Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1929)
- Date
- 1929-12-24
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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©eiitic 4. Nr. 52 Der Israelit 24. Dezember 1929 Fritz Baer, Das Prototottbirch der Landjudenfchast -es Herzogtums Kleve. Erster Teil: Die Geschichte der Landiudenschaft des Herzogtums Kleve (Veröffentlichungen der Akademie jür die Wissenschaft des Judentums, Historische Sektion). Berlin. Unter reichlicher Benutzung ausgiebigen urkundlichen Materials liefert Vaer in diesem Buche eine Geschichte der Juden km Herzogtum Kle^e, die vom 14. bis ins 18. Jahrhunde:t reicht. Die Berückf chllgung der politischen Momente und die recht eindring.iche Schilderung der inneren Gemeindeserhä.tnisse und des geistigen Lebens und der religiösen Führung geben ein vollkommenes Bild der Juden in einem Lande, das in den letzten Jahrhunderten von Kämpfen und Wirren sattsam heimgesucht wurde. Gewiß wiederholt sich hier Voie so oft das gleiche Bild, Verteeioung und Zu.ückyolung, Schutzbriefe und Geleitzöile, Steuern und Abgaben, aber bei Allem so — man möchte sagen — Normalen die Eigenart der Juden einer Landschaft herauszuarbeiten, ist dem Verfasser gelungen, nicht zuletzt du ch die modernen Mittel der Fo.schung, Statistik und Sch.lderung der wirtschaftlichen Lage. Die im Anhang beigegebenen 26 Urkundenstücke erhöhen den Wert des Buches, das auf eine Anerkennung bester Art Anspruch machen darf. Rabbiner Dr. A. P o s n e r - Kiel. I. Hillel, die Rabbiner und die verdienstvollen Familien der Leipniker Gemeinde im 17-, 18. und 19. Jahrhundert. Ein Sk’itra'cy zur Geschichte der mährischen Judenhett. 1. Teil: das 17. und 18. Jahrhundert. Verlag Dr. Fa erb er, Mährisch-Ostrau 1928. Preis Kc. 65, Mk. 8.10 Vorzugsausgabe broschiert. Der leider am 13. Dezember 1928 in Leipnik, wo er 36 Jahre wirkte. Verstorbene gelehrte Verfasser W hat in diesem Buche -ein Werk, gemischt aus reiner Historie und Familtenforfchung, entstehen lassen, für das ihm der Dank aller Forscher auf beiden Gebieten sicher sein wird. Er har noch das Glück gehabt, feinen Plan, der ihn schon viele Jahre beschäftigte, so weit vollendet zu sehen und soll auch den zweiten Teil schon druckfertiig abgeschlossen haben. Em besonderer Vorzug scheint es mir zu fein,, daß bei Nennung der Rabbiner ihr Leben und ihre Angehörigen, so weit sie dem Rabbinischen Berufe sich gewidmet haben, wo auch immer sie gewirkt Habens, genannt werden, dadurch erhält man ein ganz vorzüglliches Bild des Gelehrrenaustausches, von dem man wohl theoretisch weist, dessen praktische Auswirkungen man doch nicht immer so vor Augen hat. Selbst im 17. Jahrhundert — man bedenke den Mangel aller Technii, aller Veförderungs- und Benachrichtiigungsmittel — erfährt man in Leipnik von Rabbi Jesajas Horwitz aus Frankfurt am Main oder Rabbi Hillel Münz aus Mannheim, der von dort nach Krakau geheiratet hat. Rabbi Moses Lemburger stammt aus Westhosen, wird in Nikolsburg erzogen und kommt von dort nach Leipnik. Bei den Rabbinern wird ihre Bedeutung und literarische Betätigung gewürdigt, auch bei den Familien wird ihre Wirksamkeit innerhalb der Gemeinde und ihre Gelehrsamkeit ausführlicher betrachtet. Proben von Werken z. B. werden auch gebracht. Dir Liebe und der Miß des Sammlers verütenen vollste Anerkennung. Möge es bald gelingen, Teil II erscheinen zu lassen, um so die Gemeinde, die an Zahl sehr zurückgeht, der Dergessenheit zu entreißen und dem gelehrten Oberhaupt — vielleicht dem letzten — ein ehrendes, ewiges Denkmal zu setzen. Erinnerungen. Bon Max N ord a u. Erzählt von ihm selbst und von der Gefährtin seines Lebens. Vorwort von Pierre P a r a f. Autorisierte Uebersetzung aus dem Französischen von S. O. Fang o r, Leipzig-Wien, Renaissance-Verlag, (1928). 