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Der Israelit · 1929-12-05 · Heft 49 (5.12.1929) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 49 (5.12.1929)
Date
1929-12-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Serie 8. Nr. 49 5. Dezember 1929 Als erster arabischer Zeuge erscheint Dr. Michael A. S h a m a s , Professor in SSaiirut. Er war am 23. August irr Jerusalem und will um die Mittagszeit gesehen haben, wie eine Gruppe Chaluz-im, Afchkenafim und Jemeniten, auf einen Moslemiten losschlugen, bis er hoffnungslos darniedrvlag. Er will danut bewerfen, daß die ersten Todesopfer Araber waren. Am 29. November gab es einen neuen Aufmarsch von der arabischen Verteidigung geladener Zeugen. Sie wissen nichts Wesentliches auszufagen. Ein Postbeamter sagte gar nicht im Sinne der Araber aus, daß die Juden, wo sie zugeschlagen haben, sich in dringender Notwehr befanden. Der britische Polizist D-ooe hat bei Meah Shearim den ersten Toten ausgenommen. Es war ein Araber. Ein jüdischer Arzt, Dr. Sternberg, bemühte sich um den Sterbenden im Regierungshospital. Ob das der erste Tote an diesem Tage war, könne er nicht sagen. Der arabische Polizist Saleh Saved behauptet es mit Bestimmtheit, indem er diesen- Vorfall auf eine frühere Stunde verlegt-. Der Scheich Tusök Ke mal sagt, fein siebzehnjähriger Sohn mußte zionistische Tracht aulegen (gibt es eine solche?), um ungestört zur Polizei zu gehen, daß sie gegen die Zionisten eintrete. Man befürchtete einen Angriff auf die Moschee. In Wirklichkeit wurde in die Moschee seines Stadtviertels ein-geb rochen, auch heilige Gräber wurden beschädigt. Merriman fragt ihn, ob ihm bekannt sei, daß im Aufträge des Waad leum-i Juden tagelang unter eigener Lebensgefahr Mosche en> bewachten. Von alldem weiß der Scheich nichts. Ein Araber erstand vor einigen Jahren in einem jüdischen Laden einige Misrachbilder und übergab sie dem Obersten Moslemi-tischen Rat, der sie seinerseits nach Mekka zur weiteren Prüfung schickte. Der Sekretär der arabischen Exekutive bekundet, wie sehr diese Bilder die Araber verhetzten. „Können Zitate aus Bildern aus Jesaja und Jirmesahu, die von der Erlösung sprechen, die Moslemiten-, denen die Propheten ja auch heilig sind, beleidigen?" fragt Merriman. „Es dürfte doch wohl sicher sein, daß kein Mensch diese Bilder beachtet hätte, wenn mrfyt der Großmufti auch dieses Mittel > zur Verhetzung der Gemüter ergriffen hätte." Darauf wissen die Zeugen keine Antwort. Größtes Interesse erweckt nun -die Vernehmung des moslemitischen Vorsängers, genannt „Muezzin", an der Klagemauer, da behauptet wurde, die Juden hätten seine Aufforderung zum Gebete überschrieen. Auf der anderen Seite weiß man, daß dieser tüchtige religiöse Beamte in letzterer Zeit sich am liebsten in seiner Gesangskunst ganz ohne Not betätigte, wenn die Juden an der Mauer ihre Andacht abhielten. Es ist ein junger marokkanischer Araber, der da gewissermaßen als Hilfsvorbeter angest-ellt ist. Er ist erst seit kurzem in Palästina und habe nicht gewußt, daß am 9. Aw Trau-ergottesdtenste der Juden an der Mauer stattfinden. Ein Jude habe ihn einmal einen Esel genannt und auch seine Religion beschimpft. Der arabische Anwalt fügt noch hinzu, daß der „Vorbeter" bei dieser Gelegenheit bespuckt wurde. Der Zeuge bestätigt das, mit dre Einschränkung» daß der Jude tu ansehnlicher Entfernung von ihm stand, so, daß es eigentlich mehr ein Aus spucken als ein Anspucken war. Die Figur und die Aussagen des Zeugen erwecken Heiterkeit. Es kommt dann noch eine englische Arabersreundin-, Miß Frances Newton, zur Vernehmung. Sie ist ein Mitglied der Pro Arab Liga in London, und der Regierungsvertreter wirft ihr vor, daß sie unter Vertrauensbruch von Potokollen Gebrauch gemacht hätte. Eini'ge irreführende Berichte im „Daily Mail" beruhen auf ihrer Information. Sie hat im Wesentlichen nicht viel zu sagen, behauptet nur ganz allgemein, die Juden hätten den Arabernöfters Ursache gegeben, zu glauben-, daß sie, die Juden, sich als die Herren l-M Lande fühlten, Sir Merriman nimmt sie streng ins Gebet, und der Vertreter der Regierung stellt ihr einen Strafprozeß in Aussicht wegen der Behauptung, englische Offiziere hät-ten ihr Einblick in vertrauliche offizielle Dokumente gewährt. Die