Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 50 Der Israeli! 12. Dezember 1929 aufgeben müssen. Daraufhin hat der Verein „Lhesed chel Emes" dem Drucke nachgegeben und zwei jüdische Leichen der Anatomie überwiesen. Die Sache dürfte damit kaum ihr Bewenden haben. Delegiertentag der burgenländischen orthodoxen Kultusgemeinden. Wien, 1. Dez. In Sauertwinrn fand der diesjährige Delegierte ntag der burgenlWndischem orthodoxen« KuWusgememde unter Vorsitz von Oberrabbiner Ehrenfeld aus Mattersdorf statt. Regierungsvat Lasser erklärte, daß er als Referent für jüdische Angeltzgenheiten« für die baldige Genehmigung der Verbcmdsstatuiten entschieden eintreten werde. Der Verbandstag beschloß, bei der Regierung wegen der Subventionierung der Talmud Thora-Schulen vorstellig zu werden. Ferner beschäftigte man sich mit der Lage der burgenländischen Jeschiwoth und der Beschaffung geeigneter Schulbücher für die jüdischen Schulen. Zur Erhaltung der Zentralkanzlei soll jede Gemeinde y> Proz. ihres Ansgabenbudgets bereitsHellen. Das Präsidium des Delegiertentages wurde vom Landeshauptmann empfangen. England. Die Religionsverfolgungen in Rußland vor dem houfe of Lords. London, 6. Dez. In der Sitzung des britischen Oberhauses brachte der Erzbischof von Eanierbury die Religionsversolgungen in der Sowjetunion im Zusammenhang mit der Erörterung der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen England und der Sowjetunion zur Sprache. Lord Melchett lenkte die Aufmerksamkeit des Hauses auf den Zusammenhang zwischen der kommunistischen Propaganda und der Lage in Palästina und meinte, daß die Unruhen in Palästina, ebenso wie die in China, Indien und Aegypten, zu einem großen Teil auf die bolschewistische Propaganda zurückzusühren sind. Viscount Cecil of Chelwood fragte Melchstt, ob er wirklich glaube, daß die Unruhen in Palästina auf die bolschewistische Propaganda zurückzuführen sei, Lord Melchett erwiderte: Die Verhandlungen vor der Untersuchungskommission hätten zweifelsfrei ergeben, daß die Unruhen wenigstens zum Teil durch von Moskau bezahlte Agitatoren, Araber wie Juden, verursacht worden sind. Viscount Cecil of Chelwood führte aus, ihm erscheine es als eine seltsame Doktrin, die Verschiedenheit der religiösen Gefühle und den Aufruhr solcher Gefühle mit bolschewistischer Propaganda in Zusammenhang zu bringen; Lord Melchett möge sein jugendliches^ Temperament im Zaume halten, daß es nicht mit ihm durchgeht. Marquis of Reading griff ebenfalls in die Debatte ein und gab seiner Ansicht Ausdruck, daß durch die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Rußland dem Weltfrieden gedient sei. (ITA.) Schweiz. Trauerfeier für den Telscher Gaon. Montreur, 6. Dez. Als die erschütternde Nachricht von dem Tode des Telscher Raw in der Montreurer Jeschiwa eingetroffen war, versammelten sich Lehrer und Schüler zu einer schlichten, doch ergreifenden Trauerseier. Den Nachruf hielt der Noschjeschiwoh, R. B o t s ch k o. Er zeichnete die überragende Persönlichkeit des großen Toten, an dessen Bahre nicht nur seine weltberühmte Jeschiwa und seine der Redner weiter aus, hat sich Rabbi Jäusef Lestb Bloch V'xr indirekt verdient gemacht. Denn er war es, der den jetzigen Montceurer Jeschiwoleiter anläßlich der Kultur-Konferenz in Kowno im Jahre 1927 für sein Vorhaben, in der Schweiz eine Thoralehranstalt zu gründen, aneiserte und an der Durchführung des Planes regen Anteil nahm. Er schickte ihm vor allem einige seiner besten Schüler, die das Fundament und den Grundstock der Jeschiwo bilden sollten, die heute bereits als Dozenten wirfen. So hat der Telscher Raw, der ununterbrochen mit unserer Jeschiwo in Kontakt stand, an dem geistigen Leben der Schweizer Juden starken Anteil genommen, denen sein Andenken nun zum Segen gereichen möge. Mit der Festsetzung eines täglichen „Lernens" für den Verstorbenen während der Schlauschim schloß die Feier. E. G. Der Israelitische Gemeindebund m der Schweiz. 9 Basel, 6. Dez. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund beging in diesen Tagen das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens. Am 27. November 1904 fand in Baden- Schweiz die konstituierende Versammlung des Gemeindebundes statt, auf der 14. Gemeinden durch 27 Delegierte vertreten waren. Heroorgegangen aus dem damaligen gemeinsamen Bestreben nach Beseitigung des Schächtverbotes, setzte sich der Bund zum Ziele, „die allgemeinen Interessen des Judentums in der Schweiz zu wahren und zu vertreten". Zum 1. Präsidenten des Bundes wurde der inzwischen verstorbene Dr. Hermann löuggenheim gewählt; heute steht an der Spitze des Bundes Herr I. Dreyfus-Brodsky, dessen 70. Geburtstag die Schweizer Judenheit vor kurzem feierte. Außer mit der Bekämpfung des Schächtverb o t e 5 und der Versorgung der jüdischen Gemeinden mit Fleisch rituell geschachteten Viehs aus dem Auslande befaßt sich der Eemerndebugd mit mannigfachen sozialen Aufgaben, wie z. V. Zentralisation der Armenpflege, Unterstützung jüdischer Wanderlehrer, Erwirkung von Feiertagsurlaub für jüdische Soldaten, Milderung der Not der Juden in den Pogromländern, Förderung der Wohlsahrlseinrichtungen und schließlich systematische Bekämpfung des Antisemitismus. Unterstützt werden u. a. der Hilfsoerein für jüdische Lungenkranke, der Lehrer- und Kantorenverband (bisher in viel zu geringem Maße), die Jeschiwa in Montreur und viele ausländische Jüdische Organisationen. In der Delegiertenversammlung vom Mai 1929 waren 21 Gemeinden mit 2566 Mitgliedern durch 56 Delegierte vertreten. Vier Gemeinden gehören dem Gemeindebunde nicht an. "Palästina. Die Untersuchung in Palästina. Jerusalem, 3. Dez.. Irr der mvitvvm VerhLmRums marschiert wstder ein ganzer Stab von der arabischen VenteiAginng «aufgtzbo-tener Zeugen auf. Der frühere Bürgermeister von Nablus, ein bekannter Politiker und Agitator, sagt aus, jeder Moslemvte fei> «davon fest überzeugt, daß die Juden darauf aus sinh, das gange Land zu erobern und den Tempel roieder zu erbauen«. Er rühmt sich, als Führer einer Delegation eine einschränkende Interpretation des Bakfo urma ndat e s ift London bewirkt zu haben. Er habe auch Verhandlungen mit Weidmann gepflegt, die ihn aber in feiner Ueberzeugung von der jüdischen« Gier nach dem Bälden Palästinas noch «gefestigt hätten. Solange die Zionisten sich nicht mit der in Palästina nicht. Der Jasfaer Orangenzüchter, Alfred Roch, «ein Deutscher, berichtet über eine von Hm besuchte Zionistenversammlung in Straßburg, auf der Mischlin zum Erwerb von neuem Boden aufrief. Der Vorsitzende bemerkt, er wisse nicht, was mit solchen „Beweisen" bewiesen werden soll. Es erscheint dann ein junger arabischer Führer, von Beruf Advokat und Mitglied der arabischen Exekutive, Subhid Kahdrah, der allgemein als «der „arabische Jab-otinsky" bezeichnet wird. Er kämpfte während des Krieges an der Seite der britischen« Truppen und an« der Spitze «einer arabischen Legion für die arabische Unabhängigkeit, Merriman bezeichnet diesen Zeugen gleich als der Agitatoren, «die das B«lutvergießen versch-u l d e «t haben. Der Zeu«ge gib t an, daß die Politzoi stets für die Juden Partei! genommen hätte. Er war mit dabei, als am Vorabend der Unru«hen eine Verständigung zwischen -Juden und Arabern bei Luke versucht wurde, und gibt osfen zu, daß er die Unterschrift der Araber verhindert hatten, und zwar, weil die Juden «die Frage de/Klage mau er in die Verhandlung hMtzMgetragen« hätten. Merriman« widerlegt diese' Behauptung, gestützt auf die Aussagen Lukes. Der Zeuge gibt «an, eine Reife durch das Land unternommen zu haben, um die Araber zu beruhigen». Die Noist wird vom jüdischen« Anwalt bestätigt, «aber sie diente nur zur Verhetzung «der Gemüter. Cr «arbeitete auch mit der Omarmoschee-Legende. Aus wettere Fragen Merrimans antwortete der Zeuge mit Unverschämtheiten und zieht sich damit einen Verweis des Vorsitzenden M „War das«, was in Hebron passiert ist, Kriege o«der Mord?", fragt der Vorsitzende. „Ich weiß« es nicht," lautet feine Antwort. Merriman besteht auf klarer Beantwortung dieser Frage. Der Zeuge: „Darüber soll Cafsernta,, der Polizeiches von« Hebron, Auskunft geben." In die Enge getrieben«, sagt'er, was «in Hebron vor sich ging, war kein« gemeiner Massenmord. Noch einmal kommen die Misrach b «ild e r zur Besprechung. Es zeigt sich, «daß sie in« der Agitation gegen die Jaden eine eminente Rolle giespM haßen. Der Großmufti