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Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Ne. 52. Ssi'tje 3 24. Dezember 1229 Eer I s r a e l r t li<Hen Forum, wre es Rabbi S onneirf e l d m seinem Sendschreiben und Rabbi K u k vor der Kommission taten, vor der . ganzen Welt ausgesprochen wird, daß der Messias mit dem Natioualheim noch nicht gekommen sei, daß leidenschaMche Ausbrüche junger Stürmer nicht die Ansicht und die Ambitionen des jüdischen! Volkes, auch nicht einmal der Verantwortlichen in der Zionistischen Organisation, widerspiegeln. Ei« Weltzenkrum des Haffes. Im deutschen Parte lieben gingen einige Umwälzungen vor sich, die eine Bedeutung auch für die Juden haben können. Unter Hugenbergs Führung bröckelte und bröckelt die Deut sch n a t i onal e P arte! bedenklich ab. ES sind die bessere n Elemente, die den Hit l e rschenKurs nicht mitmachen wollten. Soll man sich darüber freuen, daß in denkenden Köpfen auch auf der rechten Seite endlich die Erkenntnis ausdämmert, man könne mit einer hohlen Demagogie, die alle Schuld am nationalen Unglück auf eine Bevölkerungsschicht abwälzt, keine Politik machen? Oder soll man es bedauern, daß eine große, immerhin noch einflußreiche Partei nunmehr von all ihren! guten Geistern, die sie bis dahin vor dem-Schlimmsten bewahrten, verlassen dasteht? Wie man es nimmt! ung erechten Haß d er Welt üb er, sich ergeh en zu lassen. Die Abwehr des Antisemitismus ist nicht eine jüdische, sondern eine deutsche Sache. Wir sagten es immer schon. Aber nun spricht es ein Vertreter des hohen deutschen Adels aus, mit einer Deutlichkeit und Gründlichkeit, die ihre Wirkung Nicht perfehlen kann. Die Herren, die jetzt, von besserer Ensicht bestimmt, vom Hugenberg abrückten, wären viMeicht die Berufenen, nach den Maximen Kalergis ein Programm für deutschnationale Politik neu aufzubauen: d e u t sch, n a t i o n a l, aber gerecht und menschlich zugleich. Das Talmud-Urteil von Nürnberg. Von Joseph Wohlgemulh in Berlin. So gern ich der Aufforderung der geschätzten Schriftleitung, das Nürnberger Urteil einer Würdigung zu unterziehen, Folge leiste, so schwer kann man ihr im engen Rahmen gerecht werden. Das Allgemeine liegt klar zutage, das Besondere ist nur dann überzeugend darzulegen, wenn es bis in die letzten Einzelheiten verfolgt wird-. Den Richtern war die Lösung ihrer Ausgabe nur möglich durch Hinzuzieh e>n> von Sachverstän-! digen. Deren Kenntnisse müssen über allen DieM Jugendorganisation und Angestolitonbund erhalten bei jedem Versicherungs - Abschluß wesentliche Vergünstigungen durch die lebensverficherungsgefeiiichafft PHÖNIX Viertgrößte Gesellschaft des Kontinents Yerslcherungsbest. f,2 Milliarde GMk. »Mitarbeiter zu günstigsten Bedingungen u. zwar Gehalt, hohe Provision, Altersversorgung, gCSUChl Bewerbungen an Phönix, Berlin, Meinekestr. 10 den wie die Sekten zu jener Zeit" (gemetnit ist 300 vor). Man muß annehmen, daß dem Fachgelehrten Bücher von Gehalt und Schönheit wie sie des Philosophen, Kulturhistorikers und nicht zuletzt in seiner Bibelübersetzung schöpferischen Interpreten der Heiligen Schrift Martin B u b e r (nebenbei Dozent einer deutschen Universität), Die ausgetretenen Herren waren schließlich | erhaben sein. Das könnte man eigentlich j,n weiter.! nichtjüdischen Kreisen geschätzt wer alles andere eher, denn Judenfreunde. Die ge- Don Sachverständigen, Professor M. den, entgangen sind. Sie hätten ihn ebenso wie reinigte Partei wird aber nunmehr un g e -, (gu^manrt, sagen, der sein ganzes Leben dem andere Werke über das Offene und — Geheime h e m m i. nn Fahrwasser der NatwnalfoMlisten Studium dieser Literatur gewidmet und der in dieser Sekte orientiert. Es ist schade, daß er treiben. Fur dle Grenzparteien lmks der Deutsch- < ^mm Qxöfyeven Werke die Beziehungen von Juscheinbar nie auf den Gedanken gekommen, Synationalen wird der Abschluß der Ausgetretenen, und Nichtjuden auf Grund unserer alten nagogen verschiedener Gattung in den Großstädkeinen kulturellen Gewinn bedeuten. Die Deutsch-Quellen