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Der Israelit · 1929-12-12 · Heft 50 (12.12.1929) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 50 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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12. Dezember 1929 hältmsse Richtlinien imb Anregungen auf dem Gebiete der Gruppentätigkeit verschickt. Beiliegender Fragebogen der Mädchengruppen und die Beantwortung desselben durch die Züricher Mädchengruppe gibt einen Einblick in die, bestehenden Arbeitsmöglichkeiten der bestehenden A. J.--Mädchen-- und Frauengruppen. Es ist selbstverständ.ich, dag dir F.auengrrppen andere Aufgaben und Arbeitsformen annehmen werden als die Mädchengruppen, indem nicht nur rern erzieherische Arbeit wie es vornehmlich die Mädchengruppen erstreben, ihr Programm sein kann, sondern vielmehr je nach Lokalverhältnisfen die verschiedenen Gebiete sozialer Tätigkeit Verhältnissen die verschiedenen Gebiete sozialer Tätigkeit, wie z. B. Bikur Chaulim, Hachnosfas Kaloh, Bestrebungen zur Errichtung jüdischer Schulen und Kindergärten, Haussrauenhil.e, Errichtung agunstischer Ferienkolonie!«, Stützung , des Beis Jakow-Fonds usw.,' und dann vor ^allein geistige Arbeitsgemci ]5;aft, Aussprachen und Referate zur Orientierung über die A. J.-Tätigkeit und Stellungnahme betr. Zeilsragen und auch zur modernen Literatur. Die Zentrale gibt als Anregung zur Erreichung der Ziele folgende praktische Vorschläge. m. 1. Zur Gründung der Gruppen. In jedem unserer agudistischen Kreise finden sich 4 stets ein paar Frauen, dir schon längst in gleichrr Richtung wie oben ausgesührf, gedacht haben, die jedoch Gelegenheit hatten, diese Gedanken durch Bestätigung zu Nutzen ihrer Kreise zu verwirklichen. Wo solche Frauen sind, sollten sich diese einen, und wenn auch noch so einen kleinen Kreis gleichgesinnter Frauen eiuladen, dann in ihrer eigenen Form die oben s.izierten Gedanken in einem Referat entwickeln. (Auf Wunsch steht das Referat Jacob Rosenheims in Kattowitz als Grundlage zur. Verfügung, weiter gewünschtes Material will dir Zentrale auf Wunsch gerne übermitteln.) Hierauf erfolgt Gründung der Gruppe, Wahl des Präsidiums. 2. Für Sstiurim. Es ist überall zu konstatieren, datz bte meisten Frauen brs auf die wenigen, die in jüdischen Erzieherberufen und als Erzieherinnen Tätigkeit geübt haben, nicht die innere lebendige Beziehung zum Inhalt der Thora haben. Es ist deshalb zu empfehlen, bei den allwöchentlichen Sidrohbehandlungen derart vorzugehen, datz bestmöglichst dieser Mangel ausgeglichen wird, indem die jeweilige Schiurleile.in sich an Hand von Hirsch's Kommentar in Chumisch, Raschi evtl. Ilebersetzung von Bambe grr und Dessauer, Beis Jrhudo, Bamberger Bibel und Talmudschatz, Men auros Hamoar, Agada-Sammlungen von Gottschalk, Einige Gedanken aus dem Sidwoh erwähnt, die besonders gut geeignet sind, im Interesse der Zuhörerschaft nahe gebracht zu werden. Die Lektüre von Hirsch's Kommentar weist den sich Vorbereitenden auf so viel interessante und behandelnswerte Themen hin, datz sie auf Grund dieser Anregung durch Hirsch sein Thema an Hand der obengenannten Bücher vertiefen kann. Sollte keine von den Damen sich geeignet fühlen einen solchen Schiur zu leiten, hat man immer noch die Möglichkeit einen