Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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V^.v..vj.v 12. Dezember 1929 _ , sondern auf alle Nationen der Erde. Jeder Mensch, gleichgültig welche Nationalität, der sich nach der Heiligkeit dieses Landes sehnt, wird dort Raum finden und er möge kommen." „Warum gibt es aber Orthodoxe, die sich weigern, nach Erez Jisroel auszuwandern?" Wenn es solche Orthodoxe gibt, so walten bei ihnen besondere Beziehungen vor. So kann ich mir z. B. vorstellen, daß ein Jude, der im Auslande in einer Stadt wohnt, in der es um die jüdische Erziehung zur Thorakunde und Gesetzestreue sehr gut bestellt ist, sich fürchtet, nach Erez Jisroel zu kommen, weil er gehört hat, daß dis Erziehung hier von starken Gefahren bedroht sei. Aber alle müssen zugestehen, 'daß die Juden es sind, die das Land zur Blüte gebracht haben. „Ich erinnere mich noch des Zustandes vor 50 Jahren, als ich hierher kam." „Und was denken Sie, verehrter Rabbi, über die gegenwärtige Lage und über die Zukunft." „Ein großes Glück wäre es," antwortete Rabbiner Sonnenfeld, „wenn wir selber uns besserten. Gott würde dann das Herz unserer Feinde zum Guten lenken. Ich denike dabei vor allem an die Jugend, die doch nach dieser Katastrophe mehr als bisher mit den Gefühlen des religiösen Teiles der Bevölkerung rechnen sollte. Da haben wir das sogenannte Fußballspiel, dem sie. außerordentlichen Wert beimessen, das Mer doch, so meine ich, nicht gerade, unbedingt öffentlich am Schabbos ausgeführt werden müßte. Es ist doch-ein bezeichnender Wink der Vorsehung, daß der ganze Brand, unter dessen Folgen wir leiden, seinen Ausgangspunkt genommen hat auf jenem Spielfeld d e s M a k a b i , dort wo das Fußballspiel sich vollzieht, als ob der. Himmel selber der Jugend eine Mahnung zur Selbstbesinnung hätte geben wollen. Ich hoffe, haß alles vorübergehen wird. Das jüdische Volk hat die härtesten Prüfungen bestanden. Es hat die Leiden der spanischen Im quisition überdauert und ist am Leben geblieben und es wird auch dieser Schwierigkeiten!, die sich ihm in den Weg legen, Herr werden." Korrespondenzen « naebridwn. Deutsches Reich. Tagung des Rordwesideulfchen Rabbinerverbandes. Hamburg, 2. Am 1. Dezember sanid im Sitzungssäle der Deu^ch- Jsraelitischen GenremÄe zu Hamburg die 3. Tagung''Äes NordrvostdeüWen, RabbinerVerbundes MG, 'foie nötm Herrn Rabbm-en 33 a m b e r g e t Warrdsbeck singÄÄet wurde. Herr Rechtsanwalt Daviid begrüßtedie Versammlung namens des Vorstandes der Deuisch-Jsraek,tischen G-em-eiinde. In seinem Referate „Religion und Großstadt" kennKeichn-ete Herr Rabbtnier Dr. A b e r -^ Bremen die religiöse Situation der Großstadt und behandelte die Wirkupgs mögK chk mtim des UtaMmers m ihr. Das darauffolgenbe Referat von Herrn Rabbiner Dr. I t a l i e n -e x - Hamburg „Dantes Stellung. zum Problem Politik und Moral" wies auf den starken Einfluß der prophMchen Ethik auf Dante hin, der keinen Unterschied zwischen privater und Staatsnwra'l geAen lasse. Die Nachmittagssitzung wurde durch einen haM chischen Vortrag von Rabbiner Bamberger-Wandsbeck eingel-eitei. Dann beschäftigte sich Herr Prof. Markon- Hamburg. mit der zukünft-igen Vor- und Ausbildung des deutschen Rabbiners. Den Abschluß bildete das Referat von Herrn Dr. Nathan, dem Syndikus der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, „Die rechtliche Stellung Äer Rabbiner Nordweftdeutschlands", das den engen Zusammenhang der Stellung des Rabbiners mit der Rechtsge schichte des betreffenden Landes behandelte. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes Dr. Baeck-Berlin wohnte der Sitzung bei und begrüßte die Versammlung in einer gehaltvollen Rede. D e r Israel 4t__ Gesellschaftsabend des Hilfsvereins der deutschen Inden in Bremen. Bremen, 3. Dez. Das Bremer Lokalkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden veranstaltete vor einigen Tagen einen Gesellschastscrbend im Hotel Hillmann, zu dem sich viele prominente Persönlichkeiten eingefunden hatten. Der Vorsitzende des Bremer Lvkalkomites und Leiter des Komitees des Hilfsvereins für das jüdische Auswanderung swefen in Bremen, Rechtsanwalt Dr. R o sen a k, begrüßte die zahlreichen Gäste stus Bremen und von auswärts, insbesondere auch dm Vertreter -des Norddeutschen Lloyd, Direktor Gerleff, und Vertreter der Presse. Er wies darauf hin, daß der Hilfsverein unter den großen jüdischen Verbänden, die sich mit dem Auswanderungswesen beschäftigen, nach wie vor eine b-edeu- Di- Woche. Berlin. Der Senat der Berliner Universität verhandelte am 4. Dezember abends unter dem Vorsik des Rektors Erhard Schmidt in dem Df irlinarverfahren gegendir Vorstandsm'tnlieder der „Allgemeinen Deutschen Studentenschaft", die für die Krawalle in dem Gebäude der Universität verantwortlich sind. Die Studentin von Ploetz wurde mit der Unterschrift unter das Consilium abeundi (Androhung der Entfernung von der Amversllät) besi"a''t. Das Verfahren g'gen das Vorstandsmitglied Busse ist eingestellt worden, da man ihm nicht Nachweisen konnte, daß er von dem an den Rektor geachteten Ultimaüim Kenntnis hatte. — Im Alter von 79' Jahren verstarb der außerordentliche Professor für Heilmittellehre ■ und Heilkunde an der Berliner Universität, P-of. Lou's L e w k n. Prof. Louis Lewin war länge-e Zeit Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde und gehörte der konservativen F'aUwn an. Alienburg. Im Anschluß an eine W'rbsve-austaltung der Naüona'fozialisiisben Arbeiterpartei kam es in Altenburg verschiedentlich zu Sch'äge"eien. In der Wallst^aße überfiel ein Trupv Nationalsozialisten eine Anzahl 'bischer Bewohner und mißhandelte sie. Eine 60jährige F'au. drei Herren und zwei Kinder wurden, als sir sich in ihre Wohnung flüchteten, von den Hakenkreulle'-n dorthin verfolgt u"d zum Teil schwer, mißhandelt. Wien. Im A'trr von 84 Jahren verstarb in Wien Emanuel Edler von Singer, der Senior der W'ener Pa"lamentsberich^erstatter. Als F"eund fast aller aufeinanderfolgender österreichischen Ministerv-äsidenten galt er als der bestinformierte Journa'ist. Paris. Di» Por'srr Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus hielt in diesen Tagen ihr? Jahreskonferenz ab,, in der auch über die Lage in Palästina berichtet wurde. Zu ei-em Beschluß betreffend die palästinensischen Geschehnisse, kam es nicht, weil die Liga in politischer Beziehung nach allen R'chungen Neutra':'ät bewahren will. Es wurde ein Programm der zukünftigen Tätigkeit angenommen und ein Komitee zur Durchfübrung dieses Programms. Belgrad. Den Bemühungen führender jüdischer Persönlichkeiten mit dem Groß-abbiner Dr. I. Alkakay an der Svibe ist es gelungen, die Errichtung eines Konsulates des Königreichs Jugoslavien in Palästina zu erwirken . Aus Emo'ehlung des Gwß'abbm"rs wurde mit der Führung der Kvns ilaragenden ein Jude, J^g.-Agronom K'"t Grunwald in Tel-Awiw, betraut. Di» Errichtung eines Konsulates zwecks gegenseitiger Annäherung Palästinas und Jugoslawiens hat in der jugosiavifchen Judenheit große Eenuntuung ausgelöst. de ade Stellung «miimmt und daß Bremens Rang als rvichbiger deu'ifch-er Auswaudererhafsu « entsprechende Organisathon des Mfsveretns in Bremen bedingt. Des weicheren führte Herr Dr. Rof-enaik ausl, daß der HUsverein die berufene deutsch-jüdische Orgcmifativn für die Auslandshilfe sei, und daß in Bremen seit jeher die Bestrebungen' des Hilfsvereins sehr nachdr'üWch gefördert werden. Es sprachen, noch die Herren Prof. Dr. M r fc tto o cf) und Dr. Wischnitzen Verband der Rabbiner Oberschlesiens. Glstwitz, 27. No». Am 20. November fmrd in Hindenburg eine Sitzung dss Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens stacht. Vor Eintritt in die Tagesordnung' gedachte der Vorsitzende, Kollege O ch s - Gle'vwitz, der Opfer, die im Hei- Itgiens Lande gefallen find. Nr. 50 Seite 5 Kunsthandlung Julius Giessen Am Opernplalz - Ecke Landsir. 