behandelt. Er und Pastor Windfuhr ten Deutschlands zu besuchen und sich einmal nationalen werden aber ohne Bremse immer ajg befangen abgetefjnt Es war demge-' mit irgendeinem Mitglied dieser „Geheimsekte", tiefer in die Niederungen völkischer Ideologie maß wohl ein Fehler,, sich ausschließlich auf die seinem Chassid, in ein Gespräch ernzulassen. Ein und Politik hmabrutschen. - \Aeußerungen eines einzigen Sachverständigen,^Theologieprosessor von Ruf,' Alfred Jere- Den Herren hüben und drüben müßte zur dessen Objektivität im übrigen außer ZweifelZnias, hat Aehnliches getan und feine kritischen Lektüre das soeben erschienene Werk von ©raf ^tefyt,-31t stützen. Dennoch ist ihm zum großen Beobachtungen in einem lebendig geschriebenen Heinrich Co ud enhov e-Kal ergi, „Das Telle das Verdienst zuzusprechen, daß das Urteil Werkchen „Jüdische Frömmigkeit" niedergelegt. Wesen des Antisemitismus" mit der Vorrede seider Wahrheit und Gerechtigkeit entsprechend aus nes Sohnes, Graf B. N. Kalergi, des Herausj gefallen ist. gebers, über den „Antisemitismus nach dem Nichtsdestoweniger muß gesagt werden, daß ner „Anschauung", kein Jude in Deutschland er- Weltkrieg" empfohlen werden. Die Tatsache, daß den Anssagen des Sachverständigen Mängel inne-! achte die Gesetze des Talmud für verbindlich, um heute Deutschland das traurige Erbe des^z awohnen, die doch zu beleuchten sind, weil sie m. E. sofort darauf eine andere „Anschauung" bezügsich über das Urteil hinaus für die Zukunft aus-, ltch der Ostjuden zu erwähnen, die gleichfalls unwirken könnten. Hierzu greifen! wir nur Angaben. klar gefaßt ist. Der Sachverständige sagt: „In heraus, die der Sachverständige über allgemeine meinen Augen" ist gesetzestreu soviel wie orthojüdische Verhältnisse gemacht hat. I dox. Die reichhaltige Literatur, die über das zeit- Vorfitzender: „Was ist Ihnen über die jügenössische Judentum Deutschlands vorhanden difchen Geheimsekten bekannt, von denen die An-, ist, beweist, daß dies Urteil als ein o b j e k t i o e s geklagten wiederholt sprachen?" - außer Zweifel steht. Das Wesen des gesetzes- Der Sachverständige antwortet unter andetreuen (= orthodoxen, der Unterschied der Ter- Dabei weiß Deutschland am allerbesten und hat rem: „Heute bestehen noch die Ehassidim. Aber mini erklärt sich nur daraus, daß, um Verwechsees am eigenen Leibe erfahren, was das heißt, es ist doch fraglich, ob sie die gleichen Sitten halung mit der Wesensart der grischisch-o r t h o - r i st i s ch e n R u ß l a n d antretend, das W e l tzentrum des Antisemitismus ist, müßte auch den Blinden die Augen aufreißen Und den Einfältigsten zu denken geben. England, Frankreich, sogar Italien (trotz des faschistischen Regimes) lehnen den Antisemitismus kategorisch ab, in Deutschland ist er eine Kraft, die die Räder der politischen Maschine treibt. Oft sind auch die Formulierungen nicht scharf genug. Da spricht der Sachverständige von sei-- deines Feuilleton. Ein Gebetbuch des Daal-Schemtow. Wenigen ist bekannt, daß der Begründer des Chassidismus, Rabbi Israel Friedmann, genannt Baal Schemtow, ern komplettes Gebetbuch hinierlassen hatte, geschrieben von seinem Schwager, Rabbi Abraham Verschon Kittower. Der „Siddur" ist aus Pergament' geschrieben im "Jahre 5498, also vor beinahe 200 Jahren. Der Tert ist in Quadratschrist gehalten, die Glossen und Anmerkungen am Rande, zumeist kabbalistischen Inhalts. in Raschischrift. Es füllt auf, daß im Achtzehngebet zwischen dem Segensspruch o’torv wa und nax m sich zweieinhalb Blätter befinden, in denen Namen und Wünsche bedeutender Männer der Zeit eingezeichnet sind. So war dieses Gebetbuch eine Zeitlang die seelische Verbindungsbrücke zwischen dem Meister und seinen ersten Schülern. Selbstredend sind es nur die besten Namen, die darin vertreten sind.. Von den beiden ersten, Rabbi Jzschok Dow, Rabbiner von Jaslewrtz und dessen Brüden, Rabbi Meir, Verfasser des rua'm. wird im Zusammenhang mit der Eintragung folgende Geschichte erzählt: Wie sie zum Baal Schemtow kamen, empfing^ er sie mit