männlichen Dozenten heranzuziehen, doch ist undingt notwendig, datz die Frauen durch vorherige Kenntnisnahme des zu behandelnden Stoffes durch Fragestellen und Aussprache aus ihrer passieren Genügsamkeit gewiesen werden. Vorträge und Lektüre und Gespräche über jüdische Dinge genügen heute nicht mehr, sondern einzig und allein eigene Arbeit, Mitarbeit, Mitstreben, Ringen und sich an strengen um Kenntnis und Sinn des jüdischen Lebensinhaltes und die Mittel dazu führen über den Weg der jüdischen Quellen. Tefiloh. Mit Hinblick darauf, datz die Kinder in den Schulen schon früh und viel Tesiloh lernen, ist es notwendig, daß die Frauen jedenfalls die wichtigsten Teile unserer Gebete verstehen, soweit, daß sie den Kindern auch den inneren Sinn unserer Tesilaus nahebringen können. Dinim. Mit besonderer Behandlung solcher Gesetze, die auf jüdische Frauen Bezug haben, dazu gehören auch die Dinim über Schabbos und die - Jomtauwim. 3. Für Geschichtskurs. Es wird zu wenig Geschichte gelernt. Unsere Kenntnisse reichen gewöhnlich nicht über die Bibel hinaus und doch ist kaum etwasso notwendig und grundlegend, so stärkend für das jüdische Bewußtsein und Berantwortlichkeitsgesühl als unsere Geschichte, die einzigartige Geschichte unseres Volkes, vor allem in den Zeiten seiner erschütternden Eoluswanderung durch die Jahrhunderte und Lande, die neben allem Leid immer begleitet ist von Großtaten des jüdischen Elnsteslebens, datz man diese Geschichte kenne und ihre Größe und Verpflichtungskraft erlebe. Zur Arle'tung und Vorbereitung für den Eefhichtskurs folgt auf Wunsch ein Literaturverzeichnis. Bei Geschichte allerdings empfiehlt es sich am besten einen Dozenten oder eine Dozentin zu nehmen, die über Geschichte schon orientiert ist. 4. Lektüre und Ausspracheabend. Wir haben Gott sei Dank schon eine ganze ansehnliche Literatur höchsten Ranges über jüdisch-weltanschauliche. jüdisch-politische und jüdisch-pädagogische Fragen. Sre werden von den. Frauen oft nur den. Namen nach gekannt und doch vermittelt ihre Kenntnis ein Fond jüdisch-geistiger Sicherheit, den mir brauchchen als Erzieherinnen und im Verkehr mit Andersdenkenden. Es Der Israelit _SBiänec_ sollten die Arbeitsgemein schäften derartige - Bücher wie Breuer, Birnbaum. Rosrnhrim, Artikel aus der Monatsschrift „Jcschurun", siehe Literaturangabe, gemeinschaftlich nach allseitiger Vorbereitung besprochen werden. Es ergeben sich dann immer interessante Teilsragen, die Anregung für weitere Themen geben. Einzelne Teilnehmer beschäftigen sich intensiv mit diesen Fragen durch Bücher und Rücksprache mit Autoritäten, arbcsten Referate aus, die dann Grundlage für Diskussionsabende werden. Auch die modernen Bücher, die von der Jugend heute verschlungen und nicht richtig verarbeitet werden, sollten von Agudistknnen gemeinschaftlich durchdacht werden, damit in diesen brennenden Gegenwartsfragen der Jugend Antwort und Richtung geben zu können. Zn jeder Auskunft und Ürbermittlung von Arbeitsmaterial ist bte; Zentrale stets gerne bereit. Wir ersuchen Sie, uns baldigst mitzuteilen, mit welchen Arbeitsmöglichkeiten und Erfolgen in Ihrem Kreise zu rechnen ist. Im Interesse der Zusammenarbeit ist es unbedingt nötig datz die Zentrale auf ihr Rundschreiben umgehend Antwort erhält. Berlin, 1. Dezember. Die