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Der Israelit · 1929-12-19 · Heft 51 (19.12.1929) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 51 (19.12.1929)
Date
1929-12-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ztim usrae c.v-L. Organ des Bundes gejetzestreuer jüdischer Kehrer DeMschlands Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). Dis Mitglieder des Bundes gefetzsstreuer jüdischer Lehrer Deutschlands werden gebeten, den Beitrag pro 1929 mit 5.— Mk. auf Postscheckkonto 5319, Eugen Ett- Nnger einzuzahlen. Der Vorstand. Bund gesehestreuer jüdischer Lehrer Deutschland?. Einladung. Zur Außerordentlichen Generalversammlung am S. Januar 1931, nachmittags 3 Uhr, im Hörsral der Israel. Religionsgessllschast, Frank,urt a. M., Friedberger Anlage: Tagesordnung: 1. Anträge betreffs Aenderung der §§ 1, 5 und 17. 2. Mittei.ungen des Vorstandes. 3. Verschiedenes. Sollte die Generalversammlung nicht beschlußfähig fein, so findet eine halbe Stunde später eine 2. außerordentliche Generalversammlung statt, die gemäß § 21 der Satzungen beschlußfähig ist. ' Der Vorstand: M. Munk, Vorsitzender. Unabhängiger Verein lsr. Lehrer im Freistaats Hessen. Einladung. , Zur ordentlichen EeneralVersammlung am Sonntag, 5. Januar 1939, vormittags 10,30 Uhr, im Hörsaale der Israel. Reiigionsgrsellfchast, Frank,urt a. M., Friedberger Anlage. _ Tagesordnung: 1. Begrüßung, durch den Vorsitzenden. 2. Rechnungsablage. 3. Vorstandswahl. 4. Referat des Herrn Kahn-Höchst i. Ü.i Was kann der jüdische Lehrer zur Hebung des religiösen Leben? auf dem Lande tun?) : ' 5. Verschiedenes. '• i ■ Wir erwarten ganz bestimmt, daß al e Mitglieder unseres Vereins erscheinen werden,. zumal ihnen keinerlei Unkostenentstehen. Sulzbacher- Gro„-Bieberau, 1. Vorsitzender. Zur Frage der jüdischen Lehrerbildung im Hinblick auf die Zukunft unserer Landgemeinde«. Bon Rabbiner Dr. Daniel Fink in Berlin-Wilmersdorf. Im Leben einer jeden Gemeinschaft gibt es Schickfaksstund«n, in welchen über deren Sein und Nichtsein entschieden wird. Ihre Ergebnisse treten zwar erst in viel späterer Zeit in die Erscheinung. Verbürgt ist ihr Eintrefsen jedoch Kraft des Gesetzes von Ursache und Wirkung. Die Frage der Ausbildung des kommenden Lehrergeschlechtes ist entschieden von derart schicksalhaftem Charakter. Der Lehrerstand als solcher macht zwar zahlenmäßig genommen vielleicht nur 1h, und weniger Prozent von der gesamten Wischen Bevölkerung aus. Seine Bedeutung für die Erhaltung' des Ganzen fällt indes ungemein schwerer ins Gewicht. Keinem Zweifkl kann es unterliegen, daß, soweit Volksschnllehrer akademischen Grades gebraucht werden, die erforderlichen Ausbildungsgelegenheiten für sie auch zu -beschaffen sind. Sie machen indes nur -die Minderheit des jüdischen Lehverstandes aus- In Zukunft steht -ihnen noch ein weiterer Rückgang bevor. Für deren Ausbildung eröffnen sich verschiedene Wege. Es steht zu erwarten, daß die zuständigen- Stellen hierbei die richtige Entscheidung treffenwerden-. Sollten Volksschul- -liehrer akademischen Grad-es daneben -auch -noch die volle oder bloß teilweise Ausrüstung mit den- Fähigkeiten zur Bekleidung eines Kul-tusamtes erstreben,, so wird es an Gelegenheiten hierzu, wie sich bald zeigen wird, keineswegs mangeln. Eine solche Neigung dürfte sich jedoch nur in ganz verein zellen Fällen geilvend machen-. Der nackte Mangel an- Zeit schonwird hier ein unüberwindliches Hindernis bedeuten. D-er Lehrplan der pädagogischen Akademien erweist sich nämlich dermaßen mit Lehraufgaben überladen, daß die normale Arbeiiskrast eines Menschen zu deren Bewältigung kaum noch ausveicht. Davon ganz abgesehen, werdendie Vorschläge des Herrn Semin-ardirektors Stoll