jauchzender Freude und sagte ihnen, sie mögen ihre Wünsche äußern, er wolle sie alle erfüllen. Sie kamen in erlegenheit und wußten sich nichts zu wünschen. Da sagte der Rabbi: „Ich habe ein handschriftliches Siddur, aus dem ich bete, schreibet eure Namen ein, und meine Gebete gelten dann für euch mit." Im Warschauer „Wochenblatt" teilt Rabbi Zwi Jecheskel Michelsohn mit, daß das Manuskript dieses „Siddur" zurzeit im Besitze des Herrn Isaak Lip so n in Kamin ko bei Minsk, eines Nachkommens von Rabbi Israel, ist. Der Besitzer teilte ihm mit, daß die Familie die Gewißheit hat, daß das ganze Gebetbuch durch die Hand Rabbi Gerschon Kittowers nach Diktat seines großen Schwagers, des Baal Schemtow, geschrieben wurde. Bei einem Brande wäre später das Schriftstück beinahe ein Opfer des Feuers geworden. Die ersten paar Blätter bis „Hodu" wurden verbrannt und später durch Rabbi Roach Horodenker ersetzt. Die Blätter, auf denen die Gebete für das Schofarblafen sich befinden, weisen große Flecken, offensichtlich von Tränen, auf. Auffallend ist, daß im Gegensatz zu dem chassidischen Ritus hier ivrrv vor mn steht. Kleine Abweichungen sind hre und da zu finden. Im Tischgebet lesen wir wnpm nmnan nt6»n ypV. statt nsmpn, dv-i»» anstatt caiiaa naV». Diö Sefirozahlen sind mit rätselhaften Worten und Gostesnamen versehen. Diese sollen aus der Hand des Bch'al Schemtow selber stammen. Vmleicht führen diese Angaben dazu, den kostbaren Schatz für die Öffentlichkeit zu heben. (Wie sich Emil Ludwig zum Judentum zurückfand? Zu Ehren des dort weilenden bekannten deutschen Schriftstellers und Historikers Emil Ludwig veranstaltete die Konstantinopeler Universität eine festliche Zusammenkunft, der die Professorenschast, der deutsche Gesandte an der Spitze des Gesandschaftspersonals und zahlreiche andere türkische und internationale Persönlichkeiten beiwohnten. In emem Gespräch mit Vertretern der türkischen Presse teilte Emil Ludwig mit, er habe auch in den Zeiten des schärfsten Antisemitismus in der Zeit vor dem Kriege, und obwohl er der jüdischen Gemeinschaft nicht mehr angehörte, aus seiner jüdischen Abstammung kein Hehl gemacht. (?) Fünf Tage nach d er Ermordung seines Freundes Walter Rathenau, der seine Zugehörigkeit zum Judentum mit dem Leben büßen mußte, sei er, Emil Ludwig, ostentativ der jüdischen Gemeinschaft wieder deigetreten. (Worin bekundet sich jetzt' das Judentum Emil Ludwigs? Die Red.) (Lloyd George über den Antisemitismus.) In feinen „Erinnerungen" schreibt der große englische Staatsmann über Judentum und Judenhetze u. a. das Folgende: „Von allen bigotten Ansichten, die das menschliche Gemüt verrohen, ist keine so töricht wie der Antisemitismus. Er hat keine Berechtigung in der Vernunft, ist auch nicht auf Glauben begründet, sucht kein Ideal, sondern ist eine jener feuchten Sumpfpflanzen, die im Morast des Rassenhasses wachsen. Wie gänzlich verimnstlos er ist, kann man aus der Tatsache schließen, daß er gerade auf die Nationen beschränkt ist, welche jüdische Propheten und Apostel verehren, die Nationalliteratur der Hebräer als die einzige von der Gottheit der Menschheit überlieferte Botschaft betrachten, und deren einzige Hoffnung auf Erlösung aus den Vorschriften und Besprechungen der großen Lehrer Judas beruht. Trotzdem können die Juden in den Augen solcher Fanatiker heute nichts recht machen. Sind sie reich, so heißen sie Raubvögel, sind sie arm, Ungeziefer. Begünstigen sie den Krieg, so ist es, weil sie die blutigen Heldentaten der Edlen zu ihrem Profit ausnutzen wollen. Wünschen sie den Frieden, so sind es entweder Feiglinge aus Instinkt oder Verräter. Wenn sie in großzügiger Weise Geld ausgeben — es gibt keine freigebigeren Menschen als die Juden — so tun sie das in selbstsüchtiger Absicht. Wenn sie nichts geben — was anderes könne man von einem Juden erwarten als Geiz? Wenn die Arbeit vom Großkapital unterdrückt wird, so wird die Raffgier der Juden verantwortlich gemacht. Wenn die Arbeit gegen das Kapi-

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