Dame schneidet -im Allgemeinen nicht sehr gut ob. Cs wird bekannt-gegeben, daß Oberrabbiner K u k und der Großmuf-tr von- Mitgliedern der Untersuchungskommission in ihren- Wohnungen vernommen werden sollen,, da es nicht angehe, die höchsten religiösen Würdenträger der beiden- Nationenvor die Kommission zu zitieren. Am 30. November werden zweiarabische land- D e r I s r a _ wirk sch aft-lich-e Sachverständige verhört, die beweisensollen, daß die jüdische Arbeit dem Lande Schaden gebracht hätte. Diele Arab-er hätten als Agenten zwi-fchen zionistischen Käufern und den Bod-enbesttzern fungiert. Die Letzteren sind Esfendiis, die zumeist nicht aus Palästina stammen. Dieser Sachverständige, Selim F a r a h, wird dann selbst als solcher Agent -en-Karv-t, der bei einem großen Kauf gegen gute Bezahlung mitgewirkt hat. Fcrrah behauptet, daß seit dem Erwerbe großer Ländereien durch Zionisten in Emek Jsre-el der Steuerertrag aus -diesen Gebie-t-rn gesunken sei. Ein Beweis -der Prod-uktionsv-ermi-n-devung. Daß die früheren arabischen Besitzer reichlich entschädigt wurden und Gelegenheit hatten, sich anderswo anzusiedeln, muß er zugeben. Sie seien aber nicht für denvollen Bodenwert entschädigt worden. Die Beduinen durften früher nach der Ernte jeden beliebigen Boden als Weideplatz benutzen. Mit dieser Traditionwurde seil dem jüdischen Regime gebrochen. Eine jüdische -landwirtschaftliche Schule am Tabor würde aus jüdischem- Gelde von der Regierung gegen den Willen der arabischen Bevölkerung erhalten. Diese Angaben werden von Merriman Wort für Wort widerlegt. In Wahrheit hat sich die Geir-eideproduktion seit Ansiedlung der Juden w-eseEch erhöht. Mit denarabischen- Pächternsei ein Abkommen getroffen worden zur vollsten Zufvi-edenheil der letzteren. Erst -die Jerusalemer Agitatoren brachten Unzusriedenheil in ihre Herzen. Die weitere Untersuchung. Jerusalem- 30. Nov. Gestern wurde wiederum ein von der arabischen- Verteidigung zitierter -englischer Zeuge, Major L e e s vom Ordnungsdienste in Jerusalem, vernommen. Er hat in den unruhigen Tagen im arabischen Viertel Dienst getan und soll aussagen, wie sehr die Araber sich v-or einem „jüdischen Angriff" fürchteten-. Er bezeichnet das Verhalten der Juden als provokatorisch und behauptet, sie hätten den Muezzin, -der die Mo-Äüms zum Gebete rief, überschrieen. Er hatte während der ganzen, Zeit keinen -einzigen Juden gesprochen und dennoch glaubt er, üb-er deren Verhallen aussagen zu können. Er hätte Gelegenheit gehabt, Araber vor Juden zuschützen. Besonders abfälligspricht er von den polnischen- Juden. Er behauptet, daß fein Auto mit Steinenbeworfen wurde und will wissen-, -daß Juden die Stein-werfsr waren. Merriman widerlegt all die Behauptungen des Zeugen und weist nach, daß Major Lees stets Parteifür die Araber zu Ungunsten der Juden nehme. Er habe sich dadurch auch schonden Tadel des Hochkommissars zugezogen.. S. M o o d y, Hilfssekretär der Regierung, bezeugt, daß sich der Großmufti bei der Menge kein Gehör verschaffen konnte. Der andere Hilfssekre-tär, George Antonius, bestätigt dies. Auf B-efragen der jüdischen Berteidigun-gmüssen die Zeugen zugeben, daß große Summen, die für syrische Flüchtlinge gesammelt wurden, für andere Zwecks und zwar für die Westmaueragitat-i-on gegen die Juden, verwendet wurden. Arabische Zeitungen leitetenaus dem Grundsein-e heftige Agita-ti-on gegen den Großmufti ein. Der arabische Verteidiger will von den beiden Zeugen wissen, ob sie die Aeußerung getan hätten, daß die ge-' famte nichtjüdische Welt in Palästina gegen die Juden sei und ob das zutrefse. Der Zeuge sagt, er habe mit Juden in diesem Zusammenhangs nur die Zionisten bezeichnen wollen. Es wird ferner festgestellt, daß der Großmufti 1921, nach den Unruhen, sein Wort gebrochen habe und aus -dem Lande geflohen fe-l, später aber aus Grund einer Amnestie zurückkehren konnte. Das Attentat auf Benkwich vor der Anterfuchungskommifsion. Jerusalem, 27. Nov. Bei Beginn der gestrigen Sitzung sprach der arabische Anwalt Staker sein Kefstes- Bedauern üb-er das Attentat auf Bentwich aus. Er und seine Kollegen seien tief entetzt über diese Untat, unddiearabifche Exekutive habe diesem Gefühl des Abscheus in einem Te-legramm an d-en High Kommissar wie durch eine