bereits an dem gesunden Instinkte unserer jüdischen Bevölkerungauf dem Lande und ihrer Vorstände einenunüberwindlichen- Widerstand finden. Sie lausen nämlich darauf hinaus, jeweils 2—3 Gemeinden zu einem jüdischen Kultusbezirke zusammenzufassen. Diese wären alsdann auf ebenso viele Kultusbeamten unter Zuziehung -eines Akademikers auszuteilen. Mit anderen Worten: für den jüdischen KuK-u-sdie-nst wäre anstelle des Wohnorts das Regionalprinzip zu setzen. Die Gemeinden werden sohin als solche ihre Sonder-existenz. auszugeben haben. Sie werden sich von nun ab in der Rolle eines Mitgliedes in einem Kultusbezirke bescheiden müssen. Durch diesen Wandel werden . sie aber des Vorzugs teilhast, den- Religionsunte-rricht "ihrer Kinder der Hand eines akademisierten VoAsfchullehrers anvertraut zu sehen. Es darf zunächst, wie bereits gezeigt worden, dahingestellt bleiben,, ob die Akademiker in ihrer Eigenschaft als Religionslehrer jene Erwartungen werden einzulösen vermögen, die an ihre Standes erhöhung geknüpft werden-. Unsere Bauern pflegen die sogeuann-ten- „lateinischen- Bauern" unter ihren. Standesgenosf-en gerade nicht besonders hoch emzuschätzen. Ob nicht die gleiche Stellungnahme bei unseren Vorständen gegenüber den akademischen- Religion-stehrern Platz gveistn werde, bleibt' zunächst abzüwarten. In dein Hinweise, die Gemeinde erhielte doch aks Ersatz für ihren Kultusbeamten lA bezw.^/<r akademisierten Religionslehrer und .darüber hinaus noch % bezw. xk Kultusbeamten, —' dürfte sie kaum eine 'hinreichende Entschädigung' füri jetten Ausfall, erblicken. '*]i bezw. s/8< machen zwar im allgemeinen ein. Ganzes.aus-, — jedoch nur. soweit es' um mechanische Größen geht. Beiorganischen Größen — und hier hanhel-t es sich urti eim solche — bedeutet 2/2 bezw. 8/3 längst kein Ganzes, sondern eben ein Bruchstück. Hi-er aber kommt etwas ganz anderes in Betracht. Die Gemeinden werden sprechen: wir aber wollen doch „unseren" Lehrer, „unseren" rn haben! In diesem „unser" steckt inder Tat ein ganz gewaltiges impond-erables Moment, wie es ziffernmäßig gar wicht erfaßt werden kann. Aus einem aanz nch^a«n Instinkte heraus wir)» die Gemeinde sich sagen, sie habe als Gemeinschaft zu existieren au-fgtzhört. Bon nun an bilde sie nur noch ein Glied eines regionalen Kultu-sbezbrk-es. Das ist ein- Gebilde ganz anderer Art. ja. überhaupt kein Gebilde mehr. Dennes ist mit Nichten damit ab'göian,.daß der Lehrer als nn und mw seinen Dienst besorgt. Um seine Person spinnt sich ganz unversehens ein verwickeltes System idealer Beziehungen mannigfachster Art. Die führen von jedem Mitgliede zu ihm, von chm wieder zu. jedem Mitgliede. Sie mögen in ihrer Feinheit, für das nur äußerlich beobachtende Auge kaum wahrnehmbar; erscheinen. In -eine kunstgerechte, geschickte Hand getan, spinnen sie sich schließlich zu einem geschlossenen Netze aus. In dessen- Maschen werden so nach und nach unvermerkt alle hinein-gezogen. Die Mit- Bieder einer Gemeinde, sie wissen selbst nicht, wie, wachsen hierdurch zu einem geschlossenen Organismus zusammen von einheitlichem Baue und innerlich geschlossener Struktur. Es mag schon Vorkommen, daß nicht jeder Lehrer über jene geschickte Hand verfügt, die es fertig bringt, solch unsichtbare Fäden um sein« Gemeinde. zu spinnen und sie damit zu einem einheitlichen Kunstwerke au-szugeftalten. Auch mag es schon vork-ommen-, daß nicht «ine jede Gemeinde das geeignete Menschenmaterial für ein solches Kunstwerk da-r-biet-eb. — Um solcher Ausnahmen willen wollen wir doch aber unsere Landgemeinden ihres schönsten Schmuckes nicht berauben. Sollten sie denn in der Tat allesamt in Zukunft lediglich das Bild einer trostlosen Einöde abgehackter Bruchstücke darbiete-n? Es