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Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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24. Dezember 1929 Der Israelit Nr. 52. Seite 5 Juden" von einem der größten Fachgelehrten .seiner Zeit, D. Hoffmarm, in dem auch ein Artikel des Geheimrats Eugen Fuchs und Ausführungen des juristisch gebildeten- Rabbiners Dr. Max Eschelbacher ausgenommen sind?) Immer" mehr dringt exakte, auch nichtjüdische wissenschaftliche Forschung in die Erkenntnis der Quellen des jüdischen Religionsgesetzes. Immer mehr dürfen wir daher hoffen, daß die Vorurteilslosen aller Konfessionen und Parteien — non den unbelehrbaren fanatischen Gegnern reden wir nicht — zu der Ueberzeugung gelangen werden: Manches uns seltsam Berührende finden wir in diesen Büchern, Zichts aber, was den Vergleich mit dem allgemeinen Rechts- und Sitten- Lewußtsein zu scheuen hätte. Korrespondenzen * Racbricbien. Deutsches Reich. Repräfenlaniensitzung. Berlin, 13. Dez. Die gestrige Sitzung erhielt ihr besonderes Gepräge dadurch, daß eine Anzahl Punkte auf der Tagesordnung standen, die speziell tons-eroalive Interessen berühren. In erster Linie handelte es sich um den Bau der projektierten Synagoge Klopstocksträße. Der Interpellant, Herr Moritz A. Loeb, führteaus, das Grundstück fei vor mehr als Jahresfrist erworben wordeni, um der schreienden Not der konservativen Synagogenbesucher im Stadtviertel Hansa und Moabit ein Ende zu bereiten. Damals habe man gehofft, der Neubau werde bereits im Herbst 1929 fertig gestellt sein!. Es ergaben sich aber Schwierigkeiten mit den Mietern; man habe sich also mit der Verschieb ung aus 1930 abfmden müssen. Jetzt höre.man, .daß sämtliche Mieter seit Monaten abgesunden und ausgezogen feien,- bis auf den Mieter einer Zweigimmsr- Wohnung; dieser verlange einen unverhältnismäßig hohen Abstand. Cs handle sich um ein paar Tausend Mark, deren Zahlung der Vorstand verweigere, ohne Rücksicht 'daraus, daß dadurch auch die Fertigstellung! für 1930 in. Frage, gestellt sei. Vom Vorstand erwidert der Vorsitzende, Herr Kare sk r, die Gemeinde könne nicht mit Den Tausenden so um sich werfen und sich einer ausbeuterischen Forderung einfach fügen. Herr Loeb erwidert, hier liege der Fall so, daß man nur die Wahl habe: Hunderte von GemMdemiiglie-rern ihre Andacht weiter unter unwürdigen, g>esundheitswidrig-en Derhättnissen verrichten zu lassen, oder wenige Tausende zu opfern; die Entscheidung könne doch nicht schwer fallen. Eine von Herrn Loeb eiNgebrachte Resolution, die den Genreinde-Vorstand aussördert, mit dem Neubau sofort zu beginnen, wird mit allen Stimmen, also auch Denen der Liberalen angenommen. : Zu einer leb hasten Auseinandersetzung sührt lein an- Derer Punkt der Tagesordnung die Verlegung des Alnremors nach derMÄte-, in der Synagoge Heideveuiergasie. Eine bezügliche Debatte hatte bereits in der vorhergehen- Den Sitzung stattgefunden; Herr Kareski hatte, auf eine ebenfalls von dem konservativen Vertreter ausgehende Anfrage, mitgsteM: durch die geplante Verlegung fielen, nach einem Gutachten des Bauamtes, 62 Sypagogenplätze hinweg. Herr Loeb hatte erwidert, nach einem ihm vorliegenden, ebenfalls aus dem Bauamt stammenden neueren Gutachten betrage der Ausfall nur ca. 12—15 Plätze. Herr Kareski in seiner Autorität offenbar schwer gekränkt, ließ der Repräsentanz eine Mitteilung zugehen, nach seinm des Vorsitzenden Nachforschungen habe Herr Loeb Den Leiter des Bauamtiss seit mehr als vier Monaten nicht gesprochen! An diese welterschütternde.Mitteilung knüpfte Herr Loeb an und meinte, er könne verstehen, daß nach dem Satze ,,1'etat c'est moi“ Herr Kareski der Meinung sei:, der Gemeindevorstand, das bin ich. Das habe aber doch , noch keine Geltung für das Bauamt, er habe nie behauptet, die von ihm benutzte-Aufstellung stamme von Dem L e iter des Bauamtss, sie. rühre vielmehr von 9) „Jeschurun", I, 1914, S. 186—197 und 229—234. einem der Beamten dieser Abteilung her. Diese Bemerkung brachte Den