Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1929)
- Date
- 1929-12-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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19. Dezember 1929 D e r Israelit Nr. 51. Seite 7 Kunsthandlung Julius Giessen Am Opernplatz - Ecke Bockend, landstt. 2 Das Fachgeschäft für vornehme Unog Die AüBslhanJInng Des guien Geschmacks Vraude klagt an . . . Jerusalem, 13. Dez. In der Sitzung mm 12. Dezember richtete der Regierun-gsanwalr Keniekm P r ee dy an Dr. Brande die Anforderung, entweder die in Minen nach London gesandtien- Telegrammen gegen 'tote PaläMna-RegMrumg erhobenen Klagen zu -erhärten- oder Per vor der Kommission zu 'erklären, daß er die Klagen zurückziehe. Darauf erwiderte Brande-: „Ich kam hierher, um auszusagen, Nicht um zu klagen; aber wenn Sie darauf bestehen, so klage ich. Und ich ziehe nichts zurück." Dr. Brande verharrte -bei Diner Meinung, daß 1. dis Regierung die an sie gerichteten Warnungen unbeachtet gelassen, die Panzerautos, erst am späten Nachmittag des oerhängnisv ollen Freitag kommen ließ, daß das Feuer gegendie Angreifer -erst am Sonnabend oomtiihhag «rö-ffnot wurde; 2. daß die Polizei keine Gewehre Mit sich führte; 3. daß nicht für genügend Truppengesorgt wurde; 4. daß es nicht einmal genug Polizisten gab. Dr. Brande erklärte, die Lage war eiite solche, daß schon mehrere Tage früher Truppen nach Palästm-a hättenanges-or-de-rt werden sollen. Die Regierung selbst habe zugegeben, daß die StreKtkräfte unzureichend waren, daß sie nicht inder Lage war. «ine Polizeieskorte für das Säuglingsheim im MoNtesiors-Biertel zu stellen, wodurch die Pslogerinnen gezwungen wurden, die Säuglinge unter -einem Kugelregen fortzub ringen. Das Mädchen-Wa-iDnhaus im Musrara-Misr/tel flehte vergebens um Schutz und mußte schließlich -ebenso wie die Lämel-Schule geräumt werden. Ob das nicht sine zaud>ernde Taktik Di, wenn die Polizei die Plünd-ersr von T a l p -i o t h gswähren liteß, ohne sie in ihrem Tun zu hindern. Auch -in G e to u J> Awodah zog sich die Patrouille zurück und überlLtz den Ort den Plünderern, die der Polizei aus dem Fuße folgten. Die Araber waren dort mehrere Stunden versammelt, sie griffen -aber erst an, als sie sesi da von ü b -e rzeugl waren/ daß die Polizei sich nicht ei n m-is che n wü rd «e. Geradezu ein klassisches Beispiel einer Zaudertakbik war aber das Verhalten von Luke gegenüber dem Vorschlag, jüdische Polizisten, anzuwerben. ßaroge,, lange erwog er während der furchtbarsten Stunden, bis er schließlich den Vorschlag zurückwies. Das gleiche gilt für Dine Panzeraultoaiktion: er hielt die Autos lange nur zum Scheine!. Welchen an-- •bevm Grund, sagte Brande, Halle die Regierung für das Zufamm-enwerssn der Verluste in Hebron und Jerusalem als den,' den Umfang der Tragödie iN Hebronzu verhüllen? Die Ereignisse, schloß Braude, waren weit ernster, als ich sie -in meinen Telegrammen geschildert habe. Oberrabbiner kuk vor der UnterfuchungskommWon. Jerusalem, 15. Dez.- Oberrabb-iner K -u k machte von dem ihm zugebilligten Rechte, gleich dem Großmufti, in Diner Wohnung vernommen zu werden-, kamen Gebrauch und erschienam F r e t t a gvor dsr Untersu-chungskomMission. Cr begründete dies damit, daß die Wahrheit in aller O -e f -f -e n t l -i-ch k-eit ausgesprochen werden müsse. Man müsse auch nach -takmudischem Gesetz, sagt -er ei-nieitend, Richtern Ehreerwetsen. Dav-on Di nicht einmal der Hoh-ephiefter ausgenommen. Seine Aussagen waren kurz. Er wehrte sich -entschieden gegen die Verleumdung, Juden wollten die Omar-Moschee ,erringen,. Juden, dürfen g-emäß ihrem Rsligionsigeisetz nicht -einmal den- B-oAen bieireton. DiS Erlösung -und der- Wiederaufbau des Tempels wird durch den M-e f s -i a s vollzogen werden. Obarrabbiner Kuk las zwei Gesetze aus dem Schu-lchan-Aruch vor, nach denen den Juden erstens geboten Di, am 9. Aw zu trauern und auf dem Boden zu sitzen, zweitens am Ausgang des Jomkippur Schofar zu blasen. Das Verbot des Schofarblasens Hirt die Juden um so -tiefer geschmerzt, als es auf moSvemiKsches Betreiben ergangen war. Er müsse darauf verzichten-, mit Dokumenten das jüdische Recht aus die Klagemauer zu begründen, dieses Recht fei tiefer verankert. „Man kann mit einer Kerze nicht das Licht der Sonne verstärken". Ob -er Dbber am 'letzten Jomkippur dem Gottesdienst an der Klagemauer beigewohnt hätte?, fragt der Vorsitzende. Das konnte c-r sich als alter, gebrechlicher Mann nicht zumuten, sagte er, da man den weiten Weg nach Vorschrift des Gesetzes ohne feste Fußbekleidung machen müßte. Personalien. Braunsbach i. Wltbg., 25. Nov. Unsere Gemeinde wurde durch das Ableben der Frau Hermine S ch l a ch - ier in Trauer versitzt. Die Entschlafene, die ein Alter von 82.. Jahren erreicht hatte, entstammt der frommen, jüdischen Familie Schulmann aus Mönchsroth in Bayern. In glücklicher, 57jäh iger Ehe war sie mit ihrem Gatten vereinigt. Vier Söhne und vier Töchter stehen trauernd an der Bahre der Mutter. Herr Rabb. Dr. B e r l i n g e r aus Hall brachte am Grabe der Entschlafenen die Verehrung der Mitbürger zum Ausdruck. Cr hob mit ehrenden Worten das von der Heimgegangenen geführte echt jüdische Haus hervor. Nach kaum acht Tagen ist auch Lazarus Schlachter seiner Gattin im Alter von 34 Jahren gefolgt. Am Freitag mw "n p"»sr kam er zur letzten Ruhe. Herr Rabb. Dr. B er l in g er - Hall schildert uns den Heimgegangenen Bruder als einen schlichten, fleißigen, religiösen Jehudi, der Tag und Nacht nichts als Arbeit kannte, und trotzdem Zeit fand, seinen na«? aufs genaueste zu halten. Trotz eines erlittenen Schlaganfalles hatte er am Jomkippur den ganzen Tag gefastet. Er hielt treu zur naiv« bis zuletzt rrassn.. Osfenburg, 9. Dez. Mit Friedrich Maier ging ein Mann des aio uv, des guten Namens im vollen Sinne des Wortes von dannen. Er stammte aus dem benachbarten Diersburg, und er hatte in dieser altehrwürdigen Gemeinde . n«-p und n tos von Jugend aus in sich ausgenommen .32 Jahre lang versah er in hiesiger Gemeinde das Amt eines Ssnagogendieners mit Liebe und Hingebung bis zu seinem Tode. Seine Kinder erzog er zu achtbaren Menschen, die überall zur Zierde gereichen. Möge '"vn die Trauernden trösten. noxan- Mannheim, 15. Dez. Zu Beginn des vnn konnte Herr Leopold Simon in voller Rüstigkeit seinen 85. Geburtstag feiern. Dir p~n, die ihrem Ehrenvorsitzenden vor wenigen Jahren, aus Anlaß feiner 50jährigen Mitgliedschaft, verdiente Ehrungen erwies, ließ es sich auch diesmal nicht nehmen, vollzählig bei ihrem würdigen Ehrenvv"sitzenden zu erscheinen und ihm die Glückwünsche der „Kippe" zu überbringen. Auch der Oberrat der Israeliten sandte ei en bedeutsamen Glückwunsch: . Die von B. Elkan geschaffene Bronceplakette, die badischen Juden für verdienst'oHes Wirken im Dienste der Gemeinschaft zuteil wird. Das Rabbinat, der „Verein zur Wahrung", sie alle kamen, um den Greis und in der Gestalt des 65-Jähr'gen das ehrfurchtgebietende Alter selbst zu ehren. — Der Umbau der Klaus geht seinem Ende entgegen. We neu mutet das Bild vollständig veränderter Raumgestaltung an. Bald wird n"'« mehr davon zu sagen sein. — Der Religionslehrer