vor der Untersuchungskommiffion. Jerusalem, 5. Dez. Am 2. Dezemb«er waren alle Mtgilstder der Unilersuchungskommission im Hause des Großmufti versammelt. Im Saal des mosöemitifchen religiösen Gerichtes ging die Vernehmung vor sich. Die größte. Ueberrafchimig dieses Verhörs war, daß «der Großmufti sich auf «die „Protokolle der Weifen von Zion" berief. Der arabische Beileidiger bean«tragte sogar die arabische U ebersetz ung der Protokolle in die Akten« zu nehmen, und die Kommission ging «auf den Antrag! ein«. Merriman fi'O'git den« Großmufti, ob er nicht wüßte, daß dieses Pamphlet als gemeine Fälschung entlarvt wurde. Er glaube nach wie vor an «die Echtheit, erwiderte« der Zeuge. Ein Recht auf die Klagemau!er, sagt er weiter, hätten Ae Juden« nicht, keineswegs ein Recht, dort mit lauter Stimme zu beten. Die Tradition, daß sie «an «die Klagemauer herankommen, fei kaum 90 Jahre alt. Die Mauer, im Arabischen „Burak" genannt, sec eine Heiligenstätte der Moslims, deren Heivigkeitscharakter im« Koran begründet fei. Dazu gehöre auch das Pflaster vor der Maure. Die Regierung habe jüdischen Anmaßungen nicht enlgegenge«arbeitet und die Arab>e«r befürchten« noch weitere Eroberungen der Juden. Wiederum die Misrachbi« ld «e r. Dann habe Lord M e «l ch e «t t gelobt, fein Leben dem Wiederaiufbau des Tempels zu widmen. Albert Einste «i n habe- «erMrt, ein Judentum ohne Tempel sei ein Körper ohne Kopf. In« Ansprachen von Harry Sacher und Dr. Stefan S. W«ise auf dem Züricher Zionistenkongreh sei deutlich zum Ausdruck gekommen, daß die Juden mit «dem Status qua «an der Klagemauer nicht zufrieden« feien«. Es sei. für ihn, «den Großmufti, klar, daß die Zio«n«iften Pa«lästinas durch die Gründung der Jewrfh Agency zur Herbeiführung non Unruhen am letzten« Di«sch'o b'Aw ermutigt wurden«. Cr stellt in Abrede, «daß er Ae Araber ausgehetzt hätte«. Die mosltzmitische Gegendemonstration sei nach «der jüAschen Demonstration einfach unvermeidlich« gewesen. Es war o weit gekommen, fetzt der Großmufti fort, daß sich Araber, besonders arabische Frauen, fürchteten, auf die Straße zu gehsn. Am 23. August nachmittags fetzten Schüsse ein. Er «tat sein« Bestem, die Leute zu beruhigen und mit Koransprüchen« von« den« Flugblättern ab«zu>Ven° ken. Die Leute waren aber nicht mehr zu halten«, als zwei verwundete Araber kamen« «und ihre «blutenlden Wunden zeigten. Es kommen Resolutionen zur Sprache, die im Oktober 1926 unter Vorsitz des Großmufti gefaßt wurden und worin behauptet wird, der Oberstaatsanwalt Normand B e n t w «i ch unterstütze die Bestreb ungtzll der Juden zur Eroberung, «der Omar-Moschee. Der Großmusti schiebt «all Schuld auf Ae angebliche ziomstenfreundliche Politik der Regierung. Eine Wiederholung des Blutvergießens könne nur dann vermieden« werden, wenn die Balifourdeklaration znrückgenomrnen würde. Auf A«e Frage, woraus sich sein« Gkaub'e an die Er- « oberungssucht «der Juden stütze-, zeigt der Großmuifti Ansichtskarten und S im ch a s «t h o r a f ä h n ch «e n vor, «auf 'denen Bilder der Klagemauer «gemalt find. Merriman bezeichnst «A«sfe Beweist als Lächerlich k«eiien« und Kindereien «und «er zeigt andere Mkder, Atz statt der Klage- Errichtung eines Parlamentes Gemeinde, sondern weit darüber hinaus die ganze litau- Einverstanden, «erklären, traue er ihnen« nicht, ische Judenheit und die thoratreuen Juden der ganzen Welt stehen. Denn alle haben an ihm einen ihrer Größten vverloren, der ihnen stets mit Rat und Tat geholfen hat. Rabbi Jaufef Leib Bloch V'xt brachte die Jeschiwo äußerlich und innerlich zu einer solchen Höhe, daß selbst der Weltkrieg, der allen anderen Thorastätten schwere Wunden geschlagen hat, an ihr säst spurlos vorübergeganegn ist. Als die revolutionären Strömungen der Nachkriegszeit auch einen großen Teil der litauischen Judenheit ergriffen und die Jugend dem überlieferten Judentum untreu zu werden drohte, war es wieder der Telscher Raw, der mit seiner ganzen Persönlichkeit diesen Bestrebungen entgegentrat und mit einer geradezu genialen Erkenntnis der Dinge die Jawneh-Schulen schuf, einen in denen heute die Blüte der litauischen Jugend heranim August reift. Aber auch um die Schweizer Judenheit, so führte