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Der Israelit · 1929-12-24 · Heft 52 (24.12.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 52 (24.12.1929)
Date
1929-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SeÄe 2. Nr. 52 D e r 2 s r a e l i t 24. Dezemb-sr 1929 sehen. Der Armee, die nur eine künstliHe Organisatilm besitzt, fehlt dieser natürliche Zusammenhang; die Armee bildet daher, trotz größten Zusammenhaltens, keinen natürlichen Organismus, sondern lediglich eine künstliche Organisation. Ihr Widerpart ist der natürliche kollektibe Organismus, Las naturgewachfeirie Volk. Volk und Heer sind Gegensätze, schließen einander aus. Das Volk ist lebendig. Das Heer ist unlebendig. Heer gegen Volk, Volk gegen Heer! Wer siegt? Das Leben siegt über Macht, Zahl und Kräfte das lebendige Volk siegt über das unlebendige Heer.*) Als einst in Mathisjahus Zeiten übermächtige fremde Heerrfchgewalt die lebendige, naturgegebene Struktur des jüdischem Volkes, die Thora, zu zerstören trachtete, da scharten die Hasmonäer die gesund gebliebenen Glieder des Volkes um sich. Diese gesund gebliebenen Glieder trugen den gesamten jüdischen Gemeinschaftsorganismus. Könnt Ihr noch fragen, warum sie, die wenigen. Schwachen über die machtstolzen Truppen des Antiochus die Oberhand gewannen? Sie mußten triumphieren, so wie das Leben über die Zahl triumphiert! Warum feiern wir Chanukah? Wir feiern es, um das Hasmonäer-Wunder in uns zu erneuern. Auch wir können triumphieren, wenn wir wollen. Nur etwas weniger Zahlenwahnsinn; nur nicht das Heil vom Rechnen in der Wirtschaft und in der Wissenschaft erwarten! Sieh, das Glück liegt doch so nah! Ihr braucht es nur mit den Händen zu greifen. Etwas weniger Organisation und etwas mehr Organismus. Dein Glück fre=( ginnt nicht mit dem Wirken in der Allgemeinheit oder in der Oeffentlichkeit; Dein Glück beginnt in j Deinem stillen Kämmerlein. Wenn Du dort Dich als einen unabtrennbaren Finger des lebendigen j jüdischen Volksorganismus fühlst, wenn Du bort | die Thora und Deine Mizwoh als lebendige Bewegung der jüdischen Gemeinschaft erlebst, dann trägst D u das jüdische Volk. D u wirst die Oberhand über die kranken Glieder Deines Volkes gewinnen, daß sie — auch ohne Deine nnmittel-) bare Einwirkung — gesunden und im Thora-! Rhythmus des Volkes mitzusthrv ingen beginnen;' Du wirst triumphieren über die Hunderte von *) Als Beweis, daß das jüdische Volk als einheitlicher lebendiger Organismus keine Zahl kennt, diene das Verbot jüdischer Volkszählung. Auch die Sünde der Kundschafter in der Wüste, die von der Ueberzahl und der Uebermacht der Kanaaiter sprachen, wird erst durch den Gegensatz Volk und Zahl als schweres Vergehen gegen das Grundprinzip des Judentums verständlich. Denn mangelndes Eottvertrauen kann ihre und des Volkes Sünde nicht so groß gemacht haben. Mangelndes Gottoertrauen hat sogar Moses einmal, bei der Ankündigung der Wachteln, gezeigt, ohne daß er deswegen bestraft worden wäre. Millionen Menschen und aus der ungeheuren Maste dieser Menschen den einen einheitlichen lebendigen Organismus Menschheit gestalten. Du, der eine über die vielen! Viele in der Hand von Wenigen! Wochenrundschau. Untersuchung der Untersuchung. Seit Wochen arbeitet die Untersuchun g sko m miss,i oni in Palästina, verhört Freund und Feind, Juden und Araber, Zeugen und Sachverständige, Führer und Verführer. Es ist im Ganzen bis jetzt dabei nicht viel mehr herausgekommen, als man schon gut wußte. Es war kein Zusammenstoß zwischen zwei konkurrierenden Rationalitäten, fondlern ein tückischer Ueberfall dom raubgierigen und mordsüchtigen, noch dazu national ausgestachelten Menschen auf Wehrlose. Die Anwälte der arabischen Sache geben sich alle Mühe, die Dinge so darzustellen, als handelte es sich um die kräftige Abwehr eines jüdischen Angriffs auf die Omar-Moschee. Sir Merrrman und die Mitglieder der Kommission selbst find auf der Hut, daß die Tatsachen nicht umgefälscht, die Wahrheit nicht vdn einer natiorialen advokatischen Demagogie vergewaltigt wird. Die letzten Tage brachten Aussagen der Verterter der Z io n i sti s ch e n Ex e k u ti v e, auch des Oberrabbiner K u k. Dr. B r a u d e, der in der kritischen Zeit die Aufgabe hatte, die in Zürich weilende Exekutive in Jerusalem zu vertreten, hatte wahrlich und hat auch jetzt vor der Kommission keinen leichten Standpunkt. Das konzentrische Feuer der arabischen Verteidigung und der Regierungsvertretung ki Palästina richtet sich auf ihn. Nunmehr muß er auch noch scharfe Kritik des linken Flügels im Zionismus, aber auch der Kreise rechts des Zionismus über sich BiOX-ULTBA Die sfarKschäumencte Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 50 Pf BIOX-MUNDWASSER Flasche 1.