Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 3× ep/1046078
- Haifa 2× ep/1047930
- Tiberias 2× ep/1048138
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Nr. 50 Seite 7 12. Dezember.1929 _ inauier irgsn-dsiMn Mderem PuE vvn> Jerusalem batst^llien. ' Der Großmufti spricht weiter. I e x u f a l« m, 6. D^ez. Am 5. Dezember wird das Verhör ds Großmusti zu Ende geführt. Merriman fchon>t>e den g>r>0!hen> Herren keineswegs und nahm ihn" in ein Kveuzverhör, das 6 Stunden dauerte. Obwohl alle Welt weih, daß der Mufti d-sr Spiritus rektor der gangen Hetze war, war aus ihm nicht h«rauszubrnigeni, daß er durch hetzerische Reden die Unruhen direkt verschuldet hatte. Er bleibt dbei, daß er, wie alle Mitglieder des Obersten Rates, die Menge zu beruhigen^ suchte. Merrtman. weist darauf hin, dag rvo, wie beispielsweise in Tiberias, ein Mufti -ernstlich \>&im Pflicht tat, die Stadt vor Unruhen verschont b l i -e b. Der Großmufti hiebt zum Schluß langatmige Reden, um nachAuweisen, daß England sein Versprechen gegen die Araber nicht gehalten hätte. Warum wollte er das >angebotene Ar ab Agency nicht?, fragte der Anwalt der Regierung. Man könne nicht zwei Nationache nne nebeneinander errichten, antwortete der Grohmufti. Am Donnerstag konnte die Kommission wieder im Alten Zollhause ^tagen. Wiederum die „Protokolle der Weisen von Zion", deren Vertretung jetzt Stöcker, der arabische Anwalts übernimmt,, woraus MerriMan mit dem gesamten Material zur Aufdeckung dieses groben Schwindels dienen kann. Eine Machenschaft und eine Mystifikation, die in Europa als solche längst 'erkannt ist, appelliere nun an den arabischen Kmdevgiauben im Orient. Die Ausführungen des Verteidigers sind schlagend und überMUMnd. Otto Lu tz , ein Deutscher aus Haifa, will gesehen haben, wie Juden auf eine Gruppe ihm unterstellter arabischer Arbeiter geschossen hätten. Das geschah, wie der Verteidiger Nachweisen konnte, im Zusammenhang mit dem von den Juden zurückgemiefenen Angriff aus Bath-Gaßim. Die Scheichs von Beisan und Beersheba sprechen sich gegen die „zionistische Politik" der Palästinaregi'erung aus, die auf die Auswanderung aller Araber absehe. Sie werfen England Undankbarkeit vor, da sie den Briten Kriegsdienste gegen die Türkei geleistet hätten. Zum Danke dürften heute die Beduinen im Tale Jsreel ihre Herden nicht mehr weiden. Auf die Vorhaltung Merrimnns, daß den Beduinen dafür große Landstrecken zugewiesen wurden, wissen sie nichts-zu antworten. Unter den Türken, sagen die Zeugen, brauchten die Scheichs überhaupt keine Steuern zu zahlen, heute würden aus ihren SteuevgelÄern die jüdischen Arbeitslosen unterstützt und. Maßnahmen getroffen, die die Araber zur Auswanderung zwingen. Es fei wahr, daß ihre Stammesgenossen, etwa 100 000 berittene Männer, in den Unruhe tagen nach Jerusalem gehen wollten. Sie hätten, sie davon abgehalten. In Beerfeba erzählte man, die Juden hätten die Omar-Moschee angegriffen. Merriman weiß mitzutei'len, daß während der -letzten Trockendeitsperiode die Regierung den Beduinen von Beerfeba 20 000 Pfund vorgestreckt und ihnen geholfen hatte, ihr Vieh zu versorgen. Der hadassah-Arzt Dr. Berkowitz von Arabern niedergeschossen. Jerusalem, 4. Dez. Der Arzt des Hadasfah-Hofpitals, Dr. B e r k o - witz, wurde, während er am Nachmittag auf dem Wege von der jüdischen Kolonie Jessod Hamaala nach der Kolonie Ajeleth Haschachar in Nordgalilär war, aus dem Hinterhalt angeschossen