und 2. jrn der Klaus, Lehrer K o h n aus Schlüchtern, wird am 1. Januar fein neues Amt antreten, und gleichzeitig beginnt auch der neue akademische Religionslehrer der Gemeinde, Herr Dr. U ck o , seine Tätigkeit in Mannheim. Alsfeld (Hesse"), 10. Dez. Am pvn->» vin 'am' verstarb hier die wegen ihrer echt jüdischen Grömmigkeit, ihrer seltenen Geistesgaben und ihres reichen jüdischen Wissens in weiten Kreisen angesehene und geachtete Frau Emilie Rothschild im Älter von 81 Jahren. Sie war die Tochter des ebenfalls wegen seiner umfassenden Thaurolenntnis und der in ihr wurzelnden STOv nsT» bekannten und geehrten nrn Manschest Bing b~t in^Oberseemen. Seit 1873—1905 lebte sie in inniger Harmonie an der Seite ihres gleichgesinnten Gatten, welchen sie in diesem Jahre verlor, ihre Kinder im Geiste des überlieferten Judentums erziehend. Trotz schwerer und schmerzlicher Schicksalsschläge, welche ihr nicht erspart blieben, blieb sie standhaft in unerschütterlichem Gattvertrauen, ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten in den Dienst jüdischer und allgemein menschlicher Ausgaben stellend. Bis in die letzten Stunden nahm sie mit ihrem regen Geiste und Scharfblick Interesse an allen Vorgängen der jüdischen und allgemeinen Oesfentlichkeit, insbesondere der hiesigen jüdischen Gemeinde. Seit Gründung des Jüdischen Frauenvereins war sie Vorstand desselben, seine Geschäfte mit unermüdlichem Eifer und Gewissenhaftigkeit führend, und in den letzten Jahren in Anerkennung ihrer Verdienste Ehrenmitglied dieses Vereins. Die Verkörperung - eines echten, jüdischen Frauenideals, ernster religiöser Pflichttreue, verankert in selten reichem jüdischen Wissen und starker Ueberzeugungstreue, ist mit ihrem Heimgange von uns geschieden. fraxwv Briefkasten. A. Die Adresse ist: Verein jüd. Hotelbesitzer und Restaurateure E. V., Oberhof i. Th., Gustav Blum. Gin alter treuer Abonnent. Besten Dank! Wir werden auf Abstellung des Übels bedacht sein. M. Hr. Merlin. Das Rätsel wird erscheinen. Besten Dank. FamUiennachrichten. Silberne Hochzeit: Am 26. Dezember feiert Herr Louis Grebenau/ Sandweg 16, silberne Hochzeit. Die Woche. Treffen der Agudas Jisroel-Iugendgruppen. Für d-cvs am Mittwoch und Donnerstag, den 23. und 24. Kislew 5690 (25. uiw 26. Dezember 1929), im Hörfa-al der Jsva-elil-ifchen R-eliig-ionsg-es-ellschast,, Frvedb-erger Anlage 5, stattsindenoe Tressen der Agudas Jisroel- Ju-g-endgr-uppen Frankfu-vk a>. M. ist folg-en-des Programm vo-vg-eDh-e-n: 1. Mittwoch Vormittag 10 Uhr: c) Eröffnung durch d-en Vo-rsttzend-en, b) Be-g-rüßungsa-nspra-chsn, 1. des Herrn Rabb. Josef Horowitz, 2. -des Herrn Jacob Rosenhe-im; c) R-eDva-t des Herrn Dr. Lichtilg-feld, Düsseldorf, über: „Die geistige La>ge hier Agu-doch". Anschließend Aussprache. 2. Mittwoch Nachm i t t a g 3 Uhr: -o.) Fortsetzung der Aussprache üb-er das R-efevat dos Herrn Dr. E. Li-ch-ti-gfeld, b) Referat des Herrn Rechtsanwalt Martin Katz, Frankfurt a. M., über: „Ausbau der Gruppenarbeit". An-fchli-eß-end Aussprache. 3. Donnerstag Vormittag 10 Uhr: a) Referat des Herrn Dr. Stein-Köln^ über: „Die Einstellun-g der jüdischen g-esetzes-trenen Jugend z>ur m-ode>rn>en Gef-ellschaf-t". Anschließend Diskussion. 4. Donnerstag- Nachmittag 3 Uhr: Forffetzung der Aussprache über das Refera-t des Herrn Dr. Stein. 