Abordnung bei Herrn Bentwich im Krankenhaufe Ausdruck gegeben. Eine ähnliche Erklärung gibt der Vertreter der Regierung abder sich der Anwalt der Zionisten mi-t eindrucksvollen Worten cmfüg-t. Darauf erhebt sich der Vorsitzende selbst zu einer Ansprache über den Fall. Diese empörende Tat olle keiner Gemeinschaft undkeiner Körperschaft zur Last fallen, sie sei die Tat eines törichten verhetzten Menschen, di-e die Gerichte ahnden werde. Herr Herbert Bentwich, der Vater des Obr-oftaatsanwalte^, wohnte di-efer Sitzung be-i. Es wird bekannt, daß der Hoch-Kommissär, Gib John Chanoellor., Bentwich im Krankenhaus besucht hat. Erste koüektwbestrafung eines palästinensischen Dorfes. Jerusalem, 24. Nov. Das erste Urteil aus Grund der Verordnung über Kollektivbestrafung in Fällen von Unruhen ist soeben v-erkün-d-st worden. Das arabische Dorf Ashd-od, das gemeinsam mit eis anderen Dörfern in den Unruhe tagen die jüdische Kolonie Beer Towiah angegriffen hatte, wurde zu -einer Buße von 3000 Pfund verurteilt. Das Urteil gegen die anderen Dörfer wird später verkündet werden. Das Jerusalemer Appellationsgericht hak die Strafe gegen zwei Araber aus Haifa, von denen der eine zu sieben, der andere zu fünf Jahren Gefängnis wegen Plünderung in den Unruhetagen verurteilt wurdenauf je zwei Jahre herabgesetzt. 15 Juden aus Del-Awiw, gegen die eine Untersuchung wegen Mordversuches zurzeit der arabischen Angriffe auf das Stadtviertel Newej Sch-aanan geführt wurde, wurden sr-eig-elasten; die Untersuchung wurde wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Nur ein Häusei-gen-- tinner in New-e-j Schaanan-, bei dem zwei Gewehre gefunden wurden-, wurde zu einer Geldbuße von 40 Pfund verurteilt. Neuer arabischer Terror. Jerusalem, 1. Dez. Ein Trupp Araber zu Pferde drang um 11 Uhr abends in das jüdische Viertel von Safed ein, obwohl in Safed noch immer der Straßenverkehr nach 8 Uhr abends verboten ist. Die Arab-er schleuderten Steine in ein Fenster, an dem -ein Jude saß. Der Jude wurde getroffen und schwer verletzti-nsHospital gebrächt. Acht Araber, von denen man, annimmtdcrß sie am Angriff beteiligt gewesen waren, wurdenverhaftet. Eine Abordnung der jüdischen- Gemeinde von Safed ersuchte den in Safed eingetrossenen Kommissar des Norddistrik-ts, die Zahl der in Safed fta-ti-omerten britischen Polizisten-, sowie die Zahl der jüdischen Nachtwächter zu erhöhendamit eine Wiederholungsolcher Angriffe verhindert werde. Der Dist-riktskommissar versprach, diese Forderung in. Erwägung zu ziehen. Cr ließ sodann die arabifchen Not-abeln von Safed zu sich kommen und erklärte ihnen, daß jeder weitere Angrisssv-ersuch strengstens geahndet werden wird. . Drei Araber, die Feuerwafsen aus Transjordanien nach Palästina einschmuggeilten, wurden in der Nähe der jüdischen Kolonie Rosch Pineh bei Safed verhaftet. Weitere neun Todesurteile. Jerusalem, 28. Nov. Das Gericht in Haifa beendete heute die Verhandlung gegen eine größere Zahl Araber aus Safed, die beschuldigt waren, am Tage des Pogroms in Safed d-en Direktor der M-israchi,-Schule Afr-iat und sämtliche Mitglieder seiner Familie abgeschlachtet zu haben. _ Das Gericht verurteilte neun Angeklagte, unter ihnen einen Beamtendes G-efundhei-tsdepartements der Regierung, zum Tode und einen Ang-ekl-agten zu 15 Jahren schweren Kerker. DM der Angeklagtens, unter ihnen ein Lehrer der R-egierungsschule i-n Naz-are-th, wurden wegen Mangels an Beweisen frei-gesprochen. Einer der i-n diesem Mordprozeß Frei-gesprochenen war schonfrüher als eines an-deren Mordes überführt, zum Tode ve-ru-rteiA worden. Luke gehl auf Urlaub. Jerusalem, 2.!De& Der Ch-efsekretär der Palästinaregierung, H. C. Luke, der während der Unruheepoche in Palästina bei- Abwesenheit von Sir John Chanoellor die Geschäfte -des Ob-erkommisfariats geleitet hat, und der vor einigen Tagen von der Untersuchungskommission über Ursache undVerlauf der Unruhe eingehend vernommen wurde, tritt am Mittwoch den 4. Dezember -einen für fünf Monate bevechneten Urlaub an. Bereits von mehreren Wochen hieß es, daß Luke kurz nach feiner Vern-ehmu-ng ' durch die Untersuchungskommission einen liänger-en Urlaub an treten und wahrscheinÄch nach Palästina nicht mehr zurückkehren wird.

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