könnte aber noch ganz anders kommen-. Der in Vorschlag gebrachte Weg könnte leicht zu Ergebnissen führen/ die jenseits aller Erwartungen- und Berechnungen zu liegen kämen. Wie nun, — wenn unser« Landgemeinden, die als Kultusbeamten lediglich vorgebildeten Bewerber über den Kopf eines noch so fein ersonnenen Vildungssystems hinweg als solche anstellten. und ihnen den Religionsunterricht darüber hinaus noch einfach aus eigener Machtvollkommenheit heraus übertrügen-?! Geben wir uns gar keiner Täuschung hm: Für unsere Gemeinden hat -ein in Herzlichkeit und Inbrunst vorgetragener pi vn am f sian® narc noch stets viel größere Bedeutung gehabt, als all« noch so feinsinnig durchdachten pädagogischen Theorien. In den Großgemeinden liegen ja die Ding« kaum anders. Wäre es wicht der Zauber und die Weihe der alt-geheiligten Melodien, die es noch immer verstehen, um ihr Publikum zu werben, — unsere Synagoge ständen dann auch am mm wtn und 1122 dt* genau so leer da, wie sonst. Letzten Endes Regt hier der einzige Wert im Judentum« vor, für den noch ein Resonanzboden, besser ein Organ vorhandenist. So sahen die Früchte am Baume des üblichen Religionsunterrichtes nun einmal aus! Sie bilden seine b-este Auslese. Bon den anderen möchten wir am liebsten ganz und gar schweigen. Sind bei den in Aussicht stehenden akademisierten- R-eligionsl-ehrern auch nur die Voraussetzungen gegeben, di« uns hier zw der Erwartung eines Wandels zum Besseren berechtigten?! Auch Herr Seminardirektor Stöll spricht von einer nie bestrittenen Msere des jüdischen NeWonsunierrichte-s. Es ist schon nicht einfach, darzütun, wie wir so in das Bodenlose dieser Msere hineing-eraten sind-. Wie wir auf dem von chm gewiesenen Wege aus ihr herauskommen sollten, wüßte ich ganz und gar m'ch-t. Man müßte schon «in ganzes Kapitel jüdischer Geschichte aufrollen, um dies auseinander zusetzen. Dazu kommt noch, daß dieses Kapitel der Geschichte -noch gar nicht einmal geschrieben wordenist. Am schlimmsten jedoch ist es. daß den Meisten das Bewußtsein, daß wir in der Misere stecken, bereits vollständig abhanden gekommen ist! Eines ist klar: Die bürgerlichen Rechte und die Freiheiten fielenuns nicht als großmütiges Geschenk inden Schoß. Eine der uns auferlegten- Gegenleistungen bestand in der Uebernahme der -allgemeinen Schulpflicht. Im öffentlichen Leben gibt es keine Leistung, di« gleich -ihr -bis -tief indas FamiWenle-benhineinschnitte. Ueb-er die Zukunft 'eitn.e-r Gemeinschaft wird ind-er Schul« das Los geworfen. Gewiß gab es seinerzeit nicht weniger Rabbiner, die das Verhäng-nis, von dem -das Judentum hierdurch bedroht wurde, klar erkannten. Den schlie-ßbichen. Ausgang schätzten sie vollkommen richtig ein-. Ihm gelte, e-s zu begegnen, — so meinten sie, — koste es-, was es koste! Hier läge einer der Fälle vor, auf den der Satz gemünzt ist: nsr Vto sirr „Lieber der Tod, -als «in solches Zugeständnis! Ueberfchaut man den- Verlauf, den di« Dinge in den letzten hundert Jahren genommen haben, so kann man ihnennicht Unrecht geben. Was haben hundert Jahve allgemeiner Schulpflicht aus dem Judentum« gemacht? Noch -ein- Jahrhundert vonsolcher Zerstörungsarbeit — und es ist um uns ein für allemal geschehen! Ein Zustand der Erschöpfung bis zum völligen Verbluten! Mehr noch: Dieser Zustand ist uns bereitsso sehr zur zweiten Natur geworden-, — daß wir -das Un-g-eheiu-erliche. das er in sich begreift, kaum noch empfinden. Am deutlichsten zeigt dies die Haltung, welche di« führenden Schichten, dis durch Bildung, Besitz und öffentliche Stellung den Ton cmgeben-, dem Judentume gegenüber «innehmen. In. anderen Gemeigschaflen Hilden dies« Schichten die

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