5. Donnerstag Abend 8.30 Uhr: Gemütlicher Channkah-Abend mit musikalischen und künstterischeu Dabbistungen. Filmvorstellung der Jüdischen Frauenvereinigung. Cs wird wie eine gute Botschaft vern-ommenwerden, daß in einer Zeit, die uns alle möglichen zweifechaften Stücke, mit „Kunst" und „Kultur" deklariert, beschert, uns GelieMchM geboten wird, -einen gu-Je.n Film zu sehen, der mit allen modernsten Mitteln der Technik uns die Ho chgedanken und großen Ideen eines L e s f i n g s oermi-ttelt. Die Jüdische F raue n o e rein-igu ngbringt am Sonntag, den 29. Dezember, 10.30 Uhr vormittags, in den- Lichtspielen Bisb-er->Bau, BtsbergasD, „Nathan der Weise" von Lessing zur Ausführung. Ein erstklaffiges Beiprogramm geht dem Haiuptstücke voran-. Die Einnahmen sind für den. von der Frau envereinigung unterha-ltenen H-ort für jüdische Mädchen best im m-t, so daß hier -eine Synthese von Kunst und Kind i-m edölsten Sinne her-gestellt wird. Daß das sin Film -auch für unsere I uge -n d ist, muß nicht erst gesagt werden. Man -bestelle jetzt schon Karten bei -der Vorsitzenden, Frau Henriette B e st h o f -s, Palmstr. 10 oder in der Buchhandlung B. Rachel so hn, Zebl 2. Spielabend des Keren hat Hora. Wie bereits bekannbgegeben, findet am Abend -des 30. Dezember im großen Saale der Frankfur-d-Loge eine Chanukah-Veranstaltung des Keren Haithora statt, b-ei der Gelegenheit zu Eha-nukah-Spielen aller Art gegeben ist. Außerdem werden Vorträge, musikaGsche -und -deklamat-orijche Darbietungen geboten werden. Eintrittskarten zu nur -e i n e r- Mark sind zu -hvb>en b-ei: Konditorei Grünebau-m, Hana-nerlandstr., Rest. Salomon, Gr. Eschen. hedmerstr. und Michael Grünsbaum (bei Homb-urge-r) Obermainanlag-e 22 (Tel. C. 45 670). Es wird besonde-rs daraus aufmerksam gemacht, daß Gelegenheit gegeben ist, einen Tisch mit 10 Plätzen reservieren zu -lassen, so daß Freunde sich, wie am Chanu-kah üblich, zum Spielen zusammensi'nden können-. Chanukka-Festkonzert. In dem am Samstag, den 26. Dezember, im großen Saal -des Saalbau statMndenden E H an u k kak-on-zert (Leitung: Max Neumann) wird Kammersänger Hans Erl von der hiesigen Oper Arien aus „Jüdin", „Königin von Saba" und „J-ofua" v. Händel -bringen. Lazar Finket st ein wird selten gehörte synagogale Gesänge zum Vortrag bringen, u. a. „Ato jozarto" von Herschmann, „Habet" von Rosenblatt, „Weschomru" und „Micho maucho" von Silbert. Das Orchester unter Max Naumann spielt die Festouverture von Leutna, ferner eine hebräische Rapsodie von Wsinba-um und die Hebn-denouverture von Mendeksohn. Karten von Mk. 1.25 bis Mt. 3.25 sind in den bekannten Vorverkaufsstellsn- und an der Abendkasse er- Hä-Mch. Aus der Agudas 2isroel-2ugendgruppe. Diesen Freitag abend sprechen die Herren- Emil Goibbieb und Gerson Schnerb. Samsiag abend findet um 9 Uhr der dri>tt-e Abend der Arbeitsgeme'Mfcha-ft des Herrn- Jakob Landa>u über politische Fragenstatt. Aus das am 25. und 26. Dezember stattsindends Treffen wird nochmals aufmerksam gemacht. Familien, die b-ere-i-t sind, auswä-rti-ge Gäste bei sich au-fzunehmen, werden gebeten dies umgehend dem Vorstand mi-dteiien zu wollen. Berichtigung. Jni Berichte über die Gemeindevertreiung der Israelitischen Gemeinde in der jüngsten Nummer (Seite 9, erfte Spalte) muß es bei dme Nachrufe des Vorsitzenden richtig heißen: „des verstorbenen Anton Ho -rk heim er" (nicht St-ockheimer) wurde gedacht. Der neue Kizzur. Vom Kizzur S ch u l ch a n A r u ch ist die 23. Lieferung erschienen. Der hebräische Tert ist punktiert und mit deutscher Uebersetzung von Rabb. Dr. S. Bamberger versehen. Die neueste Lieferung umfaßt die Trauervorschristen des Aw und des 9. Aw, sodann die Bestimmung über den F a st t a g und die ersten Satzungen, die sich an Ellul und S lich aus knüpfen. Preis des Heftes Mk. 1.50. Alle 23 Lieferungen sind zum