisTchsm Materiell, deerschütternde Niedergang jüdischen Wissens bei u-s. Mit eindm iglichen Worten rief Redner zur Mir r ät, zum Selbstlernen und zur Förderung des Tho-clle-nens auf. Zu allem gehö-e ein heiliger ernster Wille. Redner süh-te uns als leuchtendes Bsisvirl hierfür F a-z Rosmziveig an, dessen Leben und Bedeutrmg er kurz s iliert», nich'ahnend, daß der Tod so schnell uns diesen grrtzen Menschen ent reizen würde. Der Vo t ag machte einen außergewöhnlich tiefen Eindruck aus alle Zuhörer. Auch die Fernstehendsten bekamen durch die Worte des Redners den Hauch der Tho a zu stillen. Telsche. Auf seiner Litauenreise stattete He-r Wolf S. Jacobson unserer Stadt einen Besuch ab. Er besichtigte die J-sti^l'ionen unsrer Gemeinde, die Jeschiva und deren Vo schule und dir Jacone-Anstaltrn: das Lehrerstmi ar und das Mädcheugymnclli im. Am e-sten Abend snnes Hierseins nahm Hew Jacoksan Rücksrrache mit Ve't eiern des Vernas Znre Jis-oi, wobei über dessen vosl'ommenen Anschluß an die AJJO. verhandelt wurde. Anschließend daran fand eine Sitzung der Agudas Jisroet-O tsgruppe statt, auf der man die Errichtung eines aqudis'ifchen Ze"t a'bü os für Litauen in Erwägung zog. Am nälisten Tag hielt Herr Jacobfon im g-oßen Beshamkdrasch ei en öffentlichm Vortrag, in dem er vor allem dre Persönlichkeit de; T^lschrr Ram V'ST als vorbildliche Fübre gestalt der Agudas Jisroel würdigte. Der Beifall, der der Rede gezollt wurde, bestärkt uns in der Hoffiung, ^aß das leider immer noch grringe Jntrr'sse, das man hier in Litauen der Agudas Jisroel entgegenbr'mgt, jetzt eine Steigerung erfahrm wird.

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