347 &. Liest man zuerst die beiden Vorworte zu diesem Buche, so hat man den Eindruck, baß hier in überschwänglicher Weise von jemandem berichtet wird, der feinen eigenen Angehörigen viel bedeutet haben mag. Liest man aber weiter, so gewinnt man den Eindruck eines spannenden Romans, von einem Künstter erdacht und doch so rührend menschlich und natürlich. Es ist an dieser Stelle unmöglich und auch überflüssig, über Nordau hier aus eigenem heraus etwas sagen zu wollen. Nordau war es ja, der fe-merzeit vieles zu sagenhatte, dessen „konventionelle Lügen der Kulturmenschheilt", dessen „Entartung", dessen zionistische Reden und Schriften eine Umwälzung in den Gedankengängen ungezählter Menschen bewirkte. Um so ergreifender ist aber hier die einfache, rein menschliche Schilderung dieses phantastischen Lebens, ausgehend aus dem armen jüdischen Kleinbürgertum Ungarns, hinausführend auf die Höhen europäischen literarischen Weltruhms, zurückfindend zum jüdischen Volke, eiNl Opfer des Krieges und als Toter in den Schoß palästinensischer Erde heimkehrend. Dr. S. Schw. Spanier, Arthur, Die Tosestaptriode fci der tannaitischrn Literatur (Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Talmudische Sektion, 1. Band, Berlin 1922, Schetschke u. Sohn). Nach eingehender, unparteiischer und gerechter Würdigung der Vo. arbeiten, die der Erforschung der Tosest« gedient haben, der allen und neuen Theorien, trägt der Verfasser seine eigene Auffassung vor, die die Tosefta als „eine Sammlung von Scholien zur Mischna, und zwar von Scholien im strengsten Sinne des Wortes" erklärt. So haben diese Scholien auch wohl dem letzten Mischna-Redaltor noch als Quelle gedient und haben in den Talmuden eifrige Benutzung gefunden. Nach Analyse der Tosefta zu den Traktaten Megilla, Eittin und Beza bringt der Verfasser lesenswerte Untersuchungen über die Endredaktwn der Mischna und vier wertvolle Teile, die als Anhang gelten und die Einleitungsformeln der Baraitot u. a. mehr behandeln. Das Buch macht einen unbedingt guten und soliden Eindruck, es geht mit den neuesten Mitteln der Forschung und kommt zu vorsichtigen Resultaten, die hier nicht nachgeprüft werden können. Jedenfalls gereicht es dem jungen Verfasser zur Ehre, daß er nicht die alten Auffassungen beiseite wirst, sondern sie recht zu würdigen weiß und auch die konservativsten Arbeiten benutzt und anerkennt. Niemand wird in Zukunft an diesem Buche vorübergehen können, wenn er sich der Erforschung des Tosefta widmen will. Man freut sich der Anerkennung, die die Forschung der sel. Pros.' Hossmann hier gesunden hat, im Gegensatz zu der maßlosen Nichtachtung und Ueberheblichkeit, deren sich Albeck in diesem Punkte schuldig gemacht hat. Rabbiner Dr. A. Posner- Kiel. Ille signiiicance of Rembrandts the Jewisb Bride by Jacob Zwarts 1929, 4°, (Privatdruck, zu haben bei Louis Lamm, Berlin). Diese geistreiche Studie wird eine Sensation Hervorrufen. Um es gleich vorweg zu sagen: dem scharfsinnigen Verfasser ist es gelungen, ein Jahrhunderte altes Rätsel zu lösen und eines der bekanntesten Bilder Rembrandts, das allen Biographen des großen Meisters viel zu schaffen gemacht hat, in einwand,reier Weise zu erklären. Was keinem der Rembrandtforfchsr und zünftigen Kunsthistoriekr gelungen ist, das schaffte Jacob Zwarts, über dessen