— und S.— SDH, Gegen lockere Zähne. Prob e-Flasibe gratis. Max Elb A. G., Dresden ergehen lasten. Sein Telegrammwechfel mit den Kollegen in Zürich ist Gegenstand langer Erörterungen. Er wünschte, daß Jabotinski von Zürich aus den übereifrigen „Dvar Hajom" ein wenig in die Schranken weife. Das tv ax u. C. gut gemeint und sehr am Platze. Aber die arabischen Führer haben damit , „das Dokument für den jüdischen Aufruhr" in Händen. -Braude hatte nach dem Blutbad in Hebron an das Kolonialamt in London einem! Bericht mit detaillierter Schilderung der Greuel abgesandt und Anklage gegen pflichtvergessene britische Polizeioffiziere erhoben. Das verübelt ihm am meisten der R e g ieruhgso ertreter, obwohl die Greuel in Hebron keiner bestreiten kann. Endlich hatte Braude am Vorabend der Unruhen in einem Telegramm an die Lo n d o n e r Ex et u Live etwas von „provozierender Haltung gewisser jung-jüdischer Nationalisten" gesprochen. An dieses Telegramm klammert sich der arabische Anwalt. Er glaubt nun, den Kronzeugen für den „jüdischen Aufruhr" zu haben. Im „Doar Hajom" und „Dawar" wird mit Braude wegen dieser Telegramme und noch mehr wegen der Art, wie er sie vor der Untersuchungskommifsion bestätigte, scharf zu Gericht gegangen. Daß er überdies noch sagte, die jüdische Staatsidee sei „kindisch", Nationalheim sei nicht Judenstaat, die Zionistische Fahne sei nur eine Dekoration, auf die jugendliche Brausebolde nicht verzichten mögen, wird von den Revisionisten schon geradezu als „Verrat an der heiligen zio-! Ntstischett Fahne" empfunden. Auch in den orthodoxen Kreisen Palästinas hat Brandes Verhalten Verstimmung und Enttäuschung hervorgerufen. Wir meinen: Soweit sich die Kritik aus die Stilisierung der Telegramme und die Form der Aussage, die wir von hier aus nicht beurteilen können, bezieht, mag sie berechtigt sein. Jirr, der Sache selbst haben wir keinen Grund, Braude zu desavouieren. Wenn er im Anblick der Gefahren, da er ganz allein die Verantwortung hatte, kräftig gebremst hat — wohl zu spät — und dabei Zürich und London zu Hilfe rief, so hat er damit nichts anderes getan, als was wir feit Jahr und Tag tun. In der Form und Fassung! hätte er vielleicht vorsichtiger fein dürfen, aber Stunden der Panik pflegten keine schönen, vorsichtigen Worte zu gebären. Vsr osru.mK Vollends bestätigen wollen wir das, was er vom „Judenstaat", vom gefährlichen Spiel mit Fahnen und Farben usw. gesagt hat. Kin - d i s ch ist die jüdische Staatsidee nicht, sie ist es nur, wenn man sie mit Fahne und „Hatikwa" realisieren zu können glaubt. Und es ist sogar recht gut und heilsam,' wenn vor einem öfsent- Erzväter und Hasmouäerhelden. Von Willy Wolf, Köln. Die Ueberlreferung, daß unsere Stammväter die Thauro beobachtet, setzt uns in den Stand, uns das Leben unserer Vorfahren so auszumalen, daß es noch heute uns allen zum Vorbild zu dienen vermag. Die Gespräche und Taten unserer Ahnen werden vor unserem geistigen Auge lebendig. Wir sehen sie Werke vollbirngen, wie sie noch heute die Pflicht von uns fordert. Wir schauen sie im Geiste beim Thaurastudium, beim täglichen Gebete, im häuslichen Leben und in der Ausübung von Liebesdiensten. Und wie erst die Ueberlieferung uns die biblischen Gestalten recht begreifen lehrt, so gibt sie auch über die gesetzlichen Vorschriften der Thauro den richtigen Aufschluß. Die Zerfahrenheit der Hasmonäerzeit hatte aber ihre tiefe Ursache in der Leugnung der mündlichen Lehre. Es war ein Geschlecht herangewachsen, welches infolgedessen von den Gesetzen der Thauro, sowie