Herrn- GemLindevorsitzenden erst -recht in den Harnisch, er warf Herrn Loeb vor, fern Borgehen untergrabe die Disziplin in der Verwaltung, sie erschüttere Die Autorität des Vorgesetzten. Kein Repräsentant habe das Recht, sich an jemand anderes als an den Leiber des betreffenden Dezernates zu wenden uff. Von Der Volkspavtei -eittendie Herren- Professor L o e we und Dr. Oscar Cohn ihrem Parteifreunde zu Hilfs. Der erftere ließ das altpreußische Beamtentum bei dem solche Disziplinwidrigkeiten unmöglich gewesen seien, in voller Gloriole -erstrahlen. Dr. Cohn, dessen Rede bewies, daß er den Sachverhalt gar nicht kannte, hieb in die gleiche Kerbe. Von liberaler Seite miss Herr R.-A. Stern darauf hin, daß die Dezernenten im den Bürostunden häufig nicht anzutveffen seien, es bliebe also den. Repräsentanten nichts übrig, als sich an die einzelnen Beamten zu weniden. Man solle doch nicht um solcher Formaten willen den Repräsentanten ihre sachliche Mitarbeit erschweren. Herr Loeb -erklärte, daß der Zornesausbruch des Herrn Vorsitzenden und feiner Parteifreunde vollkommen deplaziert fei, -da er das ihm v-orgeworfene SRa* — '■ ' 1 —" Die Woche. Berlin. Das Zentralkomitee des Weltverbandes Cchomre Schabbos hat b-fülo'stn, den Weltkongreß des Schom-e Schabbos vom 22.—24. Juni 1930 tu Berlin einzuberufen. Hamburg. Es wird begannt g-geken, daß für den Fo-tbestand der von Prof. Abu Marburg hmte-lasienen großen kulturwissenschaftlichen B iblio th ek vom Hause Marburg gesorgt wird. Wien. Der BundespräDent hat Kerrn Ritza d Bettelheim, Leiter des Wotzltä'igleLsdepartements des Wiener Rothsch'ldhauses, das Goldene Ehren-eichen sür Verdie"ste um die österreichische Republik verliehen. Brlg'ad. Das neue jüdische Gemeindege- I setz in Jugoslawien wurde vom König unterzeichnet. Es tritt damit in Kraft. Presov. Am letzten Sonntag ist hier unter starker Teilnahme ein Landesverband der Schoch'im tn der Slooa-!ei gez ündet worden. Moslau. In der Beratung der Jüdischen Sektionen wurde festgestellt, daß ein Viertel der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine arbeitslos ist. In Zentralrußland allein zählt man 35 000 jüdische Erwerbslose. Jass^. Am Dienstag kam es an der Jassy er Un i v e r s it ä t' zu schweren Ausschreitungen der antisemitischen Studenten gegen die jüdischen Kollegen. Am Ehemischen Institut wurden die jüdischen 5wrer mißhandelt; zwei Studenten und eine Studentin erlitten s:were Verletzungen. Am Abend hielten die Cu-a-Studenten eine Vestammlung ab und beschlossen, an allen Fakultäten den Generalstreik zu proklamieren, weil sie angebliche von Inden „pr0"ozie t" worden wären. Budapest. Die ungarische Israelitische Landes^auster hat vom Ministerpräsidenten Grafen Bethlen ein Schreiben ermatten, in welchem es zum Schluß heißt: Was die von der Regierung zur Derhü'ung der Hochschulerzesss getroffenen und zu treffenden Vcrsügüngen anbelangt, so glaube ich, daß die b rfahrungen jedermann davon überw gen können, daß der Entschluß der Reg'erung, an den ungarischen Hochschulen Ruhestörung nicht zu dulden, unerschütterlich feststeht: jestätsverbrech-en ga>r nicht begangen: habe; We De-rhan-dlrm'A mtt dem betreffenden- Beamten, fei ohne sein-Wissen v o n ei ne m s e i wer Parteifreunde geführt, ihm nachträglich mÄgebertt und von ihm nachgeprüft! Uttd richtig befunden worden. * * * Aus dem- Vorstehenden ergibt sich die Richtigkeit der hier -immer vertretenen Meinung-, daß die Herrschaft der Zionisten, die ja in Bevkin jetzt tatsächlich die Zügel in den Händen haben, denkonservativen Interessen mindestens so feindlich gegenüber steht wie die verflossene der Lib'eralen. Bekämpfung des nationalsozialistischen Terrors. Berlin, 19. Dez. Vom 14. —16. Dezember tagten in Berlin Hauptvorstand, Arbeitsausschuß und Verwaltungsausschuß des Zent.alvereins deu'scher S aatskürger jükichm Glaubens. Die Sißungen wi:f:n eine noch nie erreichte Teilnehmer-' zahl auf. Es wurden alle Fragen erörtert, die mit dem polnischen Kampfe, wie er heute zu führen ist, in