jüdisch-literarische Tätigtest ich in dieser Zeitung schon früher berichtet habe. Und diese jetzt endlich gefundene Lösung stellt ein Stück Judengeschichte — wenn man will, auch ein Stück Kulturgeschichte — dar. Es handelt sich um das berühmte Biid Rembrandts ..Die Judenbraut" im Nationalmuseum zu Amsterdam, über dessen Bedeutung sich die Sachverständigen nicht einigen konnten und das fast von jedem in einer anderen Weife erklä't wurde. Dr. Hofstede de Groot, wohl der größte Nentbrandtkenner aller Zeiten, erkannte zwar ein holländisch-jüdisches Ehepaar und gab dem Bild den auch jetzt noch anerkannten Namen „Judenbraut", doch etwas weiteres konnte auch er nicht feststelleA. Ganz allgemein bekannt ist, daß Rambrandt, dessen Haus im Amsterdamer Judenviertel in der Jodenbreestraat, stand, seine Motire vielfach seine Umgebung entnahm, saß er den Rabbiner Menasse ben Jisrael malte und mit Juden vielfach in Verkehr stand. Es ist das Verdienst Zwarts, nunmehr auch feine Beziehung zu einem merkwürdigen Juden, dessen Leben einen Roman dar- Lstellt, nachgewiesen zu haben. Es handelt sich um Don Miguel de Barrios, dessen jüdischer Name Daniel Levi war. Sein Großvater war Abraham Caniso in Marialva (Portu'ck) und sein Vater Ci non Leri, verheiratet mit Sarah Balle. Simon, auch Jacob genannt, wohnte später in Algier und hatte sechs Söhne und vier Töchter. Alle führten den Namen de Barrios und verschiedene von ihnen spielten eine große Rolle. Uns interessiert an dieser Stelle nur Miguel, der noch in Europa, nämlich in Manila (Portugal) geboren wurde. Offenbar gehörte seinen Vater zu den Marannen, die ihres Glaubend willen aus der Heimat oertri:be:l wurden. Miguel ver'.ieß Nordafrika,- wir finden ihn in seiner Jugend wieder in Europa und er hatte ftühzeitig Beziehungen zu Regenten, Ministern und Aristokraten. Durch seine Dichtungen in spanischer Sprache zählt er zu den spanischen Nationaldichtern. Seine literarische Tätigkeit war ungemein umfangreich. Bon größerem Werte als seine Dichtungen sind seine historischen Aufzeichnungen zur Geschichte der Juden, speziell der Amsterdamer Judengemeinde. Obgleich.es verlockend wate, über Miguel de Barrios und feine zweite Frau — feine erste Debora Baez aus Algier hatte ihn auf einer Reise nach Cayenne (Indien) begleitet und starb dort — Abigail, Tochter des Isaak und der Rahel Pina mehr zu berichten, muß das hier aus Raummangel unterbleiben. Nun weist Zwarts klipp und klar nach, daß Nsm-- brandts „Judenbraut" nichts anderes, als das Pörteait von Miguel und Abigail de Barrios darstellt. Er bringt in feilem Buch auch noch ein anderes Rembrandtbild, Portait des Miguel, welcher sich im Metropolitan-Museum zu Newyork befindet, sowie ein allegorisches Gemälde von Aron de Chaves, das ebenfalls die Familie de Barrios enthält, zum Vergleich in guten Reproduktionen. Wahrscheinlich wird die geistvolle Studie in der Kunstwelt große Beachtung finden. Für uns ist sie, wie gesagt ein Beitrag zur jüdischen Geschichte, für den inan dem unermüKich fleißigen Verfasser dankbar sein muß. Wer etoas angeregt durch diese Zeilen über Miguel de Barrios Näheres wissen will, kann außer auf Zwarts neuestes Buch auch auf Kaysrrlings „Sephardim" (Leipzig 1850), der S. 253—288 ausführlich über Barrios berichtet, verwiesen werden. Louis Lamm, Berlin. I. M a a r s e h, »"en "v os> .JvjfcnV zivvn Sonderabdruck aus H a z o f e h , Budapest 5686. Diese Heine Arbeit ist nützlich und wertvoll und verdient volle Anerkennung. Der Verfasser bedauert es mit Recht, daß wir von dem Kommentar Raschis zu den