Agudas Jisroel-Frauen gruppe hat ihre Tätigkeit für das Winterhalbjahr 1929,33 begonnen. Es finden bei verschiedenen Damen Arbeitsgemeinschaften über folgende Themen statt: „Unsere Einstellung zur modernen Ltteratnr", „Agudohfragen", Besprechung pädagogischer Fragen", Psychologie des Kindes", Moderne Pädagogik" und „Tnach". Die Kurse erfreuen sich reger Beteiligung. Eine Beratungsstelle für Mütter über ^erzieherische und hygienische Fragen im Zusammenhang mit der Schule ist ins Leben gerufen worden. Ferner soll den Schülern und Schülerinnen der Adatz-Schulen unentgeltlicher Nachhilssunter.icht erteilt werden. Einige Frauen unserer Gruppe wollen sich dem Ausbau der bisher geleisteten Krankenfürsorge widmen. Verein für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos“, Berlin. Wir suchen laufend für gute jüdische Haushaltungen : Wirtschafterinnen bzw. Köchinnen Kinderfräulein bzw. Erzieherinnen. Ausführliche Angebote mit Bewerbungsschreiben und Zeugnisabschriften in doppelter Ausfertigung sind zu richten an: Verein für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos“ Berlin N 54 Rosenthalerstr. 58 _Sprechstunde: Montag bis Freitag, 10—1 Uhr 8 Tel. Norden 7436. War die zweite Kenessio schon? Oder kommst sie noch? — Beinahe weiß man es wirklich nicht. Denn die gesetzestreuen Zeitungen schweigen sich aus, als wäre nie etwas gewesem. Selbst der „Israelit", 'das Zentralorgan des gesetzestreuen Judentums, hielt es bisher nicht für nötig, eine kritische Betrachtung, eine gründliche Zusammenfassung des in Wien Geleisteten zu bringen. Und in den offiziellen „Blättern" der Aguda interessiert"man sich anscheinend mehr für Wiedergabe von Impressionen! einzelner Kenessio-Besucher, als für Weiterdiskussion der in Wien aufgerollten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Problemei Warum wird der großartige Erfolg der zweiten Kenessio nicht ausgewertet, warum hat man es bis heute unterlassen, die an den Vorgängen aus der Kenessio interessierten Massen des Ostens (Litauen, Lettland, Livland usw.) darüber zu orientieren,, was geschehen ist? Fehlt es nur an Geld? Oder fehlt es an Menschen, oder fehlt es gar an Willen? Wer weiß, vielleicht sehen die verantwortlichen Führer die Kenessio irgendwie als Abschluß an. Für uns aber, für uns jung e Agudisten, war die 2. Kenessio jedenfalls nicht Abschluß, sondern Beginn. Beginn einer neuen, besseren! Tätigkeit. Arbeiten aber kann eine Organisation nur dann, wenn an ihrer Spitze eine arbeitsfähige Leitung steht. Vom zweiten Tag der Kenessio an gingen daher alle Bemühungen vor und hin- Rr. 24 Seite 3 ter den Kulissen dahin, eine derartige Leitung zu bilden. Die schönsten und vernünftigsten Vorschläge scheiterten an dem Willen und an der Angst Einzelner. Und wenn schließlich ein Rumpfkabinett mit dem Rechte der Kooptation zustande kam, dann'war die Absicht wirklich nicht, mit einer Rumpfleitung die Organisation bis zur nächsten Kenessio zu führen, als vielmehr, durch Zuwahl geeigneter Kräfte — die Leitung zu zentralisieren und reorganisieren und durch genaue Begrenzung der Aufgaben der einzelnen, Vorortsplätze (Frankfurt, Warschau, Wien) die Organisation zu stärken und sie für die Erreichung der gewünschten Ziele arbeitsfähiger zu machen. Es ist geradezu ein