Zusammenhang stehen. Die Nationalsozialisten kämpfen mit allen Mitteln, auch den wenigst anständigen, gegen die Gleichberechtigung und Gleichachtung der deutschen Juden; wirtschaftlich mit lautem und leisem Boykott und gesellschaftlich durch fortgesetzte Bestrebungen, den jüdischen Namen herabzusetzen und zu entwürdigen. In der Aussprache wurde festgestellt, daß zu einem Pessimismus keinerlei Veranlassung besteht. Der Nationalsozialismus ist bald zu überwinden, wenn ihm, der innerlich unwahrsten Volksbewegung, mit genügendem Nachdruck und in technisch geeigneter Weise Widerstand geleistet wird. Die Arbeiten des Vorstandes waren auf die Frage gestellt: Was hat gegenüber den täglichen und stündlichen Ilebergriffen, die sich insbesondere die nationalsozialistische Agilation in geradezu unerhörter Welse zu Schulden kommen läßt, zu geschehen? Die Berichte Der Vertreter aus dem Lande ergaben, daß überall im Lande mit den Mitteln des Terrors gearbeitet wird. Man sucht durch offene und versteckte Gewalt die Parteien, die Behörden, die Gerichte, selbst die Kirchen einzuschüchtern. Die Berichte aus dem Lande lehreten, daß es gegen diesen Terror Mittel gibt. Die verhandelnden Körperschaften des Zcntralverekns waren sich in der Grundforderung einig, daß unbedingt alles, was sich mit Gesetz und Anstand vereinbaren läßt, gegen die BruNnenvergistung aufgewendet werden muß, in dem Bewußtsein der unzerreißbaren Verknüpftheit mit deutschem Land und deutscher Zukunft. Die Wahlen zur isr. Landesversammluug Württembergs. Stuttgart, 15. Dez. Zur Landesversammkung der Israelitischen Gemeinden Württembergs wurden gewählt: Wahlkreis I (Stadtrabbinat Stuttgart): Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Leopold Kahn, Siegfried Kahn, Dr. Henry Lepmann, Eduard Weil, R.-A. Dr. Heinrich Wolfs, Frau Charlotte Rosenbusch; Ersatz: R.-A. Dr. Eugen Flegenheimer, Frau Marta Kops, Julius Friedmann, Hugo Kahn, Karl Levy, R.-A.' Mainzer, Frau Berta Bach. Aus Wahlkreis II liegen die folgenden Teilergebnisse vor: Emanuel Adler, Mar Dreifus; Ersatz: Gustav Macker, Sally Pappenheimer. In Stuttgart beteiligten sich von 3515 Wahlberechtigten 690 Personen. In den Landgemeinden war die Beteiligung eine etwas höhere. Angarn. Hofrak Samuel Stern Präsident der Pester neologen Religionsgemeinde. Budapest, 15. Dez. Die Repräsentanz der Pester Israelikischen Re'.igionsgemeinde wählte in einer feierlichen Sitzung Hosrat Samuel Stern mit Akklamation zum Präsidenten der G e m ei n d e als Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen Hofrats Madar Kassab. Alle 195 abgegebenen Stimmzettel lauteten auf den Namen Samuel Stern. Das Programm teilte der neue Präsident in zwei Hauptgruppen ein; eine di:frr Gruppen bezieht sich darauf, daß wir - unser . Glaubensleben mit der Wärme unserer alten Traditionen erfüllen, daß wir das religiöse Gefühl verbreiten und vertiefen sollen; die andere Gruppe bezieht sich auf die innere Ordnung, die richtige Administration, die lautere und gewissenhafte Finanzgebarung. Der Abtrünnigkeit, die ihre tiefer liegenden Gründe auch in den wirtschaftlichen Bsrhältnisssn findet, müsse durch eine innere Slärkungsarbeit entgegengewirkt werden. Betrüblich sei, daß in der rund 200 000 Seelen zählenden Glaubensgemeinde noch immer eine namhafte Schicht vorhanden ist, die den Gottesdienst nicht, besucht. Die jüdische Schule und der Religionsunterricht sollen gestärkt werden, große Sorgfalt wird auch, den Talmud Thora- Schulen zugewendet werden. Auf die sozialen Ausgaben wird stärkerer Nachdruck gelrgt werden müssen. Die Spitals-Jnstilukionen der Gemeinde sind ein Stolz der Judenschaft, in dem neuen Pavillon wurden 1800 000 Pengö investiert. Der Wohltäkigkciksaktion ist durch das wachsende Elend eine schwere Arbeit auserlegt. Der Redner sprach sich für friedliche Zusammenarbeit mit derorthodoren jüdischen Gemeinde, aber gegen die Bestrebungen zur Schaffung einer dritten, einer status quo-Gememde, aus.

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