und schwer verletzt. Zwei Aerzte aus Safed leisteten ihm die erste Hilfe und braschten ihn in das Safeder Hospital. Dr. Berkowitz ist der sechste jüdische Arzt, der seit den Augustunruhen ein Opfer arabischer Uebersälle geworden ist. Wi: Dr. Tichv) der berühmte Augenarzt, der vor kurzem in Jerusalem überfallen und durch Schüsse schwer verletzt wurde, war auch Dr. Berkowitz ein Wohltäter der Araber. Er pflegte sich freiwillig in die primitivsten arabischen Orte und zu den Bedumenstämmen um Beer Sheba zu begeben, um kranke Araber zu heilen. Als die Hadassah Dr. Berkowitz einen Posten an ihrem Hospital in Beisan anbot, erschien der Scheich von Beer Sheba an der Spitze einer Delegation in Jerusalem, und bat die Leiter der Hadassah, den Arzt nicht aus Beer Sheba wegzunehmen. Als er doch nach Beisan übersiedelte, besuchten ihn seine Freunde und zahlreiche Kranke aus Beer Sheba häufig Der Israel i 1 in seinem neuen Wirkungskreis. Nach Ausbruch der Unruhen wurden sein Haus und die Apotheke in Beisan geplündert; er zog mit dev übrigen jüdischen Einwohnern fort und.übernahm die Leitung des Hadasfah-Hospirals ln Jessod Hamaalah, die ein anderer Arzt wegen der .mangelnden Sicherheit im Verkehr zwischen den zu besuchenden jüdischen Kolonien Nordgaliläas ausgegeben hatte. Dr. Berkowitz zögerte nicht, dieses Ämt, dessen Ausübung nnt Lebensgefahr verbunden ist, anzunehmen. Während er im Auto fuhr, wurde er von den Kugeln getroffen. Die Aerzte halten seinen Zustand für ernst. Ein englischer Chirurg wurde aus Tiberias zur Vornahme einer Operation an dem Verletzten nach Safed gerufen. Das zionistische Hilfskomitee und die Flüchtlinge in Jerusalem. I e ru s a l e m , 1. Dez. Das „Palestine Bulletin" berichtet über wilde Skandals cenen, die seit einiger Zeit fast täglich sich hier vor den Büros des zionistischen Hilfsausschusses abspielen. Sic erreichten gestern einen Höhepunkt, als eine Menge von 50 Flüchtlingen die Wächter beiseite schoben und in die Büros des Hilfsausschusses eindrangen. Die Polizei war machtlos. Vor den Türen des Waad spielten sich wilde Kämpfe ab. Die Flüchtlinge sind verzweifelt darüber, daß man sie beim Hilfsausschuß von einem Tag aus den anderen' Vertröstet und mit leeren Worten abspeist. Erschütternd sind die Einzelheiten, die das genannte Blatt über die Erklärungen der Flüchtlinge meldet, die nichts weiter als kleine Darlehen wollen, um sich eine neue Eristenz zu gründen. Einwanderung in Palästina. Jerusalem, 3. Dez. Im Oktober sind 1279 Einwanderer, unter ihnen 1088 Juden) nach Palästina gekommen. In dem gleichen Monat wandelten 270 Personen, unter ihnen 204 Juden, aus. Im September d. I. betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 603, die der jüdischen Auswanderer 130. Das Jerusalemer Revisionsgericht bestätigte üas vom Hacfaer Drstrrktsgericht gegen Mustapha Derbes wegen Ermordung des Advokaten Tokedauv während des Safeder Pogroms am 29. August ausgesprochene Todesurteil. Dagegen hat das Revisionsgericht das Todesurteil gegen zwei Araber, die der Ermordung der Frau Lulu Farjoun in Safed schuldig befunden wurden, ausgehoben. Die Zionistische Exekutive beschloß auf den Gräbern der jüdischen Opfer der Massacres in Hebron und in Safed Grabsteine zu errichten. Atienlatsverfuch gegen den Korrespondenten von „Dawar" in Aman. — Jerusalem, 5. Dez. Auf den Sonderkorrespondenten der palästinensischhebräischen Tagcszci'urg „Dawar", Organ der