2 Das Faciigescill 1 vonutae EMmniig Die Kunslhandlanp Des ou'en Geschmacks Den' ersten Punkt) bWdete 'eine Besprechung Mer das zu gründende Bezirksrabbinat zu Groh-Strhelitz. Darauf wurde ein Bericht über die Inspektion des Religionsunberriichiies imden -Mdblinerlofen Gemeinden erstattet. Dann kam die Regelung des Flsifchverkaufes an Sonntagen zur Sprache. In der darauffolgenden Borstandswahl wurde Kollege Ochs- Gleiwitz als Vorsitzender und Kollege Goi-inski-Beuchen als, KafsenführLr MedergewäM Im wissenschaftlichen Teil erstattete Kollege K a a tz - Hrndenburg ein Referat Mer „Franz Rosenzweig und seine Uebersetzung des Gottesnamens." Der Referent würdigt zunächst die überragende Bedeutung und die Genialität der schöpferischen Persönlichkeit Rosenzweigs, der zu den führenden Geistern des Judentums gehöre und durch originake Leistungen' die jüdische Wissenschaft befruchtet und verlebendige. Dann geht er zum speziellen Thema über und beleuchtet auf Grund mehrerer Publikationen Rosenzweigs die Auffassung-, die dieser tiefe Denker und Fors,cher vom Sinne 'des vierbuchstabigen Gottesnamens habe. An das Referat schließt sich eine mehrstündige Diskussion. Da inlsolgedestm die Zeit zu« weit vorgerückt ist, wird beschlossen, die anderen' Referate für die nächste Sitzung zurückzustellen und in ders>elben vor allem Fragen der HomileM zu behandeln. Polen. Eine Schechitadebatte in Warschau. Warschau, 12. Nov. In der gestrigen Sitzung des Stadtrates gab es eine lebhafte Debatte über das Schächten. Die Sache war von der antisemitischen Presse schon lange vorbereitet und gut ausgezogen und auch die Juden waren gerüstet. Die jüdischen Ratsmänner waren im .Plenum komplett erschienen. Der Referent der Kommission, Dr. Saw a z s k i, verteidigt in einer längeren Rede den Beschluß der Kommission, den Fleischhandel aus den Händen der Juden herauszuziehen und das Schächten im Städtischen Schlachthaus proportionekl nach der Anzahl der jüdischen Seelen zu regeln. Ihm trat Ratmann Bichowski entgegen mit ei rem ausgiebigen Gutachtenmaterial, wonach sich die größten Autoritäten für die Schächtmethode als die humanste Tötungsart ausgesprochen haben. Ratmann Edelberg widerlegte in einer weiteren Rede die Ausführungen Sawazslis Wort für Wort und zeigte die wirtschaftliche Seite der Frage. Die nichtjüdische Bevölkerung zieht aus dem Koscherschächten den größten Nutzen, da die Juden für das rituelle Fleisch teuere Preise zahlen and die nichtjiidische Bevölkerung es dadurch billiger bekommt. Die Feststellungen im Schlachthause zeigten die Mängel alter Betäubungssysteme im Vergleich zum Schächten. Die Rede verfehlte ihre Wirkung nicht, umsomehr, als wegen der vorgerückten Stunde die Sitzung unter ihrem Eindrücke geschlossen wurde. Die Sache wird in den folgenden Sitzungen weiter beraten werden. Eine kaum zu erwartende Wendung nahm die Frage der jüdischen Leichen, die die Anatomie von den jüdischen Spilälern verlangt 35sfanntlid) hztien sich Rabbi und die Vorsteher der Spitäler gegen die Herausgabe von Leichen znm Zwecke der Seziecung gewehrt. Die, Universitätsbehörden drohten mit Ausschluß der jüdischen Studenten aus der Anatomie und führten gelegentlich, diese Drohung auch aus. Nunmehr griffen die jüdischen Medizinstudenten sllöer ein und forderten kategorisch ein. Nächgeben der jüdischen Spitäler, da sie sonst ihr Studium : Wochenkalender. v. 14 . — 21. Dezember 1929 / o. 12. — 19 Ktslew 8880 Samstag 14 12 Sonntag 15 13 Nontag 16 14 vienstag Dez. 17 li»05 15 Mittwoch 18 16 vonnerstag 19 17 Freitag 20 * - 18 Samstag 21 19j / 6945