Skandal, daß heute, drei Monate nach der Kenessio, eine arbeitsfähige Leitung noch nicht vorhanden ist. Es ist geradezu ein Skandal, daß durch übergroße Rücksichten die Zeit damit vertrödelt wird, Einzelne für die Leitung zu erhalten oder zu gewinnen, unter Vernachlässigung der Interessen der agudistischen Organisation. Denn das Interesse der Organisation geht augenblicklich nur dahin, eine arbeitsfähige und arbeitsfreudige Leitung zu erhalten. Einerlei, ob dieser oder jener ihr angehört oder ihr fernbleibt. Hätte Agudas Jisroel eine aktionsfähige Leitung, so wie es die Kenessio wünschte, dann wäre es um alles bester bestellt. Ein Beispiel nur: Erez Jisroel. Ist in den seit der Kenessio verflossenen drei Monaten in gemeindepolitischen, sozialen und kulturellen Fragen irgend etwas im Sinne der von der Kenessio gefaßten Beschlüsse geschehen? Oder tanzt man in Jerusalem nicht nach wie vor der agudistischen Zentralleitung auf dem Kopf herum? Die Schulfrage in Erez Jisroel beginnt langsam — dank der Tüchtigkeit Jerusalemer Eiferer — von einer Vernunft- und Herzensfrage in eine Prestigefrage sich zu wandeln!. Und wir haben keine orthodoxe Presse, die all die künstlich aufgezogenen Schleier zerreißt und zeigt, wohin der Weg führt. Wäre der „Israelit" unabhängiger als er es ist und nicht mit tausend Fäden an Rücksichten gefesselt, die die Redaktion auf alle Kreise der Agudas Jisroel — mit Ausnahme der Kreise um die eigene Redaktion — nehmen zu müssen glaubt, dann wäre vieles bester. Die von Herrn Öberrabbiner Dr. Carlebach- Altona in Rr. 48 des „Israelit" zur Schulfrage in Erez Jisroel gemachten Ausführungen irren vielleicht in Details. Im Großen und Ganzen aber^treffen sie leider nur zu sehr zu. Ob nun Cherem oder nicht. Fest steht, daß auch mit dem sogenannten Cherem ein gesetzestreues Schulwerk errichtet werden kann, das den elementarsten praktischen Anforderungen entspricht und zugleich die Billigurig oder Duldung von Rabbi Chaim Sonnenseld findet. Das Schulwerk, welches Dr. Moses Auerbach vor dem Kriege errichtete, das Schulwerk, welches die Palästina-Zentrale der Aguda seit Jahren mit Zustimmung von R. Chaim Sonnenseld errichten will, aber nicht errichten kann, ist Beweis hierfür. Wenn in den letzten Jahren alle dahingehenden Bestrebungen völlig gescheitert sind, dann war daran Geldmangel am allerwenigsten schuld, auch nicht der zu Recht oder zu Unrecht bestehende Cherem. Daran war und ist vielmehr der Widerstand eines agudistischen Jerusalemer Kreises schuld, der trotz Erlaubnis oder Zustimmung oder Duldung von R. Chaim Sonnenfeld jede gute Absicht der allweltlichen Palästina-Zentrale und die sogar die gewiß bescheidenen Wünsche eigener Organisationsfrsunde polnischer Herkunft in Jerusalem zu sabotieren verstand. Die Hoffnung, daß nach der Kenessio rasch Besserung einsetzen würde, scheint zu trügen. Es fehlt an einer Leitung. An einer aktionsfähigen Leitung, die die Aufgaben!, die die Kenessio für die nächsten Jahre gestellt, in Angriff nimmt und zu verwirklichen sucht. Natürlich muß man an die Lösung der Leitungskrise mit etwas Mut Herangehen. Mut aber gehört nun einmal zu denjenigen Eigenschaften, die nur dann Wert haben, wenn man> sie zeigt. Mut ist zugleich eine

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