Arbeiterparteien, Tobias Aschkenasi, der einige Tage in Transjordaniens Hauptstadt Amar geweilt und zuerst vom transjordanischen Ministerpräsidenten und dann vom Emir Abdulla empfangen wurde, wurden, als er den Palast des Emirs verließ, mehrere Schüsse aus dem Hinterhalt abgegeben. Der Korrespondent blieb unverletzt, verließ aber sofort Transjordanien. In Haifa wurde ein englischer Soldat in Zivilklei'dung durch arabische junge Leute unter Rufen „Schlagt den Juden" überfallen und schwer mißhandelt. Der Soldat wurde in erheblich verletztem Zustande in das Hospital gebracht. Zwei Araber wurden als der Teilanhme am Ueberfall verdächtig verhaftet. Nikolai (Oberschies.), 8. Dez. Das gesetzestreue Judentum Obsrschlesiens hat einen schweren und schmerzlichen Verlust erlitten. Mar Weitzler in Nikolai, eine durch Frömmigkeit ausgezeichnete Persönlichkeit, wurde im Alter von 57 Jahren in die Ewigkeit abberusen. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der mit größter Aufopferung dem Gesetze der Thora lebte und sich um die Ausrechterhaliung des Judentums in seiner durch die politischen Umgestaltungen immer mehr zusammsngeschmolzeneu Gemeinde ein großes Verdienst erwarb. Durch den Ehrentitel Morenu ausgezeichnet, wirkte Mar Weitzler in seinem Kreise belehrend und aneifernd. Seine Beerdigung erfolgte in Grotz-Stre hlitz und das große Trauergefolge, das seine Bahre geleitete, legte Zeugnis ab von der Verehrung, die er sich in allen Schichten der Bevölkerung errungen halte. Rabbiner Dr. L e w i n aus Breslau schilderte in ergreifenden Worten das fromme Wesen des Verstorbenen und hob hervor, wie es ihm vergönnt war, alle seine Kinder zu frommen Jehudim zu erziehen. Im Namen der Gemeinde Nikolai widmete Rabbiner Dr. K a a h aus Hindenburg dem Verewigten einen warmen Nachruf, in welchem er sein ausgeprägtes JW’b yjsn und seinen vorbildlichen Lebenswandel rühmte und den Hinterbliebenen herzlichen Trost spendete, rrasin Vermischtes. Richtigstellung. Wir werden darauf ausmerlsam gemacht, daß bei der Notiz über Palmingebää in Nr. 46, Seite 14, unter „Hirschhornsalz" natürlich nur das künstliche Produkt in Betracht kommen kann und nicht das erste (tierische) Hirschhornsalz, welches von jeher für Genußzwecke als verboten gilt. Berlin, 8. Dez. Vor einiger Zeit hat sich in Berlin im Rahmen des Vereins für Stellenvermittlung „Schomre Schabbos" eine Angestelltengruppe gebildet mit dem Ziel, sowohl die praktischen Aufgaben des Vereins, wie Stellenvermittlung, Berufsberatung, Rechtsberatung u. ähnl. als auch die gemeinsamen Interessen der gesetzestreuen Angestelltenschaft zu fördern. An der Spitze dieser Gruppe steht ein vorläufiger Ausschutz, der am Montag, den 16. Devember 1929, abends 8,15 Uhr im „Hackeschen Hof", Rosenthalerstr. 40 41 (am Hackeschen Markt) seine erste öffentliche Kundgebung veranstaltet. Es werden sprechen: Herr Ministerialrat Hans Goslar-Berlin, über: „Der Kampf um den Sabbath in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft"; Herr Willy Isaak-Berlin, über: „Der sabbattreue Angestellte und hie wirtschaftliche Lage in Deutschland"; Herr Dr. Rüvert Weiß- Berlin über: „Erschwert oder erleichtert die Wirtschaftsentwicklung das Sabbat-Problem?" Um recht zahlreichen Besuch seitens der Angestellten wird gebeten. Norden, 1. Dez. In Nordhorn wurde am Sonntag ein Kriegerdenkmal eingeweiht, wobei neben Architekt und Bürgermeister der katholische Vikar Haasen und der Lehrer und Prediger der jüdischen Gemeinde zu Norden, Herr Klein, ergreifende Weihereden hielten. Berlin, 7. Dez. Der „Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen Deutschlands E. V.", Hauptsitz Berlin, besteht seit 1896 und zählt gegenwärtig 168 Mitglieder, die nicht nur in Berlin, sondern auch in verschiedenen Gegenden Deutschlands ihren Wohnsitz haben. Jeden dritten Sonntag im Monai hält der Verein im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin, Rosenstr. 