von den großen Männern und Frauen unseres Volkes ein völlig entstelltes Bild - im Herzen trug. Als dann die verführerische Kunst des Hellenismus auf es eindrang, fand es in dem einseitigen Wissen der schriftlichen Lehre keinen Rückhalt. Nur eine kleine Minderheit war noch vorhanden, welche die Thauro in ihrer unteilbaren Einheit kannte und anerkannte. Sie kämpfte und siegte — und in diesem Siege liegt etwas Gewaltiges. Denn: Was spricht nicht alles aus dem tiefen Wesen dieser Minderheit und vor allem aus der Eigenschaft der Thauro, die aus diesem kleinen Kreise so sieghaft hervortrat? Die Antwort darauf erteilt die Gegenseite Ihre Waffe war die Kunst. Mit den Gesetzen der Schönheit zur Entfaltung des Stoffes in Form und Farbenpracht des Geldes. Materielle Habe hatte jedoch die kleine Gruppe, welche sich um die Hasmonäer scharte, nicht aufzuweisen. Ihr finanzielles Vermögen war so genug, daß sie den Tempelleuchter, der einst aus reinem Golde bestand, in kahlem Ausbau, ohne die sonst vorgeschriebenen Kelche Knaufe und Blüten, aus Eisenstäben, die sie mit Holz belegten, Herstellen mußten. Aber diesem materiellen Minder stand ein geistiges Mehr zur Seite. Die geistige Kraft entschied unter Gottes Beistand den Kampf zum Siege. Daraus entstand für alle Zeiten die Lehre, daß die innere Kraft der Thauro, selbst wenn sie sich aus Mangel an materiellem Gute nicht in das Gewand der Aesthetik zu kleiden vermag allem ihre Stätte in Israel zu behaupten weiß. Dies ist eine Lehre, die in unserer Zeit besonders für den an Zahl geringen gefehestreuen Kreis von großer Bedeutung ist. Die Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse lastet aus diesem Kreise in starkem Maße. Er ist nicht mehr imstande, für die äußere Beschaffenheit seiner Einrichtungen die Mittel aufzuwenden, die geeignet wären, sie uns schon sinnfällig lieb und wert zu gestalten, um auf die Jugend und den noch Fernstehenden durch den äußeren Eindruck erzieherisch emzuwirken. Für eine solche Zeit hält uns das Beispiel der Hasmonäer dre Lehre entgegen, den Verzicht auf die Harmonie der Form durch die innere Harmonie der Gesinnung und Tat zu ersetzen, um mittels ihrer die Gemüter für die Worte der Thauro empfänglich zu machen, die überragende Bedeutung der inneren Schönheit der Thauro aufzuzergen und in dieser nach innen gewandten Betätigung auszuharren, bis die Besserung der materiellen Verhältnisse gestatten, auch der Pflege der äußeren Schönheit wieder Raum zu geben. Hatte ja auch das innere Wirken der Hasmonäer später einen finanziellen Aufstieg im Gefolge, sodaß sie den Tempelleuchter aus Silber und in der Zukunft sogar wieder aus Gold verfertigen konnten. Ein doppeltes Sinnbild war der eiserne Leuchter der Hasmonäer. Und dann ein besonderes Sinnbild der Kraft dieses Geistes, welche die Getreuen in gleichem Maße zu erheben vermochte wie einst der goldene Leuchter in seiner unbeschreiblichen Herrlichkeit. Mitten im Winter ist Ehanucka. Der Winter ähnelt der Armut. Am 25. des Monats ist Ehanucka. Der Mond ist in beträchtlichem Niedergang begriffen. Noch wenige Tage und feine uns zugewandte Scheibe ist wieder verdunkelt. So stand Israel zur Zeit der ChanuSa-Begebenheit nahe am Abgrunde, als Gott die Kraft der Thauro aufs neue offenbarte. Am 25. Kislew des ersten Jahres der Wüstenwanderung war die Tempelwohnung sertiggestellt. Indes ihre Aufrichtung erfolgte erst am ersten Nissan, am Beginn des Frülingsmonats. So lehrt uns Ehanucka auszuharren in der stillen Pflege der Thauro und ihrer Pflichten. bis der Vollerfrühling erscheint und das Heiligtum der Thauro vor aller Welt in seiner Schönheit erstrahlt. Auch der äußere Lebensgang unserer Väter war ein materieller Abstieg. Aber gerade der so oft mittel- und heimatlose Jacob begründete die- Familie, aus welcher die Stämme unseres Volles hervorgingen. Er schuf die Einrichtung des Abendgebetes. Im Dunkel der Nachtläuterte er ün Gebete vor. Gott feine Gedanken zur! Klarheit der inneren Harmonie, welche die Seele, wenn dre lichtvolle Schönheit des Tages entschwunden, nritl Befriedigung erfüllt.

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