Propheten keine so vollkommene Edition haben, wie die hervorragende Ausgabe des Naschi aus der Hand Berliners. Er will diesem Mangel abhelfen und gibt zu diesem Zwecke den Raschitert zu Joel heraus. Reiche Anmerkungen bringen die verschiedenen Lesarten der Handschriften, erklären auch die fremdsprachlichen Ausdrücke in Naschi, während zitierte Bkbslstellen im Test in Klammem gegeben werden. (Seite 9, Zeile 9 muß es zu v'j heißen Rabbiner Dr. A. Posner- Kiel. Eingegangene Bücher. The Jewish Minority in Norway. Reports und documents relating to the Norwegian Lexa on the slangter of domestic animals (1929). London 1929, Joint Foreign Com* miiiee. rvnK 3^ '0 Von A. Meierorvitz. Riga. Selbstverlag. Avolu iela 66/6. Preis Mk 2.—. Petersburg. Roman von Schalom Asch, Berlin. Paul Zsolnay-Vermag. Lehrbuch der lsraelikischen Religion für Proselyken. Von Lion Wolfs. Geb. Leipzig.. Gustav Engel-Verlag. Barbara oder die Frömmigkeit. Roman von Franz Werfet. Berlin 19 29. Paul Zso lnay - Ve rlag. Schächlsrage und Tierschutz. Don N e e m a n, Leipzig 19 2 9. G u stav E n g e l - V e r l a g. Lefsings Nathan der Weife en die humanitetsleer des 3odendoms (holl.) Von A. van Crevelb. Amsterdam 19 29. v. Crefeld u. Co. Dis geistige Gestalt Mofes Mendelssohns. Von Fritz Bamberger., Frankfurt a. M. 1929. I. Kauffmann-V erlag. Los vom Zionismus. Von F. Blanken seid. Frankfurt a. M. 192 9. I. Kauf s m a n n - V er la g. Juden in ketten. Von Iof. Delmont. Leipzig. Gru no w-V er lag. Ricolo-Peccavi. Von Armand L u n et Verl tu 192 9. We lt- Verlag. Juden in der deutschen Politik. Von Marx bis Rathenau. Bon Rudolf Schay. Berlin. 1929. Weltve r lag. Galuth. Von Dr. Dienemann, Berlin 19 29. PHi 1 o - Verl ag . G. m . b. H. Partie verspielt. Von Ger hart Pohl. Berlin 1929. Adalbert, Schultz-Verlag. Zum 200jährigen Geburtstag Moses Mendelssohns. Von Dr. M. Freudenthal. Berlin. Philo- Verlag. Geschichte der jüdischen Philosophie und der jüdischen Philosophen von Moses Mendelssohn bis zur Gegenwart. Von Prof. Dr. G r ö z i n g e r. Verl in. 19 3 0. Philo-Verlag. Die Speifegefehe. Von Rckbb. Dr. Wolf. Franks u r t a. M. H e r m o n - V e r 1 a g. Trauerreden um Rabbiner Dr. Bondi. Heransgegeben von, Öler Israelitischen Röligionsgefellfchaft in Mainz. Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Jüdischen Theologischen Seminars zu Breslau. Vd. I u. II. 504 ui 471 S. Breslau. 1929. M. u. H. Marcus. Antisemitismus. Von Graf-H. C o nd en h o v e - K a - lergo. Wien. 1 929. Paneurop a-Verlag. Sysiphus-Arbeit.. 3. Falge. Bon Berf ha Pappenh eim. Berlin. C. 2. BertholÄ Levy. Palästina. Eine Reise ins gelobte Land. Von Herbert Eulenberg. Berlin. R embrandt-Verlag. Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik. Von Dr. Max Kreutzberger. Berlin. Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. pn^' Q"S7 p pnv> n Von A. I. Dsubas. A n t worpen. J of. P le ßner. pK 'D- Von Rabbiner I. A. Wildmann. Jevusalem. 5 68 7. Druckerei Braslav. Das große Sehnen. Von> Arthur Grün. Brünn. 19 3 0. Jüdischer Buch- und Kunst- Verlag. Faith and 8cience. (The Jewish Library General Editor: Rabbi Leo Jung. Von Moses Legis Isaacs. Ph. D. New York City, Union of orthodox jewish C o n g r e g a t i o n s of Amerika. 50 West, 77th. Street. Shechitah. (T he Jewish Library General Editor: Rabbi Leo Jung. Second Series Vo 1. III) Von S. Lieben, M. D. New York Citiy, Union of orthodox jewish Congregations of Amerika. Jüdischer Kalender. Herausgegeben vom Verein „Freunde der Taubstummen-Jedtde Jlmim. Berlin-WelHensee. Parkstraße 2 2.