2—4, seine Mitgliederversammlung ab, in der die Gehörlosen Unterhaltung und geistige Anregung finden. Zweck des Vereins ist: Vereinigung' der in allen Teilen Deutschlands lebenden israelitischen Taubstummen zur Förderung der geistigen Weiterbildung, Schutz der israelitischen Taubstummen in sittlicher und rechtlicher Beziehung und Unterstützung in dringenden Notfällen. Außer dem Hauptverein besteht noch unser Zweigverein in Breslau, der bereits 29 Jahre uns angehört und mit uns Hand in Hand zum Wohle unserer Mitglieder arbeitet. Wir gewähren bedürftigen Mitgliedern, die infolge Alter, Krankheit oder Arbeitslosigkeit in Not geraten sind, Unterstützung in Geld- oder Lebensmittel, wir helfen bei der Arbeitsbeschaffung und erteilen Rat und Hilfe in allen Angelegenheiten. Auch werden die bedürftigen Mitglieder zu Chanuäa mit Geld und warmen Sachen und die Kinder der Mitglieder mit warmen Sachen, Schokolade, Kuchen und Spielsachen beschenkt. Mit dem Hikfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland, der in Berlin-Niederschönhausen ein Altersheim für Taubstumme besitzt, stehen wir in sehr naher Verbindung und arbeiten auch gemeinschaftlich für die jüdischen Taubstummen, infolgedessen werden bei der Ausnahme in das Altersheim unsere Mitglieder besonders bevorzugt. Aber damit sind unsere Aufgaben und Wünsche noch lange nicht erschöpft, sondern wir streben zum Besten unserer Leidensgefährten weiteren Aufgaben zu. Zum Schlüsse werden alle Eltern, Angehörige oder andere Personen, die Taubstumme 311 betreuen haben, aufgesordert, nicht leichtfertig und ohne sachverständige Prüfung einen Taubstummen in eine Anstalt zu bringen. Denn der Taubstunrme nimmt dadurch körperlich und seelisch einen großen Schaden, der nicht so leicht überwunden werden kann. Man befrage erst den Vercinsvorstand (Berlin RO. 55, Zeltstr. 9), der gern und bereitwilligst Auskunft gibt. Landshut, 10. Dez. Gleich nach den Feiertagen berief Prediger Fa'fenstrin eine Vorstandssitzung unserer Chewra Kadischa, die auch zugleich als Lernverein gilt, in der so oft als möglich Lernvorträge aus Thora, Mischna, Schulchan aruch, Midrasch usw. schon seit ihrem Bestehen gehalten werden. Der Vorstand beschloß am 14. Nov., die Tätigkeit wieder mit einer Hauptversammlung zu beginnen. In derselben wurde der alte Vorstand wiedergewählt und der Rechenschaftsbericht entgegengenommen. Dann hielt Prediger Falkenstein einen Lernvortrag aus dem — Abschnitt über NN2N'. Die Mitglieder folgten mit großem Interesse. In derselben Woche fand die Hauptversammlung des C.-V. statt, der auch zugleich als Verein fürjüdische Literatur wirkt. Ihm gehören alle Mitglieder unserer Gemeinde an. Der Vorsitzende legte sein Amt nieder und bat, eine Neuwahl vorzunehmen. Gemeindeältester Hugo Salrsch sprach dem Vorsitzenden für sein unermüdliches konziliantes Wirken und dem Gesamtvorstand den wohlverdienten Dank aus und bat den Vorsitzenden namens der Mitglieder dringend.